Landrat Stephan Santelmann ist Vorsteher des Zweckverbands NVR. Foto: RBK

Der Stopp des kompletten S-Bahn-Verkehrs nach Bergisch Gladbach trifft nicht nur bei den Betroffenen auf harsche Kritik, sondern auch beim NVR und in der Politik. Zumindest ein Grundangebot der Bahn für die komplett abgeschnittene Stadt müsse drin sein, der Ersatzverkehr rasch organisiert werden. Wie es am Montag weitergeht ist bislang offen.

Die Ankündigung der DB Region NRW am Donnerstagnachmittag, mit sofortiger Wirkung den Betrieb der Linien S 11, S 8, S 12 und S 19 für vier Tage einzustellen, hat auch den Nahverkehr Rheinland (NVR) kalt erwischt. „Die einseitige öffentliche Ankündigung der DB Regio, aufgrund von Mitarbeiterkrankmeldungen in den Leitstellen und bei Triebfahrzeugführer*innen, aktuell und für das kommende Wochenende SPNV-Betriebsleistungen komplett einzustellen, sind wir äußerst irritiert“, heißt es in eine aktuellen Stellungnahme.

Immerhin ist der NVR der Auftraggeber für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und finanziert die Leistungen der Bahn, informiert worden war er nicht.

Mündlich und auch schriftlich haben NVR-Geschäftsführer Heiko Sedlaczek und Landrat Stephan Santelmann die Bahn aufgefordert, „alles in Ihrer Macht stehende zu tun, um möglichst kurzfristig, spätestens ab Montag, auf allen Linien zumindest einen Notverkehr sicherzustellen, der eine Mindestbedienung nicht unter einem Stundentaktes vorsieht“.

Zudem sei bis dahin „selbstverständlich ein Schienenersatzverkehr sicherzustellen, der den Fahrgastbedürfnissen mit einem Mindestmaß an Qualität entspricht“, verlangt der NVR. Ein bloßes Verweisen auf Taxen sei eine „Bankrotterklärung“.  Ähnlich äußert sich auch der Fahrgastverband Pro Bahn.

Fahren Doppeldeckerbusse GL an?

Bergisch Gladbach ist ohnehin nur über die S 11 an das Schienennetz angebunden und bis (wenigstens) Montagfrüh komplett abgekoppelt worden. Köln ist jetzt nur noch über die Busverbindungen nach Bensberg, Refrath oder Dellbrück und dann weiter mit den Straßenbahnen der KVB erreichbar.

Einen Schienenersatzverkehr für die S 11 hatte die Bahn am Donnerstag zunächst nicht organisiert, später wurden Taxen angekündigt. Für den heutigen Freitag kündigte die Bahn dann zehn Doppeldeckerbusse der Firma Univers an, sie sind in Bergisch Gladbach aber bislang nicht gesichtet worden.

Ob und in welchem Umfang der S-Bahn-Verkehr am Montag wieder aufgenommen wird ist offenbar nicht klar. Der NVR fordert ausdrücklich, ab Montag wenigstens einen Notfahrplan anzubieten.

Begründet hatte die Bahn den Ausfall der vier Linien mit „regional erhöhten Krankenständen“, vor allem in der Leitstelle von DB Regio, die den gesamten Regionalverkehr in NRW koordiniert.

Auf Umwegen nach Köln

Die Linie 1 der KVB führt von Bensberg und Refrath nach Köln hinein (Deutz/Messe, Neumarkt). In Thielenbruch oder Delbrück kann man in die Linie 18 einsteigen und direkt zum Hauptbahnhof fahren.

Mit dem Fahrrad benötigt man für die 15 km lange Strecke etwa 45 Minuten, einige besonders schöne Routen stellen wir in diesem Beitrag vor.

Der ADFC empfiehlt eine schnelle Route, die zudem in einigen Abschnitten verkehrssicherer und mit weniger KFZ-Verkehr belastet ist als andere Alternativen.

Zorn: „Nicht tolerierbar“

Zuvor hatte Gerhard Zorn, Fraktionschef der SPD im Kreistag Rhein-Berg, in die gleich Kerbe gehauen. Die Entscheidung der Bahn sei nicht tolerierbar, Landrat Stephan Santelmann als NVR-Verbandsvorsteher und die NVR-Geschäftsführung müssten dafür sorgen, dass sich eine solche Situation nicht wiederholt.

Es wäre der Bahn – wie bei Streiks früher schon geschehen – möglich gewesen, einen Notfallfahrplan für alle Strecken anzubieten. Das wäre auch möglich gewesen, weil lauf DB über 80 Prozent der Fahrten im Regionalverkehr in NRW wie geplant fahren. Statt dessen sei die Bahn den einfachen Weg gegangen und habe vier Linien komplett eingestellt.

image_pdfPDFimage_printDrucken

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

9 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Da wünscht man sich doch die Zeiten zurück, als die Straßenbahnlinie G (bis Ende der 50er-Jahre, wenn ich mich recht erinnere) bis in die Gladbacher Innenstadt fuhr.

