Die Kita Windrad der KJA im Hermann-Löns-Viertel ist die bislang letzte neue Kita. Foto: Thomas Merkenich

Wie groß ist der Betreuungsbedarf der Eltern in Bergisch Gladbach bei Kita und OGS? Aufschluss soll eine Elternbefragung liefern, welche die Stadt im September durchgeführt hat. Erste Ergebnisse stellte die Verwaltung nun im Jugendhilfeausschuss vor: Fast ein Drittel der teilnehmenden Eltern nutzt oder bekommt keine Betreuung, die meisten suchen einen Kita-Platz, fast alle wollen einen OGS-Platz.

Befragt wurden 6.999 Kinder im Alter zwischen 0 und 7 Jahren. 2.202 Eltern nahmen an der Umfrage teil (31,78 Prozent). Die meisten Kinder der Befragung waren 2 Jahre alt (16,87 Prozent), die wenigsten 7 Jahre (0,69 Prozent).

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Über die Inhalte der Befragung hatte das Bürgerportal bereits berichtet.

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Stadt befragt Familien zu Kita- und OGS-Bedarf

Wie sieht der Betreuungsbedarf für Kita- und Grundschulkinder aus? Mit einer Online-Umfrage will die Stadt den aktuellen und den zukünftigen Bedarf erfassen. Die Daten sollen als Planungsgrundlage für den Ausbau der Kita- und OGS-Plätze dienen. Die letzte Erhebung fand 2009 statt – die Daten sind mithin vor allem für Kinder unter drei Jahren längst als überholt.

Knapp 31 Prozent ohne Betreuung

Erstes, markantes Ergebnis: 30,92 Prozent der Antwortgeber:innen nutzen kein Betreuungsangebot in der Stadt, in absoluten Zahlen sind dies 653 Kinder. Ob dies freiwillig geschieht, oder ob die erfolgose Suche nach einem Betreuungsplatz dahintersteckt, wurde nicht angegeben.

Mehr als zwei Drittel der Rückmelder:innen ist indes versorgt. 59,14 Prozent nutzen ein Betreuungsangebot in einer Kindertagesstätte, 7,1 Prozent eine Kindertagespflege. 2,84 Prozent gehen in eine Spielgruppe.

Die Kita-Ausbaupläne im Detail

Sofortkita Innenstadt

An der Jakobstraße hinter dem Bahnhof in der Innenstadt ist die alten Flüchtlingsunterkünfte abgerissen worden Auf dem 3800 qm großen Grundstück wird eine vierzügige Kita mit rund 70 Plätzen gebaut, später ist dort auch ein Spielplatz vorgesehen. Fertigstellung ist für Juni 2025 geplant.

Sofortkita Schildgen „Nittumer Weg“

Am Nittumer Weg in Schildgen liegt ein städtisches Grundstück mit 940 qm, das zur Zeit als Parkplatz genutzt wird. Hier entsteht eine dreizügige Kita mit rund 50 Plätzen; die Parkplätze fallen weg, ein Teil der Fläche wird entsiegelt. Fertigstellung: 1. Quartal 2026

Sofortkita Sand

An der Schulstraße in Sand, neben dem Friedhof und hinter dem Schotterparkplatz, wird eine Wiese bebaut, die als Reservefläche für den Friedhof vorgesehen war. Das Grundstück mit 1700 qm reicht ebenfalls für eine vierzügige Kita mit weiteren 70 Plätzen. Geplante Fertigstellung: März 2025

Sofortkita Lena-Wiese / Am Fürstenbrünnchen

Für den Bau einer Kita am Rand der Bienen- und Blumenwiese am Lückerather Anger an der Straße „Am Fürstenbrünnchen“ hatte es schon 2020 einen Beschluss gegeben, der nach der Kommunalwahl zurückgestellt worden war. Im September 2023 setzte die CDU durch, diesen Standort ebenfalls im Sofort-Kita-Programm voran zu treiben. Derzeit geplante Fertigstellung: Herbst 2025

Weitere Sofortkita (noch offen)

Der Standort einer möglichen weiteren Sofortkita ist noch offen, ein Grundstück im Bereich Moitzfeld / Bensberg / Lückerath werde geprüft, hatte die Stadt im Juni 2023 erklärt.

