Anni Hanke-Eiden 2019 vor einem ihrer Werke in der Galerie Schröder Dörr. Foto: Helga Niekammer

Im Alter von beinahe 95 Jahren ist Anni Hanke-Eiden gestorben. Mit ihren Werken und ihrer Persönlichkeit hatte die Künstlerin aus Frankenforst das kulturelle Leben in Bergisch Gladbach und weit darüber hinaus viele Jahrzehnte lang bereichert.

1940 in Köln: Während draußen die Bomben des Zweiten Weltkriegs einschlagen, bleibt das achtjährige Mädchen im Luftschutzkeller ganz in seine Buntstiftzeichnungen vertieft. Die damals entstandenen kindlichen Zeichnungen bewahrt Anni Hanke-Eiden lebenslang auf, zeigt sie aber erst ganz spät wieder.

Nun starb die Künstlerin aus Frankenforst im Alter von beinahe 95 Jahren. Mit ihren Werken und ihrer Persönlichkeit hat Anni Hanke-Eiden (1931-2026) das kulturelle Leben in Bergisch Gladbach und weit darüber hinaus viele Jahrzehnte lang bereichert.

Ihr Haus in Frankenforst glich einem Museum: Hunderte Kunstwerke verteilt auf mehrere Etagen zeugten von ihrer außergewöhnlichen Schaffenskraft. Sie arbeitete mit Ölfarben, Zeichenstiften, Gouachen, Fumagen und Keramiken. Nach eigener Aussage war der Autodidaktin das tägliche Malen ebenso wichtig wie Essen und Trinken.

Wer das Glück hatte, von der zerbrechlich wirkenden kleinen Dame mit den roten Haaren und den schnurgeraden Augenbrauenstrichen zu einem Atelierbesuch eingeladen zu werden, erlebte eine facettenreiche, Jahrzehnte überspannende Werkschau.

Miniatur „Staunen“ und Keramik-Skulptur „Vereinigung“. Fotos: privat

Ihre Werke wurden u.a. in Ausstellungen im Convention Center (Toronto), Saatchi Gallery (London), Ludwig Forum (Aachen), Museum für moderne Kunst (Siegburg), in ihrer Heimatstadt u.a. im Museum Villa Zanders und Schloss Eulenbroich gezeigt.

Der frühere Direktor der Kölner Museen, Günter Ott, würdigte sie so: „Das Oeuvre der Malerin und Plastikerin Anni Hanke-Eiden ist durch die Begegnung mit dem Menschen, dessen Freuden und Leiden, Liebe und Entsagung, geprägt“.

Vor manchen ihrer dynamischen und rhythmischen Kompositionen müsse man länger verweilen. „Doch hat man sich von der ästhetischen Gestaltung bis zu Hintergründigem vorgetastet, ist der Gewinn doppelt fruchtbar“, resümiert der Kunstexperte. 

Kosmosumarmung

Ölbild „ Sturm“. Foto: rrivat

Die Ausstellungstitel „Ich umarme den Kosmos“ in der früheren Refrather Galerie Schröder und Dörr, und „Mein Leben ist Farbe“ im Schloss Eulenbroich bezeichnen zwei wesentliche Aspekte vieler ihrer Werke: Faszinierende Farbenspiele und der Mensch als – nur – ein Teil der Natur. 

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„Ich umarme den Kosmos“

Surrealistische Bilder, Skulpturen und Papierarbeiten zeigt die Bensberger Künstlerin Anni Hanke-Eiden in der Galerie Schröder und Dörr unter dem Motto „Ich umarme den Kosmos“.

Typische Beispiele sind ihre Werke „Sturm“ oder „Im Urwald“ (Sammlung Villa Zanders). Auf den ersten Blick zeigen sie abstrakt wirkende Farbteppiche. Doch dann wird es noch spannender: Auf den zweiten oder gar zwanzigsten Blick entdecken Betrachter Fabelwesen, Gesichter oder auf den Kopf gestellte Vögel – ein faszinierender „Wundertüteneffekt“. 

Ölbild „Im Urwald“. Sammlung Villa Zanders. Foto: rrivat

Schwere Schicksale als Themen

Den vielen opulenten, farbenfrohen Bildern stehen auch schicksalsschwere, düstere Werke gegenüber. Sie zeigen, wie die Künstlerin von Kriegsgräueln, Umweltverschmutzung, Auswirkungen der Corona-Pandemie und der Trauer einer Mutter um ihr totes Kind berührt war.

Anni Hanke-Eiden: Fumage „Schrei“. Foto: privat

In der Fumage „Schrei“ fängt Anni Anke-Eiden einen schmerzhaften Moment ein, auf den zweiten Blick erkennt man an der Stelle eines Ohres den aus Edvard Munchs berühmtestem Bild zitierten Totenkopf – was den Schrei noch eindringlicher wirken lässt.

Pablo Picasso sagte einmal: „Jedes Kind ist ein Künstler. Das Problem ist, wie man als Erwachsener Künstler bleibt.“ Dieses Problem kannte Anni Hanke-Eiden nicht. Denn die tiefe Neugier auf Farben und Formen des Mädchens aus dem Luftschutzkeller hat sie sich ein Leben lang erhalten. 

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ist gelernter Journalist. Beruflich ist er seit 1997 mit der Marketingagentur MPS Hendricks selbstständig.

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