Wie viele Schülerinnen und Schüler gehen im kommenden Schuljahr in Bergisch Gladbach zur Schule? Welche Schule hat noch freie Plätze? Und wie viele Flüchtlingskinder werden wo beschult? Einfache Fragen, Antworten zu erhalten ist jedoch schwierig. Das Bürgerportal klärt auf, soweit das möglich ist.

Die gute Nachricht von der Stadt Bergisch Gladbach vorneweg: Grundsätzlich sei es nach Kenntnisstand der Schulverwaltung möglich, für das Schuljahr 2022/23 alle Schülerinnen und Schüler in den von ihnen gewünschten Schulformen unterzubringen, sagt ein Sprecher auf Anfrage des Bürgerportals.

Der Teufel liegt da aber schon im Detail: Schulform ist nicht gleichbedeutend mit der Wunschschule. Damit zu den einzelnen Zahlen, die eine Momentaufnahme liefern.

Grundschulen

Wie viele Schüler:innen sich tatsächlich bei welcher Schule oder Schulform angemeldet haben, ist nicht genau oder nur schwer zu ermitteln: Die meisten Zahlen seien nur bei den einzelnen Schulen selbst verfügbar, so ein Sprecher der Stadt. Genauere Daten würden in der Verwaltung erst zu den Sommerferien, nach Abschluss der Einschulungsverfahren vorliegen.

Immerhin: Für die Grundschulen gibt es im Ratsinformationssystem der Stadt eine Übersicht, wenn auch aus Ende Februar 2022. Demnach rücken nach den Sommerferien 1.020 neue Schüler:innen an den 20 Grundschulen in der Stadt ein.

Die Zahlen sind vorläufig: Zuzüge und Umzüge sorgen für Schwankungen. Zum Zeitpunkt der Erhebung stellte sich die Lage in den Schulbezirken ganz unterschiedlich dar:

Bezirk 1 (Schildgen, Katterbach, Paffrath, Hand): Kapazitäten vorhanden

Bezirk 2 und 3 (An der Strunde, Hebborn, Gronau, Heidkamp, Sand): Keine Kapazitäten mehr für noch nicht angemeldete oder zuziehende Kinder, da GGS Gronau (Gemeinschaftsgrundschule), KGS (Katholische Grundschule) Sand und GGS Heidkamp zu viele Schüler:innen aufnehmen und die Obergrenze überschreiten. Besser sieht es bei der GGS An der Strunde und an der GGS Hebborn aus

Bezirk 4 (Herkenrath): Obergrenze übertroffen, keine Kapazitäten mehr

Bezirk 5 (Bensberg, Moitzfeld): Wie die Jahre zuvor eine angespannte Anmeldesituation, KGS Bensberg und EGS Bensberg (Evangelische Grundschule) mussten Schüler:innen abweisen die dann an die GGS Bensberg bzw. GGS Moitzfeld verwiesen wurden, das Prinzip „Kurze Beine, kurze Wege“ ist nicht immer einzuhalten

Bezirk 6 (Kippekausen, Refrath, In der Auen, An der Steinbreche, Frankenforst): Etwas Puffer an der GGS Refrath durch Beschulung von Kindern aus dem Bethanien-Kinderdorf, ansonsten kaum mehr Kapazitäten

Wie gesagt: Die Lage kann sich geändert haben, die Daten sind gut drei Monate alt. Von einer Entspannung ist erfahrungsgemäß eher nicht auszugehen.

Weiterführende Schulen

Exakte Anmeldedaten der weiterführenden Schulen gibt es derzeit bei der Stadt nach eigenen Angaben nicht. Die Verwaltung verweist auf die einzelnen Schulen, bzw. eine Erhebung des Schulministeriums. Dieses veröffentlicht zwar einmal jährlich Mitte Oktober eine Statistik der Schülerzahlen in Nordrhein-Westfalen. Dies sind jedoch Bestandsdaten, keine Anmeldezahlen.

Eine stichpunktartige Rundfrage des Bürgerportals bei den weiterführenden Schulen der Stadt zeigt: Manche Schulen sind „dicht“, andere haben noch ein wenig Platz.

Aber nicht alle Schulen lassen sich „in die Karten schauen“ und geben Anmeldezahlen preis, daher sind die von uns gesammelten Daten unvollständig:

