Die Dechant-Müller-Straße ist nur eine kurze Verbindungsstraße; die dreiwöchige Sperrung hat dennoch große Folgen

Die Stadtverwaltung hofft auf verkehrsarme Ferientage, informiert frühzeitig und baut Schilder auf – und dennoch passiert, was immer passiert: zwei Baustellen in der Innenstadt führen erst zu Irritationen im Verkehr, und gemeinsam mit einem kleinen Unfall, zu erheblichen Behinderungen. Dabei gibt es (weiträumige) Umleitungen.

Zwei Baustellen hatte die Stadtverwaltung zum Wochenbeginn eingerichtet: an der Kreuzung Hauptstraße / Odenthaler Straße fiel die Linksabbiegerspur weg, die Dechant-Müller-Straße ist gesperrt. Damit wird das ohnehin fragile Straßennetz in der Innenstadt kräftig belastet, in den Stoßzeiten bilden sich lange Staus. Am Mittwoch, immerhin bereits der dritte Tag, bessert die Stadtverwaltung die Beschilderung etwas nach, Auswirkungen hat das kaum.

Relativ klar ist die Lage an der oberen Hauptstraße, vor dem Waatsack. Wer in die Odenthaler Straße abbiegen will kann sich nicht mehr links einordnen, sondern muss sich die rechte Fahrspur mit denen teilen, die geradeaus Richtung Kürten wollen. Per Reißverschlussverfahren in der Theorie kein Problem. In der Praxis entsteht eine große Drängelei, der Stau reicht am Nachmittag bis über den Turbokreisel hinaus zurück.

Großartige Ausweichmöglichkeiten gibt es hier nicht. Nur diejenigen, die Richtung Odenthal aus der Stadt hinaus wollen und ortskundig sind, könnten über die Reuterstraße fahren.

Komplexer die Lage an der Dechant-Müller-Straße. Hier wurde für Bauarbeiten für mindestens drei Wochen lang die Verbindung von der unteren Hauptstraße zur Kalkstraße gesperrt. Stadteinwärts kein großes Problem, die Autofahrer:innen müssen sich hier nur das schmale Stück der unteren Hauptstraße bis zum Driescher Kreisel mit den Radler:innen teilen.

Links ab beim Fressnapf? Keine Chance.

Wer aber von der Stationsstraße oder von der Gohrsmühle kommt und Richtung Refrath oder Köln aus der Stadt heraus will, bekommt rasch ein Problem. Ein großer Teil der Autofahrer:innen übersieht die Hinweisschilder, fährt über die Kalkstraße hinaus und landet in der Kurve am Fressnapf vor einer Straßensperre. Manche merken es sehr spät, bremsen kurz vor der Bake, drehen auf der Kreuzung.

Hier überholen?

Viele entscheiden sich kurzfristig, fahren die Kalkstraße weiter geradeaus – und stehen (ohne weitere Hinweise) an der Tannenbergstraße vor der Entscheidung: rechts über den Bahnübergang, weitab vom eigentlichen Ziel – oder links in die Tannenbergstraße hinein.

Links oder rechts?

Der Strom der Autofahrer versucht es links herum, durch die enge, zugeparkte Anwohnerstraße. Normalerweise ist die Tannenbergstraße eine Sackgasse – doch aufgrund der Baustelle wurde sie am unteren Ende zur Hauptstraße hin geöffnet. Aber, darauf weisen Verbotsschilder eindeutig hin, nur für den Linienverkehr.

Der motorisierte Individualverkehr (MIV) ignoriert das und fährt durch. Man hat auch kaum eine andere Wahl; hier zu wenden würde das Chaos vollenden.

Muss das so laufen? Nein, sagt die Stadtverwaltung auf Anfrage. Zum einen sei frühzeitig informiert worden, im sogenannten „Baustellenticker“, auch das Bürgerportal hatte berichtet. Umleitungen seien rechtzeitig eingerichtet und ausgeschildert worden.

Stimmt das? Ja. An der Schnabelsmühle und an der Stationsstraße steht jeweils ein großes Hinweisschild, das auf die Sperrung aufmerksam macht und auf die Umleitung hinweist. Wahrgenommen werden diese Schilder, zum Teil weit im Vorfeld der eigentlichen Sperrung, offenbar nicht.

Im Driescher Kreisel, morgens ohne, nachmittags mit Schild.

