Bis März 2023 sollen alle städtischen Schulgebäude ans Glasfasernetz angeschlossen sein. Nutzbar wird das schnelle Internet in den Klassenräumen aber zum Teil erst wesentlich später. Nach Angaben der Stadt sollen die städtischen Schulen spätestens „im Laufe des Jahres 2024″ mit LAN/WLAN erschlossen sein.

Schlechte Nachrichten für die Digitalisierung der Schulen: Im schlimmsten Falle stehen schnelle Breitbandanschlüsse erst in rund drei Jahren in den Klassenzimmern bereit. Dies geht aus einer Stellungnahme der Stadt gegenüber dem Bürgerportal hervor.

Zum Hintergrund: Der Kreis hatte die „prioritäre“ Glasfasererschließung der städtischen Schulen bis März 2023 angekündigt. Um die Breitbanddienste via Glasfaser überhaupt nutzen zu können, müssen die Schulen indes mit LAN-Anschlüssen bzw. WLAN ausgestattet werden. Nur so kommt das Highspeed-Internet in die Klassenzimmer.

Nur zwei Schulen mit WLAN

Von den 35 städtischen Schulen sind bislang jedoch nur die beiden Otto-Hahn-Schulen entsprechend ausgestattet. „Die Otto-Hahn-Schulen verfügen nach der Generalsanierung über eine WLAN-Ausleuchtung und digitale Ausstattung und bilden den Standard für die weiteren städtischen Schulen und die Berufskollegs des Berufsschulverbandes ab“, erklärt ein Sprecher der Stadt dem Bürgerportal.

Mit anderen Worten: In allen anderen Schulen fehlt die LAN/WLAN-Infrastruktur, um über Glasfaser mit Highspeed im Internet zu surfen, Videokonferenzen abzuhalten, Home Schooling durchzuführen etc.

Diese Schulen werden erst nach und nach erschlossen, und es dauert länger als der Aufbau des Glasfasernetzes: „Alle weiteren städtischen Schulen werden sukzessive ebenfalls ausgeleuchtet und voraussichtlich spätestens im Lauf des Jahres 2024 erschlossen sein“, heißt es dazu bei der Stadt, die keine konkreten Termine für einzelne Schulen nennt.

Nur an den Otto-Hahn-Schulen (im Bild: OHG) ist die digitale Infrastruktur bereits auf Stand, Foto: Thomas Merkenich

Kein einheitliches Vorgehen

Das bedeutet im worst case: Am Schulgebäude liegt eine Glasfaserleitung an, wegen fehlender Infrastruktur innerhalb des Gebäudes kann sie aber nicht genutzt werden.

Sinnvoll wäre es daher, den Glasfaserausbau mit der LAN-/WLAN-Erschließung zu synchronisieren, aber: „Eine Orientierung an den Arbeiten der Telekom zum Glasfaserausbau ist hierbei nicht möglich, weil diese nur kurzfristig terminiert werden“, so der Sprecher.

Welche Datenraten die Schulen künftig über die Glasfaseranschlüsse nutzen können ist noch nicht klar. Diese hängen von den gewählten Providern ab, und die Verträge schließt die Stadt: „Die Schulverwaltung und der Berufsschulverband werden die Verträge nach sorgfältigem Vergleich schulspezifisch mit den Providern schließen und die Kosten übernehmen.“

Die Zugangspunkte (Access-Points) würden nicht durch den Provider gestellt, sondern durch den Schulträger ausgewählt und finanziert, heißt es weiter. Die Betreuung und Wartung erfolge im Rahmen des Second-Level-Supportvertrags derzeit durch Netcologne.

Fünf Millionen Euro

Billig wird die Ausleuchtung der Schulen nicht: „Das städtische Budget für die Schuldigitalisierung, die von baulichen Maßnahmen in den Schulen bis zu digitalen Endgeräten reicht, umfasst über fünf Millionen Euro einschließlich eines erheblichen Förderanteils im Rahmen des Digitalpakts Schule.“

Ob die LAN/WLAN-Ertüchtigung einzelnen Schulen vor Ort rund laufen wird, ist eine weitere Frage. Die Baumaßnahmen hängen zum Beispiel mit dem Feuerschutz zusammen und könnten zusätzliche Kosten verursachen, erklärt das Berufskolleg BKSB.

„Verzögerungen entstehen sicherlich auch durch die Rücksichtnahme auf den Schulbetrieb und die Durchführung lärmintensiver Arbeiten außerhalb der Unterrichtszeiten“, ergänzt die Stadt.

Fazit: Glasfaseranschluss bis spätestens März 2023. Ausleuchtung der Schulen spätestens im Laufe des Jahres 2024. Kein synchrones Vorgehen zwischen Stadt und der Telekom, die das Glasfasernetz baut. Und keine konkreten Termine, wann einzelne Schulen ans Glasfasernetz gehen oder mit LAN bzw WLAN ausgeleuchtet werden.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. Haha! Dann könnten die Lehrer ja vielleicht auch ihre Dienstgeräte, die entgegen der Landesverordnung OHNE Adapter für das Schulnetzwerk und OHNE schulspezifische Software (mit Ausnahme von Office365, das womöglich wegen Datenschutzproblemen wieder abgeschafft werden muss) auch wirklich nutzen.
    Was läuft da so schief und warum in GL, nicht bei in den Nachbarkommunen?

  2. Vor etwa 18 Monaten wurden durch Corona alle Schulen überraschend kurzfristig zu monatelangem Onlineunterricht gezwungen, der vorher bereits bestehende Bedarf an Breitbandanschlüssen wurde offensichtlich. Viele Behelfslösungen wurden inzwischen gefunden, um mit dem veralteten Stand der vorhandenen Technik auch ohne ausreichenden Internetzugang der Schulen das Bestmögliche in Sachen „Digitale Schule“ zu ermöglichen.
    Jetzt dauert es noch weitere 18 Monate, bis 2023(!) endlich die dringend benötigten schnellen Internetanschlüsse der Schulgebäude realisiert werden. Das sollte nun mehr als ausreichend Zeit sein, um jetzt die nötigen schulinternen Netzwerkarbeiten für die Anschlüsse aller Klassenräume zu planen, zu beauftragen und tatsächlich auch zu realisieren. Voraussetzung wäre natürlich, dass bei den Zuständigen in Verwaltung und Politik die Themen „Digitalisierung“ und „Bildung“ tatsächlich so im Vordergrund stehen, wie das im aktuellen Wahlkampf gerne behauptet wurde.
    Auch wenn Brandschutzbestimmungen und der allgemeine Sanierungsstau an Schulen die schnelle Umsetzung erschweren mögen: Wenn Bergisch Gladbach es ernst meint mit guter Bildung und vernünftiger Schuldigitalisierung, dann darf die LAN/WLAN-Ertüchtigung nicht erst irgendwann 2024 kommen. Diese notwendigen Arbeiten müssen spätestens Anfang 2023 abgeschlossen sein, wenn die Schulen endlich den lang erwarteten Glasfaseranschluss erhalten.

  3. Vielleicht sollten die Schüler am Fridays for Future auch mal für schnelles Internet an Ihren Schulen demonstrieren!?! Oder mal nen Brief an die Spitzenpolitiker aus dem RBK schicken, vielleicht können die ja hierbei mal intervenieren??
    Wenn Bergisch Gladbach so weiter macht, ist das digitale Zeitalter rum bevor die letzte Schule Internet hat.