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Nur für kurze Zeit: In Refrath hat derzeit die temporäre Produzentengalerie Siebenmorgen ihre Tore geöffnet. Unter dem Titel „Feuer – Steine – Erde – Sand“ zeigen die in Dresden lebenden Künstlerinnen Ursula Güttsches und Ines Westenhöfer Aquarelle, Skulpturen, Plastiken und Sandbilder. Warum nur vorübergehend?

Text: Holger Crump. Fotos: Thomas Merkenich

Ganz einfach: Die Galerie Siebenmorgen Refrath ist eine Pop-up Galerie. Sie existiert nur temporär, in der Straße Siebenmorgen. Nach dem Start Anfang Oktober ist Ende Dezember schon wieder Schluss. Mit der Ausstellung. Und mit der Galerie.

Denn die beiden Künstlerinnen stellen in einem vorübergehend leeren Ladenlokal aus. Hier befand sich vor einigen Monaten noch ein Fitness-Center, der aber dicht gemacht hat. Der nächste Mieter zieht im Frühjahr 2022 in die Räumlichkeiten.

Der vorübergehende Leerstand schafft Raum für kreative Ideen. Wie eben der „temporären Produzentengalerie“. So nennen die Künstlerinnen den momentanen Showroom, den sie selbst aus der Taufe gehoben haben.

Ausstellung in der Heimat

Das Ladenlokal samt Geschäftshaus drumherum gehört der Familie von Ursula Güttsches. Die Künstlerin ist in Refrath aufgewachsen, lebt und arbeitet aber gemeinsam mit Ines Westenhöfer in Dresden. Dort haben sie nicht nur ihre Ateliers. Dort bieten sie auch Symposien zur Bildhauerei an.

„Warum den Freunden in der Heimat nicht mal unsere Kunst zeigen?“ dachten die beiden vor einigen Wochen angesichts der leeren Geschäftsräume. Und flugs war die Idee der Galerie Siebenmorgen geboren.

Nur rund vier Wochen Vorlaufzeit genügten: Für den Bau von Podesten, den Transport der Kunstwerke aus Dresden nach Refrath, den Entwurf der Einladungen sowie das Design der Ausstellung.

Verkauf läuft

Die Resonanz sei gut, heißt es vor Ort, auch wenn man ihnen nicht die Bude einrenne. Und in der Tat zieren schon einige rote Punkte die ausgestellten Werke. Das bedeutet im Galerie-Geschäft „verkauft“. Das erste Werk wechselte bereits fünf Minuten nach Eröffnung der Schau den Besitzer.

Feuer – Steine – Erde – Sand: Ursula Güttsches und Ines Westenhöfer: Skulpturen / Kleinplastik / Steinbilder
Wann: 9. Oktober bis 22. Dezember 2021
Wo: Galerie Siebenmorgen Refrath / Siebenmorgen 18 / 51427 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: mittwochs und samstags 10 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung
Kontakt: Tel. 0172-2949036 oder 01520-4863688

Nicht nur Freunde und Verwandte kommen vorbei, um sich über die künstlerische Arbeit von Güttsches und Westenhöfer zu informieren. Auch Passanten bleiben stehen und lassen den Blick über die Exponate wandern. Die Lage des Lokals mit seiner Pop-up Galerie passt, das sorgt zusätzlich für Aufmerksamkeit.

Vielfalt auf kleinem Raum

Die Ausstellung ist gut konzipiert. Sie bietet einen auf den Punkt gebrachten Einblick in das breit gefächerte Oeuvre der beiden Künstlerinnen. Neben figurativen Skulpturen aus Stein sind Bronzegüsse, Kleinplastiken aus Keramik, abstrakte Steinbilder mit mineralischen Pigmenten und Sand auf Papier sowie eine Serie von Aquarellen zu sehen.

Ursula Güttsches ist u.a. mit Stein-Skulpturen aus Elbsandstein vertreten. „Den finden wir hier quasi vor der Türe“, berichtet sie aus ihrem Atelier in Dresden. Auch Ines Westenhöfer setzt auf das Material, zeigt zusätzlich Arbeiten aus Carrara-Marmor.

Sehenswert sind zudem die Sandbilder von Güttsches, die teils mit Material aus der Sahara entstanden sind. Über den handwerklichen Prozess dahinter schweigt sich die Künstlerin indes aus.

Die Künstlerinnen: Ursula Güttsches stammt aus Refrath und studierte in Düsseldorf und Dresden. Sie arbeitet mit sächsischem Elbsandstein und fertigt Kleinplastiken aus Keramik und Bronze. Außerdem werden in der Galerie Siebenmorgen Papierarbeiten von ihr gezeigt. Als gebürtige Dresdnerin präsentiert Ines Westenhöfer Skulpturen aus Carrara-Marmor und unikate Bronzegüsse. 

Überraschend auch die Bronzegüsse von Ines Westenhöfer. Die Künstlerin ist erst über Umwege zur Kunst gekommen. Die Arbeiten dokumentieren gleichwohl eine ungeheuer reife Gestaltungskraft, eine Lässigkeit im Duktus, die wirklich erstaunt.

Foto: Thomas Merkenich

Mit Titel

Langweilen herkömmliche Werkangaben in Ausstellungen oft mit dem Zusatz „ohne Titel“, so denken Güttsches und Westenhöfer hier ganz anders. Ihre feinsinnigen Titel geben Denkanstöße, sind nie eine verbale Kopie des Gesehenen, sondern liefern eine zusätzliche Ebene. Besucher der Ausstellungen sollten darauf achten.

„Mit den Titeln wollen wir Assoziationen anstoßen“, erklärt Ursula Güttsches, „einen Raum zwischen Werk und Namen aufspannen.“ Früher hätten sie mit Künstlerkolleg:innen regelrechte Titelparties abgehalten, um Namen für ihre Werke zu finden.

Das mag ein wenig verspielt klingen, aber mit ihrer Kunst ist den beiden sehr ernst. So setzen sie diese auch politisch ein, zum Beispiel in Bildhauerprojekten gegen Rechtsextremisums.

Midissage-Wochenende in der Galerie Siebenmorgen Refrath
Freitag, den 19. November 16 bis 19 Uhr
Samstag, den 20. November 10 bis 18 Uhr
Sonntag, den 21. November 15 bis 18 Uhr
Geplant ist ein musikalisches Rahmenprogramm. Die Künstlerinnen sind anwesend.

„Im Länderdreieck Tschechien, Polen, Deutschland haben wir Jugendliche aus den drei Nachbarländern zusammengebracht. Über die Kunst und das gemeinsame Bildhauerprojekt funktionierte das Kennenlernen. Und was man kennt, das lehnt man nicht mehr ab“, ist Güttsches überzeugt.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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