Früher legten die Postkutschen hier eine Pause ein und wechselten ihre Pferde – heute lockt der große und überdachte Biergarten des Traditionslokals „Zum Weißen Pferdchen“ nach Hand. Auf der Speisekarte stehen neben vielen Brauhaus-Klassikern auch vegetarische Burger, die überzeugen.

Gemütlich. Urig. Rustikal. Das sind meine ersten Assoziationen, als wir durch die Tür des Gasthauses „Zum Weißen Pferdchen“ treten. Vorbei an der Theke können wir zwischen zwei Räumen wählen. In beiden sind einige Tische belegt. Reserviert hatten wir nicht. „Sucht euch einen Tisch aus“, begrüßt uns die freundliche Kellnerin.

Eigentlich wollten Lisa, Lisi und ich uns im Biergarten treffen. Aber angesichts der kühlen Temperaturen an diesem trüben Tag entscheiden wir uns für einen Tisch im Innenbereich. Ansonsten wären wir die einzigen Gäste im überdachten Biergartenbereich gewesen, an den ein kleiner Spielplatz grenzt.

Bürgerliche Küche

Wir setzen uns an einen Tisch im hinteren Bereich des Raums. Ich nehme auf der Bank Platz, die sich über zwei Wände entlangstreckt, Lisa und Lisi auf den dunkelbraunen Holzstühlen. An den Wänden hängen historische Werbetafeln neben modernen Reklame-Schildern. 

Apropos Werbung: Auf seiner Internetseite wirbt das „Weiße Pferdchen“ mit dem Slogan „Bürgerliche Küche. Frisch zubereitet“. Wir sind gespannt. Bevor wir einen Blick in die umfangreiche Speisekarte werfen können, fragt die Bedienung nach unseren Getränkewünschen. Kölsch scheint uns in diesem Ambiente die einzig richtige Antwort zu sein.

Als kleine Gerichte werden unter anderem Suppen (Tomaten, 7,50 Euro, Gulasch 8,50 Euro), Bratkartoffeln mit zwei Spiegeleiern (8,50 Euro), Halver Hahn (7,20 Euro) oder Reibekuchen als „Kölscher Tapas-Teller“ mit Räucherlachs, Mett und warmer Flönz für 15,90 Euro angeboten. 

Zur Geschichte des Weißen Pferdchens

Das Weiße Pferdchen zählt nach eigenen Angaben zu den ältesten Gaststätten in der Region, wie Gäste aus der Speisekarte erfahren. Ein Foto aus dem Jahr 1900 zeigt das damalige Fachwerkgebäude, das als „Pferdewechselstation“ für Postkutschen diente: „Während die Pferde getauscht wurden, konnten sich die Reisenden in der Gaststube bei einem kühlen Bier und einer kräftigen Mahlzeit von den Strapazen der Fahrt erholen“. Dieses Ursprungsgebäude lag auf der gegenüberliegenden Seite des heutigen Standortes.

1930 entstand das jetzige Gebäude, damals noch ohne Biergarten-Anbau. Außerdem erfahren die Gäste, dass sich das Wirtshaus seit Generationen und bis heute in Familienbesitz befindet. 

2006 entschloss sich die Eigentümerfamilie gemeinsam mit der Sion Brauerei zu einer umfassenden Sanierung. Seit 2009 wird das Haus vom selben Pächter geführt. 

Neben verschiedenen Salaten (Beilagensalat 4,50 Euro, großer Salatteller mit verschiedenen Beigaben wie Putenbruststreifen und Champignons 15,90 Euro) stehen  mehrere vegetarische Gerichte zur Auswahl – das bin ich von Brauhäusern weniger gewohnt. Angeboten werden gleich drei Veggie-Burger. 

Burger mit und ohne Fleisch

Für alle Nicht-Vegetarier gibt es selbstverständlich auch mehrere „richtige“ Burger aus Rindfleisch – wahlweise mit Spiegelei, Rucola und Parmesan oder Käse, Speck und gebratenen Zwiebeln (jeweils mit Pommes, 15,50 Euro).

Ich entscheide mich für „Hennes VIII.“ mit Kräutercreme, Rucola und Ziegenkäse mit Honig überbacken. Dazu gibt es Pommes (15,50 Euro). Lisa bestellt Leberkäse mit Bratkartoffeln, zwei Spiegeleiern und Wirsing (15,90 Euro), Lisi ein Champignonrahmschnitzel mit Pommes und Salat (18,90 Euro). 

Das Essen kommt flott. Wir freuen uns über das bunt schillernde Besteck. Das brauche ich gleich nach dem ersten Biss in meinen Burger: Die Kombination aus der würzigen Kräutercreme und der Süße des Honigs ist köstlich, zerfließt aber zusammen mit dem Ziegenkäse. 

Die Pommes sind schön kross und genau richtig gewürzt, finden Lisi und ich. Und auch mit ihrem Champignonrahmschnitzel ist sie sehr zufrieden: Panade, Konsistenz des Fleischs, Soße – „super lecker und frisch“, lobt Lisi. Der Salat ist knackig, das Dressing schmeckt ausgezeichnet, wovon ich mich selbst überzeugen darf.

Zum Weißen Pferdchen
Handstraße 89
51469 Bergisch Gladbach (Hand)
02202/ 1869617

Öffnungszeiten
Mo – Fr ab 16 Uhr
Sa ab 14 Uhr
So und Feiertage ab 11 Uhr
Die Küche ist täglich durchgehend bis 22 Uhr geöffnet.
Internetseite

Lisa würzt Bratkartoffeln, Wirsing und Spiegelei nach. Abgesehen davon hat sie nichts auszusetzen: Der Leberkäse ist gut durchgebraten, die Spiegeleier „auf den Punkt“, mit flüssigem Eigelb und festen Eiweiß. Mich würde der Speck in den Bratkartoffeln und dem Wirsing stören, Lisa schmeckt es.  

Besondere Gerichte für Kinder

Auch wenn heute ich ohne meine Kinder unterwegs bin, freue ich mich über die Auswahl „Für de Pänz“: „Ich will das nicht“ (Pommes, 4,50 Euro), „Ich weiß nicht“ (Wiener Schnitzel mit Pommes, 6,90 Euro), „Ich mag das nicht“ (Chicken Nuggets mit Pommes, 7,50 Euro), „Ist mir egal“ (Nudeln mit Tomatensauce, 5,70 Euro), „Irgendwas“ (Pommes mit Spiegelei, 5,70 Euro) und „Hab keinen Hunger“ (Burger Spongebob mit Pommes, 7,50 Euro). Hier sollten alle heiklen Esser:innen auf seine oder ihre Kosten kommen. 

Die Bedienung kommt, sobald unsere Gläser (fast) leer sind und ist sehr aufmerksam. Einige der Männer im vorderen Bereich scheinen Stammgäste zu sein, scheint es. Doch auch als „Neulinge“ fühlen wir uns sehr wohl.

Zum Nachtisch gönnen wir uns einen Heidelbeerpfannkuchen mit Vanillesoße und einen Schoko-Lava-Cake (jeweils 8,50 Euro) – und können uns nicht entscheiden, was besser schmeckt: Beides ist köstlich und fluffig und bildet den perfekten Abschluss dieses Abends. 


Hinweis der Redaktion: Wir testen die Cafés und Restaurants anonym. Falls für die Geschichte erforderlich, geben wir uns nach dem Bezahlen zu erkennen. Die Rechnung zahlen wir selbst.

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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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