Belkaw-Geschäftsführer Klaus Henninger

Mit dem Wiedereinstieg der Stadt Bergisch Gladbach wird sich nach Meinung von Klaus Henninger bei der BELKAW einiges ändern. Der neue Gesellschafter werde eigene Vorstellungen einbringen, sagt der Co-Geschäftsführer des Energieversorgers im Gespräch mit dem Bürgerportal. Wie sich die Rückkehr der Stadt konkret vollziehen wird, sei aber noch völlig offen. Das werde sich „Schritt für Schritt“ in den nächsten Wochen und Monaten klären, erläutert Henninger, der die BELKAW gemeinsam mit Klaus Kaiser führt.

Der Stadtrat hatte mit großer Mehrheit entschieden, für 78 Millionen Euro 49,9 Prozent der BELKAW von der Kölner RheinEnergie zurückzukaufen: Bergisch Gladbach will wieder bei der Versorgung mit Strom, Gas und Wasser mitspielen – und an den hohen Gewinnen teilhaben. Der Vertrag wurde gerade unterzeichnet. Auch wenn noch ein Versuch läuft, das Geschäft durch ein Bürgerbegehren zu kippen, sind die Weichen gestellt.

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Klar ist bereits, dass einer der beiden Geschäftsführer seinen Job bei der BELKAW verlieren wird. Denn einen Posten darf künftig die Stadt besetzen. Aber das sieht Henninger gelassen: genau wie Kollege Kaiser wird er sich dann wieder anderen Aufgaben bei der RheinEnergie widmen. Er führt bei der RheinEnergie die Abteilung für das Vertrags- und Preismanagement, Kaiser ist Hauptabteilungsleiter Finanzen der RheinEnergie.

Das zeigt, wie eng die BELKAW seit dem Ausstieg der Stadt im Jahr 2000 mit der Rheinenergie verflochten worden ist. Über die beiden Geschäftsführer hinaus hat die BELKAW keinen einzigen eigenen Mitarbeiter mehr, alle rund 260 Beschäftigten haben seit 2006 Arbeitsverträge mit der Rheinenergie und sind auf der Basis von Dienstleistungs-verträgen zwischen der Kölner Mutter und der Bergisch Gladbacher Tochter tätig.

Mehr als nur eine Marke

Dafür gibt es nach Meinung von Henninger ein gutes Argument, an dem auch der Wiedereinstieg der Stadt eigentlich nichts ändern müsse. Nachdem Bergisch Gladbach seinen Anteil verkauft hatte, wuchs die Energieversorgung westlich von Köln rasch zusammen. Die BELKAW versorgt nicht nur Bergisch Gladbach, sondern auch Burscheid, Leichlingen, Odenthal, Kürten und Lindlar.

„Damit konnten wir große Synergien heben,“ berichtet Henninger. „Die BELKAW ist mehr als eine Marke, wir haben hier einen sehr großen technischen Standort und betreuen das gesamte BELKAW-Netz, dazu auch das rechtsrheinische Netz der Rheinenergie.“ Es mache ja viel mehr Sinn, bei einer Störung in Dellbrück einen Techniker aus Bergisch Gladbach loszuschicken als jemanden vom Parkgürtel in Köln.

Synergien zwischen Rheinenergie und Belkaw machen auch in Zukunft Sinn

Hauptsitz der Belkaw in der Herman-Löns-Straße

Diesen engen Verbund jetzt wieder aufzugeben, habe dagegen keinen Sinn, sagt Henninger. Natürlich müssten das die Gesellschafter entscheiden, also demnächst die Vertreter der Stadt Bergisch und die Rheinenergie gemeinsam. Aber für ihn als Geschäftsführer sei nur wichtig, dass „uns das Ergebnis hilft, im Wettbewerb zu bestehen.“

Die Tatsache, dass die BELKAW in Zukunft auch gesellschaftsrechtlich wieder als das Stadtwerk Bergisch Gladbachs auftreten könne, sei auf jeden Fall eine Chance, die lokale Identität des Unternehmens noch mehr zur Geltung zu bringen.

Größe und Besetzung des Aufsichtsrates (der auf Wunsch der Stadt von derzeit sieben auf 18 Mitglieder vergrößert werden soll) seien Sache der beiden Anteilseigner, so Henninger. Er gehe davon aus, dass in allen drei Gremien (Gesellschafterversammlung, Aufsichtsrat, Geschäftsführung) „auf Augenhöhe“ gearbeitet werde. Keiner der beiden Gesellschafter könne ohne den anderen. Eine Blockade befürchte er aber nicht. Er erwarte, dass „solange mit vernünftigen Argumenten diskutiert wird, bis ein gutes Ergebnis zum Wohle des Unternehmens“ herauskomme.

BELKAW tritt Kritik offensiv entgegen

Bei den Bürgerversammlungen war die BELKAW von einzelnen Teilnehmern heftig kritisiert worden: die Tarife seien zu teuer, die Produkte nicht ökologisch genug. Selbst innerhalb der großen Koalition von SPD und CDU, die den Kauf einstimmig beschlossen hatte, gab es Kritik am Unternehmen.

Auf die Situation des Unternehmens angesprochen, legt Henninger dar: Seit der Liberalisierung der Strommärkte habe die BELKAW relativ wenig Kunden verloren, sei immer noch für rund 80 Prozent der Haushalte der Grundversorger – sowohl beim Strom wie beim Gas: „Soviel falsch können wir da ja nicht gemacht haben.“

Wie viele Kunden das Unternehmen 2013 an die Konkurrenz verloren hat, legt Henninger mit Verweis auf die harte Konkurrenz aber nicht offen.

