Der Strundepark war vollkommen überschwemmt, das Wasser hinterließ Tonnen von Schlamm. Foto: Thomas Merkenich

Gegen sintflutartige Regenfälle wie in der vergangenen Woche kann es nach Einschätzung von Bürgermeister Frank Stein keinen vollständigen Schutz geben. Für „stärkere Regenereignisse“ sei Bergisch Gladbachs Hochwasserschutz-System jedoch gut gerüstet, es sei durch die Flutwelle auch nicht beschädigt worden. Dennoch bleiben Fragen offen.

Nach den massiven Überschwemmungen in der vergangenen Woche in vielen Stadtteilen Bergisch Gladbachs tritt die Stadtverwaltung der Kritik entgegen, das Hochwassersystem der Stadt habe versagt, die viele Millionen Euro teuren Investitionen im Rahmen von „Strunde hoch vier“ hätten nichts gebracht.

Grundsätzlich, so Bürgermeister Frank Stein, sei die Kanalisation leistungsfähig, doch gegen Regenmassen in dem jetzt erlebten Ausmaß könne „kein von Menschen gemachter Schutz ausreichen“.

Odenthaler Straße: Rückhaltebecken nicht für Flut verantwortlich

Deutlich wird das am Beispiel der Überflutungen entlang der Odenthaler Straße. Hier sei nicht etwa eine fehlerhafte Funktion des städtischen Hochwasserrückhaltebecken an der B 506 verantwortlich, hatte Stein bereits am Sonntag erläutert.

Sondern die schiere Wassermasse und der Bruch des Bachbetts des Hebborner Bachs oberhalb des Beckens: „Das Wasser hatte also gar keine Gelegenheit, das Becken überhaupt zu erreichen. Vielmehr ist die Flutwelle durch ein von den Wassermassen geschaffenes neues Bachbett am Becken vorbei zu Tal gerast,“ sagte Stein. 

Daher zieht der Bürgermeister folgende Fazit: „Gegen Wassermassen, wie sie am Mittwoch in mit nie dagewesener Dimension aufgetreten sind, wird kein von Menschen gemachter Schutz jemals ausreichen. Umso wichtiger ist es, unsere Maßnahmen zur Beherrschung der Folgen des Klimawandels weiter zu schärfen und das, was menschenmöglich ist, zu realisieren. Wir werden und müssen die Geschehnisse vom Mittwoch gründlich analysieren. Absoluten Schutz aber wird es leider niemals geben können.“

Ohne Sorge in Urlaub fahren?

Die Sorgen der Bürger:innen, ob sie zum Beispiel nun gefahrlos in Urlaub fahren können, oder ob sie ausreichend geschützt sind, wolle er nehmen, sagt der Bürgermeister: „Die städtischen Kanäle und Rückhaltungen sind so konzipiert, dass sie nicht nur normale, sondern auch durchaus stärkere Regenereignisse problemlos verkraften können.“

Was genau „stärkere Regenereignisse“ sind, und ab welchen Niederschlagsmengen erneute Überschwemmungen drohen, lässt Stein jedoch offen.

Auch Frank Haag, stellvertretender Wehrleiter der Bergisch Gladbacher Feuerwehr, lobt das Abwassersystem, bleibt aber unkonkret: „Es war erstaunlich zu beobachten, wie schnell nach dem Regen an vielen Stellen das Wasser durch die Kanäle wieder abgeflossen ist, auf den Straßen oder auch in manchen Tiefgaragen. Das zeigt, dass in die städtischen Leitungen eine Menge Abwasser hinein- und hindurchpasst.“

Was hat „Strunde hoch vier“ gebracht?

Auf Fragen zum millionenschweren Hochwasserschutz-Programm „Strunde hoch vier“ geht die Stadtverwaltung nicht ein. Bekannt ist, dass diese Maßnahmen, für die vor allem in der Innenstadt gewaltige Röhren verlegt worden waren, erst dann voll greift, wenn das ausgebaute Bergisch Gladbacher Netz an den Rechtsrheinischen Kölner Randkanal angeschlossen wird. Das wird noch einige Jahre dauern.

Ob dieser Umstand zu den Überschwemmung der vergangenen Woche – zum Beispiel im Strundepark – beigetragen hat, ist ungeklärt.

Hinweis der Redaktion: Eine Übersicht aller Hilfsangebote und die Details zum Spendenkonto für die Flutopfer finden Sie hier.

Klärwerk läuft wieder an

Bei der Überflutung war auch das städtische Klärwerk beschädigt worden; die Reparaturen laufen derzeit, teilte die Stadt mit. Die Klärleistung sei nach wie vor eingeschränkt, aber nicht umweltgefährdend. Werksleiter Martin Wagner vom städtischen Abwasserwerk erklärt: „Die Aufsichtsbehörden sind informiert und waren auch vor Ort. Die Werte sind bereits jetzt wieder im zulässigen Rahmen.“ Eine Einschränkung der Einleitung sei nicht erforderlich.

Trinkwasser nicht beeinträchtigt

Die Belkaw bekräftigt, dass die Trinkwasserqualität nicht beeinträchtigt ist. Abwasser- und Trinkwassersysteme seien ohnehin voneinander getrennt, „so dass die Gefahr von Verschmutzungen gering ist“, erläutert Wagner.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. „Hochwasserschutz System gut gerüstet“, welcher Zynismus angesichts hunderter vollgelaufener Keller und Wohnungen. Es sollen wohl jetzt schon Schlaftabletten verteilt werden für ein „weiter so“ (immer neue Bebauungen usw). Notwendig ist vielmehr eine Schwachstellenanalyse und deren Behebung. Die Bachdurchlässe an ganz vielen Stellen sind ja offensichtlich für heutige Regenmengen zu klein dimensioniert, von den Bachkapazitäten ganz zu schweigen. Bürgermeister Stein trat mal als HOFFNUNGSTRÄGER an. Unsere Kinder und Enkel werden es schon „ausbaden“.

  2. Ja, es ist richtig. Das Wasser wurde sehr schnell vom Kanalnetz aufgenommen.
    Das hilft aber nicht den Menschen die Strunde aufwärts, von der Odenthaler Straße gesehen, wohnen.
    Dieser Bereich wurde nicht in das Hochwasser Schutz Konzept eingebunden, obwohl von dort aus, bei Starkregen, immer die Überschwemmung kam.
    Nach meiner Meinung müsste ein Hochwasser Schutz Konzept bereits ab Herrenstrunden geplant werden.
    Sonst werden die Bereiche immer wieder stark getroffen werden.