Als Kind habe ich die Gräuel des von Deutschland ausgehenden Weltkriegs noch erlebt. Aber das Aufwachsen in einem offenen, freiheitlichen, demokratischen Land hat mein Leben geprägt. Und nun erfährt eine Partei der ewig Gestrigen und Unzufriedenen eine Zustimmung, die mich erschreckt. Nationalisten vieler Länder fallen zurück in Zeiten, die wir überwunden glaubten. Wir erleben gerade die Bedrohung unserer Demokratie, den Angriff auf unsere Freiheit und den Rechtstaat. 

Sommerferien 1956. Elf Jahre nach dem Ende des Weltkriegs fuhren ein Freund und ich mit dem Fahrrad von der Ostseeküste bis zum Rheinfall von Schaffhausen durch ein Land in Trümmern. Auf unserer Fahrt zurück nach Norden ging es am Rhein entlang. Wir sahen ein zerstörtes Köln im Wiederaufbau, saßen an der Baustelle der Severinsbrücke.

+ Anzeige +

Nach dem dunklen Jahrzehnt deutscher Verbrechen, dem Kulturbruch durch ein Terrorregime, dem Tod von Millionen von Soldaten, Frauen und Kindern, der Flucht, dem Hunger, der Zerstörung vieler Länder in Europa waren wir uns bewusst, welche Schuld sehr viele Deutsche auf sich geladen hatten.

Kollektivscham

Theodor Heuss, erster Bundespräsident des neuen Staates, wies einen Weg, als er davon sprach, dass es keine Kollektivschuld, wohl aber eine Kollektivscham angesichts deutscher Verbrechen gäbe. Das war auch eine klare Entscheidung gegen die aufkommende und bis heute anhaltende Schlussstrich-Mentalität.

Die Rückkehr der Deutschen in die Weltgemeinschaft und in die EWG ist eine zivilisatorische Leistung unserer Kriegsgegner. Natürlich ging es dabei auch um das Bündnis gegen einen neuen Gegner im Kalten Krieg.

Wir lasen die verbrannten Dichter

Junge Lehrer machten uns Angebote für eine offene, demokratische, freie Gesellschaft. Wir lasen die verbrannten Dichter. Es waren Auswege aus dem Denken der mit Faschismus kontaminierten Hirne. 

Unserer Generation stand die Welt offen. Und wir haben das genutzt. Wir waren auf anderen Kontinenten unterwegs, lernten andere Länder, Kulturen, Ethnien – vor allem aber Menschen –  kennen, Freundschaften entstanden.

Erfahrungen auf einem anderen Kontinent

Reportagereise 1971: Eine Diskussion mit afrikanischen Studenten in der Universität von Kumasi, einer Stadt in Ghana, über ihre Zukunft und die ihres Kontinents, über die ausbeuterische Kolonialzeit und den Sklavenhandel hat mich tief beeindruckt. 

Vorher hatte ich in einem Flüchtlingslager bei Accra das Elend von 10.000 Flüchtlingen – meist Frauen und Kinder – aus dem Biafrakrieg gesehen. Menschenunwürdige Bedingungen. Nur eine Wasserstelle, unzureichende medizinische Betreuung, schreckliche hygienische Zustände.

Dieses Elend von Flüchtlingen habe ich vor Augen. Gerade jetzt, da leichtfertig die massenweise Abschiebung diskutiert wird.

Der kreativer Aufbruch

Aus anderen Ländern, vor allem den USA, kamen der Jazz, der Rock, kamen neue Kunstimpulse, neue Literatur, Filme, Medien, neue Bewegungen. Sie waren das Gegenteil der spießigen, engstirnigen Kulturauffassung der Nazis und des dumpfen geschichtsvergessenen Nationalismus der biodeutschen Neonazis.

In diesen Jahren entstanden auch hier hervorragende Kabaretts, Künstlergruppen, Experimentiertheater, eine neue Literatur. Zehn Jahre nach dem Ende der kunstverachtenden „Entarteten Kunst“-Ausstellungen der Nazis gab es in Kassel die erste documenta, eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst mit weltweiter Beachtung.

Wir wuchsen auf in einer Zeit des Aufbruchs, der Offenheit, der gelebten Toleranz, der Freiheit, der Emanzipation, des Austausches und der Bereicherung. Vor uns lag eine gute Zukunft in einem gemeinsamen Europa – einem großartigen Versprechen.

