Im Grenzbereich von Kürten-Spitze und Bergisch Gladbach ist seit langer Zeit ein interkommunales Gewerbegebiet angedacht, aber aufgrund diverser Probleme nie konkret geworden. Foto: Thomas Merkenich

Aus ökologischen und aus verkehrstechnischen Gründen macht die Ausweisung eines Gewerbegebiets an der Grenze zwischen Kürten und Bergisch Gladbach keinen Sinn, argumentiert die Fraktion der CDU. Statt dessen müsse das Zanders-Areal stärker für Fläche für Gewerbe in den Blick genommen werden, fordert die CDU – und kritisiert „wohlklingende Wohnträume“ der Grünen.

Die Ausweisung eines Gewerbegebietes Spitze hält die CDU-Fraktion aus ökologischen wie aus verkehrstechnischen Gründen für ungeeignet. „Es ist bekannt, dass das dortige Wiesengelände bei der erforderlichen Entwässerung große Probleme bereiten würde; allein schon aus diesem Grund ist es kaum nachvollziehbar, dass ausgerechnet der den Bündnisgrünen zugehörige Beigeordnete Ragnar Migenda den Gladbacher Teil von Spitze als mögliches Gewerbegebiet ausgewiesen haben möchte“, betont der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Dr. Michael Metten, in einer Pressemitteilung. 

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Dieses Ansinnen sei umso erstaunlicher, „weil es die Grünen waren, die vor den letzten Kommunalwahlen den gesamten neuen Flächennutzungsplan (FNP) mit den ausgewiesenen 45 Hektar Wohnbaufläche und den 31 Hektar für Gewerbeansiedlungen variantenreich in Frage gestellte haben“.

So habe die heutige Vorsitzende der Grünen-Fraktion, Theresia Meinhardt, im April 2021 im Bürgerportal versprochen, dass, so ihre Worte, „Flächensparsamkeit eine Generationenaufgabe und eine Verantwortung ist, die wir wahrnehmen werden.“

Metten: „Soll diese Grundsatzaussage, weil vielleicht ein Nothaushalt droht, für Spitze mal kurzerhand ausgesetzt werden? Ebenso scheint die seinerzeitige Kritik an der Fällung der Alleenstraße, die für die Entwicklung des Gewerbegebietes notwendig würde, vergessen. Oder sind die grünen Überlegungen zu Spitze nur ein Feigenblatt, um den fiskalischen Wünschen von Thore Eggert und der FDP zu genügen, in Wirklichkeit ist aber eine Realisierung gar nicht angestrebt?“

Michael Metten, Fraktionschef der CDU. Foto: Thomas Merkenich

Belastungen für Herkenrath

Die CDU-Fraktion hält in Anbetracht der durch den neuen  Nahversorgungsstandort in Herkenrath zu erwartenden verkehrlichen Entwicklung und des fehlenden Konzeptes für einen Ausbau der L 289 die Realisierung des Gewerbegebietes Spitze für nicht sinnvoll.

Um unnötige Verkehrsbewegungen und die damit verbundenen Emissionen zu sparen, sollten neue Gewerbegebiete in der Nähe der Autobahn realisiert werden und nicht im Hinterland.

„Zudem gibt es inzwischen Erkenntnisse über die gravierenden Entwässerungsprobleme, die ja auch den Grünen bekannt sein dürften“, sagt Gabriele von Berg. Sie vertritt den Bezirk Romaney-Ost, Herrenstrunden und Herkenrath im Stadtrat.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christian Buchen, für Bärbroich, Ehrenfeld und Herkenrath-Ost im Stadtrat, fügt hinzu: „Es kann doch niemand ernsthaft wollen, dass ein zusätzlicher Gewerbe-Verkehr die durch Herkenrath führende L 289 noch stärker belastet, als das heute schon der Fall ist.“ 

Sollte die Fraktion der Bündnisgrünen dem Ansinnen des Stadtentwicklungs- und Umwelt-Dezernenten folgen, „wäre das ein Nackenschlag nicht nur für viele Herkenrather Bürgerinnen und Bürger“, so Frau von Berg und Christan Buchen.