Im Driescher Kreisel, auf der Kalkstraße und an der Tannenbergstraße fehlten weitere Hinweisschilder völlig. Am heutigen Mittwoch wurden zwar einige gelbe U-Schilder zusätzlich aufgestellt, zum Beispiel im Driescher Kreisel. Die meisten MIVsbiegen dennoch ein.

Was tun? Sich im Vorfeld informieren, und die Problembereiche weiträumig umfahren.

In Sachen Kalkstraße / Dechant-Müller-Straße heißt das in der Tat sehr weiträumig: nach Empfehlung der Stadt führt die Umleitung durch den Driescher Kreisel zurück am Zanders-Haupteingang vorbei über die Gohrsmühle zum Turbokreisel, auf die Bensberger Straße, in Heidkamp rechts ab auf die Richard-Zanders-Straße und dann irgendwann auf den Refrather Weg bzw. die Hauptstraße.

Für die bereits „verlorenen“ Verkehrsteilnehmer:innen liefert die Stadt am Mittwoch eine Hilfestellung nach: Wer an der Absperrung an der Dechant-Müller-Straße landet wird nun über die Kalkstraße und dann RECHTS über den Bahnübergang hoch zur Straße Am Stadion geleitet, wo er/sie dann durch den Stadttunnel zurück zum Turbokreisel, Bensberger Straße, Richard-Zanders-Straße geführt wird. Eine halbe Weltreise.

Was nun? Trotz dieser Probleme setzt die Verwaltung auf einen Lern- und Gewöhnungsprozess. Innerhalb weniger Tage, so sei die Erfahrung, hätte sich der Verkehr angepasst und laufe wieder flüssiger.

Der Lastwagen blockiert die Einfahrt in die Stationsstraße. Das hält einen SUV nicht auf.

Am Mittwoch ist davon noch nicht viel zu sehen. Im Nachmittagsverkehr kommt es dann noch zu einem Unfall in der Ausfahrt vom Driescher Kreisel in die Stationsstraße. Mit einem entsprechenden Rückstau, und vielfachen Ausbruchsversuchen über Grünstreifen und Fußgängerwege hinweg.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Hat jemals jemand behauptet, die Verkehrs-Verschlimmbesserer der Stadtverwaltung hätten je geblickt, was vorausschauende Verkehrsführung in einer völlig verplanten Stadt bedeutet ußer ihnen selbst? Nein, das wäre auch zu aufgetragen gewesen. Momentan setzten die verantwortlichen Damen und Herren auf den „Lerneffekt“ der Menschen im Auto und damit auf etwas, was sie selbst scheinbar nicht auf dem Schirm haben. Ist es so schwer, Wochen im Voraus zu planen, wo dem Verkehr helfende Schilder hinmüssen? Der Beginn der Baumaßnahmen, die zu Umleitungen führen, ist mindestens Monate im Voraus bekannt. Oder müssen jetzt wieder neue Stellen besetzt werden, bezahlt vom Geld, das nicht vorhanden ist wie bei anderen Projekten? Die Stadt Bergisch Gladbach scheint sich zur ABM – Kommune zu entwickeln. Wie säht bei so jet immer dä Kölner: „Wer soll dat bezahlen, . . . !“

  2. Die beschriebenen Umleitungen, sei es zurück über den Driescher Kreisel bzw. durch den Tunnel, sind nun wirklich mehr als SCHWACHSINNIG !! Wieder einmal zeigt die Stadt Berg. Gladbach, dass sie immer noch verkehrsplanerisch völlig inkompetent ist !! Was spricht dagegen, den Geamtverkehr auch über die Tannenbergstr. zur Hauptstr. zu führen ?? OK, die Anwohner werden damit stark belastet, aber es wäre doch eine zeitlich beschränkte Maßnahme. Stattdessen zum Turbokreisel zurück, der wie im Artikel beschrieben aufgrund der Baustelle Odenthaler Str. schon zu Rückstau führt, macht doch absolut keinen Sinn !?

  3. ….mal wieder ein Beispiel für „vorraussehende“ Stadt-und Verkehrsplanung ^^
    Sowas passiert, wenn man eine Stadt aufgrund von Geldgeilheit mit Menschen vollpackt und dann nicht weiss wohin mit den Menschen(Wohnungsknappheit)
    und den damit verbundenen Verkehrsbedingungen. Vielen Dank dafür Bergisch Gladbach