Nach dem Ausbau der S-Bahnstrecke durch ein zweites Gleis soll der Schienenverkehr zwischen Bergisch Gladbach und Köln massiv erweitert werden. Der Nahverkehr Rheinland will auf der Strecke zwei ganz neue Linien einsetzen. In den Hauptverkehrszeiten soll dann fast alle fünf Minuten eine Bahn nach Köln fahren. Bis es soweit ist müssen jedoch noch viele Unwägbarkeiten geklärt und viele Millionen verbaut werden.

„Perspektivisch“ werde das S-Bahn-Angebot auf der Strecke zwischen Köln und Bergisch Gladbach deutlich verbessert, teilte jetzt der Nahverkehr Rheinland (NVR) mit. Die künftig zweigleisige Strecke von Gladbach über Dellbrück und Mühlheim zum Kölner Hauptbahnhof soll nach der Fertigstellung von zwei weiteren S-Bahn-Linien befahren werden.

Bereits bekannt war eine Taktverdichtung der S 11 (über Köln und Neuss bis Düsseldorf), die in Zukunft alle zehn statt alle 20 Minuten fahren soll. Um diese Verdopplung des Taktes zu erreichen soll eine neue S 10 eingerichtet werden, die in den Hauptverkehrszeiten von Gladbach bis Köln Worringen fährt.

Darüber hinaus – und das ist neu – soll es eine S 14 geben, die zwischen Gladbach und Köln-Nippes pendelt.

Insgesamt sollen damit in Zukunft (statt bislang drei) neun Züge pro Stunde in Bergisch Gladbach abfahren. Der NVR spricht von einem „annähernden 5-Minuten-Takt“, rein rechnerisch wäre es ein 6,66-Minuten-Takt.

Die Linien im Detail

S 10: Bergisch Gladbach – Köln-Worringen
S 11: Bergisch Gladbach – Düsseldorf
S 14: Bergisch Gladbach – Köln-Nippes

Eine neue Karte des VRS (Stand: Oktober 2021) verzeichnet die beiden neuen Linien bereits.

In der Praxis spielen damit in Zukunft die Fahrpläne in der Hauptverkehrszeit keine Rolle mehr: mit wenigen Minuten Wartezeit kann man jederzeit nach Köln (bzw. aus Köln nach Bergisch Gladbach) fahren – was zu einer deutlichen Aufwertung der Attraktivität der Gladbacher City als Arbeits-, Einkaufs- und Wohnort führt.

Ohnehin verändert sich die Innenstadt in den kommenden Jahren massiv: mit dem Quartier 13 (Steinbüchelgelände) und dem Kalköfen Carré (Cox-Gelände) wachsen gerade ganz neue Wohnviertel heran, auf dem Röttgen-Gelände plant Isotec einen Unternehmens-Campus, das Zanders-Gelände wird komplett neu entwickelt und das Stadthaus ist nun auf der RheinBerg Passage geplant. Alle Projekte befinden sich im direktem Umfeld des Bahnhofs.

Mit unserer interaktiven Panoramatour können Sie die Projekte erkunden. Ein Doppelklick öffnet die Vollansicht.

Der Grund für diese spürbare Verbesserung der Anbindung der kleinen Großstadt Bergisch Gladbach an die große Metropole seien die ambitionierten Klimaschutzziele und das weiter steigende Verkehrsaufkommen. „Nur mit einem sehr attraktiven Angebot auf der Schiene können wir erreichen, dass mehr Menschen dauerhaft vom Auto auf die Bahn umsteigen“, sagt Norbert Reinkober, Geschäftsführer des NVR.

Pendler zum Umstieg auf die Bahn bewegen

2019 pendelten täglich mehr als 14.000 Menschen aus Bergisch Gladbach nach Köln. So viele wie aus keiner anderen Stadt. „Annähernd alle fünf Minuten eine S-Bahn – das sollte für die Pendlerinnen und Pendler im Rheinisch-Bergischen Kreis ein gutes Argument sein, das Auto öfter stehen zu lassen, wenn sie nach Köln fahren,“ hofft Reinkober.

Mögliche werde diese Taktverdichtung erst durch den umfangreichen Ausbau der Strecke zwischen Köln und Bergisch Gladbach. Er werde die Strecke „entscheidend leistungsfähiger machen und die Betriebsqualität auf der verspätungsanfälligen Linie deutlich verbessern“, so der NVR.