Vermutlich dämmere es den Grünen wie den beiden anderen Ampelpartnern und der Stadtspitze, dass die  Gewerbesteuer als städtische Einnahmequelle dringend der Auffrischung bedarf. „Wir sagen dennoch klipp und klar: Spitze ist für ein Gewerbegebiet aufgrund der Ist-Lage ungeeignet; da gibt es andere Möglichkeiten“, fasst Michael Metten die Haltung der CDU-Fraktion zusammen und lenkt den Blick auf Zanders.

Das gesamte Zanders-Areals wird neu entwickelt. Foto: Stefan Krill (panomedia360)

Projekt- und Wirtschaftlichkeitsplan erforderlich

In der angelaufenen Entwicklung des 37 Hektar umfassenden Zanders-Areals „sollte möglichst bald ein belastbarer Projekt- und Wirtschaftlichkeitsplan erarbeitet sein, in dem unter anderem verbindlich vereinbart ist, wie hoch der Anteil der Wohnbebauung und der der Gewerbeansiedlung ausfällt“, unterstreicht der CDU-Fraktionsvorsitzende Metten weiter.

„Nach dem Wegfall der traditionsreichen Papierherstellung braucht Bergisch Gladbach im Sinne seines Selbstverständnisses einen neuen Markenkern, der nicht zuletzt identitätsstiftend ist. Es muss nun zeitnah diskutiert werden, in welche Richtung sich das Zanders-Gelände und damit auch die Stadt entwickeln sollen. Von überregionaler medizinischer Versorgung über Medizintechnik bis hin zu  bestimmten Wissenschafts- und Forschungszweigen sind verschiedene Entwicklungsansätze denkbar. Um stattdessen wohlklingende grüne Wohnträume in die Welt zu setzen – dafür fehlt der Stadt schlichtweg das Geld,“ betont Metten.

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7 Kommentare

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  1. Aus meiner Sicht fühlt sich ein Gewerbegebiet mit direkter Anbindung an eine Autobahn besser an, als den Verkehr mal wieder durch unsere Hauptachsen zu jonglieren, wo wir demnächst alle nur noch mit 30 herumtuckern dürfen. Falls Gewerbe denn noch gewünscht wird, muss man auch den Mut haben, einen Eingriff in Natur und Landschaft vorzunehmen. Dieser lässt sich sicherlich an anderer Stelle kompensieren (so wie bisher auch).

  2. Da kann man nur zustimmen. Es heißt „Bergisches Land Land“und nicht bergische Industrie Landschaft. Wer Spitze erreicht kann freier atmen. Wir sollten dieses herrliche Naturerbe pflegen und nicht verschandeln. Muss denn jeder Ort ein Gewerbegebiet haben?

  3. Unsere Zielrichtung ist klar. Innenverdichtung hat immer Vorrang vor einer weiteren Inanspruchnahme von Außenflächen. Daher setzen wir uns mit aller Vehemenz dafür ein, dass wir die einmalige Chance auf Zanders ergreifen und ein neues urbanes Stadtquartier entwickeln, dass städtisches Wohnen und Gewerbe in wirklich kompakter Form zusammenbringt.

    Das heißt für uns: maximale Ausnutzung der entwickelbaren Flächen auf Zanders mit Wohnbebauung und gleichzeitig Gewerbe in den Untergeschossen. Wenn die CDU hierbei mit im Boot wäre und ihre Scheu ablegt, eine wirklich kompakte lebendige Stadt zu entwickeln, wäre das wäre toll.

    Die Untersuchung von Questia hat ergeben, dass wir einen Bedarf an 2700 zusätzlichen Wohnungen haben. Diesen können wir nicht ansatzweise decken, wenn wir nicht gewillt sind, möglichst dicht zu bauen. Und das geht nur im Innenbereich und das ist die einmalige Chance, die wir mit dem Zanders Areal haben.

