Ein Polizist kontrolliert Autofahrer, die verbotenerweise in die Schulstraße Im Grafeld einfahren. Foto: Redaktion

Die ersten Schulstraßen in Bergisch Gladbach laufen derzeit noch als Verkehrsversuche, weitere waren geplant. Sie sollen die Schulwegsicherheit für Kinder erhöhen, Elterntaxis eindämmen. Doch die beschlossenen Haushalts- und Stellenkürzungen könnten das Aus für das Projekt Schulstraßen bedeuten.

Die Sparbeschlüsse des Stadtrats gefährden die Zukunft der Schulstraßen in Bergisch Gladbach: Sowohl aktuelle als auch geplante Projekte werden sich zeitlich verzögern „oder zukünftig möglicherweise gar nicht mehr umgesetzt werden können“, wie die Stadt auf Nachfrage des Bürgerportals mitteilt.

Die vorgesehenen Haushalts- und Stellenkürzungen haben demnach Auswirkungen auf das schulische Mobilitätsmanagement. So habe ein Mobilitätsmanager nach dem Ratsbeschluss sein Arbeitsverhältnis zum 31. Mai 2026 beendet und die Stelle nicht nachbesetzt werden könne, so die Stadt weiter.

Mehr zum Thema

„Sparen hat Folgen“

Die Stadtverwaltung arbeitet unter Hochdruck daran, die Sparbeschlüsse des Stadtrats umzusetzen – ohne die eigene Handlungsfähigkeit zu verlieren. Rund vier Millionen Euro müssen eingespart werden. Dafür prüfen die Fachbereiche seit Wochen, was Vorrang hat und wo gekürzt werden kann. Dabei gehe es nicht nur um große Projekte, sagt Kämmerer Thore Eggert, sondern oft auch um viele kleine Entscheidungen. Für die Bürger:innen werde das spürbare Folgen haben.

Verkehrsversuche in Refrath und Hand

Aktuell laufen zwei Schulstraßen an der KGS In der Auen in Refrath sowie der GGS und KGS Hand als Verkehrsversuche weiter. Die Schulstraße in Refrath war im September 2025 gestartet – als erste in Bergisch Gladbach. Der Versuch befindet sich laut Stadt „in der finalen Evaluationsphase“. Für die Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsflächen (AMV) im Juni bereitet die Verwaltung dazu eine Mitteilungsvorlage vor. Dann entscheidet sich, ob der Versuch zur dauerhaften Regelung wird.

Die Schulstraßen in Hand wurden im Januar dieses Jahres eingerichtet. Laut Stadt werde die aktuelle Situation nach dem Abschluss eines halben Jahres analysiert. 

Keine weiteren Schulstraßen geplant

Weitere Schulstraßen waren für folgende Standorte vorgesehen: GGS Kippekausen, EGS Bensberg und Concordiaschule Schildgen. Einen entsprechenden Zeitplan hatte die Verwaltung am 17. Mai 2025 im AMV vorgestellt. Demnach hätten zum kommenden Schuljahr dort die Verkehrsversuche starten sollen.

Doch diese Planung ist nun offenbar hinfällig: „Aufgrund der aktuellen personellen Situation können die ursprünglich vorgesehenen Zeitpläne sehr wahrscheinlich nicht mehr eingehalten werden“, heißt es nun seitens der Stadt. 

Denn die notwendigen Evaluationen und weiteren Schritte könnten nur mit entsprechender personeller Kapazität durchgeführt werden. Daher sehe die Verwaltung derzeit auch von weiteren Verkehrsversuchen ab. 

Was das für eine mögliche Einrichtung von Schulstraßen an den Standorten GGS Paffrath, GGS Moitzfeld und GGS Bensberg bedeutet, bleibt damit offen. Die entsprechenden Anträge wurden im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden im März 2026 in den AMV verwiesen. 

Langwieriger Weg zur Schulstraße

Hintergrund: Der Weg zu einer dauerhaften Schulstraße ist langwierig und ist die letzte Stufe nach einer Reihe von vorherigen Einzelmaßnahmen. Im ersten Schritt wendet sich die Schulleitung an die Verwaltung. Es folgen unter anderem Vor-Ort-Termine, Schulwegbefragungen (um Gefahrenstellen zu identifizieren), die Analyse der Schulwege mit Polizei, Eltern und Mobilitätsmanagement, die Einrichtung von sogenannten Walkingbussen und Elterntaxizonen.

An vielen Schulstandorten spielen sich morgens zu den Bring- und Abholzeiten gefährliche Szenen ab, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis zur Schule fahren. Dadurch bilden sich Staus, Autos rangieren auf der Straße, in Einfahrten oder auf Gehwegen und gefährden Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, mit dem Rad oder Roller fahren. 

Mehr zum Thema

Drei Schulstraßen in Hand sollen Wege für Kinder sicherer machen

Viele Kinder werden von ihren Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht und abgeholt. Das sorgt immer wieder für gefährliche Situationen. Um den Schulweg sicherer zu gestalten, werden nach den Weihnachtsferien drei Straßen rund um die beiden Grundschulen in Hand morgens und nachmittags für den Autoverkehr gesperrt. Mit Hilfe der Eltern.

Schulstraßen in Hand: Knöllchen für die Unbelehrbaren

Um das hohe Aufkommen von Elterntaxis rund um die Grundschulen in Hand einzudämmen, hat die Stadt drei Schulstraßen eingerichtet. Autos dürfen in den Bring- und Abholzeiten nur mit Ausnahmegenehmigung einfahren. Einige Eltern halten sich allerdings nicht daran und ignorieren das Verbot, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Schulstraßen sollen den Verkehr durch Elterntaxis eindämmen und die Schulwegsicherheit erhöhen. Autos dürfen zu festgelegten Zeiten nicht mehr in die ausgewiesenen Schulstraßen im Umfeld der Schule fahren. Ausnahmeregelungen gibt es unter anderem für Anwohner:innen, Lehrkräfte, Handwerker:innen und Pflegepersonal.

Elterntaxis sind aber nicht nur an den Grundschulen ein Problem, sondern auch an vielen weiterführenden Schulen. So berichtet Felix Bertenrath, Leiter der Otto-Hahn-Realschule und Sprecher der weiterführenden Schulen, dass er regelmäßig gefährliche Szenen und schon mehrfach Beinahe-Unfälle beobachtet habe – ebenso wie etliche seiner Schulleiterkolleg:innen.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.