Welche Themen treiben Familien in Bergisch Gladbach um? Das wollten wir bei unseren Gesprächen auf dem Spielplatz herausfinden. Fotos: Redaktion

Kaputte Spielgeräte, fehlende Angebote für Kinder mit Behinderung und lieblos gestaltete Spielplätze: Wir waren mit „GL spricht“ auf dem Spielplatz und haben Familien nach ihrem Alltag in Bergisch Gladbach gefragt. Herausgekommen ist ein ehrliches Stimmungsbild – mit klarer Kritik, aber auch viel Zuneigung zur eigenen Stadt.

Wie geht es Familien in Bergisch Gladbach? Was gefällt ihnen, was stört sie, welche Wünsche haben sie? Um das herauszufinden, sind wir bei gutem Wetter nachmittags auf den Spielplatz an der Saaler Mühle gegangen. Mit dabei hatten wir Eis, Kaffee und Kekse und eine große Pinnwand für Kritik, Anregungen und Wünsche. 

Die Aktion ist Teil unseres Formats „GL spricht“. Damit möchten wir dazu beitragen, dass die Menschen in Bergisch Gladbach wieder mehr miteinander sprechen. Und Ideen sammeln, wie wir unsere Stadt gemeinsam besser machen können.

Unserer kurzfristigen Einladung waren einige Menschen mit Kindern gefolgt. Andere haben wir zufällig auf dem Spielplatz getroffen. Viele haben sich mit uns unterhalten – um zu meckern, aber auch um zu loben. Die Themenpalette war breit, das Redebedürfnis groß. 

Die Sache mit den Spielplätzen

Jeanette Kämpchen aus Refrath ist extra mit ihren beiden Kindern gekommen, um sich über die Spielplätze in Bergisch Gladbach auszulassen. „In Köln gibt es so viele coole Spielplätze. Aber hier sind sie oft lieblos oder marode“, beklagt sie. Kaputte Spielgeräte würden lange nicht repariert, Schaukeln oder Seilbahnen fehlten teilweise wochen- oder monatelang.

Ein großes Ärgernis ist für Jeanette Kämpchen noch immer der vor einigen Jahren erneuerte Spielplatz auf dem Refrather Peter-Bürling-Platz. „Vorher war das so ein toller Treffpunkt für Refrather Familien. Es gab alles, was Kinder brauchen – Rutsche, Wippe, Sandkasten, Klettermöglichkeiten.“ Ersetzt worden sei das durch Paletten und einen Tante-Emma-Laden. 

Familien bei der Planung mit einbeziehen

Der Ärger darüber bestehe bei ihr und bei anderen Familien bis heute – und sei wieder hochgekocht, als der neue Spielplatz auf der Bensberger Schlossstraße fertig war. „Auf dem alten Spielplatz konnten sich Kinder auf dem Klettergerüst austoben, balancieren, hangeln. Das wurde alles platt gemacht“, sagt Jeanette Kämpchen. 

„Wer plant so etwas?“, fragt die Mutter. Sie wünscht sich, dass Familien befragt werden, bevor mit der Planung eines neuen Spielplatzes begonnen werde. Außerdem wünscht sie sich mehr Wasserspielplätze in der Stadt. Mit ihren vier und sechs Jahre alten Kindern fährt sie häufig auf Spielplätze in Köln.

Zu wenig inklusive Angebote

Das Thema Inklusion kommt mehrfach in den Gesprächen auf. „Die Inklusion läuft scheiße“, bringt es eine Mutter knapp auf den Punkt. Sie ist mit ihrer behinderten Tochter gekommen. Ihre Kritik umfasst unter anderem fehlende Freizeitangebote für Kinder mit Beeinträchtigungen und inklusiv gestaltete Spielplätze.

Eine andere Mutter mit einem behinderten Sohn beklagt, dass die Förderschulen keine Ferienbetreuung anbieten und sechs Wochen für Eltern schwer zu stemmen seien. 

Hohe Preise für Wohnraum

Eine Mutter mit dreijährigem Kind findet, dass Bergisch Gladbach eine schöne Größe habe und an sich auch familienfreundlich sei – bis auf die Immobilienpreise, die viele Familien sich schlicht nicht leisten können. Neue Immobilien bewegten sich überwiegend im Luxussegment und verschlechterten die Lage.