Zur Zeit führen Verspätungen dazu, dass S-Bahnen in Dellbrück vorzeitig enden, weil der eingleisige Abschnitt bis Bergisch Gladbach belegt ist. Fahrgäste nach und von Bergisch Gladbach müssen dann weitere 20 Minuten auf die nächste S-Bahn warten. 

Das historische Weichenstellerhäuschen am Bahnübergang Tannenberg Straße
Der Bahnübergang Tannenberg Straße soll nach dem Bau des 2. Gleises ganz geschlossen werden; statt dessen wird die Unterführung Buchholzer Straße ausgebaut und über eine neue Strecke geführt.

Für den Ausbau müssen jedoch neue Gleise (u.a. am Thielenbrucher Moor) verlegt, die Brücken verbreitert oder erneuert und nicht zuletzt der Bergisch Gladbacher Bahnhof selbst um drei weitere Bahnsteigkanten erweitert werden. Details zu den beschlossenen Baumaßnahmen finden Sie in diesem Beitrag.

Das ganze Projekt findet im Rahmen des Ausbaus des Bahnknotens Köln statt, der darüber hinaus eine Erweiterung des Haltepunkts Duckterath, des Bahnhofs Köln Messe/Deutz und des Kölner Hauptbahnhofs um jeweils einen weiteren Bahnsteig vorsieht.

Hintergrund: Aktueller Planungsstand

„Die Vorplanung zum Ausbau der S-Bahn nach Bergisch Gladbach für einen annähernd 5-Minuten-Takt ist abgeschlossen. Grundlage für die weiteren Planungen ist die sogenannte Vorzugsvariante. In sie sind im Rahmen einer frühzeitigen Beteiligung die Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern so weit wie möglich eingeflossen. Die Vorzugsvariante ist allerdings kein unveränderlicher Planungsstand, sondern eine Momentaufnahme, die weiter ergänzt und verfeinert wird, zum Beispiel mit den Ergebnissen von Studien und Detailuntersuchungen. In der folgenden Phase der Entwurfsplanung arbeiten die Fachleute die Pläne weiter aus.“ Quelle: VRS, hier finden Sie weitere Details und können eigene Anregungen abgeben.

Die Planungen und Bürgerbeteiligungen laufen seit Jahren. Einen konkreten Zeitplan gibt es jedoch immer noch nicht. Der nächste große Schritt für den Ausbau der S 11 ist das Planfeststellungsverfahren, das ab April 2022 durchgeführt werden soll. Dazu gehört dann auch wieder eine formelle Bürgerbeteiligung. Und auch Klagen von Betroffenen sind weiterhin möglich.

Angesichts dieser vielen Unwägbarkeiten will sich keiner der Beteiligten festlegen, wann der Bau starten kann. Und schon gar nicht auf ein Fertigstellungsdatum. Einen Fingerzeig gibt der Name, unter dem das ganze Ausbauprogramm beim NVR geführt wird: „Paket 2030+“.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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14 Kommentare

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  1. @ N. kraan: Per international gebräuchlicher Definition ist jede Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern eine Großstadt. Das trifft auf Bergisch Gladbach zu. So einfach ist das.

  2. Ich erwarte noch richtige Probleme, die durch diese Bürgerbeteiligung 2022 entstehen und das Projekt weiter nach hinten verschieben werden.

    Meiner Meinung nach ist das Ding noch lange nicht durch. Bevor sich in GL was tut, wird erstmal am Hbf und in Deutz eine Gleiserweiterung stattfinden müssen. Das dürfte Jahre dauern …

    Die Fünf-Minuten-Taktung ist eine nette Schlagzeile, aber wie bereits treffend geschrieben: es wäre schön hilfreich, wenn die Bahn alle 20 Minuten zuverlässig kommt.

    Finde den Vorschlag, einen schnellbus nach Thielenbruch einzurichten, richtig gut. Wenn dieser alle 10, 15 Minuten fahren würde, könnten die Pendler aus Köln kommend, dort bei einem S11 Ausfall ausweichen und würden nicht so viel Zeit verlieren, wie aktuell.

    Auch sollte man die Planungen, die Linie 17 zu verlängern (Wachendorf-Gelände, Campus GL, Zanders) weiterverfolgen.

