Aufräumarbeiten in Hebborn

Das Unwetter hat in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis heftige Schäden angerichtet. Entlang der Odenthaler Straße mussten Häuser auf ihre Standfestigkeit geprüft werden, der Strundepark stand mit Geschäften und Gewerbebetrieben komplett unter Wasser, in der ganzen Stadt waren Keller und Tiefgaragen überflutet. Menschen kamen in der Stadt offenbar nicht zu Schaden, aber in Rösrath gab es ein Todesopfer. Inzwischen gibt der Krisenstab Entwarnung, aber für eine Bilanz ist es noch zu früh.

Am Donnerstagnachmittag gab die Feuerwehr eine ersten Entwarnung ab: „Die Einsätze werden jetzt signifikant weniger“, sagte Feuerwehrchef Jörg Köhler. Zudem stellte der städtische Krisenstab seine Arbeit ein.

Die Feuerwehr hatte laut Köhler mehrere hundert Hilfersuchen erhalten, von waren am Donnerstagnachmittag noch 20 offen. Die Feuerwehr, die mit allen zur Verfügung stehenden Kräften im Dauereinsatz war, sollen nach Einbruch der Dunkelheit eine Pause einlegen und sich aussuchen – alle restlichen Arbeiten sollen am Freitag abgearbeitet werden.

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In Bergisch Gladbach wurden bislang keine Personenschäden gemeldet. Dagegen ist in Rösrath offenbar ein 80-jähriger Mann in seinem Keller ertrunken, teilten Polizei und Feuerwehr mit, berichtet der Kölner Stadtanzeiger.

In allen Kommunen des Kreises war die Lage zeitweise dramatisch. „Ein Unwetter-Ereignis solchen Ausmaßes hat es in meiner 50-jährigen Dienstzeit als Feuerwehrmann im Rheinisch-Bergischen Kreis noch nicht gegeben“, sagte Kreisbrandmeister Wolfgang Weiden.

An der Odenthaler Straße wurde bei einigen Häusern eine Einsturzgefahr befürchtet; nach der Überprüfung der Standfestigkeit seien sie inzwischen wieder an die Bewohner zurück gegeben worden, so die Feuerwehr. An der Straße selbst habe es keine Schäden gegeben; sie wurde nach der Beseitigung der Schlammmassen und nach der Kontrolle wieder frei gegeben.

Die Bewohner waren zum Teil evakuiert worden und hatten die Nacht im Schulzentrum Kleefeld verbracht.

Oberhalb der Kreuzung Odenthaler / Alter Wipperfürther Straße war der Hebborner Bach aus dem Bachbett getreten; die Wassermassen waren nicht in das dortige Regenrückhaltebecken gelaufen, sondern hatten die Grundstücke und die Straße bergab bis in die Stadtmitte geflutet. Die Ampelanlage an der Kreuzung ist nach wie vor nicht in Funktion.

Hohe Schäden im Strundepark

Besonders schwer betroffen ist der Strundepark (Locher Mühle), hier stand das Wasser zum Teil bis zu einem Meter hoch. Einige der Geschäfte, berichtet die Feuerwehr, würden bereits wieder öffnen. Über massive Schäden in fünfstelliger Höhe klagt auch die Back Company, die im Strundepark mit Bäckerei und Café vertreten ist.

Starke Überschwemmungen hatte es auch am Vollmühlenweg, an der Gierather Straße und am Lerbach gegeben. Am Lerbacher Weg war ein Fußweg zum Teil weggespült worden.

In Diepeschrath, in Katterbach und im Forumpark waren Bäume umgestürzt, die durch den Bauhof und StadtGrün weggeräumt wurden.

Das Papiermuseum Alte Dombach wurde zum Teil überschwemmt; die Dauerausstellung kann daher vorerst nicht besucht werden. Die Sonderausstellung „Von der Rolle. Klopapiergeschichten“ könne jedoch ohne Einschränkungen besichtigt werden, teilte der LVR mit.

Im Strundetal und im Stadtgarten in Bensberg sind Fußwege weiterhin gesperrt.

Die städtischen Gebäude haben nach Angaben der Stadtverwaltung die Fluten relativ gut überstanden. Zwei Turnhallen und ein Anbau hatten einen Wassereinbruch, mehrere Grundschulkeller müssten entwässert werden.

