Foto: T.M. Santillan

Die Argumente sind vielfach ausgetauscht – eine Annäherung ist nicht absehbar: Bürgermeister Lutz Urbach hält offenbar am Plan fest, das NCG ins Kleefeld zu verlegen und die dort beheimatete Haupt-  Realschule mit dem Schulzentrum Ahornweg zusammen zu legen. Die Verwaltung will ihren Vorschlag am 13. März offiziell im Schulausschuss vorlegen, eine Entscheidung wird dann aber noch nicht getroffen.

Illustration: Andre Devras

Gegen die Pläne des Bürgermeisters protestieren, zunehmend vehement, die Schüler, Eltern und Schulleitungen des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums und der beiden Schulen im Kleefeld. Die Kleefelder hatten bereits Anfang Februar einen Unterrichtsgang zum Rathaus unternommen und dort Unterschriftenlisten für den Erhalt ihrer Schulen in der jetzigen Form überreicht.

UPDATE: 
Erste Videos von der Demo, hier und hier
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Das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium, in einer gemeinsamen Aktion von Schülervertretung und Schulleitung, will an diesem Dienstag, 28. Februar 2012, ab 12.30 Uhr mit einem Demonstrationszug durch die Stadt vor das Rathaus marschieren. Ursprünglich wollten/sollten sich auch die Schüler des Kleefeldes an der Demo beteiligen, doch haben das offenbar die Schulleitungen von Haupt- und Realschule nicht genehmigt.

Die Schüler organisieren sich vor allem über Facebook-Gruppen
+ Für das NCG - gegen den Umzug
+ Kleefelder wollen im Kleefeld bleiben
+ Schulübergreifend: Jung in Bergisch Gladbach
+ Hier diskutieren die Erwachensen, u.a. mit Urbach: Politik in BGL

Die Debatte über die Zukunft findet inzwischen auf verschiedenen Ebenen statt, die Elternpflegschaften, Schülervertretungen und zum Teil auch Kollegen haben ihre Argumente für den Erhalt der Schulen am traditionellen Standort ausführlich dargelegt, der Bürgermeister hat per Brief und bei Facebook seine Sicht der Dinge dargelegt. Wir zeigen die Frontlinien auf und dokumentieren (ganz unten) die wichtigsten Stellungnahmen:

Im Schreiben der Schulleitung des NCG zur Demo an die Eltern heißt es:

Wir sind der Überzeugung, dass ein Umzug des NCG und Kleefeld und die Verlagerung der Kleefeld-Schulen an den Ahornweg bildungspolitisch unverantwortbar ist, dass der Norden der Stadt seiner Schulvielfalt beraubt und eine gut funktionierende Kooperation zwischen den Schulen mit der Musikschule zerstört wird.

Die Argumente der Schulleitung:

  • das NCG sei nach Ausbauten und Erneuerungen der letzten zehn Jahre keine “Bruchbude”, mit der Schließung des Standortes würden Investitionen aus Steuergeldern in Höhe von drei Millionen Euro vernichtet,
  • das Kleefeld sei nicht groß genug, um die 950 Schüler des NCG im Jahre 2016 aufnehmen zu können,
  • der Verlust der Aula würde die kulturelle Vielfalt der Stadt schmälern,
  • bildungspolitische Ziele wie individuelle Förderung, Inklusion und die Umsetzung des Ganztages seien im Kleefeld kaum umzusetzen,
  • für die Sanierung des Kleefeldes und denUmbau zum Gymnasium gebe es keine Mittel.

Die Schulleitung fordert die Eltern auf, sich selbst an die Stadträte zu wenden. Zudem soll es am 7. März einen Informationsabend “Bildungslandschaft Nord” geben. Der Ort dafür steht noch nicht fest.

Die Schülervertretung nennt in ihrem Demonstrationsaufruf als zentrales Argument:

Das NCG ist dort am besten aufgehoben, wo es jetzt ist – und bildet dort zusammen mit dem Schulzentrum Kleefeld eine Bildungslandschaft im Bergisch Gladbacher Norden. (…) Unter der Schülerschaft herrscht Unverständnis darüber, dass die naturwissenschaftlichen Fachräume, der Cafeteria und Mensa-Bereich und die Schülertoiletten erst langwierig und teuer saniert werden und nun, da sie endlich genutzt werden können, zum Abriss freigegeben werden sollen. Außerdem befürchten die Schüler, dass sie bei einem möglichen Umzug ans Kleefeld schlechtere räumliche Bedingungen vorfinden als bisher und dass daher die gemeinsame Arbeit im Unterricht und bei den vielfältigen außerunterrichtlichen Aktivitäten leiden wird.

