Die Abrahams Herberge In Beit Jala. Hier waren schon viele Besucher aus der Partnerstadt Bergisch Gladbach zu Gast.

Bei einer Lesung im Rahmen des Kultursommers haben sich Autor:innen des Wort & Kunst e.V. mit dem „Heiligen Land“ befasst. Sie alle waren in der palästinensischen Partnerstadt Beit Jala zu Besuch gewesen – und gaben ihre Eindrücke jetzt in Form von Lyrik, Prosa und Essays wieder.

Legionen von Schriftstellern haben das „Heilige Land“ bereist und ihre Eindrücke aufgeschrieben. Von Wissbegierde bis Faszination reicht ihre Motivation, sich ein Bild zu machen und davon zu erzählen.

So erging es auch einigen Autorinnen und Autoren von Wort & Kunst e.V.. Sie alle haben schon mindestens eine Begegnungsreise mit dem Städtepartnerschaftsverein nach Beit Jala unternommen. Und alle haben die Losung beherzigt „Kommt her und schaut“, um jetzt im Kultursommer an der Strunde die zweite Stufe zu zünden: „Nun geht und erzählt.“

Genau das taten die Vortragenden mit Texten aus und über Beit Jala im stimmungsvollen Innenhof der Gnadenkirche: Petra Christine Schiefer, Gisela Becker-Berens, Günter Helmig und Heinz-D. Haun, allesamt Mitglieder beider Vereine.

Haun begrüßte die zahlreichen Besucherinnen und Besucher im Namen des Partnerschaftsvereins, der aktuell sein zehnjähriges Jubiläum feiert. Schon ging es los mit einem reichen Fundus an Lyrik, Prosa, Essays und Reiseberichten, den wohl so mancher Gast des Abends der kleinen Stadt zwischen Bethlehem und Jerusalem kaum zugetraut hat.

Autorinnen und Autoren von Wort & Kunst e.V.: Petra Christine Schiefer, Günter Helmig, Gisela Becker-Berens, Heinz-D. Haun

Hört die Signale!

Den Anfang machte Petra Christine Schiefer mit ihrem Gedicht „Völkerverständigung“, einer Bilanz zerstörerischer Rechthaberei, die zwischen Dauerfeuer und Friedhofsruhe keine Friedenssignale zu hören vermag: Salam, schalom!  

Die Autorin las mehrere Ausschnitte aus dem Tagebuch zur Begegnungsreise 2019 von Claudia Warter-Neuhann, etwa zur Ankunft in Abrahams Herberge, zur Trennmauer und zum Bergisch Gladbach-Square an der legendären Marienquelle in Beit Jala.  

Friedensinitiativen aus Beit Jala 

Gisela Becker-Berens trug eigene Gedichte vor und zitierte Amüsant-Nachdenkliches aus dem Blog „Nachrichten aus der frei erfundenen Wirklichkeit“.

Günter Helmig schilderte seine Eindrücke von der Wanderung durch das Wadi Makhrour in den Nachbarort Battir. Er bewegte sich „Auf den Spuren der Byzantiner“ und fesselte mit seinen präzisen Beobachtungen in der geschichtsträchtigen Landschaft mit den Unesco-geschützten Obst- und Gemüseterrassen und dem antiken Römerbad.

In seiner Moderation erinnerte Heinz-D. Haun an die zahlreichen gemeinsamen palästinensisch-israelischen Friedensinitiativen, die von Beit Jala ausgingen. Über eine davon, „Zwei Völker – eine Heimat“, berichtet der ebenfalls zitierte israelische Journalist Nir Baram in seinem Buch „Im Land der Verzweiflung“. 

Die Trennmauer in Beit Jala

Junge Lyrik 

Berührendes Ausdrucksvermögen sprach aus den immer wieder eingestreuten Gedichten junger Beit Jalis, die in Bergisch Gladbach auf dem Lyrikpfad zu lesen waren. Beispielhaft die Hymne des 17-jährigen Jalil Al-Sayeh auf seine Heimatstadt:   

Ihr fragt wo sie ist diese Stadt Beit Jala 
Ihr seht sie in ihren schönen Frauen 
ihren Mähnen und schwarzen Augen.
Sie ist im Läuten der Glocken und im Ruf des Muezzin
Sie ist in der Liebe ihrer Menschen zueinander 
Ihr seht sie in ihren Söhnen und Töchtern
die Bücher lesen
im Zwitschern der Vögel am frühen Morgen 
Sie ist in den Herzen und in allen Zeiten
Sie wird immer sein. 

Vorfreude auf ein Wiedersehen 

Titelgebend für die Veranstaltung „Beit Jala – Der Grasteppich im Heiligen Land“ war übrigens die freie Übersetzung des Ortsnamens. Dieser Teppich steht für das fruchtbare Naturgrün, das Beit Jala einst umgab, weckt aber auch Assoziationen an das phantastische Flugobjekt aus Tausendundeiner Nacht.

So war denn der Abend eine wechselvolle Gedankenreise in unsere Partnerstadt, zu ihren Menschen und Geschichten, ihrer Zerrissenheit, Sehnsucht und Hoffnung. Mit palästinensischen Köstlichkeiten und Cremisan-Wein ging die Lesung zu Ende – mit Vorfreude mancher Besucher auf ein Wiedersehen im „Heiligen Land“.  

Mehr Informationen finden Sie auf der Website des Partnerschaftsvereins Bergisch Gladbach-Beit Jala e.V.

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