Wir holten „Gastarbeiter“ – es kamen Menschen

Ab Mitte der fünfziger Jahre wurden die ersten „Gastarbeiter“ ins Land geholt. Sie suchten Arbeit, wollten Geld verdienen und wir brauchten sie, um unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand aufzubauen. Natürlich kamen nach und nach ihre Familien, blieben hier. Ihre Kinder gingen in die Kitas und Schulen. Sie wurden Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die mit uns lebten, inzwischen in der dritten Generation.

Als der portugiesische Zimmermann Armando Rodriguez im September 1964 bei seiner Ankunft in Köln ein zweisitziges Moped geschenkt bekam, hing über ihm zur Begrüßung ein Transparent: „Die deutschen Arbeitgeberverbände begrüßen den 1.000.000 Gastarbeiter“.

Wölfe im Schafpelz

Mir ist es völlig unverständlich, dass sich intelligente Menschen, weil sie mit der derzeitigen Regierung und deren schlechter Performance unzufrieden sind, einer Partei zuwenden, die einen Systemwechsel will. Die einen Staat will, der in seiner Unmenschlichkeit der Remigration an das Dritte Reich erinnert. Einen Staat, der engstirnig, nationalistisch, faschistisch ist. 

Die Vorstellungen dieser kulturlosen Partei für die Zukunft kommen aus dem Gestern.

Biodeutsche Rechte treffen sich, um zu beraten, wie Millionen Menschen aus unserem Land deportiert werden können. Menschen, die hierher gekommen sind, um hier zu leben, hier zu arbeiten, andere, die zu uns vor Verfolgung und Terror geflüchtet sind. In ein sicheres Land. 

Ganz nebenbei: Unser Gemeinwesen würden überhaupt nicht mehr funktionieren ohne sie. Wie sähe es denn aus in den Kliniken, in den Pflegeheimen, in der Forschung, in den Medien, im Handel und Handwerk, der Landwirtschaft, der Industrie, in den Restaurants? 

Wir brauchen eine solidarische Gesellschaft

Die ehemaligen Gastarbeiter haben mit ihrer Leistung am Aufbau der Wirtschaft einen großen Anteil, sie haben unsere Gesellschaft verändert, zur offenen Kultur beigetragen. Ein Gewinn. 

Seit einigen Jahren kommen auch Flüchtlinge aus anderen Kulturkreisen, aus Kriegsgebieten, aus Terrorstaaten nach Europa. Sie fliehen vor Hunger, Armut und Bedrohungen, suchen Sicherheit und Asyl für ihre Familien und für sich. 

Wenn sich manche Flüchtlinge nur schwer integrieren lassen, dann liegt es auch am Versagen der Integrationspolitik.

Unser Gemeinwesen muss mit den auch von meiner Generation verursachten Schäden und Ungerechtigkeiten fertig werden. Deswegen brauchen wir eine solidarische Gesellschaft, wir brauchen ein Miteinander, kein Gegeneinander, schon gar keinen Egoismus. 

Liebäugeln mit Demokratiefeinden?

Kritik an der Performance unserer Regierung ist berechtigt. Aber rechtfertigt das, mit Populisten, die nicht einmal wirkungsvolle Lösungen für komplexe Probleme anbieten können, zu liebäugeln?

Manager großer Unternehmen warnen vor der AfD, weil sie die Gefahren für unsere Wirtschaft in Europa – das zu unser aller Vorteil ist – und einer globalen Welt sehen.

Hoffnung machen die vielen Demonstrationen im ganzen Land. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger sehen die Bedrohung durch die faschistoiden Tendenzen und gehen für Demokratie und Menschlichkeit auf die Straße.

Gesinnung kann man nicht verbieten

Es wird immer Gestrige in unserer Gesellschaft geben. Sie dürfen aber nie wieder an die Macht kommen. Wir können das Wachsen der Auswüchse verhindern. Durch eine hohe Wahlbeteiligung. Durch Bildung, Information und Aufklärung. Es stehen genügend demokratische Parteien zur Wahl.

Ein Verbot der AfD ist fragwürdig. Denn Gesinnung lässt sich nicht verbieten, Dummheit schon gar nicht.

