Viel Pflaster, wenig Bäume und einen Trinkwasserbrunnen nur am Bahnhof bietet die Gladbacher Innenstadt. Foto: Archiv

In den nächsten 30 Jahren wird Bergisch Gladbach kaum wachsen, in Rhein-Berg verändert sich die Bevölkerungszahl nur minimal. Aber schon in Kürten sinkt die Zahl, die Kommunen in OberBerg schrumpfen deutlich. Die Überalterung schlägt überall zu, berichtet MdL Rainer Deppe auf Basis neuer Berechnungen. Und die Frauen werden stärker.

Die Zahl der gesamten Bevölkerung im Rheinisch-Bergischen Kreis wird sich nach der neuen Bevölkerungsvorausberechnung* des Landes NRW bis zum Jahr 2050 kaum verändern – doch hinter dieser Stabilität liegen einige wichtige Veränderungen. Daher seien die neuen Zahlen von IT.NRW wichtig für eine vorausschauende Stadtplanung, urteilt der CDU-Landtagsabgeordnete Rainer Deppe in einer Pressemitteilung.

Mit Blick auf Bergisch Gladbach sind drei Entwicklungen interessant:

Erstens wird die Bevölkerungszahl – auch wenn das im Moment ganz anders aussieht – in den nächsten Jahrzehnten in Bergisch Gladbach nicht deutlich steigen. Aktuell weist IT NRW für die Kreisstadt 111.636 Bewohner:innen aus, in 28 Jahren sollen es exakt 236 mehr sein. Zwar wird sich der Zuzug voraussichtlich fortsetzen, aber er muss auch den Sterbeüberschuss ausgleichen.

Zweitens steigt der Anteil der Frauen weiter an. Schon jetzt gibt es in Bergisch Gladbach 4688 mehr Frauen als Männer. In den nächsten drei Jahrzehnten steigt die Differenz laut Vorausberechnung auf 7565 an. Weil die Gesamtzahl der Männer in GL um 770 schrumpft, die der Frauen aber um 1006 steigt – vor allem aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung.

Drittens nimmt der Anteil der älteren Menschen immer weiter zu. Alle Altersklassen bis 65 Jahren schrumpfen im ganzen Rheinisch-Bergischen Kreis, alle Altersklassen über 65 nehmen zu. Besonders auffällig ist das bei den Über-80-Jährigen: im Moment gibt es von ihnen in Bergisch Gladbach 9886, in 30 Jahren werden es laut Vorausberechnung 14.919 sein. Ein Zuwachs von 51 Prozent.

Allerdings: in ganz Rhein-Berg steigt der Anteil der Ü80 um 65 Prozent, in Burscheid sogar um 110 Prozent.

Kürten und Odenthal werden kleiner

Mit Blick auf die Region zeigt sich, dass das Ost-West-Gefälle. Der gesamte Kreis wird laut Berechnung um 2500 Personen oder 0,9 Prozent kleiner werden. Im Oberbergischen Kreis wird der Rückgang demnach 6,3 Prozent betragen.

„Je städtischer geprägt und näher Richtung Rhein, desto geringer wird der erwartbare Bevölkerungsschwund. Je weiter östlich und von den großen Verkehrsachsen entfernt, umso weniger Einwohner werden zu erwarten sein,“ fasst es Deppe zusammen.

Neben Bergisch Gladbach kann sich nur Burscheid auf einen minimalen Zuzug einstellen. In Overath, Rösrath, Wermelskirchen und Leichlingen verändert sich so gut wie nichts. Dagegen wird – wenn die Berechnungen eintreffen – Kürten rund 1000 Personen (5,2 Prozent) verlieren, in Odenthal können es bis zu 800 (5,4 Prozent) sein.

Aus diesen Entwicklungen gilt es nun, die richtigen Schlüsse zu ziehen, fordert Deppe: „Eine vorausschauende Stadtplanung ist enorm wichtig, um die eigene Gemeinde zukunftsfest zu gestalten. Wir müssen unterschiedliche Standortqualitäten erkennen und passgenau weiterentwickeln. Außerdem müssen wir schon jetzt unsere Infrastrukturen auf den massiven demographischen Wandel vorbereiten.“


Fußnote: *Die Bevölkerungsvorausberechnung ist laut IT.NRW keine Prognose, sondern eine jahrgangsweise Fortschreibung der Ausgangsbevölkerung nach Alter und Geschlecht, indem Gestorbene und Fortgezogene vom Anfangsbestand abgezogen sowie Geburten und Zugezogene hinzugezählt werden.