Bürgermeister lobt Solidargemeinschaft

Das Klärwerk hatte zwischenzeitlich abgeschaltet werden müssen, arbeitet nun aber wieder. Der Schadensumfang werde zurzeit erfasst, es dauere aber voraussichtlich mehrere Tage, bis die volle Klärleistung wieder erreicht werde. Die zuständigen Umweltbehörden seien informiert. Auch die Außenstationen seien in Betrieb, an den Regenrückhaltebecken seien keine Schäden eingetreten.

Überall in der Stadt machten sich die Bürger:innen am Donnerstag an die Aufräumarbeiten, in vielen Fällen in Gemeinschaftsaktionen. Bürgermeister Frank Stein, der sich in der Nacht vor Ort ein Bild gemacht hatte, lobte die Solidargemeinschaft und bot Hilfe an: „Die Betroffenen helfen sich an vielen Stellen selber, dem gebührt große Anerkennung! Wo Hilfe trotzdem dringend erforderlich ist, werden die städtischen Stellen soweit es geht helfen.“ 

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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6 Kommentare

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  1. Ich verstehe auch nicht, warum der Abfluss aus dem neuen Rückhaltebecken am Rodemich nicht stärker reguliert wurde. Damit hätten sich doch die Überschwemmungen im Bereich Gierather Str. und am Dännekamp bis hin zum Schlodderdicher Weg verhindern lassen müssen. Und es hat einige ganz böse getroffen. Für unseren Bereich hat das Rückhaltebecken nichts gebracht, außer viel Wasser im Keller und Garten!
    Wofür ist das Becken da?

  2. Hallo Kim van Keulen,
    ich vertrete voll und ganz Ihre Auffassung. Und letztendlich kann ein jeder auch etwas tun um solche Hochwasser zu verhindern.
    Eine Zysterne im Garten verbauen als Regenwassersammler, das Dach begrünen, die Einfahrt nicht zupflastern.

    Und in der Schweiz – da halte ich mich immer wieder mal auf – wird mittlerweile in hochwassergefährdeten Gebieten der KFZ-Stellplatz offen unter das Haus gebaut und die Wohnräume darüber. Evtl wird noch ein Keller errichtet, der dann aber auch schnell ausgeräumt werden kann und nicht vollgestellt ist.

  3. Siegward Kleint, wenn ich Sie recht verstehe, ist aufgrund der von Ihnen beschriebenen Vorfälle (viermal seit 1983) bereits seit langem bekannt, daß Herrenstrunden hochwasser- oder regengefährdet ist. Dann erscheint es kaum nachvollziehbar, daß Menschen dort wohnen bleiben und sich sogar neu ansiedeln. Freilich: Die Schuld auf „die Politiker“ zu schieben, ist deutlich einfacher…

    (Vermutlich löst meine Anmerkung einen Shitstorm aus; ich hoffe dennoch auch auf ein paar reflektierte Menschen.)

  4. Das letzte Unwetter hat gezeigt dass das Hochwasser-Schutz-Konzept der Stadt versagt hat.Die bisher immer betroffenen Bereiche, von Herrenstrunden bis zur Odenthaler Straße, gehören erneut zu den am stärksten betroffenen. Hier hat die Politik, beim Strunde hoch 4 Projekt, mal wieder nicht auf die Bürger/Anwohner gehört.

    Es wurde lediglich, damals, gesagt „Das Konzept reicht nur bis (Strundeaufwärts) zur Odenthaler Straße und wird die Stadt sicherer machen“.

    Schon zu Beginn des Strunde hoch 4 Projektes wurde darauf hingewiesen das Konzept zumindest bis hinter die Eulenburg auszuweiten, da dort ein natürliches Überflutungsgebiet liegt.

    Es ist müßig und hat die Bürger, seit 1983, nun zum vierten Mal hart getroffen und Existenzen an den Rand des Ruins getrieben.

    Wann BITTE steigen die Politiker mal wieder von ihren hohen Hockern und haben ihr Ohr wieder nah am Bürger?

  5. Ich verstehe ja nicht, warum der Abfluss aus dem neuen Rückhaltebecken am Rodemich nicht stärker reguliert wurde. Damit hätten sich doch die Überschwemmungen im Bereich Gierather Str. und am Dännekamp bis hin zum Schlodderdicher Weg verhindern lassen müssen.
    Wofür sonst ist das Becken da?