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

25

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. @ Klaus Wagner
    Ihre beleidigenden Tiraden disqualifizieren Sie endgültig für die Teilnahme an einer ernsthaften Diskussion. Deshalb lohnt es sich nicht, auf Ihren Kommentar einzugehen.
    Ihre Vorwürfe bezüglich Datenmissbrauch sind offensichtlich, jedenfalls aus meiner Sicht so daneben wie alles, was Sie hier versuchen, unter die Leute zu bringen.
    Herr Hansen hat hier eine ausdrücklich als solche gekennzeichnete “persönliche Stellungnahme” geschrieben.
    Für mich ist selbstverständlich, dass er Zugang zu den auf seinen Artikel geschriebenen Mails bzw. Kommentaren erhält. Ihr Versuch, etwas zu skandalisieren, fällt auf Sie zurück. Wieder mal ein erbärmlicher Versuch, sich als Opfer der Medien darzustellen.

  2. Bis gestern bin ich davon ausgegangen, dass die über Beiträge der Redaktion zugänglichen privaten E-Mail-Adressen beim Bürgerportal gemäß der Datenschutzverordnung vertraulich behandelt werden. Das scheint wohl nicht mehr der Fall zu sein da ich gestern die unten aufgeführte E-Mail mit beleidigendem Inhalt bekommen habe, obwohl die offene Diskussion möglich war. Ich weise nochmals auf die Datenschutzverordnung hin und behalte mir im Wiederholungsfall geeignete Rechtsmittel vor.

    Meine Antwort auf diese E-Mail:

    Lieber Herr Hansen,
    ich antworte Ihnen, obwohl Sie mich, ohne mich zu kennen, in unverschämt arroganter Weise uncharmant als Deppen einordnen.

    Mein Hintergrundwissen zu politischen Parteien und insbesondere zur AfD dürfte nach meiner Einschätzung das ihrige bei weitem übertreffen.

    Deshalb brauchen Sie mich nicht zu überzeugen, diese AfD NICHT zu wählen.

    Aber offensichtlich haben Sie meinen Beitrag überhaupt nicht verstanden.

    Nur ein echter Depp konnte darin eine Verteidigung oder Wahlempfehlung für die AfD sehen.

    Ich erkläre Ihnen das aber gerne.

    Es sollte eine Anregung zum Nachdenken über Manipulation und den Zustand großer Teile unserer Medien und die daraus resultierende Gefahr für unsere Demokratie sein.

    Vielleicht lesen Sie den Text noch einmal in aller Ruhe durch und ich bin auch gerne bereit Ihnen nicht verstandene Passagen noch einmal zu erklären.

    Ich empfehle Ihnen, nicht in pawlowschem Reflex alle Texte, die Sie nicht auf Anhieb verstehen als AfD-affin einzuordnen.

    Recherchen und Lesen hilft nur, wenn man das recherchierte und Gelesene auch intellektuell angemessen verarbeiten kann.

    In dieser Hinsicht scheint bei Ihnen noch viel Luft nach oben zu sein.

    Mit wohlwollenden Grüßen, Klaus Wagner

    E-Mail von Herrn Klaus Hansen 28.01.2024

    Hallo Herr Wagner,

    ich schreiben Ihnen nicht öffentlich, denn ich möchte Sie nicht als den Deppen bloßstellen, der Sie nach Ihren Kommentaren vorzugeben scheinen.

    Bei Kommentierungen im Bürgerportal fällt auf, dass es häufig an Hintergrundwissen und Faktensicherheit fehlt. So auch bei Ihnen. Und dann wird schnell mal eine Meinung rausgehauen, meist getragen von Verschwörungsmythen.

    Zur AfD: Bevor man kommentiert, sollte man sich mit den politischen Zielen der AfD beschäftigen. Dazu gehören das Programm der AfD und die Aussagen ihrer Führungpersonen in der Öffentlichkeit. Die Äußerungen von Björn Höcke – und auch anderer AfD-Spitzen – sind öffentlich gefallen.

    Einige Beispiele: Höcke hat sich in Thüringen klar geäußert: Austritt aus der EU (vielleicht war er nach dem Brexit noch nicht in Großbritannien), Austritt aus der NATO, dafür mehr Nähe zu Putin – schöne Aussichten.

    Innenpolitisch plädiert er für die Kündigung des Staatsvertrages für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, für Einschränkung der Medien insgesamt, für Beschränkung der Förderung von Kunst und Kultur, für Beendigung der Inklusion in den Schulen etc.etc.

    Höcke möchte Einfluss auf die Justiz nehmen – also eine Einschränkung des Rechtstaats. Und natürlich möchte er missliebige Menschen mit Migrationshintergrund in einer Abschiebeoffensive aus unserem Land deportieren.

    Das sind in der Mehrzahl klare Aussagen zu einer rechtsradikalen, die Republik verändernden Politik.