SchuleAnmeldungenKapazitäten
Otto-Hahn-Gymnasiumkeine AngabenKeine, 42 Schüler:innen abgelehnt
Nicolaus-Cusanus-Gymnasiumkeine AngabenKeine
Realschule Kleefeld4212
Dietrich-Bonhoefer-Gymnasium148Keine, 28 Schüler:innen abgelehnt
Gymnasium Herkenrath100Ja
Johannes-Gutenberg-Realschule81keine
Integrierte Gesamtschule Paffrath162keine
Nelson-Mandela-Gesamtschule5. Klasse: 104
Einführungsjahr Gymnasiale Oberstufe: 15
keine
Berufskolleg Kaufmännische Schulen264Abitur: 9 Höhere Handelsschule: 42 Realschulabschluss: 24 Hauptschulabschluss: 19 Duales System kaufm. Berufe: Aufnahme aller Azubis
Berufskolleg Bergisch Gladbachkeine AngabenBerufliches Gymnasium – Allgemeine Hochschulreife (Abitur) inkl. Berufsabschluss Erzieher/in: 5
Berufsfachschule für Sozialassistenz: 10
Fachschule für Heilerziehungspflege: 10  
Berufsfachschule Elektrotechnische/r Assistent/-in mit Fachhochschulreife: 8  
Sport- und Gesundheitscoach (m/w/d) mit Fachhochschulreife (Gymnastiklehrer/-in): 10 Fachoberschule für Gestaltung mit Fachhochschulreife: 5
Hinweis: Angefragt waren die meisten weiterführenden Schulen, wir dokumentieren die Zahlen für Schulen, die auf die Anfrage geantwortet haben.

Karl-Josef Sulski vom Otto-Hahn-Gymnasium berichtet von 42 abgelehnten Schüler:innen, darunter elf aus Bergisch Gladbach, vor allem aus Refrath, für die seine Schule die „nächste“ sei.

Sulski plädiert dafür, das Einzugsgebiet der Schule zu begrenzen. „Die Politik könnte die Möglichkeit von einer Bevorzugung des Einzugsgebiets Refrath für die Otto-Hahn-Schulen diskutieren, um dem Problem zu begegnen. Den Zuzug in Refrath betrachtend wird es sich voraussichtlich verschärfen“, sagt Sulski. Hier spielt sicher auch die Popularität der Otto-Hahn-Schulen (Gymnasium und Realschule) – nicht zuletzt aufgrund der Renovierung und Modernisierung – eine tragende Rolle.

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Nicole Schuffert vom Berufskolleg Kaufmännische Schulen erklärt die großen freien Kapazitäten im dualen Bereich damit, dass „weniger ausgebildet wird (Industriekaufleute, Kaufleute im Groß- und Außenhandel und Kaufleute für Büromanagement) oder weil die Unternehmen noch nicht eingestellt haben (Kaufleute im Einzelhandel).“

Sabine Cramer vom Berufskolleg Bergisch Gladbach betont, man nehme auch unterjährig „unversorgte“ Schüler:innen auf. Für eine Beratung stehe das Team „Jugendberatung in der Schule (JUBS)“ bereit.

Flüchtlingskinder

Strapaziert wird die Anmeldesituation durch die Flüchtlingskinder, die vor Ort beschult werden. Diese sind quasi „huckepack“ bei den Schulen dazugekommen, was zusätzliche Kapazitäten bei Schulräumen und Lehrer:innen erfordert. Die Anmeldung der Flüchtlingskinder erfolgt aber nicht zu einem Stichtag, also z.B. zum anstehenden Schuljahresbeginn, sondern laufend.

Der Rheinisch-Bergische Kreis spricht aktuell von 750 beschulten Kindern im Kreisgebiet. Binnen Monatsfrist habe es eine Verdopplung der Zahlen im Kreis gegeben.

Wie sehen die Werte für Bergisch Gladbach aus? 142 Schüler:innen aus der Ukraine gingen in der Stadt auf eine Grundschule, 183 auf weiterführende Schulen, erklärt eine Kreis-Sprecherin. Vier besuchten eine Förderschule, zwei seien vor der Aufnahme verzogen.

Eine Prognose zur Entwicklung der Zahlen beschulter Flüchtlingskinder sei nicht möglich, heißt es beim Kreis. Manche Familie würden den Kreis wieder verlassen, Zuzüge seien abhängig vom Kriegsgeschehen.

Ob die Zahl der Flüchtlingskinder zunimmt oder nicht: Kapazitäten an den Schulen sind bei den Schulen, die sich auf Anfrage des Bürgerportals gemeldet haben, kaum mehr vorhanden:

SchuleBeschulte FlüchtlingskinderKapazitäten
Otto-Hahn-Gymnasium14keine
Nicolaus-Cusanus-Gymnasium9Begrenzt
Realschule Kleefeld18Keine
Dietrich-Bonhoefer-Gymnasium105
Gymnasium Herkenrath18Keine
Johannes-Gutenberg-Realschule6, geplant 8ausgelastet
Integrierte Gesamtschule Paffrathkeine AngabenKeine
Nelson-Mandela-Gesamtschule25Keine
Berufskolleg Kaufmännische Schulen3010
Berufskolleg Bergisch Gladbach47Vorhanden
Hinweis: Angefragt waren die meisten weiterführenden Schulen, wir dokumentieren die Zahlen für Schulen, die auf die Anfrage geantwortet haben.

Alle antwortenden Schulen betreiben eine Willkommensklasse für ukrainische Flüchtlingskinder, die z.B. dem Spracherwerb dient (Nelson-Mandela-Gesamtschule: zwei Klassen).

