Symbolfoto: Redaktion

Sparen bedeutet Priorisieren: Wer weniger Personal zur Verfügung hat, muss sich auf die Kernaufgaben konzentrieren. Beim Thema Schulwegsicherheit geht die Stadt daher neue Wege und setzt künftig auf ein standardisiertes Konzept mit festgelegten Schulzonen. Zudem beschränkt sie sich auf die Grundschulen.

Sichere Schulwege für möglichst viele Kinder mit deutlich weniger Personal schaffen: Diesen Spagat muss die Stadt Bergisch Gladbach schaffen. Dafür organisiert sie jetzt das schulische Mobilitätsmanagement um, das für das Thema Schulwegsicherheit zuständig ist. Über ihre Pläne informiert die Verwaltung in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Mobilität und Verkehrsflächen (AMV). 

Der Schwerpunkt des schulischen Mobilitätsmanagements liegt künftige bei den Grundschulen. Die Stadt begründet das mit der besonderen Schutzbedürftigkeit jüngerer Kinder im Straßenverkehr. Ihre Fähigkeit, Geschwindigkeiten und Entfernungen einzuschätzen oder komplexe Verkehrssituationen sicher zu bewältigen, sei noch nicht vollständig entwickelt.

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Weniger Personal, große Nachfrage

Hintergrund ist der Ratsbeschluss vom 24. März 2026. Darin enthalten ist die Entscheidung, im Rahmen der Sparmaßnahmen im Mobilitätsmanagement zwei Vollzeitstellen dauerhaft zu streichen. Für das schulische Mobilitätsmanagement steht damit künftig nur noch eine halbe Stelle zur Verfügung. 

Zur Sache: Ratsbeschluss und die Folgen
Stellenabbau

Die CDU hatte in der Ratssitzung unter anderem die Streichung von zwei Stellen im Mobilitätsmanagement beantragt und mit den Stimmen von AfD und Bürgerpartei durchgesetzt. Betroffen sind eine Vollzeitstelle sowie zwei Stellen, die jeweils zur Hälfte dem Mobilitätsmanagement und zur Hälfte der Verkehrsplanung zugeordnet waren.

Aktueller Umfang

Ein Mobilitätsmanager (mit einer Vollzeitstelle) hatte unmittelbar nach der Ratssitzung gekündigt. Die Stelle ist seit dem 1. Juni unbesetzt. Entsprechend dem Ratsbeschluss entfällt diese dauerhaft.

Aktuell verbleiben im Aufgabenbereich Mobilitätsmanagement damit noch zwei Personen mit einem Stellenanteil von insgesamt 50 Prozent. Sollten die derzeitigen Stelleninhaber:innen ebenfalls ausscheiden, dürften auch diese nicht nachbesetzt werden – was weitere Einschränkungen zur Folge hätte, wie die Verwaltung betont.

Was künftig wegfällt

Informations- und Beteiligungsprozesse werden künftig verstärkt digital durchgeführt. Eine Reihe von bisherigen Aufgaben des Mobilitätsmanagement fallen weg, darunter Formate wie das Stadtradeln, die Europäische Mobilitätswoche oder die Betreuung der städtischen Smiley-Displays.

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Mehr als sechs Stunden hat der Stadtrat getagt. Der Vorschlag der Verwaltung zur Abwicklung des Jugendzentrums Q1 war rasch bestätigt. Lange wurde über de Haushalts 2026 geredet und entschieden. Bei der Reduzierung der Grundsteuer-Erhöhung stimmten CDU, SPD und Grüne noch gemeinsam, dann brach der Graben auf: Schritt für Schritt setzte sich die CDU mit ihren Sparvorschlägen durch, gegen Appelle der Stadtverwaltung und mit den Stimmen von AfD und Bürgerpartei.

Damit ist klar: Die verbleibenden personellen Ressourcen reichen nicht aus, um sämtliche bisherige Aufgaben des Mobilitätsmanagements fortzuführen. Die Verwaltung wird sich nach eigenen Angaben daher auf die Kernaufgaben konzentrieren. Dazu gehört unter anderem – wenn auch in deutlich eingeschränkter Form – das schulische Mobilitätsmanagement. 

Laut Verwaltung ist die Nachfrage der Schulen nach Unterstützung bei der Schulwegsicherheit und bei der Förderung einer eigenständigen Mobilität von Kindern weiterhin hoch. Elf Grundschulen befinden sich demnach in unterschiedlichen Bearbeitungsstadien oder haben Anträge und Interessenbekundungen eingebracht.

Die Sache mit den Elterntaxis

An vielen Schulen in Bergisch Gladbach spielen sich vor allem morgens gefährliche Szenen ab, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto bis zur Schule fahren (oder nachmittags wieder dort dort abholen). Dadurch bilden sich Staus, Autos rangieren auf der Straße, in Einfahrten oder auf Gehwegen und gefährden Kinder, die zu Fuß zur Schule gehen, mit dem Rad oder Roller fahren. 