Bürgermeister Lutz Urbach begründet seine Haltung so:

Entscheidungen, die zu treffen sind, haben sich an der Antwort auf EINE EINZIGE Frage auszurichten: Was ist das Beste für die Gesamtstadt Bergisch Gladbach? Nicht an der Frage, was das Beste für die CDU, für die SPD oder für Katholiken, nicht an der Frage, was das Beste für Linkshänder, junge Menschen oder Rothaarige ist, und auch nicht an der Frage, was das Schönste für die Lehrer des NCG ist, sondern alleine an der Frage, was das Beste für die Gesamtstadt Bergisch Gladbach ist. (…)  In der kommenden Woche werde ich – nach einem Monate dauernden Prozess voller Diskussionen, Überlegungen, Nachfragen, Beschimpfungen, Zustimmung, Zweifeln, Gesprächen, Diskussionen, Briefen, Demos, Unterschriftenlisten – am Ende aber auch Überzeugungen eine Entscheidungsvorlage für die Gremien des Stadtrates unterschreiben. Dann ist da das Ergebnis der Überlegungen öffentlich. Wer meint, das wir es uns leicht gemacht haben, der irrt.

Ich biete Bürgersprechstunden an, bin auf dem Wochenmarkt, diskutiere hier (begrenzt) mit, habe Mail und Telefonnummer veröffentlicht.  Ich diskutiere das Thema gerne. Warum? WEIL ICH ABSOLUT NICHT BEREIT BIN, WEITER SCHULDEN AUF KOSTEN DER KOMMENDEN GENERATIONEN ZU MACHEN!

Zum Thema “Bildungsstandort Norden” äußert sich Lutz Urbach wie folgt:

  • Herkenrath könne man nicht dem Süden der Stadt Bergisch Gladbach einordnen
  • zielführender sei eine Einteilung der Schullandschaft in die vier Bereiche Norden (IGP, Kleefeld, NCG), Mitte (Ahornweg, DBG) und Süden (JGR, AMG, Saaler Mühle) sowie Herkenrath,
  • der Bereich Norden sei laut Einwohnermelderegister bis 2017 am stärksten vom Schülerschwund betroffen, die Zahl der Schüler halbiere sich dort in den kommenden fünf Jahren (415 Kinder derzeit in den 4. Klassen in Schildgen, Paffrath, Hand, Hebborn; 205 einzuschulende Kinder im Sommer 2017),
  • der Bereich Bereich Mitte weise bis 2017 stabile Schülerzahlen auf,
  • im Süden sinke die Schülerzahl von 398 auf 315,
  • in Herkenrath/Sand sei die Schülerzahl stabil,
  • daher sei nachvollziehbar, dass über die Schließung eines Schulstandortes im Norden diskutiert wird, auch unter Berücksichtigung der Lage der IGP und einer möglichen Zusammenarbeit mit Odenthal,
  • die Alternative, dass Schulzentrum Saaler Mühle zu schließe, sei geprüft und als nicht durchführbar verworfen worden.

Zur Zukunft der Haupt- und Realschulen schreibt Urbach:

  • er teile die Auffassung, dass Haupt- und Realschulen hervorragende Arbeit leisteten,
  • das Landesschulgesetz sehe jedoch die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen vor, zu den neuen Sekundarschulen,
  • um zu vermeiden, dass die neue Schulform als “Restschule” abgewertet wird strebe die Verwaltung eine flächendeckende Einführung von Sekundarschulen an,
  • daher sollen an der Kaule, in Herkenrath, an der Saale Mühle und am Ahornweg Sekundarschulen entstehen,
  • eine weitere Sekundarschule für den Norden Bergisch Gladbachs solle gemeinsam mit (und offenbar in) Odenthal betrieben werden.

Weitere Informationen und Quellen

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. @Jörg Schmitter: Der Brief des Bürgermeisters an die Eltern des Kleefelds, unter “Weitere Informationen und Quellen” an zweite Stelle verlinkt.

  2. Was genau ist die Quelle für die Zusammenfassung der Aussagen des Bürgermeisters zum “Bildungsstandort Nord”?