Die Mutter ist auch in der Eissporthalle aktiv und beklagt, dass die Stadt diese nicht mehr unterstützt – denn eine Eissporthalle zu haben, sei schon ein Alleinstellungsmerkmal bzw. nicht allzu häufig. Die Mitglieder würden sehr viel Herzblut hineinstecken, würden aktuell auch ihre Beiträge zahlen, obwohl die Halle nicht öffnen könne.

Die positiven Stimmen

Eine Mutter mit zwei Kindern ist erst im März hergezogen und spricht sehr positiv über Bergisch Gladbach: Die Stadt sei weniger anonym und „dörflicher“ – im besten Sinne – als Köln, dennoch gut angebunden. Alle ihre Kontakte mit Ämtern seien bisher positiv verlaufen, inklusive der Schulanmeldung ihres älteren Sohnes. 

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Auch Janina Burgmer hat sehr viel Lob für Bergisch Gladbach übrig: „Wir sind ziemlich zufrieden und fühlen uns als Familie wohl hier.“ Bei den großen Alltagsthemen Kita, Schule und OGS laufe es bei ihnen rund, berichtet die Mutter von zwei Kindern im Alter von vier und neun Jahren. 

Mit ihrem Mann ist sie als Kindermusik-Duo Fug und Janina bekannt. Vorher hat sie mit ihrem Mann in Köln gewohnt, vor zehn Jahren sind die beiden nach Bergisch Gladbach gezogen. „Wir schätzen, dass es hier städtisch und grün zugleich ist.“ Die Spielplätze könnten besser gepflegt sein. Ihr Mann ergänzt: „Weitere Eltern-Kind-Cafés wären toll.“ 

Weiter Weg zur Kita

Zwei Mütter bemängeln die Kita-Situation und die Spielplätze – eine wohnt in Moitzfeld und hat nur einen Kitaplatz in Gronau bekommen. Als Beispiel für einen schönen Spielplatz nennen sie den am Papiermuseum Alte Dombach. Den am Forum in der Innenstadt kritisieren sie, „mit dem komischen Gummiboden und den Metallspielgeräten“.

Die schwierige Suche nach Wohnraum

Wie schwierig es sei, als Alleinerziehende mit Migrationshintergrund eine Wohnung in Bergisch Gladbach zu finden, schildert die Mutter zweier Kinder im Alter von 8 und 13 Jahren. Sie sei vor vielen Jahren mit ihrem Partner von Köln hergezogen. Nach der Trennung habe sie fast zwei Jahre gebraucht, um eine Wohnung zu finden. 

„Ich habe einen wehleidigen Brief mit einem Foto von mir und meinen Kindern an den Vermieter geschrieben und die Wohnung nur deshalb bekommen. Das war demütigend“, sagt sie. Immer wieder erlebe sie Alltagsrassismus und Vorurteile aufgrund ihrer ausländischen Wurzeln – „auch im Umgang mit Behörden“.

Sie arbeitet als städtische Angestellte in Köln, allerdings nur in Teilzeit. „Unsere Wohnung frisst einen Großteil meines Gehaltes. Und weil der Vater keinen Unterhalt zahlt, müssen wir jeden Cent umdrehen.“ Aus ihrem Umfeld kennt sie Frauen mit ähnlichen Biografien, die nach einer Trennung aus Bergisch Gladbach wegziehen müssen, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden.

Das waren die weitere Themen

Lob gab es für „viele tolle Stadt- und Kinderfeste“, das Theas Theater, den neuen Spielplatz auf Zanders.

Diese Wünsche wurden angesprochen: 

  • pragmatische Lösungen für Mehrgenerationen-Wohnen
  • ein städtisches Amt, das Privatpersonen Unterstützung anbietet, damit aus zu groß gewordenem Eigentum Mietraum wird
  • mehr barrierefreie Angebote
  • Spaßbad
  • Kino in der Innenstadt
  • mehr Krabbelgruppen in Refrath
  • mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Teenager
  • mehr sozialer Wohnraum
  • mehr Beratung und Unterstützung für Alleinerziehende
  • fahrradfreundlichere Straßen

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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