Mit Ausnahme der Johannes-Gutenberg-Realschule und des Gymnasium Herkenrath: Dort betreibt man so genannte Sprachförderklassen.

Jörg Schmitter vom Nicolaus-Cusanus-Gymnasium berichtet von einer Kooperation mit der Real- und Hauptschule im Kleefeld, „so dass wir allen Schüler:innen, deren Namen bei uns gelandet sind, einen Platz an einer der drei Schulen anbieten konnten.“ Man tausche sich stetig aus, um Schüler:innen möglichst auf die für sie passendere Schule zu senden.

Am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium sind laut Schulleiter Frank Bäcker noch fünf freie Plätze in der Willkommensklasse – die Kinder seien indes bereits angekündigt. „Wir unterrichten aktuell zehn ukrainische Kinder, unterstützt von einer ukrainisch-sprachigen Lehrerin.“ Träfen die fünf weiteren Kinder ein, seien die Kapazitäten erschöpft.

Das Gymnasium Herkenrath ist dicht: „Die Sprachfördergruppe ist mit 18 Schüler:innen voll besetzt, hier gibt es keine Kapazitäten mehr“, macht Romina Matthes deutlich.

Offene Ganztagsschule (OGS) mit Warteliste

Angespannt ist auch die Lage an den offenen Ganztagsschulen (OGS). Für das Schuljahr 2022/2023 plane man mit bis zu 3.174 Plätzen, sagt ein Sprecher der Stadt. Die Nachfrage übersteige das Angebot, wenn auch nicht an jeder Offenen Ganztagsschule.

Nach Auskunft der Einrichtungen gebe es Wartelisten mit insgesamt rund 197 Kindern. Aber auch diese Daten stammen aus dem Februar 2022. Die Stadt verweist darauf, dass die verfügbaren Plätze und die Warteliste „erheblichen Schwankungen“ unterliegen können.

Inklusion

Von den 20 Grundschulen in der Stadt bieten 19 gemeinsames Lernen an. 101 Schüler:innen würden derzeit in der Stadt inklusiv unterrichtet, heißt es beim Rheinisch-Bergischen Kreis. Das seien aktuelle Bestandszahlen.

Kapazitätsengpässe gebe es nicht: „Alle Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf, deren Eltern Gemeinsames Lernen in der Grundschule wünschen, erhalten einen entsprechenden Schulplatz“, macht eine Sprecherin des Kreises deutlich.

Alle weiterführenden Schulen würden zudem inklusive Angebote bereithalten, so der Kreis. „In den letzten Jahren und auch zum Wechsel in das kommende Schuljahr 2022/23 konnten für alle Schülerinnen und Schüler, deren Eltern Gemeinsames Lernen in der Sekundarstufe I wünschen, entsprechende Schulplätze bereitgestellt werden“, erklärt eine Sprecherin. Genaue Zahlen stehen beim Kreis auf Anfrage nicht bereit.

Stellenschlüssel Inklusion

Der Stellenschlüssel für die inklusiven Angebote ist gestaffelt:

Alle Grundschulen, an denen Gemeinsames Lernen eingerichtet wurde, würden für die Schuleingangsphase (Klasse 1 bis 2) jeweils eine zusätzliche halbe Stelle für eine Lehrkraft für sonderpädagogische Förderung und eine halbe Stelle für eine Sozialpädagogische Fachkraft erhalten, erklärt der Kreis.

Größere Grundschulen kämen in den Genuss von jeweils einer halbe Stelle für eine Lehrkraft für sonderpädagogische Förderung sowie eine volle Stelle für eine Sozialpädagogische Fachkraft in der Schuleingangsphase.

Für Schülerinnen und Schüler in den Klassen 3 und 4 sowie der Oberstufe sei Basis für alle Förderbedarfe ein Schlüssel von 1:6, das heißt für sechs Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf werde eine volle Stelle zugewiesen.

„Es sind jedoch derzeit leider nicht alle Stellen besetzt“, so die Kreis-Sprecherin.

Fazit

Ein genaues Lagebild von den Schulanmeldungen ist nicht zu ermitteln. Die Stadt verfügt auf Anfrage nur über veraltete Zahlen, wie bei den Grundschulen und den Kapazitäten an den Offenen Ganztagsschulen. Bei den weiterführenden Schulen werde die Daten in der Schulverwaltung erst zu den Ferien bekannt. Obwohl die offiziellen Anmeldefristen an diesen Schulen bereits abgelaufen sind.

Angespannt zeigt sich die Lage bei der Beschulung der Flüchtlingskinder. An den Schulen, die auf Anfrage geantwortet haben, sind kaum mehr Kapazitäten vorhanden. Unterstellt man eine ähnliche Lage an den anderen Schulen, ist die Beschulung von weiteren Flüchtlingskindern problematisch.

Für Eltern und Schüler:innen, die sich verspätet an Schulen in der Stadt anmelden wollen oder müssen, ist die Datenlage unbefriedigend. Mehr Transparenz wäre für alle Seiten wünschenswert.


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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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