    Eine links-grüne Verschwörung gibt es nicht – nicht in Deutschland, nicht in Europa oder schon gar nicht in der Welt. Es gibt nur leider zu viele, die Verschwörungstheorien aufsitzen, anstatt kritisch Fakten zu prüfen.

    Recherchieren und Lesen bildet.

    Mit wohlwollenden Grüßen
    Klaus Hansen

    1. Möglicherweise ist es gar nicht so schwer, Ihre E-Mail-Adresse und alle möglichen anderen Angriffspunkte herauszufinden? Sie hinterlassen ja auch Spuren im Netz. Für mich ist das ein Grund, nicht mit vollständigem Vor- und Nachnamen aufzutreten.

      Interessant ist eventuell aber auch die Frage, ob es rechtmäßig ist, empfangene persönliche E-Mails zu veröffentlichen.

      (Dass man Sie in der Nähe der AfD vermutet, könnte übrigens daran liegen, dass ein Namensvetter von Ihnen seinerzeit in die Gründung des hiesigen Kreisverbands involviert war: https://www.glaktuell.net/alternative-fur-deutschland-grundet-den-rheinisch-bergischen-kreisverband/ )

    2. Sehr geehrter Herr Wagner, wir haben keine Mailadresse oder andere personenbezogenen Daten weitergegeben. Bitte nehmen Sie ihre Unterstellung zurück, ansonsten sehen wir eine gerichtlichen Auseinandersetzung mit Interesse entgegen.

      Hinzu kommt, dass nicht Sie (in einer nicht-öffentlichen Mail) in beleidigender Weise als Depp bezeichnet werden, sondern das Sie genau das öffentlich mit Bezug auf Herrn Hansen machen. Bitte unterlassen Sie persönlichen Angriffe in dieser Form auf unserer Plattform, weiter Kommentare dieser Art werden wir nicht veröffentlichen.

  3. Demokratie retten, mit welchen Mitteln ?
    Das reine Phänomen des Zustandekommens der jüngsten Demos hat mich doch etwas nachdenklich gemacht. Wie schnell auf der Basis eines nicht gegengeprüften Berichtes eines linken Rechercheteams in kürzester Zeit eine gewaltige Empörungswelle erzeugt werden kann.
    Neben den üblichen Verdächtigen aus der linken Szene sind wohl auch sehr viele von der Medienberichterstattung emotionalisierte Menschen in voller Überzeugung, jetzt die Demokratie retten zu müssen, auf die Straße gegangen. Gegen mutmaßliche illegale Deportation von Menschengruppen zu sein ist eine honorige, anschlussfähige Position. Bürgerschaftliches Engagement finde ich sehr gut, jedoch irritiert mich die emotionale Wirkung unserer medialen 4.Gewalt, wenn sie unkontrolliert gezielt in eine Richtung wirkt. Ich bin kein Freund dieser AfD aber als Demokrat überzeugt, dass man sie nur mit besseren Argumenten bekämpfen sollte. Gezielte, offensichtliche Kampagnen und Nazi-Vorwürfe ohne überzeugenden Beleg bewirken bei mündigen Bürgern schnell wieder das Gegenteil der gewünschten Wirkung.
    Über folgende Sachverhalte sollten Demokraten nachdenken:
    1. Timing => Die Recherchen lagen seit Oktober im Giftschrank von Korrektiv und wurden just zum Zeitpunkt, als die Zustimmung zur Ampel mit den Bauernprotesten einen absoluten Tiefpunkt erreichte, breit in die Medien gebracht.
    2. Audiatur et altera pars => Fragwürdige mediale Einheits- Berichterstattung. Ohne jegliches journalistisches Hinterfragen wurden die Darstellungen des linken Recherche-Teams Korrektiv 1:1 übernommen und kritiklos in Umlauf gebracht. Die Darstellung der Gegenseite wurde zunächst völlig ignoriert. Der Verfassungsschutz hat jetzt auf Anfrage im Innenausschuss erklärt, dass keine verfassungsrechtlich relevanten Vergehen in Zusammenhang mit dem Potsdamer Treffen festgestellt worden sind.
    3. Wording => “Deportationen“, “Wannseekonferenz 2.0“. Über den von Korrektiv hinausgehenden Ursprungs-Text wurden diese skandalisierenden Begriffe gewählt die starke Emotionalisierung erwarten lassen. Der Begriff „Remigration“ wurde schon von vielen Seiten verwendet und kann nur im jeweils entsprechenden Kontext bewertet werden.
    4. Methodenwahl => Das Abhören von privaten Treffen durch Richtmikrophone oder Verwanzen und das unerlaubte heimliche Filmen in privater Atmosphäre ist eine strafbare Handlung, deren Ergebnisse juristisch nicht verwendet werden können.
    Bei Journalisten ist das im Einzelfall einer juristischen Güterabwägung zu unterziehen.
    5. Focus => nur politischer Gegner AFD: Die politisch-mediale Verwendung zielt ausschließlich auf die AFD und deren Verbot. Von den ca 20 Teilnehmern des Potsdamer Treffens waren fünf Unionsmitglieder und vier AFDler. Verbotsforderungen gegen die Union gab es bisher noch nicht.
    6. Historischer Missbrauch => Von diesem Treffen wurden medial Parallelen zur Wannseekonferenz gezogen. Für jeden der sich jemals ernsthaft mit der Wannseekonferenz beschäftigt hat, ist das absurd und geschichtsvergessen.
    Fazit:
    Es ist heute möglich, mit Hilfe geneigter Medien innerhalb kürzester Zeit ein dominierendes öffentliches Thema wie die Bauernproteste und die überbordende Kritik an der Ampel mit einem schon länger auf Lager liegenden nicht aktuellen aber kampagnenfähigen Thema vollkommen zu überlagern.
    Es ist heute möglich, eine Empörungswelle auszulösen, ohne dass die auslösenden Berichte kritisch geprüft wurden und Gegenseiten gehört wurden.
    Es scheint heute nicht mehr angesagt, den politischen Gegner mit mühsamer, fundierter Diskussion über sein Programm und seine klar erklärten Ziele niederzuringen.
    Qui bono ? => Im Zweifel nicht der Demokratie !
    Die Respektierung des Wählerwillens ist ein Fundament der Demokratie. Wenn der Wählerwille nicht durch argumentative Kraft beeinflusst werden kann und die Ausschaltung eines politischen Gegners mit anderen Machtmitteln erreicht werden soll schadet das der Demokratie nachhaltig.

