Das AOK-Gebäude liegt an der Bensberger Straße, direkte gegenüber der Arbeitsagentur

Die Stadt hat die Verhandlungen zur Anmietung des bisherigen AOK-Gebäudes in der Bensberger Straße weit voran getrieben – der Stadtrat soll in seiner nächsten Sitzung über einen 25-jährigen Mietvertrag mit einer monatlichen Miete von rund 100.000 Euro entscheiden. Ganz so schnell wie zunächst gehofft wird es mit dem Umzug aus den alten maroden Stadthäuser jedoch nichts werden. Zudem wird nicht für alle Beschäftigten genug Platz sein.

Den zuständigen Ausschüssen und dem Stadtrat liegen für die Sitzungen im Dezember Vorlagen über die Anmietung des Gebäudes Bensberger Straße 76 als künftiges zentrales Verwaltungsgebäude vor. „Wenn der Rat unserem Vorschlag zustimmt, findet ein jahrzehntealtes Drama rund um unsere alten Stadthäuser ein wirklich gutes Ende“, sagt Bürgermeister Frank Stein.

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Gut heißt in diesem Fall: eine preiswerte und rasch umsetzbare Lösung. Allerdings sind beide Punkte relativ. Zudem ist das Gebäude relativ klein.

Der Zeitplan

So schnell wie ursprünglich gehofft wird der Umzug nicht kommen. Denn die AOK zieht nicht Ende 2023, sondern erst Ende 2024 aus, heißt es nun in der Vorlage. Danach dauert es mindestens 15 Monate, um das ständig modernisierte Gebäude (Baujahr 1965 bzw. 1994) – vor allem energetisch – aufzurüsten. Mit einem Einzug rechnet die Stadt jetzt frühestens Ende 2025, wahrscheinlich aber erst Anfang 2026.

Aber das ist immer noch schneller, als bei dem geplanten kompletten Neubau am S-Bahnhof erforderlich gewesen wäre.

Die Kosten

Bei einem Quadratmeterpreis von 18,95 Euro zahlt die Stadt für das gesamte Gebäude inklusive Lager und Stellplätzen 98.842,52 Euro Kaltmiete pro Monat, im Jahr summiert sich das auf knapp 1,2 Millionen Euro. Um maximal fünf Prozent kann die Vermieterin (Vicoletta Immobiliengesellschaft Heidelberg mbH & Co. KG) die Miete anheben, die Stadt selbst kalkuliert mit einer durchschnittlichen Erhöhung von zwei Prozent pro Jahr.

1,2 Millionen Euro ist nicht wenig – aber angesichts der schon vor zwei Jahren auf bis zu 100 Millionen Euro geschätzten Kosten für einen Neubau eine relativ günstige Alternative. Zudem geht die Stadt hier keine Risiken bei den Baukostensteigerungen ein.

„Stellt man die Kosten einem eigenen Neubau auf 50 Jahre Abschreibungsdauer gegenüber und bringt den Vorteil der Gebäudeunterhaltung durch den Vermieter in Ansatz, so ist es nicht vorstellbar, dass wir mit dem Stadthausprojekt am S-Bahnhof eine nur annähernd gleich günstige Lösung hätten realisieren können.“

Bürgermeister Frank Stein

Der Umbau

Mit dem Umbau soll ein moderner Verwaltungssitz entstehen, der sowohl den Standards für modernes Arbeiten wie für Energieeffizienz entspricht. So ist vereinbart, Dachflächen zu begrünen und mit einer Photovoltaikanlage zu versehen. Fenster und Türen werden ausgetauscht; ein Wärmedämm-Verbundsystem auf den Außenwänden ist vorhanden. Auf dem Grundstück entstehen Lademöglichkeiten für E-Autos und Pedelecs.

Im vorderen Teil des Gebäudes soll das Bürgerbüro untergebracht werden. Von hier sind es wenige gut 600 Meter bis zum Marktplatz, die Bushaltestelle liegt vor dem Haus.

Die verfügbare Fläche

Laut Vorlage stehen in dem neuen Gebäude rund 4500 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung, plus knapp 800 Quadratmeter Lagerfläche. Das ist deutlich weniger, als für den Neubau und auch für die zwischenzeitlich angedachte Aufstockung der RheinBerg Passage geplant waren.

185 Arbeitsplätze könne man hier unterbringen, so die Stadtverwaltung. Eine Homeoffice- und Abwesenheitsquote ist dabei bereits eingerechnet. Das sei immerhin genug Platz, um die Belegschaft der beiden maroden Stadthäuser am Konrad-Adenauer-Platz und an der Gohrsmühle hier unterzubringen.

