Kinderärztin Dr. med Uta Römer. Foto: privat

Die Tage werden heller, der Winter hält sich aber noch hartnäckig. Gerade jetzt sind Ohrenschmerzen bei Säuglingen und Kindern weit verbreitet. Kinderärztin Dr. Uta Römer erklärt in dieser Sprechstunde, welche Ursachen dahinterstecken können, wie sich Ohrenschmerzen äußern, warum diese immer abgeklärt werden sollten und wie Eltern ihrem Kind helfen können.

Ohrenschmerzen entstehen meist durch Entzündungen oder Reizungen im äußeren Gehörgang oder im Mittelohr. Häufige Ursachen für Ohrenschmerzen bei Kindern sind unter anderem:

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  1. Mittelohrentzündung (Otitis media): Eine der häufigsten Ursachen für Ohrenschmerzen bei Kindern ist eine bakterielle und virale Mischinfektion des Mittelohrs hinter dem Trommelfell. Dies geschieht oft im Zusammenhang mit Erkältungen oder Atemwegsinfektionen.
    Bei Kindern ist die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr (Eustachische Röhre) noch sehr kurz und weit, das begünstigt aufsteigende Infektionen mit schmerzhaften Druckveränderungen und Sekretansammlungen. Die Mittelohrentzündung betrifft damit besonders Säuglinge und Kleinkinder bis 6 Jahre.
  2. Gehörgangsentzündung (Otitis externa): Diese häufig auch als „Badeotitis“ bekannte Entzündung betrifft den äußeren Gehörgang und kann durch Bakterien oder Pilze verursacht werden. Sie tritt oft nach häufigem Baden oder Schwimmen auf, wenn Feuchtigkeit das Gehörgangsmilieu verändert und Keimen eine gute Wachstumsumgebung bietet.
  3. Paukenerguss: Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr, häufig bei Kindern mit wiederkehrenden Infekten.
  4. Druckveränderungen: Beim Fliegen oder Tauchen kann der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Umgebung gestört sein, was zu Schmerzen führen kann.
  5. Fremdkörper im Ohr: Kleine Kinder stecken sich manchmal kleine Gegenstände wie Perlen oder Erbsen ins Ohr, was zu Schmerzen und Entzündungen führen kann.
  6. Vergrößerte Adenoiden (Rachenmandeln): Können die Ohrtrompete blockieren oder verengen und so zu Mittelohrentzündungen bzw. einem Paukenerguss führen.
  7. Schmerzausstrahlung bei Mandelentzündung (Tonsillitis) oder Rachenentzündung: Weil bestimmte Nervenstrukturen von Ohr, Hals und Kiefergelenk eng miteinander verknüpft sind, können Schmerzen aus dem Rachenraum bis ins Ohr ausstrahlen.
  8. Kiefer- und Zahnschmerzen: Auch diese können bis ins Ohr ausstrahlen.

Symptome von Ohrenschmerzen

Je nach Ursache können die Symptome variieren, aber typische Anzeichen für Ohrenschmerzen sind:

  • Schmerz im oder um das Ohr (meist einseitig, aber auch beidseitig möglich)
  • Fieber (besonders bei Mittelohrentzündung)
  • Unruhe und vermehrtes Weinen (besonders bei Säuglingen und Kleinkindern)
  • Häufiges Greifen ans Ohr
  • Schlechter Schlaf und vermehrtes Quengeln
  • Schlechteres Hören oder dumpfes Gefühl im Ohr
  • Schwindel
  • Ausfluss aus dem Ohr (bei geplatztem Trommelfell oder Gehörgangsentzündung)

Anhaltende Ohrenschmerzen sollten immer ärztlich abgeklärt werden, um die Ursache zu klären und seltene, aber schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden!


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Diagnose

Der Kinderarzt oder die Kinderärztin erhebt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) und untersucht dann das Ohr mit einem Otoskop. So lassen sich Rötungen, Schwellungen, Flüssigkeit oder Verletzungen am Trommelfell erkennen. Bei Bedarf können eine Hörprüfung oder eine Tympanometrie erfolgen, um einen Paukenerguss oder andere Auffälligkeiten festzustellen.

Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Ursache der Ohrenschmerzen unterscheidet sich auch die Behandlung. Eingesetzt werden unter anderem:

  • Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol): Paracetamol oder Ibuprofen in altersgerechter Dosierung können Schmerzen und Fieber lindern.
  • Abschwellende Nasentropfen/-sprays: Abschwellende Nasentropfen können helfen, die Belüftung des Mittelohrs zu verbessern und den Druck zu lindern. Vorsicht jedoch bei Kindern unter 2 Jahren – abschwellende Nasentropfen mit Xylometazolin können bei Überdosierung schwere Nebenwirkungen verursachen!
  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen, starken Verläufen oder Komplikationen. Die meisten Mittelohrentzündungen heilen innerhalb weniger Tage ohne Antibiotika komplikationslos ab. Bei Gehörgangsentzündungen reichen meist lokal wirksame antibiotische Ohrentropfen aus.
  • Gehörgangsreinigung: Bei Gehörgangsentzündung oder Fremdkörpern im Ohr durch medizinisches Fachpersonal. Hierbei wird das Ohr abgesaugt, keine Ohrspülung.

Was kann ich zu Hause tun?

  • Viel Flüssigkeit: Trinken unterstützt  den Schleimabfluss und die Befeuchtung der Atemwege.
  • Ruhe und Schlaf: Ermöglichen eine raschere Erholung.
  • Kopfhöhe anheben: Ein höheres Kopfkissen kann den Druck im Ohr verringern.
  • Wärme oder Kühlung: Kirschkernkissen oder kühle Umschläge – je nach Vorliebe des Kindes.
  • Schnupfen behandeln: Freie Nase entlastet das Mittelohr.

Vorbeugung

  • Stillen und gesunde Ernährung: Können das Immunsystem stärken.
  • Regelmäßiges Händewaschen: Senkt das Risiko von Atemwegsinfektionen.
  • Passivrauchen vermeiden: Passivrauch reizt die Atemwege und fördert Entzündungen.
  • Beim Schwimmen auf sauberes Wasser achten: Kann vor Otitis externa schützen.
  • Keine Wattestäbchen ins Ohr stecken! Diese können das Trommelfell verletzen oder Ohrenschmalz tiefer hineinschieben.

Fazit

Ohrenschmerzen bei Kindern sollten immer ernst genommen werden, da sie verschiedene Ursachen haben können – von harmlosen bis hin zu ernsten Infektionen. Eine ärztliche Untersuchung ist wichtig, um Komplikationen zu vermeiden. Meist klingen die Beschwerden mit der richtigen Therapie und etwas Geduld ab, sodass Ihr Kind bald wieder aktiv und schmerzfrei den Alltag genießen kann.

Kommen Sie gesund in den Frühling!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das ganze Praxisteam

Weitere Informationen finden Sie auf Kinderärzte-im-Netz und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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