Eine Viertelmillion Euro stellt das Sozialministerium für Menschen ohne Obdach bereit. Damit sollen Mittel zum Schutz gegen die Hitze gekauft und an Bedürftige verteilt werden. Der Verein Die Platte e.V. beantragt die Mittel gerade, die Caritas ist bereits einen Schritt weiter: Sie will das Geld in Getränke und Sonnenschutz investieren.

Die erste Hitzewelle ist über die Stadt gerollt, die nächste kündigt sich bereits an. Gerade Wohnungslose sind ohne Rückzugsmöglichkeit den extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt – bei der Eiszeit im Winter wie während der Heißzeit im Sommer.

Das NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) hat daher kurzfristig Mittel in Höhe von 250.000 Euro bereitgestellt, um Menschen „ohne Obdach“ zu unterstützen. Freie Träger und Initiativen der Wohnungslosenhilfe erhielten in einem „zügigen Verfahren“ Gelder aus diesem Hilfspaket, heißt es dazu beim Land. Sie werden im Rahmen der Aktion „Endlich ein Zuhause! – Landesinitiative gegen Wohnungslosigkeit“ bereitgestellt. 

Sonnensegel und Getränke bei Caritas

Und das scheint zügig zu laufen. „Die Mittel sind Ende Juni beantragt und gestern bewilligt worden“, erklärt Kaspar Müller-Bringmann von der Caritas Rhein-Berg. Das Geld solle in den nächsten Tagen eingehen. 2.500 Euro würde die Caritas erhalten, das entspreche dem höchstmöglichen Förderungsbetrag.

Die Caritas Rhein-Berg betreibt gemeinsam mit der Diakonie Köln das Netzwerk Wohnungsnot. Es kümmert sich um Wohnungslose und von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen. Mit Streetworkern, aber auch in einer zentralen Anlauf- und Beratungsstelle in der Hauptstraße.

Für den Außenbereich dieses Tagestreffs solle mit dem Geld ein Sonnensegel angeschafft werden, heißt es bei der Caritas Rhein-Berg. Zudem wolle man damit Getränke und Sonnencremes kaufen. Die würden u.a. in den Notunterkünften und über die Streetworker verteilt, so der Sprecher.

Oberhalb des Kiosk an der Dr. Robert-Koch-Straße befindet sich einer von zwei Treffpunkten für Menschen in prekärer Wohnsituation, Foto: Holger Crump

Mitversorgung städtischer Treffpunkte

Die Sozialarbeiter werden die Getränke und Sonnencremes zudem an den beiden städtischen Treffpunkten verteilen: Am Kiosk an der Dr. Robert-Koch-Straße (seit 20. April 2022 wieder geöffnet) sowie auf dem Parkplatz Schnabelsmühle. Hier finden Menschen in prekären Wohnsituationen tagsüber einen Rückzugsort.

Für diese „aufsuchende Betreuung“ durch das Netzwerk Wohnungsnot gebe es seit Jahren eine Kooperationsvereinbarung mit der Stadt, erklärt ein Sprecher im Rathaus. Sprich: Die Streetworker vom Netzwerk Wohnungsnot kümmern sich vor Ort um die Menschen, die die kommunalen Treffpunkte in Anspruch nehmen.

Daher habe die Stadt selbst keine weiteren Fördermittel aus dem genannten Fonds des MAGS beantragt, so der Sprecher. Die Plätze seien bereits gut ausgestattet: Sie seien beschattet und würden täglich durch den Hausmeister der städtischen Unterkunft betreut.

Unterstützung für Sommerbus

Auch die Hilfsorganisation „Die Platte“ hat die Heißzeit auf dem Schirm. Mit dem Sommerbus verteile man Getränke, frisches Obst, Lebensmittel und auch mal ein Eis, erklärt die Sprecherin des Vereins, Annette Klaas.

Der Sommerbus fahre zwei bis drei Mal pro Woche den Bahnhof in Bergisch Gladbach an. Analog zum „Kältebus“ im Winter können sich Bedürftige und Wohnungslose hier mit dem Nötigsten versorgen.

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„Wenn wir mehr aktive Ehrenamtler hätten könnte der Sommerbus auch jeden Tag fahren“, sagt Klaas. Gleichwohl, die Hilfe läuft. Und soll durch die Hilfsgelder des Landes weiter gefördert werden.

„Die Unterlagen wurden angefordert, der Vorstand wird den Antrag stellen“, berichtet Klaas. Sonnenschutz, Getränke, Sonnencremes, ISO-Trinkflaschen und Feuchttücher wolle man damit finanzieren, so die Entscheidung des Vorstands.

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Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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