  3. Die ganze Taktträumerei hilft nicht, wenn in Köln nicht die Züge schneller durch den HBF kommen. Und im Vergleich zu diesen Maßnahmen ist das zweite Gleis nach GL eher eine kleine.
    Vor dem 5-Minuten-Takt werden wir noch viele Jahre der Baustelle und entsprechende Verzögerungen und Ausfälle erleben. Noch ist alles ruhig und…
    ich finde es hilfreich, schon Zuhause zu wissen, welche Bahn ausfällt oder später kommt.
    Als Alternative könnte man schon mal die Rad-Schnellstrasse nach Dellbrück ausbauen, um sich von dem beliebten Zugwende in K-Dellbrück unabhängiger zu machen.
    P.S. @ Richard K
    welche Großstadt meinen Sie bitte? in dieser Stadt von Groß— zu sprechen, ist schon gewagt.

  4. Mir egal wie es heißen wird. Hauptsache ich komme schnell und zuverlässig zur Arbeit nach Köln, wenn ich in eine S-Bahn nach 07:00 einsteige. Denn ab dann kommt es zu den ersten Verspätungen und Ausfällen.

    Hoffentlich scheitert der Asubau dann nicht an einer seltenen Wühlmaus oder Fledermaus.

  5. Wie gönnerhaft es klingt, wenn ein Ampelmann schreibt, „Immerhin, es geht vorwärts . . . “ Richtig ist, dass der Verkehr von BGs Statdrat und der Verwaltung jahrzehntelang vernachlässigt wurde – auch von SPD geführten Entscheidern. Und was soll der Unsinn mit den Fahrgästen, die Linien verwechseln? „Alle Bahnen sollen die gleiche Strecke haben“, hä???

    In Köln bereitet man sich vor, indem 2 zusätzliche Gleise gebaut werden, in BG sitzt man dringenst notwendige Veränderungen aus.

  6. S-Bahn: Bergisch Gladbach bekommt einen 1-Minuten-Takt mit Direktanbindung zur ISS!
    Diese Meldung ist ein Scherz. Im Ernst, ein funktionierender 20-Minuten Takt wäre ein Gewinn, aber das ist schon utopisch.Die S11 ist atemberaubend unzuverlässig, Bahn und NVR wissen das. In der Stadt hat sich auch herumgesprochen, dass Bergisch Gladbach mehr als schlecht an das Bahnnetz angebunden ist. Ein Ausbau dauert realistisch 10-20 Jahre, so lange soll man am zugigen Gleis wurzeln schlagen?
    Kreative Lösungen: Fehlanzeige. Protest, Engagement der Stadt: Nicht sichtbar.
    GL ist und bleibt eben eine Stadt für SUV-Fahrer und Opas mit Faxanschluss.

  7. Immerhin: Es geht vorwärts, wenn auch quälend langsam.
    Dass dringend mehr Kapazitäten gebraucht werden, ist ja nicht erst seit gestern bekannt – aber das Nadelöhr ist eben nicht in erster Linie die eingleisige Strecke, sondern der überlastete Hauptbahnhof. Ohne zusätzliche Gleise dort ist an einen 5- oder 10-Minuten-Takt nicht zu denken. Jetzt rächt sich, dass der Netzausbau in Jahrzehnten autozentrierter Verkehrspolitik komplett vernachlässigt wurde.

    Ob eine der „neuen“ Linien stattdessen nach Bonn oder Düren (oder Bergheim;-) fahren sollte, ist eine gute Frage. Manchen würde das Umsteigevorgänge ersparen, Andere müssten dann häufiger umsteigen. Allerdings würde es auch dazu führen, dass Fahrgäste die Linien häufig verwechseln und zurückfahren müssen. Vielleicht doch besser, wenn alle Bahnen dieselbe Strecke haben mit verschiedenen Endpunkten.

  8. Es ist einfach nur noch erbärmlich, dass der NVR und die Bahn Jahrzehnte (!) brauchen, um lächerliche 3 km Gleis zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach zu verlegen. Jetzt erzählt man uns wieder wunderschöne Märchen von einem 5-Minuten-Takt und zwei weiteren Linien. Aber wann soll es kommen? Niemand weiß es. Niemand will sich festlegen.

    Sätze wie „Dazu gehört dann auch wieder eine formelle Bürgerbeteiligung. Und auch Klagen von Betroffenen sind weiterhin möglich.“ klingen fast schon wie ein Flehen danach, dass sich eine Bewegung von Bürgern und Umweltschützern finden möge, die das Projekt auf dem Klageweg beenden. Dann hätten die Planer endlich einen Sündenbock, auf den sie erleichtert zeigen könnten, bevor das Projekt begraben wird.

