Routen_beschriftet

Viele sehen im Fahrrad ein reines Kurzstreckenverkehrsmittel. Bei Entfernungen bis etwa fünf Kilometer ist man mit dem Fahrrad meist schneller: kann abkürzen, Ampeln umfahren und muss nicht lange nach einem Parkplatz suchen. Aber das Fahrrad kann mehr. Die Erfahrung zeigt: Tägliches Pendeln nach Köln ist überhaupt kein Problem. Und sogar zeitlich attraktiv.

Dieser Beitrag stammt aus dem vergangenen Jahr, ist aber höchst aktuell. Frische Infos zum derzeitigen Bahnstreik: Grundsätzlich soll die S11 jede Stunde fahren, in dieser „Live-Auskunft“ verrät die Bahn, welche Züge fahren; diese S-Bahnen fahren aktuell in Bergisch Gladbach ab.

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Gefühlt ist es nicht weit nach Köln

Zwar ist man mit dem Auto oder der S-Bahn – gerechnet von Tür zu Tür – pro Strecke rund eine Viertelstunde schneller. Aber nur, wenn alles glatt läuft. Das ist angesichts der vielen Staus und in Dellbrück endenden Zügen leider oft nicht der Fall. Und außerdem ist beim Fahrrad das tägliche Sportprogramm inklusiv.

An der Isenburg ist die halbe Strecke geschafft

An der Isenburg ist die halbe Strecke geschafft

Bei Tempo 20 in 45 Minuten am Dom

Über das Radverkehrsnetz des Landes sind es 16 Kilometer vom Gladbacher Zentrum bis zum Kölner Dom. Mit dem Radroutenplaner NRW ist die Planung der Tour so einfach wie die Zieleingabe beim Auto-Navi. Die empfohlene Strecke kann mit genauen Fahrtanweisungen ausgedruckt werden.

Natürlich lässt sich die elektronische Streckenführung auch als gpx-Track fürs Smartphone abrufen. Mit der Radroutenplaner App kann natürlich auch gleich auf Android-Geräten und iPhone geplant werden.

Komoot kennt die besten Abkürzungen

Schnell ist man unterwegs, wenn die Strecke kurz ist und selten zum Anhalten zwingt, zum Beispiel an Ampeln. Das Tempo, mit dem man unterwegs ist, spielt eine untergeordnete Rolle – und damit auch das Fahrrad. Zweigang-Klappvelo und Rennrad, dazwischen liegen allenfalls fünf oder zehn Minuten. Verblüffend sind die Routen, die von Komoot gefunden werden. Sie haben Geheimtipp-Charakter!

Entdeckungsfreude auf dem Weg ins Büro

Regen ist wirklich nur ganz selten ein Grund, nicht mit dem Rad zu fahren. Wer öfters zwischen Laurentiuskirche und Dom unterwegs ist, kennt seine Strecken aus dem Effeff. Es gibt dann Lieblingsrouten, die täglich ganz nach Lust und Laune neu kombiniert werden. Bei schönem Herbstwetter geht es vielleicht an Diepeschrather Mühle und Höhenfelder See vorbei. Nach dem ersten Schnee macht es besonderen Spaß auf dem langen Waldweg hinter dem Kombibad die ersten Spuren ins Weiß zu ziehen. Für den Nachhauseweg wird gern die kürzeste Strecke über Dellbrück – parallel zur Straßenbahn 3/18 – gewählt. 

Lieblingsrouten nach Köln

Hier die persönlichen Favoriten im Kurzportrait:

Carlswerk-Strecke (Karte C)

Oktober

Ein guter Kompromiss aus Naturerlebnis und Vorankommen. In Nussbaum grüßt der Dom schon in der Ferne. Am Kombibad vorbei geht es über die wunderschönen Wiesen hinter der Diepeschrather Mühle. Wenn etwas Zeit ist, folgt ein kurzer Abstecher runter zum Höhenfelder See. Später macht das Schanzenviertel die Tour interessant. Am Rheinufer kommt schnell Urlaubsstimmung auf. Ansicht und gpx-Download

Dünnwald-Strecke (Karte D)

Ein Tick länger als C, dafür noch grüner und fast autofrei. Auf dieser Strecke kann die Seele baumeln. 35 Minuten dauert es bis zum Rhein, dem die Route dann, mal rechts, mal links, bis zum Dom folgt. Ansicht und gpx-Download

Merheim-Strecke (Karte M)