Links eines der alten Stadthäuser am Konrad-Adenauer-Platz, rechts die Hauptstraße 195 – die ebenfalls aufgegeben werden soll.

Für die Finanz-Abteilung, die im ebenfalls überalterten Gebäude am Eingang in die Fußgängerzone (Hauptstraße 195) arbeitet, bleibt nun jedoch kein Platz mehr. Dafür skizziert die Verwaltung zwei Optionen:

Im Gustav-Lübbe-Haus sind seit dem Ankauf in einen Flügel städtische Büros untergebracht, im anderen Flügel jedoch Flüchtlinge. Die sollen – so die Vorlage – in eine neue Wohnanlage in der nicht weit entfernten Richard-Seiffert-Straße umziehen. Und damit weiteren Abteilung der Stadt Platz machen.

Sollte der Flüchtlingszuzug jedoch so groß und nachhaltig sein, dass das nicht möglich ist, sollen das historische Zanders-Verwaltungsgebäude sowie das Bürogebäude 5 auf dem Zanders-Gelände genutzt werden. Auch diese Gebäude müssen saniert werden, und stehen damit ebenfalls frühestens 2026 zur Verfügung.

Was übrig bleibt

Nach dem Auszug aus den alten Stadthäusern, für die wohl nur der Abriss in Frage kommt, hat die Stadt dort zwei große Grundstücke zur neuen Verwendung zur Verfügung – und dann auch noch die derzeit nur als Parkplatz genutzt Fläche am S-Bahnhof.

Der Stadt gehört nicht nur die Parkplatzfläche, sondern auch das langgestreckte Grundstück zwischen Bahngleisen und Jakobstraße. Foto: Stefan Krill / panomedia360

Insgesamt drei wertvolle Fläche, deren Verwendung noch völlig offen ist. Die Stadt spricht nur von der Option auf „neue attraktive Projekte“. Diese könnten gemeinsam mit der Zanders-Konversion die Innenstadt stärken.

Hinweis der Redaktion: Schon vor gut vier Jahren hatten wir an unserem „Politischen Stammtisch“ darüber debattiert, was an die Stelle der Stadthäuser rücken sollen. Dabei kamen viele Ideen zusammen, am konkretesten war der Bau eines Kinos und Vergnügungszentrums.

Zwei weitere Gebäudefragen sind offen: Die künftige Nutzung der RheinBerg Passage, die seit dem Auszug auch der Kaufhalle völlig leer steht und langsam herunterkommt. Der Eigentümer, eine Immobilienfondsgesellschaft äußert sich dazu nach wie vor nicht.

Die Stadtbücherei am Forum. Foto: Thomas Merkenich

Die Stadtbücherei wird in den städtischen Vorlagen nicht erwähnt. Sie sollte eigentlich mit ins Stadthaus am Bahnhof ziehen, soll nach früheren Aussagen von Stein aber nun doch wohl am alten Standort am Forum bleiben. Das Gebäude muss jedoch dringend saniert werden – und ob sich die Pläne für eine wirklich moderne Bibliothek dort verwirklichen lassen, ist unklar.

Über den Mietvertrag für das AOK-Gebäude beraten Hauptausschuss (7. Dezember) und Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften (8. Dezember), die Entscheidung trifft der Rat am 13. Dezember.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Manchmal frage ich mich ob unsere Oberen in der Schule waren? Das würde ohne Erhöhungen 60.000.000 € Miete bedeuten für ein Gebäude das fast so alt wie die jetzigen Stadthäuser sind. Und man weiß das zu wenig Platz ist. Also muss noch mehr Bürofläche her und die Bibliothek muss auch saniert werden. Selbst bei einem Neubau von 100.000.000€ Kosten ist man mit diesen besser bedient. Es ist neu und gehört der Stadt! Mir fehlt dafür das Verständnis!!!

    1. 12*25*100.000=30.000.000
      Wenn man schon die gute alte Schule bemüht….
      Hat sich das Verständnis nun verbessert?

  2. Fraglich bleibt für mich jedoch, ob es sinnvoll ist den Standort in der Stadtmitte und der Fußgängerzone aufzugeben. Zudem sind Parkplätze an der Bensberger Straße recht mau, auch wenn es ca. 50 Parkplätze hinter dem Haus gibt. Ob die für Bürger dann zu Verfügung stehen werden? Wohlmöglich nicht. Aktuell kann bsw. das Bürgerbüro oder Ordnungsamt mit den Bussen aus fast allen Stadtteilen, ohne Umstieg in eine andere Linie erreicht werden. Das wäre dann nicht mehr möglich.