    1. Sehr geehrter Herr Wagner,
      das was Sie den durch die Geheimkonferenz mit Deportationsphantasien aufgeschreckten Menschen vorwerfen, passiert Ihnen selber, in dem Sie, offensichtlich in Unkenntnis der rechstextremistischen Strukturen, AfD-Propagandea verbreiten.

      Der Hauptreferent und Vortragsreisende Neonazi Martin Sellner verbreitet täglich seit Jahren lupenreine Nazipropaganda. Er ist in der AfD hoch angesehen, wie ja aktuell seine Einladungen zu Veranstaltungen der AfD und auch durch Herrn Kurth zeigen. Er hat seit Jahren gut dokumentierte Kontakte zur AfD, er publiziert seine Bücher im Verlag von Götz Kubitschek, einer der grauen Eminenzen des deutschen Rechtsextremismus, der Sellners ausdrückliche Verehrung genießt. Sellners tägliche Audio- bzw. Videobotschaften sind hasserfüllt und von dem Versuch beherrscht, die bestehende Demokratie, vor allem die deutsche, lächerlich zu machen und in Frage zu stellen. Trotzdem übernehmen Sie die offensichtliche Lüge, es habe sich um ein unbedeutendes Privattreffen zum Gedankenaustausch getroffen.
      Ihr pauschales Medienbashing ist ebenfalls der AfD entlehnt.

      Lassen sie mich noch eins sagen: Wäre in den Jahren vor 1933 Hitler mit den von Ihnen kritisierten Abhörmethoden verhindert worden. Die Abhörer hätten Heldenstatus verdient.
      Und schießlich, man kann es nicht oft genug sagen: Demokratisch Gewählte sind nicht zwingend Demokraten, was das Personal der AfD täglich beweist.
      Sie mögen kein AfD-Anhänger sein, Sie sind aber ein Musterbeispiel dafür, wie weit Sprachfiguren und Scheinargumente des Rechtsextremismus in die sog. Mitte der Gesellschaft vorgedrungen sind.

    2. Correctiv ist ein angesehenes Recherchezentrum, dass auch in diesem Fall nach allen Regeln des journalistischen Handwerks gehandelt hat. Die Hintergründe sind gründlich ausgeleuchtet worden, alle Beteiligten sind mit ihren Aussagen konfrontiert worden – und niemand hat dementiert. Das Datum der Veröffentlichung ergibt sich gerade aus dieser gründlichen Arbeit, die Zeit beansprucht – und geht nicht ein von Ihnen suggeriertes „Timing“ zurück.