  2. Sehen wir es doch mal durch die grüne Brille: durch den Ausfall der S-Bahnen werden viele Leute an das Fahrradfahren herangeführt. Das spart jede Menge Energie und Schadstoffe ein.

  3. Ehrlich gesagt, hätte ich es verstanden wenn die S-Bahnen aufgrund von Personalmangel 1x Stündlich gefahren wäre, statt sie komplett still zu legen. Wiederum verstehe ich aber heute am Montag nicht, warum man “ heute“ eine Weiche reparieren muss, die man hätte in der Zeit reparieren können, als die Bahn stillgelegt war. Dadurch kommt es selbstverständlich natürlich wieder zu Verspätungen und Ausfällen…für Pendler natürlich Ideal( sorry Ironie). Mein Mann und die Kinder sind jedenfalls froh über unser Auto, darauf kann man sich wenigstens verlassen.

  4. Ich finde das ist eine Unverschämtheit, die Deutsche Bahn erhöht die Preise.Und die Pendler die beruflich nach Köln müssen und umgekehrt bleiben auf den Tickets sitzen.Nicht nur das Die Schwerbehinderten die nach Köln und Düsseldorf müssen da auch die Taxifahrten sich erhöht und von der km eingeschränkt wurden Wie sollen die denn die Doppeldeckerbusse nutzen?Da kann man sich ja schon mal Gedanken machen wenn die S-Bahn dann umgebaut werden soll und 1 Jahr keine S-Bahn fahren soll.Wenn ich nicht im September nach Düsseldorf komme bin ich richtig sauer.Da kann man nur hoffen das auch zukünftig an die Barrierefreiheit gedacht wird.Ich habe keine Lust mit Schaffnern und Busfahrern zu diskutieren ob die Rampe benötigt wird.Es geht auch vieles immer zu Lasten der Schwerbehinderten

  5. Lustig auch, daß der Komplettausfall der S6 nirgendwo mehr erwähnt wird…

    Oder welche krass weiten und schlecht ausgeschilderten Umwege zu Fuss den Bahnreisenden im
    Bahnhof Leverkusen-Mitte seit Wochen zugemutet werden, wenn sie vom Busverkehr zu den Regionalexpresszügen oder nur von einer Seite auf die andere im dortigen Bahnhof wechseln wollen oder müssen…

    Seit längerem hat man als Bahnpendler das Gefühl, es wäre besser, man kauft sich ein Auto.

  6. Die Strecke S11 ist für ganz Bergisch Gladbach eine ganze Schande, auch die Anbindung in andere Ortschaft eher mäßig laut Plan 1h 40 min nach Wermelskirchen mit dem Auto 20 min. Regelmäßig fallen Busse und Bahn aus. Als ich mal meine Eltern Besuchen wollte kam der Bus nach Burscheid gar nicht. Keine Ankündigung keine Auskunft, er kam einfach nicht. Auch dass der Ausbau des zweiten Gleises und der KVB Bahn nach Köln seit Jahren nicht in die gänge kommt einfach traurig. Als Bewohner ohne Auto und Führerschein bin ich darauf angewiesen dass diese Verbindungen funktionieren. Obwohl ich auch weiterhin aus Klimagründen kein Auto will, ist die Überlegung mittlerweile da, da man sich auf den öffentlichen Verkehr in keinem Bereich verlassen kann. Wirklich Schade Bergisch Gladbach ist mir seit meinem Umzug hier hin so ans Herz gewachsen aber der öffentlichen Verkehr hier ist zum gruseln.

  7. Es bleibt unverständlich, wieso man hier nicht kurzfristig ein anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen beauftragt hat. Ein Pendelzug GL – Köln wäre ja machbar. Die Fahrgäste aus GL wollen ja nicht nach Neuss oder Düsseldorf . Die sogenannten Bahntrassen sind ja durch den Ausfall der DB frei. Der NVR hat extra einen Bahnanbieter für Sonderleistungen unter Vertrag. Der hätte hier einspringen können.

  8. Guten Tag zusammen ich habe schon länger das Gefühl das die Bahn das 9€ Ticket boykottiert wir mussten letzte Woche in Köln Dellbrück aussteigen weil keine S-BAHN mehr nach Gladbach fuhr es herrscht zur Zeit nur noch Chaos auch unter der Woche

    1. Nein, da muss ich widersprechen, das hat mit dem 9-€-Ticket nichts zu tun. Dass die S11 öfter mal in Köln-Dellbrück endet, ist schon seit Jahren ein Fakt und wohl Verspätungen geschuldet. Deshalb fahren viele direkt von Dellbrück aus. Leider ist das kein Garant, um nach Köln zu kommen, die S11 fällt ja auch manchmal komplett aus.