Statt dessen verweist Henniger darauf, dass die BELKAW zum Beispiel den Gas-Großkunden Krüger im Rahmen einer internationalen Ausschreibung erneut gewonnen habe. „Und zwar nicht nur für den Standort Bergisch Gladbach, darauf bin ich schon stolz“, sagt der Geschäftsführer. Solche Abschlüsse zeigten, wie wettbewerbsstark der Versorger sei.

Äpfel mit Äpfeln vergleichen

Bei den Preisen könne die BELKAW natürlich nicht mit den Discountern im Strom- und Gasgeschäft mithalten, gesteht Henninger ein – „aber wenn man Äpfel mit Äpfeln vergleicht, stehen wir gut da“. In der Gruppe der Grundversorger, die keine Kunden ablehnen dürften, Kundenzentren vor Ort unterhalten und zu ihrer Verantwortung für die Region stünden, bewege sich sein Unternehmen in einem guten Mittelfeld.

Und schließlich zahle sich eine langfristige Geschäftspolitik auch für die Kunden aus: im Gegensatz zu vielen Konkurrenten habe die BELKAW in diesem Jahr die Preise stabil gehalten.

Entscheidung für Energiemix liegt beim Kunden

Auch für ihren Energiemix war die BELKAW, die den Strom komplett von der Rheinenergie bezieht und damit sowohl Kohle- als auch Atomstrom dabei hat, kritisiert worden. Dabei sei allerdings unterschlagen worden, dass der Kohle- und Atomstromanteil weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen.

Die Entscheidung, wie grün der Strom sein soll, liege jedoch allein beim Verbraucher, argumentiert der Manager: Die BELKAW bietet einen Ökotarif mit einem Aufschlag von 0,2 Cent pro Kilowattstunde an. Im Gegenzug sorge das Unternehmen dafür, dass die eingenommenen Gelder in Neuanlagen mit erneuerbarer Energie investiert werden.

Der Aufschlag mache für einen Haushalt mit durchschnittlichem Verbrauch gerade mal sechs Euro im Jahr aus. Wie viele (bzw. wie wenige) der Kunden sich diesen Aufschlag leisten, will der Geschäftsführer lieber nicht sagen.

Insgesamt, so Henninger, stehe sein Unternehmen „glänzend“ da. Das Jahresergebnis 2013 sei zwar noch nicht durch den Aufsichtsrat, doch werde es noch ein wenig besser als im Vorjahr ausfallen, als die BELKAW einen Gewinn von 12 Millionen Euro (nach Steuern) ausgewiesen hatte. „Alle Finanzkennzahlen sind grundsolide, zum Teil sogar glänzend“, betont der Geschäftsführer.

Kennzahlen BELKAW (31.12.2012) 
Umsatz: 198,4 Millionen Euro 
Jahresüberschuss: 12 Millionen Euro 
Konzessionsabgabe: 10,8 Millionen Euro 
Gewerbesteuer: 2,7 Millionen Euro 
Absatz Strom: 743.741 MWh, Gas: 1.043.761 MWh, Wasser: 6,12 Mio. Kubikmeter

Optimistischer Ausblick – trotz der Konzessionsverfahren

Auch der Ausblick fällt optimistisch aus – obwohl in der nächsten Zeit noch bei einigen der sechs Versorgungsgebiete der BELKAW die sehr wichtigen Konzessionsverträge neu ausgeschrieben werden. In Odenthal und Kürten konnte sein Unternehmen die Verträge gerade für 20 Jahre verlängern, die Verfahren in Bergisch Gladbach und Lindlar laufen, Leichlingen und Burscheid folgen noch in diesem Jahr.

Besonders bedeutsam ist allerdings die Neuvergabe der Konzession in Bergisch Gladbach, die Ende dieses Jahres ausläuft. Wie wichtig die Verlängerung für die BELKAW ist, zeigt die Tatsache, dass der Anteilskauf der Stadt rückabgewickelt werden kann, sollte ein Konkurrent die Konzession (und damit das Recht aus Nutzung städtischer Grundstücke für das Stromnetz) gewinnen.

Co-Geschäftsführer: Klaus Kaiser, Klaus Henninger

Es gibt keinen „Nasenfaktor“

Henninger betont, dass zwischen Wiedereinstieg der Stadt und Konzessionsvergabe natürlich keinerlei Verbindung besteht. Für die Konzessionsvergabe gibt es strikte gesetzliche Regeln und Kriterien. „Das muss völlig transparent und diskriminierungsfrei ablaufen – einen Nasenfaktor gibt es da nicht.“

Da die Bewerber vor allem nachweisen müssen, dass sie in der Lage sind, die Netze sicher und gut betreiben zu können, sieht Henninger sein Unternehmen jedoch in einer sehr guten Startposition. Immerhin verfüge die Rheinenergie mit der Rheinischen Netzgesellschaft (RNG) über eine Tochter, die auf diesem Feld eine sehr große Erfahrung habe.

Selbst der Möglichkeit einer Niederlage sieht Henninger gelassen entgegen. Sollte tatsächlich ein Konkurrent wie zum Beispiel die Stadtwerke Aachen (Stawag) die Konzession gewinnen, müsste er erst einmal der BELKAW das Netz abkaufen und Kunden gewinnen. Die Geschäftsgrundlage der BELKAW ginge damit jedoch keineswegs verloren, sondern nur das Netzgeschäft: „Die Verträge mit unseren Kunden bleiben ja intakt.“

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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