Das Gymnasium Herkenrath ist zwar eine mehrfach zertifizierte digitale Schule, an den Tafeln kam bislang dennoch vor allem Kreide zum Einsatz. Das hat bald ein Ende: mehr als 80 neue Smartboards werden derzeit installiert. Dabei sind jedoch einige Probleme zu überwinden – wozu auch Eisenbahnschienen gehören.

Wir veröffentlichen einen Text von Charlotte Wanken, Schülerin des Gymnasiums Herkenrath

Die Sommerferien wurden am Gymnasium Herkenrath eher weniger zum Ausruhen genutzt – ein Großteil der Räume befindet sich aktuell im Umbau. Dieser zielt auf einen spürbaren Fortschritt in der Digitalisierung ab und beinhaltet den Austausch von Kreidetafeln mit Smartboards der Firma Promethean. 

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Bereits zu Beginn dieses Jahres hatte der Schulausschuss beschlossen, mehrere Schulen in Bergisch Gladbach im Laufe des kommenden Jahres mit Smartboards auszustatten.
Zwischen Containern gefüllt mit alten Kreidetafeln sowie Elektromüll und den großen Paketen der neuen Smartboards verbrachten vergangene Ferien viele Mitarbeitende verschiedener Bau- und Elektrofirmen ihre Arbeitszeit. Das Ziel: ein Ausbau der Modernisierung des Gymnasiums. 

Schulleiter Müller begrüßt den Meilenstein in der Digitalisierung: „Wir sind mehrfach zertifizierte digitale Schule. Die Boards sind hier genau die passende Ausstattung und ein großer Schritt hin zu zeitgemäßem Unterricht mit vielen neuen Möglichkeiten!“

Wie kommen die Eisenbahnschienen in die Wand?

Doch auch, wenn sich die Schülerinnen und Schüler auf das zukünftige Lernen mit Smartboards freuen können, steckt sowohl harte, bereits abgeschlossene Arbeit als auch noch bevorstehender Aufwand hinter dem gesamten Projekt.

Denn um die volle Funktionstüchtigkeit der digitalen Alternativen zu herkömmlichen Kreidetafeln ausschöpfen zu können, müssen diese noch an ein Kabelnetzwerk angeschlossen werden. Zusätzlich ist im Keller des Gebäudes zurzeit ein separater Serverraum im Bau, der unter anderem dem Schutz der Speichergeräte dient.

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Im Laufe der Umbauarbeiten zeigte sich jedoch auch die eine oder andere Herausforderung: Im Rahmen der Verlegung der Datenkabel sowie der über 400 Meter langen Anschlussleisten trafen die Arbeitenden bei der Durchbohrung des ca. 50 Jahre alten Stahlbetons auf Eisenbahnschienen, die zur Zeit des Baus der Schule als Stahlmaterial genutzt worden waren.

Zum Schulstart 2024/25 wurde erfreulicherweise das gesamte Gebäude mit den Smartboards ausgestattet, die übrigen Anschluss- und Umbauarbeiten erfolgen nun im Nachmittagsbereich, um eine Beeinträchtigung des Schulbetriebes zu umgehen. Beendet worden sein sollen die Arbeiten bis Ende September.

Kollegium wird geschult

In der ersten Schulwoche wurde das gesamte Kollegium bereits im Umgang mit den neuen Geräten geschult. Das Gymnasium Herkenrath möchte zukünftig regelmäßig vertiefende Fortbildungen für die Lehrkräfte anbieten, die ihnen den großen Funktionsumfang der Smartboards nahebringen werden.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Schule endlich die Kreidezeit verlässt“, bringt der Digitalisierungsbeauftragte des Gymnasiums, Michael Beiderhase, seine Sympathie gegenüber dem Projekt zum Ausdruck. Er lobt außerdem die Chancen, welche die innovativen Technologien der Smartboards bieten: „Mit den neuen digitalen Tafeln können Tafelbilder über mehrere Unterrichtsstunden hinweg entwickelt werden.“ Dank dieser sei eine vielfältigere Unterrichtsgestaltung ermöglicht, was den Lernprozess der Schülerinnen und Schüler optimiere.

Einen weiteren Vorteil der Smartboards bildet ihre Angepasstheit an wechselhafte Umstände. Da sie in Zukunft zwei zusätzliche aufklappbare Whiteboards aufweisen werden, kann eine vollkommene Angewiesenheit auf die technische Funktionalität auch weiterhin vermieden werden.

Hohe Kosten

Doch nicht nur viel Arbeit, sondern auch hohe Kosten stehen mit einer derartigen Revolutionierung der Unterrichtsmethoden in Verbindung. Nach Abschluss der Umbauarbeiten werden im Schulgebäude etwa 80 alte Pylonen-Tafeln abgebaut und 85 Smartboards angebracht worden sein – so ergibt sich ein Gesamtpreis in Millionenhöhe, denn jedes neue Exemplar kostet rund 5.500 Euro.

Von den Gesamtkosten übernimmt das Land NRW 90 Prozent, sodass sich für die Kommune ein Zahlungsbeitrag von 10 Prozent ergibt.

Die  Schulleitung blickt der zukünftigen Arbeit mit den digitalen Kreidetafel-Alternativen positiv gestimmt entgegen. Die  stellvertretende Schulleiterin, Frau Matthes, betont: „Wir möchten uns herzlich bei dem Arbeitskreis, bestehend aus Schulträger, ausführenden Firmen und unseren IT-Kollegen, vor allem Herrn Beiderhase, bedanken. Dank dieser Personen konnte die Ausführung der Digitalisierung nun spontan und zügig, passend zum Schulstart, vorangebracht werden. Gemeinsam in vielen Rücksprachen und Baubesprechungen wurden in diesem komplexen Projekt bis jetzt immer konstruktive Lösungen gefunden.“

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  1. Ein sehr schöner und positiver Artikel der Hoffnung gibt, dass jetzt auch bei den Schulen ein Fortschritt der Digitalisierung zu erkennen ist. Ein Lehrerkollegium welches offen ist für neue Wege und endlich mal kein Gejammer darüber, was das alles kostet. Großes Lob an die Schulleitung zu dieser Entscheidung und ihrem Engagement.

  2. Gibt es eigentlich Evidenz dafür, dass die Lernprozesse durch diese teuren Geräte optimiert werden? Gibt es vielleicht Evidenz dagegen? Diese Geräte könnten sich erfahrungsgemäß als Anfällig für Störungen erweisen. Gibt es eine analoge Backup-Lösung bei Störungen?