    Einfamilienhäuser in weiteren Außenflächen müssen für alle politischen Kräfte, die sich gegen den Klimawandel stemmen wollen, tabu sein. Daher wollen wir Angebote im Innenbereich machen, damit Menschen, denen ihr Haus zu groß geworden ist und die gerne städtischer leben möchten, in der neuen erweiterten City von Bergisch Gladbach ein Zuhause finden können.

    Gleichzeitig soll aber auch Gewerbe Platz auf Zanders finden. Gerade die Klassifizierung des Gebiets als „Urbanes Gebiet“ eröffnet die Möglichkeit Gewerbe und Wohnen zusammen zu denken. Natürlich wird der Fokus auf Dienstleistungsgewerbe liegen, aber auch nicht emittierende Gewerke sind gewünscht.

    Kurzum, alles was wir auf Zanders realisieren können, nimmt den Druck von den Außenflächen – auch von Spitze und ist zudem fiskalpolitisch geboten.

    Die Argumentation der CDU, Waldflächen entlang der A4 zu opfern als Gewerbeflächen, wäre ökologischer, kann ich nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen. Die geplante Feuerwache tut schon weh genug.

  4. Ich hoffe, das Gewerbegebiet Spitze, mit dem soviel Naturzerstörung einhergehen wird, wird nie Realität.
    Die Farbe Grün scheint für eine bestimmte Partei nicht mehr „in“ zu sein.
    Das ehemalige Zandersareal bietet sich doch wirklich an, Gewerbe ohne Naturzerstörung anzusiedeln.

    1. Welche Natur würde denn dort zerstört werden? Ein paar Äcker?
      Wie mit dem Gewerbegebiet Herkenrath sind es die ortsansässigen, die dagegeben aufbegehren.
      Ist vielleicht die letzte CDU Hochburg da oben?

      Die Stadt hat es einfach verschlafen, zu sagen, welche Gewerbeflächen-Möglichkeiten es in GL gesamt gibt und dann nach ökologischen und ökonomischen Aspekten das beste zu auszuwählen.
      Zwischen Moitzfeld und Herkenrath wäre damals die beste Chance gewesen, schnelle Anbindung an die A4 (2 Kreuzungen) und langfristig evtl. sogar die Straßenbahn.
      Zandersbefürworter möchten nun den Verkehr in die Innenstadt holen, verrückt. Hier müssen Arbeitsplätze ohne Lieferverkehr entstehen, wo die Kunden und Mitarbeiter mit dem ÖPNV kommen können, wenn überhaupt noch Kunden kommen müssen in einer digitalen Welt.

      1. Also im Gebiet um Spitze gibt es noch reichlich Natur! Und warum solche Flächen für ein Gewerbegebiet versiegeln, die Alleestraße zerstören, den Verkehr über Herkenrath zur A4 nich vervielfachen, während ein riesiges Firmengelände zur Verfügung steht, das ohne Naturzerstörung genutzt werden könnte, ist doch verrückt.
        Wer baut denn noch die zusätzlich notwendigen Schulen etc. bei einer so konzentrierten Wohnbebauung? Klein Manhattan ist dafür doch schon Negativbeispiel genug.
        Ich wohne übrigens nicht in Spitze, sondern am anderen Ende von Gladbach, kann mir aber durchaus ein Urteil erlauben über Sinn und Unsinn solcher Baumaßnahmen.
        Übrigens bin ich auch kein CDU Wähler, und egal was diese Partei versäumt hat in der Vergangenheit, mMn hat sie in diesem Fall mehr als Recht.

    2. Da kann man nur zustimmen. Es heißt „Bergisches Land Land“und nicht bergische Industrie Landschaft. Wer Spitze erreicht kann freier atmen. Wir sollten dieses herrliche Naturerbe pflegen und nicht verschandeln. Muss denn jeder Ort ein Gewerbegebiet haben?