Wenn einem nach etwas Abwechslung ist. Nach der wuseligen Gladbacher City geht es schnell in die Schluchter Heide. Später schöne Kopfweiden bei Mielenforst und die Merheimer Heide. Dann wird es städtisch, an der Kalker Hauptstraße bunt dazu. Ansicht und gpx-Download

Strunde-Strecke (Karte S)

Die direkteste und schnellste aller Routen. Zwischen den Haltestellen Wichheimer- und Frankfurter-Straße fast mit Radschnellweg-Charakter. Leider nervige Ampeln in Mülheim und Deutz. Dafür immer die Straßenbahn in der Nähe – wenn an einem von 200 Fahrradtagen der Plattenteufel zuschlägt. Ansicht und gpx-Download

Rennrad-Strecke (Karte R)

Wenn die Liebe schnellen, schmalen Reifen und Asphalt gehört, sind diese Strecken zu empfehlen. Die nördliche Route kratzt an der 20-Kilometer-Marke. Locker getreten ist man in spätestens 50 Minuten am Kölner Dom. Ansicht und gpx-Download (bis Ende 2014):

Wie und wo fährst Du?

Mit der Zeit trifft man sich wieder, auf der Strecke oder beim Zwangsstopp an der Ampel. Oder man sieht die Spuren auf lehmigen Wegen oder im frischen Schnee. Gefühlt sind deutlich mehr Menschen mit dem Rad nach Köln unterwegs, als viele denken. Manche haben ihre Stammstrecke sogar ins Netz gestellt. Wenn Sie einen besonderen Tourentipp haben – nur her damit!

Weitere Infos:  

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  1. “Verblüffend sind die Routen, die von Komoot gefunden werden. Sie haben Geheimtipp-Charakter!”

    Als u.a. Komoot Nutzer kann ich nur davor warnen Routen so einfach unkritisch zu übernehmen ;-)
    Eine gute Karte sollten man in jedem Fall dabei haben, um notfalls aus einem ” Holzweg” wieder den Weg zurück in die Zivilisation zu finden.

    1. Dem kann ich mich anschließen. Ich habe dort einmal Start- und Endpunkt der Strecke eingegeben, die ich mehrere Jahre vom südlichen GL ins nördliche K gefahren bin – die angebotene Strecke deckte sich teilweise mit der seinerzeit von mir per Versuch und Irrtum ermittelten Route, enthielt aber viel zu viele Teilstrecken entlang vielbefahrener Straßen mit zahlreichen Ampeln, während ich mich damals durchweg auf befestigten Wegen, aber weitgehend im Grünen bewegen konnte (mal abgesehen vom Knotenpunkt Wiener Platz und der radfahrerfeindlichen Mülheimer Brücke).

      Einfacher als eine Karte zu nutzen ist übrigens das Smartphone mit GPS und einer App, die z.B. Open Streetmap nutzt. Vor allem (aber nicht nur) für die jüngere Generation, die zuweilen in Panik gerät, wenn sie sich auf einem gefalteten Stadtplan zurechtfinden soll.

  2. Vielen Dank für die Routen! Nach so einer Übersicht habe ich gesucht, da ich Ende des Jahres nach GL ziehe und dann jeden Tag nach Köln zur Arbeit muss. Vermutlich werde ich oft mit dem Rad fahren. Und langsam kann mal ja mal überlegen, wie man das im Ideallfall macht. Außerdem ist das ein prima Grund mal wieder ein Fahrrad zu kaufen. Normales Rad, Pedelec oder S-Pedelec? :-)

    1. Von Bensberg kann man wunderbar fast immer neben der Bahnlinie 1 bis nach Brück, dann am Flehbach entlang zum Kalker Friedhof, über die Autobahn in die Merheimer Heide bis nach Kalk. Ab da wird es städtisch, aber immerhin mit Radwegen.

    2. Pedelec, da fährt man so was von entspannt und kommt erholt an!
      S-Pedelec darf Waldwege nicht nutzen, habe ich gehört…..

    3. Solange man zwei intakte Beine hat, ist ein normales Fahrrad für Fitness und Gesundheit ideal. Bei längeren Strecken wäre es dann aber sinnvoll, wenn man am Zielpunkt zumindest die Möglichkeit hat, sich umzuziehen – dann kann man mit geeigneter Kleidung fahren. Manche Arbeitgeber, vor allem größere Firmen, bieten sogar eine Duschmöglichkeit.

      Ist das alles nicht möglich, könnte man doch über ein Elektromofa (alias Pedelec) nachdenken, damit man nicht den Tag über zum Missfallen der Kolleginnen und Kollegen stinkt wie ein Wiedehopf.