    Ich pendele fast jeden Arbeitstag meines Berufslebens mit der S11 nach Köln und zurück, habe mich mit den Verspätungen, Ausfällen, den vermüllten und überfüllten Zügen herumgeschlagen. Im Jahr 2040 werde ich voraussichtlich in Rente gehen. Ich bin überzeugt, das bis zu meinem letzten Arbeitstag weiterhin nur eine S11 im 20-Minutentakt auf dem eingleisigen Abschnitt fahren wird.

    Es wäre schön, wenn der NVR einen Schnellbus zwischen BGL Busbahnhof, Thielenbruch Stadtbahn und Dellbrück einrichten würde. Dann hätte man wenigstens eine Ausweichmöglichkeit, wenn die S11 wieder einmal aus einem der zahlreichen Gründe Bergisch Gladbach nicht anfährt.

    Denn die Zuverlässigkeit der S11 ist unterirdisch. Im Oktober fielen 9% der Fahrten am Bahnhof Bergisch Gladbach aus – fast jede zehnte Fahrt! Und selbst nach der großzügigen Auslegung der Bahn („pünktlich“, solange unter 6 Minuten Verspätung) waren gerade einmal 72% der S11-Züge pünktlich.

    Die S-Bahnanbindung in Bergisch Gladbach ist ein Dauerärgernis und einer Großstadt einfach unwürdig.

  9. Da orientieren sich m.E. die Planer zu wenig am eigentlichen Bedarf:

    JEDER kann sich damit arrangieren, ob die Bahn alle 5 oder 20 Minuten fährt. Problematisch sind eher Ausfälle, Unpünktlichkeiten und eine fehlende, kostengünstige P&R-Möglichkeit.

    Es gibt ja nicht einmal eine Kiss & Go Zone – wo halte ich denn, ohne den Bussen im Weg zu sein? Unfassbar, wer das „geplant“ hat!

    Was ist mit wirklich (!) gut ausgeleuchteten, überdachten, videoüberwachten Abstellplätzen für e-Bikes und normale Fahrräder? Der aktuelle Stellplatz ist eine absolute Katastrophe und zeigt, dass in der Lokalpolitik kaum jemand täglich Fahrrad oder Öffis fährt.

    Was ist mit besseren, gut getakteten Bussanbindungen, die zügig die Leute aus dem Einzugsgebiet zur S-Bahn bringen können?

    Was ist mit mehr Präsenz von Security-Mitarbeitern in den Abend- und Nachtstunden? Wer will seine Tochter dort nachts alleine ankommen lassen??

    Diese Maßnahmen würden nach und nach ganz sicher mehr Leute weg von den Staus zu den Öffis bringen und wären zudem auch in der Summe deutlich (!!) günstiger – wenn auch eher für die Deutsche Bahn, als für die Stadt GL

    Trotzdem möchte ich einfach mal die Lokalpolitiker anregen, die Dinge mehr zu erleben, über die sie entscheiden, bzw. mehr Kompetenz aus der Praxis aufzubauen – das wäre schön!

  10. So sehr alles zu begrüßen ist, aber warum wird Bergisch Gladbach aber auch alle anderen an der Strecke nicht endlich auch mal mit anderen Städten verbunden? Das wäre jetzt die eine große Chance, es gleich viel besser im Sinne des Klimaschutzes zu planen. So könnten ohne Probleme eine S14 und S17 problemlos zusammen gelegt werden und die S6 und die S10 wechseln ab Hansaring die Strecken. So könnte man z.B. ab Worringen auch mal in einem Rutsch nach Leverkusen.

  11. Und wie soll das gehen? Der Hbf ist bereits jetzt auf Gleis 10/11 so überlastet, dass dauernd was verzögert abfährt und jede der linien mindestens einmal am Tag verspätet kommt oder gar ausfällt.

  12. @Frank Reiländer
    ….dann bitte auch über Bensberg. Auf diese Weise käme man dann auch sicher schneller nach Köln (hoffe doch, daß auch eine vernünftige Taktfrequenz am Abend angedacht ist.) Jetzt fährt die Linie 1 am späteren Abend ja nur im halbstunden Takt.

  13. Auf den ersten Blick ist es die lange notwendige und sehr zubegrüßende Stärkung des ÖPNV. Auf den zweiten Blick ist es eine Mogelpackung, wenn zwei neue Liniennummern auf gleicher Strecke kreiert werden, die auch „S11 kurz“ und „S11 XS“ heißen könnten. Es wäre zu wünschen, dass z. B. mal eine direkte Verbindung nach Bonn entsteht…