      Die anderen Qualitätsmedien haben über die Rechercheergebnisse zunächst berichtet, dann nach- und weiter recherchiert. Woraus sich weitere relevante Sachverhalte ergeben haben.

      Hier beantwortet Correctiv einige Fragen zur Recherche:

      https://correctiv.org/aktuelles/neue-rechte/2024/01/19/faq-geheimplan-recherche-correctiv/#belege

      1. Correctiv ist eine klar linke Organisation von linken Journalisten, die auch aus linken, vor allem SPD-nahen Quellen finanziert wird. Die Hauptfinanzierung (>3 Mio Anschubfinanzierung) erfolgt über die A.Brost-Stiftung mit dem Vorstand Bodo Hombach, einem ehemaligen SPD-Wahlkampfmanager. Neben zahlreichen weiteren SPD-nahen Großstiftern wie Mercator-Stiftung (140.000), RAG-Stiftung(120.000), erfolgten 2023 auch Zuwendungen direkt von der Bundeskasse (431.059,85 €) und der Landeshauptkasse NRW (145.338 €). Wer bei diesen Konstellationen an unabhängigen Journalismus glaubt, nun ja. Ich habe Correctiv bisher als ein linkes Wahlkampfinstrument zur Unterstützung linker politischer Kräfte wahrgenommen, was durchaus legitim ist, aber nicht das Prädikat „unabhängig“ verdient.
        Zitiere: ” …und niemand hat dementiert”, Das ist nicht wahr, die Anschuldigungen bzgl. Deportationspläne wurden als absurd zurüchgewiesen.

      2. Das zeigt doch schön, wie man mit selektiver Faktenauswahl und interessengesteuerte Faktenauslegung argumentieren kann. Noch Zuwendungen einer CDU-geführten Landesregierungen werden als Beleg für eine linke Position herangezogen. Mercator- und RAG-Stiftung einfach mal als „SPD-nah“ apostrophiert. Wesentliche Beiträge durch Faktencheck-Arbeit für Facebook (nicht gerade linker Gesinnung vedächtig) oder Spenden von Google (dito) lässt man dann gleich mal unter den Tisch fallen. Und natürlich macht es sich gut, wenn man niedrige bis mittlere sechsstellige Summen aus staatliche Zuschüssen anführt (die nicht gerade wenige gemeinnützige Organisationen erhalten), zugleich aber die Summe von knapp 2 Millionen Euro unter den Tisch fallen lässt, die 2023 aus privaten Einzelspenden stammen.

        Jeder kann nachlesen, wie sich Correctiv seit der Gründung 2014 finanziert: https://correctiv.org/ueber-uns/finanzen/ – das ist weit stärker differenziert, als Sie es uns hier glauben machen wollen.

      3. Im kontrafaktischen Zeitalter ist es typisch, dass gewisse Personengruppen ausschließlich die Quelle anzugreifen und auf den Inhalt der Nachricht gar nicht mehr einzugehen.

        Deswegen müssen die Ausführungen der Redaktion, von Drucker und Helmut Schneider bei den Quellenangreifern verpuffen, auch wenn ich das persönlich bedauere.

      4. Man kann sicher niemanden überzeugen, der den Boten prügelt, weil ihm die Nachricht nicht passt (bzw. die Tatsache, dasss sie öffentlich wird und Wirkung zeigt). Aber man kann immer noch den Mechanismus entsprechender Argumentationen entlarven.

    3. Was für ein Timing, gerade heute in Zusammenhang mit Deportationen gegen angeblich “linke Presse”, “übliche Verdächtige” und gegen den Vergleich zur Wannseekonferenz zu argumentieren. Muss man sich auch erstmal trauen.
      Sich dann auch noch entblößen und Anderen Geschichtsvergessenheit vorzuwerfen, ist gerade am 27.1. eine Unverschämtheit, die an Ignoranz kaum zu überbieten ist.

    4. Wenn das alles aufgeblasen oder erfunden wäre – warum dann die eindeutigen Reaktionen der erwischten Teilnehmer? Sogar Frau Weidel hat ihren Referenten daraufhin vor die Tür gesetzt. Und sogar Frau Le Pen hat den Wahrheitsgehalt keine Sekunde lang bezweifelt, sich von der Veranstaltung und der AfD-Teilnahme distanziert und eine Überprüfung der Fraktionsgemeinschaft mit der AfD im europäischen Parlament angekündigt. Diverse überraschend schnelle Rücktritte von Teilnehmern kommen hinzu.