AWO-Kita Mondsröttchen / Am Reiser (Bensberg/ Kaule)

Die vierzügigen Kita Mondsröttchen mit 90 Plätzen befindet sich bereits in Bau und soll laut Planung ab dem 1.8.2024 schrittweise in Betrieb gehen. 

Kita auf dem Carpark-Gelände (Lückerath)

Auf dem ehemaligen Areal der belgischen Armee an der Bensberger Straße in Lückerath soll nun doch eine große Kita gebaut werden, auf der Grünfläche zwischen Flüchtlingsunterkunft und dem Seniorenwohnheim. Dazu müssen zunächst der Flächennutzungs- und der Bebauungsplan geändert werden.

Kita mit Kompetenzzentrum Autismusspektrum-Störungen (Hebborn)

Diese Kita, ebenfalls von der AWO betrieben, soll auf dem brachliegenden Grundstück gegenüber der Grundschule Hebborn an der Odenthaler Straße entstehen, die Ausschreibung steht bevor.

Kita Weig-Gelände (Zanders-Areal)

Pläne für eine Grundschule und Kita auf dem Gelände der ehemaligen Weig-Kartonagenfabrik am Rande des Zanders Areals an der Cederwaldstraße parallel zu einer Grundschule 21 haben sich inzwischen zerschlagen, weil das Gebiet hochwassergefährdet ist.

Kita im Trend

Unter den Familien, die derzeit kein Betreuungsangebot nutzen oder bekommen, gaben 59 Prozent eine Kindertagesstätte als Wunsch-Betreuung an.

Wenig attraktiv scheinen hingegen die anderen Betreuungsangebote zu sein: Kindertagespflege wünschen sich nur 5,19 Prozent, die Nachfrage nach einer Spielgruppe liegt bei 4,33 Prozent.

Kitas liegen laut Umfrage bei den Familien im Trend, Foto: Holger Crump

Hohe OGS-Nachfrage

1.923 Teilnehmende machten in der Umfrage Angaben zur OGS. Insgesamt 86,90 Prozent von ihnen haben Bedarf an einer OGS-Betreuung, wobei es Unterschiede in der Betreuungsdauer gibt: Bis 15 Uhr benötigen 35,52 Prozent einen Platz. Wesentlich mehr – nämlich 51,38 Prozent – möchte bis 16.30 Uhr die Kinder an der OGS betreut haben.

Kommt die Randstundenbetreuung dazu, liegt der Bedarf mit 94,07 Prozent nahezu bei der Gesamtheit der Antwortgeber:innen.

Stichwort Inklusion: Auch der besondere Förderbedarf wurde abgefragt. 1,75 Prozent der Befragten haben demnach eine drohende Behinderung im sozialrechtlichen Sinne angegeben

Detaillierte Auswertung folgt

Details zur Befragung gibt es im Ratsinformationssystem. Laut Stadt soll die Auswertung noch vertieft werden, um in klareres Bild des Betreuungsbedarfes der Familien zu erhalten. Die Ergebnisse sollen im nächsten Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden. Der ist für den 23. November terminiert.

Die Ergebnisse der Befragung tragen zur Aktualisierung sogenannter Zielquoten bei, mit denen die Stadt die Betreuungsbedarfe der Familien in den Kitas plant. Die letzte Befragung von Eltern stammt aus dem Jahr 2009, die letzte Anpassung der Zielquoten wurde vor fünf Jahren vorgenommen.

Es ist davon auszugehen, dass die aktuelle Befragung zu höheren Bedarfen an Kita-Plätzen führt. Das Defizit soll derzeit bei rund 500 liegen.

war bis Anfang 2024 Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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  1. Sinnvolle Planungen auf Basis dieser Umfrage erscheinen aufgrund der geringen Beteiligung nicht möglich zu sein. Leute, die sich an solchen Umfragen beteiligen, sind die falsche Grundgesamtheit. Sinnvoller wäre es, mit einfachen Faustregeln zu arbeiten. Man kann davon ausgehen, dass der Anteil der Eltern, die Betreuung wünschen, in Zukunft genau so hoch wie heute ist. Aus der Anzahl der Kinder ergibt sich dann der Bedarf.