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5 Kommentare

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  1. Selbst wenn man die von Herrn Nuding genannte Zahl zugrundelegt, wäre das ein Bevölkerungsantsiegt von 1,41% von 2011 bis jetzt. Der Zuwachs von 2005 – 2015 betrug auch nur 1,4%. Eine deutliche Steigerung vermag ich in 1,4% im
    10-Jahresrhythmus nicht zu erkennen, auch wenn die Stadt zur Begründung des Flächennutzenplan von Zahlen ausgeht, die weit höher und durch nichts zu belegen sind, nämlich wischen 4,3 und 8 3%. Baumaßnahmen ziehen nicht notwendig ein weiteres Bevölkerungswachstum nach sich. Dazu müsste man weit mehr demographische Daten heranziehen, als reine Bevölkerungsstatistik, zB Bevölkerungsstatistik bundesweit, Anzahl der Haushalte, Gebäude-Abrisse etc.
    Wenn die Prognose von Herrn Deppe zutrifft, muss über den Flächennutzenplan komplett neu beraten werden. In dem Zusammenhang hatte ich schon dargelegt, dass die Stadt von einem Wachstum ausgeht, das auf keiner Grundlage beruht.

  2. Die Prognose „Einwohnerzahl in Bergisch Gladbach wird in den nächsten 30 Jahren kaum wachsen“ widerspricht doch total den Annahmen für den Flächennutzungsplan für Bergisch Gladbach. Dort ging man von einem Anstieg aus.

  3. Die genannten Zahlen für Bergisch Gladbach sind nicht korrekt.

    Die Statistik der Stadt Bergisch Gladbach weist zum 31.12.21 113.212 Einwohner aus und nicht 111.636.

    Die Einwohnerzahl von Bergisch Gladbach ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Durch die neuen Wohngebiete wie Quartier 13, Kalköfen und später Wachendorff, Köttgen und als großer Fisch das Zandersgelände wird die Einwohnerzahl noch einmal deutlich zunehmen.

    Aber wie viele Einwohner „verträgt“ unsere Stadt? In vielen Bereichen steht der Verkehr jetzt schon während der Spitzenzeiten kurz vor dem Kollaps. Immer mehr Grünflächen verschwinden und werden versiegelt mit negativen Folgen für unser Stadtklima.

    Und dann sind da noch die Flächen des FNP. Selbst die umstrittenen „weißen“ Flächen sind noch nicht vom Tisch.
    Es sollte sich langsam die Erkenntnis durchsetzen, dass Wachstum um jeden Preis keine vernünftige Option ist.

    1. Sehr geehrter Herr Nuding, die Zahlen sind schon korrekt, allerdings handelt es sich hier um die Zahlen des Landesamtes für Statistik, und die werden anders berechnet als Daten der Stadtverwaltung selbst, daher gibt es Abweichungen.

      Die Stadtverwaltung erläutert das wie folgt:

      „Kommunalstatistische Daten zum Bevölkerungsstand basieren auf dem Melderegister der Stadt Bergisch Gladbach und bilden somit stichtagsgenaue Datenbestände ab.

      Landesstatistische Daten vom Landesstatistikamt IT.NRW basieren in der Regel auf Hochrechnungen von Zensus-Daten (zuletzt erhoben im Jahr 2011, erneute Erhebung im Jahr 2022).

      Durch diese unterschiedlichen Datengrundlagen und -aufbereitungen ergeben sich stets größere Differenzen zwischen kommunalstatistischen und landesstatistischen Daten, vor allem bei Bevölkerungsdaten. Die verlässlicheren und genaueren Daten sind hier die kommunalstatistischen Daten, da diese ein unmittelbarer Melderegisterauszug zum gewählten Stichtag sind.“

      1. Aber es gibt doch keinen Zweifel, dass die Daten des Melderegisters von 2021 korrekt sind und nicht die Hochrechnungen des IT:NRW auf Basis von Daten, die aus dem Jahr 2011(!) stammen.

        Das schreibt ja auch die Stadtverwaltung.

        Im Artikel haben sie die Zahlen von IT:NRW korrekt zitiert, dadurch werden die Zahlen aber nicht korrekt.

        Nach den Daten des Melderegisters gibt es bereits seit Jahren keinen Zweifel an einem Bevölkerungswachstum in Bergisch Gladbach. Das entspricht ja auch der regen Bautätigkeit.

        Herr Deppe will ja aus den Daten die „richtigen Schlüsse“ ziehen. Das kann er aber nicht, wenn die Daten nicht korrekt sind.