      Sie scheinen die Berichterstattung über das Treffen als übertrieben anzusehen, aber die in die Vorgänge verwickelte Rechte hat durch ihr Handeln keinen Zweifel daran gelassen, was dort tatsächlich abgelaufen ist.

    5. Zusammengefasst: wenn der Feuermelder evangelisch ist und die Feuerwehr katholisch, dann muss man den Brand nicht löschen! – Habe ich das richtig verstanden?

      1. Köstlich! Geistreich!
        Was täten wir ohne unsere Vorurteile…
        Es geht nicht um Totschlag“Argumente“ „Rechts“ oder „links“ sondern um Inhalte: Demokratie- ja oder nein.

  4. Vielen DANK für den sehr persönlichen Artikel! Die grösste Partei ist die Partei der NICHT-Wähler:innen. Wenn die aktiviert werden können, demokratisch zu wählen und nicht rechtsradikal, ist schon viel gewonnen. Die eingefleischten AfD-Wähler:innen wird man nur sehr schwer erreichen, noch schwerer überzeugen können.

    Am 23.1.1930 wurde Thüringen faschistisch und verschaffte Hitler, der bis dato von Abschiebung bedrohter, weil straffällig gewordener Ausländer war, eine Beamtenstelle, die ihm die Einbürgerung ermöglichte.

    Also wehret den Anfängen! In Thüringen wird das Schicksal von Deutschland entschieden.

    1. Bitte lassen Sie uns im ersten kleinen Schritt damit anfangen nicht weiter die Begrifflichkeiten des rechten Rands zu reproduzieren! Auch hier fallen ärgerlicherweise (Kampf-)Begriffe wie “Biodeutsche”, “Remigration”. Damit werden diese legitimiert, normalisiert und unterm Strich verharmlost.

      Dieses Problem hat spätestens seit 2015 zur Verschiebung der Debatte nach rechts beigetragen und der AfD – nennen wir sie bei dem, was sie ist: Rechtsextrem- in die Karten gespielt.

      Leider passt dies genau in deren durchaus erfolgreiche und leicht durchschaubare Strategie, die Grenzen des sagbaren immer wieder mit Tabubrüchen auszutesten, um dann halbgar zurück zu rudern. Diese Taktik normalisiert Begriffe, was zweifelsohne ein Teil des Problems ist. Hier hilft nur Konsequenz in der eigenen Wortwahl. Alles andere hilft nur den populistischen Schreihälsen.

      1. Die von Ihnen genannten Begriffe „Remigration“ und „biodeutsch“ sind Begriffe, die seit vielen Jahren verwendet werden. Remigration meint in der Forschung die Rückkehr der exilierten Juden nach Deutschland (Bundeszentrale für Politische Bildung).

        „Biodeutsch“ wird auf sehr unterschiedliche Weise benutzt, vor allem aber seit den 90er-Jahren satirisch von Kabarettisten mit Migrationshintergrund (Wikipedia).

        Sollen wir Begriffe, wenn Rechte oder Rechtsextreme versuchen, diese zu besetzen oder umzudeuten, nicht mehr verwenden? Wo endet das?

        Die zur Zeit laufende Petition zum Ausschluss von AfD-Prominenz aus den Öffentlich-Rechtlichen Medien scheint mir der falsche Weg zur Entlarvung der haltlosen oder sogar widersprüchlichen Thesen* zu sein. Ich bin dafür, diese Leute mit ihren verquasten populistischen Gedanken überall dort, wo sie auftreten – auch und gerade in den Medien – durch sachkundige, geschichtsbewusste und kluge Argumente zu stellen. *Ein Beispiel: Die AfD fordert den Abbau sämtlicher Subventionen. Das könnte Landwirte, deren Einkünfte zu einem großen Teil aus Subventionen kommen, interessieren.

        Gesinnung kann man nicht verbieten. Da helfen nur Informationen, Bildung, Auseinandersetzung.

        Gut gemeinter Rat: Bitte verstecken Sie sich nicht hinter einem Vornamen, sondern schreiben Sie Ihre Kommentare unter vollem Namen. So, wie es andere machen. Auch ich.

      2. Herr Hansen, sie fallen leider auf die AfD herein. Was soll es denn da zu stellen geben? Die AfD sagt und zeigt doch seit langer Zeit offen, was sie will und wie sie denkt. Der AfD Medienzeit zu geben, bedeutet nur, Positionen zu einem Diskursbeitrag zu machen, die außerhalb des demokratischen Diskurses liegen.