  2. Sehr geehrter Herr Crump,

    auch wir in der Kindertagespflege sehen die Entwicklung der letzten Jahre und den Mangel an Betreuungsplätzen mit großer Sorge.

    Über die Aussage, dass Kindertagespflege und Spielgruppen wenig attraktive Angebote seien, sind wir einigermaßen bestürzt.

    Für die Bedarfsabfrage wurden Eltern von Kindern im Alter bis 7 Jahren angeschrieben.

    Sowohl die Spielgruppen als spielerische Vorstufe zur Kita als auch die bindungsorientierte und kleingruppige Betreuung in der Kindertagespflege sind Angebote, die entgegen der Kita-Betreuung nur für weitaus kürzere Alterspannen in Frage kommen (Spielgruppen meist von 2-3 Jahren, Kindertagespflege meist von 1-3 Jahren).

    Spielgruppen und Kindertagespflege als Wunschbedarf spielen für Kinder, die älter als 2 Jahre sind, kaum noch eine Rolle, da Eltern zu diesem Zeitpunkt bereits die nächste Betreuungsstufe (Kita) planen. Der Wunschbedarf Kindertagespflege liegt wohl hauptsächlich bei Eltern vor, deren Kinder gerade oder noch nicht geboren sind, da der Start in dieser Betreuungsform üblicherweise bei ca. 8 bis 15 Monaten liegt.

    Interessant wäre es auch zu wissen, wie hoch der Anteil der Eltern ist, die bewusst zur Zeit keinen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen und aus diesem Grund keinen Wunsch nach U3-Betreuung äußern (was ja die Kindertagespflege und Spielgruppen von vornherein ausschließt) und sich deshalb auch nicht näher gedanklich mit diesen Betreuungsformen auseinander gesetzt haben.

    Bei 5,19% Wunsch aller befragten Eltern, deren Kind (0-7 Jahre) keine Betreuung nutzt, nun von „wenig attraktiven Angeboten“ zu sprechen, ist eine völlig falsche Darstellung. Vielmehr zeigt es doch deutlich, wie groß der Mangel an Kita-Plätzen in diesen Altersstufen ist.

    Man könnte im Umkehrschluss feststellen, dass der Großteil der Kinder, deren Eltern sich eine Spielgruppe oder Kindertagespflege wünschen, gut versorgt werden konnten!

    1. OGS steht für „Offene Ganztagsschule“.
      Das gibt es bei uns nur für Grundschulen und bedeutet, dass die Kinder nach Schulschluss weiter pädagogisch betreut werden. Inkludiert ist immer ein Mittagessen und ein Nachmittagsprogramm, je nach Schulkonzept auch Hausaufgabenbetreuung.
      Üblicherweise dauert die Betreuungszeit bis 15 Uhr oder 16.30 Uhr.
      Dies ermöglicht Eltern längere/flexiblere Arbeitszeiten.

      1. KiTa Platz suche gestaltet sich folgendermaßen:
        “Schön das Sie sich vorstellen! Wir haben für nächstes Jahr 13 Plätze zu vergeben, wo 10 Plätze an Geschwister vergeben sind. Auf die letzten 3 Plätze sind ca. 200 Bewerber.”
        So oder so ähnlich läuft es leider ab.
        Und wenn ich dann lese, es fehlen 500 Plätze, dann frage ich mich, ob wir in dem einzigen Stadtgebiet wohnen, wo der Mangel herrscht.
        Und auch Pop Up Kindergärten helfen doch nicht wirklich, wenn man mit Kita Eltern spricht, Notgruppe, geschlossen, verringerte Stunden und noch andere Modelle.

        Unsere Kinder haben halt keine eigene Lobby :/