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Schulstraßen in Hand: Knöllchen für die Unbelehrbaren

Um das hohe Aufkommen von Elterntaxis rund um die Grundschulen in Hand einzudämmen, hat die Stadt drei Schulstraßen eingerichtet. Autos dürfen in den Bring- und Abholzeiten nur mit Ausnahmegenehmigung einfahren. Einige Eltern halten sich allerdings nicht daran und ignorieren das Verbot, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Drei Schulstraßen sollen Eltern in Hand zur Vernunft bringen

Elterntaxis stellen für Kinder die größte Gefahr auf dem Schulweg dar. Am Dienstag sind in Hand drei Schulstraßen eingerichtet worden, um die Sicherheit rund um die beiden Grundschulen und die Kita zu erhöhen – zunächst als Verkehrsversuch. Eltern in Warnwesten kommt dabei eine besondere Rolle zu.

Um dem entgegenzuwirken, wurden an mehreren Grundschulen Schulstraßen eingerichtet, etwa an der KGS In der Auen in Refrath sowie an der GGS und der KGS in Hand. Weitere waren geplant, etwa GGS Kippekausen, EGS Bensberg und Concordiaschule Schildgen.

Der lange Weg zur Schulstraße

Doch der Weg bis zur Einrichtung einer dauerhaften Schulstraße ist lang und die letzte Stufe eines personalintensiven, dreistufigen Verfahrens. Dazu gehörte eine individuelle Begleitung der einzelnen Schulen, Befragungen, Beteiligungen der Akteure vor Ort, Aktionstage und eine enge Kommunikation mit Schule und Elternschaft. 

Die verbleibenden Personalkapazitäten reichen laut Verwaltung nicht aus, um dieses Verfahren so fortzuführen – auch wenn es sich fachlich bewährt habe. Nach Einschätzung der Verwaltung könnten auf diese Weise nur noch ein bis maximal zwei Schulstandorte pro Jahr bearbeitet werden. Mit entsprechend langen Wartezeiten für die übrigen Schulen. 

Neues Konzept mit Schulzonen

Daher will die Verwaltung künftig ein neues Konzept anwenden. An die Stelle der bisherigen intensiven Begleitung einzelner Schulen tritt ein standardisiertes System. Dafür werden Schulzonen mit einem Radius von rund 400 Metern um jede Schule gebildet. Innerhalb dieser Schulzonen sollen einheitliche Standards für die Schulwegsicherheit gelten. 

Dazu gehören unter anderem sichere Querungsstellen für Kinder, durchgängige Beleuchtung, die Prüfung von Schulstraßen, Elterntaxi-Zonen, die Prüfung von Tempo-30-Regelungen sowie ausreichende Gehwegbreiten.

Feste Elterntaxi-Zonen

Die Elterntaxi-Zonen spielen im neuen Konzept eine wichtige Rolle. Die Stadt hält eine Entfernung von 400 Metern als „praktikabel“, um Hol- und Bringverkehr aus dem direkten Schulumfeld herauszuhalten. Der restliche Fußweg sei für die Kinder „gut bewältigbar“ und die Distanz erfahrungsgemäß mit einer hohen Akzeptanz auch bei den Eltern verbunden. 

Die Neuorganisation bedeutet auch, dass die bisherige pädagogische Begleitung der Schulen wegfallen wird, die aus Sicht der Verwaltung „ein wichtiger Faktor für den Erfolg“ waren. Aktionstage und Einbindung in den Unterricht müssen die Schulen künftig eigenverantwortlich gestalten. 

Der „bewusste Wechsel von einem beteiligungs- und betreuungsintensiven Verfahren hin zu einem standardisierten Ansatz“ ist laut Verwaltung erforderlich, um das schulische Mobilitätsmanagement trotz reduzierter Personalressourcen dauerhaft aufrechterhalten und die Schulwegsicherheit an möglichst vielen Standorten verbessern zu können“. Außerdem sollen externe Fachbüros stärker eingesetzt werden.

Die Reihenfolge der Schulen

Die Verwaltung stellt im AMV eine Priorisierungsliste der Schulstandorte vor. An erster Stelle stehen die Standorte, an denen Schulstraßen bereits eingeführt wurden (KGS In der Auen, GGS/ KGS Hand) sowie die GGS Hebborn, wo die Stufen 1 und 2 des bisherigen Verfahrens abgeschlossen sind. 

Die Reihenfolge der weiteren Schulen orientiert sich an bereits bestehenden Beschlüssen und laufenden Verfahren. Außerdem werden räumlich zusammenhängende Schulstandorte zu „Bearbeitungs- und Vergabepaketen“ gebündelt. Dadurch ändert sich teilweise auch die bisherige Priorisierung.

Schulen im Paket

Zwei bis vier Schulen werden zu einem Vergabepaket gebündelt. Nach Einschätzung der Stadt können ein bis zwei Vergabepakete pro Jahr abgearbeitet werden. Insgesamt könnten alle 20 Grundschulen in fünf Jahren abgeschlossen sein. 

Weiterführende Schulen sollen nicht vollständig aus dem Blick geraten, aber zunächst nachrangig behandelt werden. Bereits begonnene Projekte wie „Rad macht Schule – NCG und Schulzentrum Im Kleefeld“ sollen grundsätzlich weiterverfolgt werden, allerdings nur im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten.

Alle Dokumente zu dem Thema finden Sie im Ratsinformationssystem.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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