        Zum Beispiel das Interview mit Bernd Baumann am Wochenende im Bericht aus Berlin. Klar gibt er keine Antworten und weicht den kritischen Fragen aus – aber ist er dadurch gestellt oder entlarvt? Nein. Aber er kann zur besten Sendezeit behaupten, der 90iger Neonaziklassiker “Deutschland den Deutschen, Ausländer raus” meine ja nur, dass in Deutschland jede:r willkommen ist, der:die einen deutschen Pass hat, aber das ausreisepflichtige Ausländer:innen abgeschoben werden sollen.

        Das ist hanebüchener Unsinn, der dort als Argument geadelt wird. Ebenso ist ein Umdeutungsversuch, den niemand durchgehen lassen sollte.

        Die Medienstrategie wurde schon lange vom Rechtsextremisten Götz Kubitschek, bei dem AfD-Mitglieder ein- und ausgehen, klar formuliert: “Unser Ziel ist nicht die Beteiligung am Diskurs, sondern sein Ende als Konsensform, nicht ein Mitreden, sondern eine andere Sprache, nicht der Stehplatz im Salon, sondern die Beendigung der Party”.

        Die AfD gehört nicht in freie Medien und nicht in Parlamente. Auch nicht in Verfassungsgerichte, liebe CSU und Freie Wähler in Bayern…

      3. Der Begriff “Remigration” wurde in diesem Zusammenhang übrigens erstmals von der NPD genutzt. Nun wird er in den Massenmedien, wenn auch als Zitat, immer und immer wieder gebraucht. Deswegen spricht Sellner auch davon, dass man “gewonnen” habe. Die Sprache wurde erfolgreich geändert. Dadurch soll sich das Denken ändern. Und dadurch soll sich dann das Handeln ändern.

        Es wäre besser, wenn die Massenmedien den Begriff “Deportation” nutzen würden.

      4. @Klaus Hansen
        Lieben Dank für Ihre Antwort. Ich fürchte, in unseren Sichtweisen zur Verwendung gewisser Begrifflichkeiten werden wir nicht zusammen kommen.

        Dass Medien diese schon länger nutzen, macht es nicht besser. Nicht umsonst ist einer vor wenigen Tagen zum Unwort des Jahres 2023 gekürt worden. Es ist nichts anderes, als Deportationen gemeint, nennen wir es beim Namen, damit jeder und jedem klar ist, was die Truppe um Sellner und mindestens Teile der AfD (und offenkundig auch Einzelpersonen mit CDU-Parteibuch) da im Geheimen planten – oder planen.

        Der zweite genannte Begriff ist nichts weiter, als der Versuch die Gesellschaft zu spalten und Teile derer über andere zu stellen. Sehen Sie das denn nicht?
        Daran ändert auch die satirisch/kabarettistische Auseinandersetzung nichts.

        Dennoch nichts für Ungut, ordnen wir die unterschiedlichen Sichtweise dem gemeinsamen Interesse unter und treffen uns mit vollem oder nur Vornamen am Donnerstag im Zoom-Meeting. :-)

  5. WIE ? erreichen wir aufgeklärten Demokraten die AfD Wähler in deren Wut-Blase ?
    Alle demokratischen Parteien sollten einen kleinen Teil ihrer oft sinnlosen Wahlwerbungsgelder für ein/das GEMEINSAME Projekt, überhaupt (demokratische Parteien ) wählen zu gehen, abzwacken.

    1. Indem man sich nicht selbst als “aufgeklärte Demokraten” darstellt und die anderen als Bürger in ihrer Wut-Blase?

    2. “WIE ? erreichen wir aufgeklärten Demokraten die AfD Wähler in deren Wut-Blase?”
      Ich denke, dass der Fokus verstärkt darauf gerichtet werden sollte, wie willkürlich und aus geringsten (auch konstruierten) Anlässen die Nationalsozialisten auch die deutsche Bevölkerung misshandelt oder ermordet haben. Damit meine ich jetzt nicht nur politisch Andersdenkende oder Straftäter usw. sondern den ganz gewöhnlichen deutschen Bürger.
      Wenn AfD-Wähler schon keine Empathie für hiesige Minderheiten/Flüchtlinge empfinden wollen/können, so kann man denen wenigstens klarmachen, dass sie ihre eigene Haut (und alle ihre Grundrechte sowieso) riskieren .