Franziska Hock leitet die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Foto: privat

Liebe braucht Worte, sagt Franziska Hock von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung. In Form von regelmäßiger Wertschätzung – aber auch und gerade in Konfliktsituationen ist die Art der Kommunikation entscheidend. Wie man es schafft, sich wirklich zu verstehen und echte Verbindung zu schaffen, lest ihr hier.

Stell dir vor, du sitzt mit deinem Partner oder deiner Partnerin im selben Raum – und doch fühlt es sich an, als lägen Welten zwischen euch. Eure Gespräche drehen sich nur noch um Alltagsbanalitäten oder enden in Schweigen. Solche Phasen können auf Dauer gefährlich für eine Beziehung werden, denn ohne ehrliche und offene Kommunikation kann man sich trotz räumlicher Nähe emotional voneinander entfernen.

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Eine starke Partnerschaft lebt vom Austausch. Es geht darum, wirklich zu wissen, wie es dem anderen geht, was ihn bewegt und welche Wünsche oder Sorgen er hat. Wer miteinander spricht, versteht sich besser – und Konflikte verlaufen oft ruhiger. Zudem ist offene Kommunikation die Basis, um gemeinsame Pläne zu schmieden und als Team in die Zukunft zu gehen.

Wertschätzung und gute Konfliktgespräche

Eine liebevolle Beziehung braucht regelmäßige Wertschätzung. Oft sind es gerade die kleinen Gesten, die die Bindung stärken: Ein „Danke, dass du für mich da warst“ oder ein „Schön, dass du heute für uns gekocht hast“ zeigt Anerkennung und signalisiert, dass der andere sich gesehen und geschätzt fühlt.

Natürlich sollten auch Sorgen, Ängste oder Unzufriedenheit offen angesprochen werden. Damit das gelingt, ist es wichtig, sich zunächst selbst zu fragen: Bin ich gerade in der richtigen Verfassung für ein konstruktives Gespräch?

Auch ein klarer Rahmen hilft. Viele Paare profitieren davon, feste Zeiten für tiefere Gespräche zu vereinbaren. Wichtig dabei: Solche Gespräche sollten nicht mit schönen gemeinsamen Momenten wie einem Date kollidieren. Wenn ihr gerade entspannt zusammen kocht oder einen gemütlichen Abend plant, ist das in der Regel nicht unbedingt der beste Zeitpunkt für ein Konfliktgespräch.

Gewaltfreie Kommunikation: So geht’s

Der Paarforscher John Gottman betont, dass in der Kommunikation weniger das Was, sondern vielmehr das Wie entscheidend ist. Er unterscheidet drei Reaktionsweisen:

  • Zugewandt: Aufmerksam, empathisch und wertschätzend.
  • Neutral: Sachlich, aber ohne emotionale Verbindung.
  • Abwertend oder abgewandt: Kritisch, verletzend oder desinteressiert.

Wie kann man über brenzlige Themen sprechen, ohne dass es eskaliert? Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall B. Rosenberg bietet eine hilfreiche Struktur, um Konflikte lösungsorientiert zu besprechen – ohne Vorwürfe oder Schuldzuweisungen.

  1. Beobachtung – Was nehme ich wahr, ohne es zu bewerten?
  2. Gefühl – Welche Emotionen löst die Situation in mir aus?
  3. Bedürfnis – Welches Bedürfnis steht hinter meinem Gefühl?
  4. Bitte – Welche konkrete Bitte habe ich an mein Gegenüber?

Zwei Praxisbeispiele:

Situation 1: Schuhe im Flur
Beobachtung: „Ich sehe, dass deine Schuhe wieder im Flur liegen.“
Gefühl: „Das frustriert mich, weil ich mich oft darüber ärgere.“
Bedürfnis: „Mir ist Ordnung wichtig, damit wir uns alle wohlfühlen.“
Bitte: „Kannst du deine Schuhe nach dem Heimkommen direkt in den Schrank stellen?“

Situation 2: Handy beim Abendessen
Beobachtung: „Ich sehe, dass du während des Essens oft auf dein Handy schaust.“
Gefühl: „Das macht mich traurig, weil ich mich übergangen fühle.“
Bedürfnis: „Mir ist es wichtig, unsere gemeinsame Zeit bewusst zu genießen.“
Bitte: „Könntest du dein Handy während des Essens beiseitelegen, damit wir uns auf unser Gespräch konzentrieren können?“

Im Gegensatz dazu würden Du-Botschaften wie „Du lässt immer dein Zeug rumliegen“ oder „Du bist immer am Handy!“ schnell als Vorwurf wahrgenommen und könnten zu Abwehrreaktionen führen.

Entscheidend ist, den Partner oder die Partnerin nicht als „Problem“ zu sehen, sondern als Verbündeten – jemanden, mit dem man gemeinsam nach einer Lösung sucht. Es geht nicht ums Gewinnen oder Recht haben, sondern darum, einander wirklich zu verstehen.

Verstehen durch Wiederholen

Ein einfacher, aber wirkungsvoller Tipp, um sicher zu stellen, dass ich den anderen richtig verstanden habe, ist: das Gesagte nochmals in eigenen Worten zu wiederholen – etwa mit „Habe ich dich richtig verstanden, dass …?“ Dadurch wird sichergestellt, dass das Gemeinte auch wirklich ankommt, und Missverständnisse werden reduziert.

Kommunikation ist wie ein Muskel, der regelmäßig trainiert werden muss. Seid geduldig mit euch selbst und mit eurem Partner oder eurer Partnerin. Nicht jedes Gespräch wird perfekt verlaufen – und das ist völlig in Ordnung.

Wer Lust hat, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen, kann in den KEK-Kommunikationskursen die Kommunikation unter fachlicher Anleitung üben. Wer sich selbst damit beschäftigen möchte, dem  kann ich diesen Podcast empfehlen. Oder ihr meldet euch bei uns in der Beratungsstelle.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

leitet seit 2021 die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester studierte sie „Soziale Arbeit“ und schloss einen Master of Counseling in Ehe-, Familien- und Lebensberatung ab. Eine Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin ergänzt...

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