Wenn man sich entschlossen hat, in seinem Garten auf die chemische Keule zu verzichten, bringt das biologische Gleichgewicht eine erstaunliche Vielfalt hervor, die von Wissenschaftlern mit dem Begriff Biodiversität gefasst wird. Die Notwendigkeit der – leider immer stärker gefährdeten- Biodiversität auf unserem Planeten ist nur durch komplizierte Zusammenhänge und Erklärungen zu verstehen.

Doch haben alle Menschen neben ihrem Verstand ein Organ, das uns auch auf einfachere Weise in die Lage versetzt, diese Zusammenhänge zu verstehen und nachzuvollziehen: den Schönheitssinn. Wer seine Augen offenhält und in der Natur genauer hinschaut, wird seine wahre Freude in der Vielfalt des Lebendigen erleben.

Und wird erstaunt sein über das, was da kreucht und fleucht in unseren Gärten. Hier geht es mehr um das, was da „fleucht“, also fliegt, und dabei wird von den Vögeln abgesehen und nur auf die kleinen Flügelwesen geschaut, also auf die Insekten. Und auch davon zeigen wir nur einen kleinen Teil, den wir gerade mit unserem Fotoapparat erwischen konnten.

Sind Sie schon einmal auf die zierliche Gestalt der Eichenschrecke …

… gestoßen, mit ihren auffallenden, wie aufgeschreckt wirkenden Knopfaugen? Wenn wir sie von Gift verschonen, so hilft sie uns im Kampf gegen die Blattläuse, die uns an Rosen und Margeriten versuchen, die Blütenfreude zu verderben.

Die Rhododendronzikade …

… steht da weniger auf der Seite des Blumenfreunds. Sie legt íhre Eier in die Rhododendronknospen und überträgt dabei einen Pilz, der die Knospen braun und schwarz werden lässt. Doch schädigen wir unsere gesamte Flora und Fauna, wenn wir diese Zikaden chemisch statt mit Geduld, Sorgfalt und Hausmittteln bekämpfen.

Die schwarz-rote Blutzikade …

… saugt zwar Saft aus ihren Wirtspflanzen, doch ist sie nicht als „Schädling“ zu betrachten, genauso wenig wie Bienen, Hummeln, Wespen und Fliegen. Sie sind im Gegenteil nützliche Bestäuber unserer Blütenpflanzen. Das schreckliche weltweite Bienensterben hat teilweise fatale Folgen für viele Nutzpflanzen.

Umso mehr können wir uns freuen, wenn wir Hummeln …

… Wespen und Fliegen in Gladbachs Gärten antreffen. Vielleicht können Sie sich ja beim Lesen dieses Gedichts mit Ihnen identifizieren:

Die Goldfliege …

ist eine „Schnüfflerin“, die auf starke Gerüche aus ist, ob Mist oder starke Blumendüfte. Wenn Sie ihr mit Ihrer Nase folgen, können Sie vielleicht interessante Riech-Erfahrungen machen.

Die Schwebfliegen …

… werden oft wegen ihrer gelb-schwarzen Zeichnung mit Wespen verwechselt. Sie werden es nicht glauben, aber sie sind tatsächlich mit Düsenjägern vergleichbar, da sie es auf 300 Flügelschläge in der Sekunde bringen, was fast der Schallgeschwindigkeit entspricht. So sind sie auch wahre Flugkünstler, stehen still wie ein Hubschrauber und führen blitzartige Wendemanöver aus, womit sie unsere technischen Flugkörper weit in den Schatten stellen.

Ließen wir Brennnesseln in unseren Gärten zu, könnten wir weit mehr Schmetterlingsarten erblicken. So konnte ich nur den Kleinen Fuchs …

… auf dem Maiglöckchenstrauch ausmachen, allerdings in großer Zahl, und gelegentlich ein Tagpfauenauge.

Wenn dieser Schmetterling plötzlich seine Oberseite entfaltet, so schauen uns unerwartet zwei augenähnliche Gebilde an, eine Abschreckung für Eidechsen und Vögel.

Schwärmer …

… sind meistens nachtaktiv. Deshalb ist es nicht leicht, sich mit ihen auszukennen. Sie besitzen sogenannte „Superpositionsaugen“, die ihnen auch noch die Sicht im Dunkeln ermöglichen, wieder ein natürliches technisches Wunderwerk.

Und was gibt es da, was nicht „fleucht“, sondern „kreucht“ in unseren Gärten? Die kriechenden Arten sind allerdings weniger für den Fotografen geeignet, da sie sich oft im Boden aufhalten und selten an den Blüten.

Das Kapitel Schnecken will ich dabei lieber nicht anschneiden, da es für viele Gladbacher Gartenbesitzer ein leidvolles Thema darstellt. Aber auch hier gilt für mich: keine chemische Keule, da diese ja nie so intelligent ist, dass sie lediglich gegen eine einzige Art vorgeht. Man vernichtet also mit dem ungeliebten Gast alle möglichen anderen und bringt das komplizierte Ökogeflecht durcheinander. Dieses Jahr hielt sich übrigens in meinem Garten die Schneckenplage durchaus in Grenzen.

Einer unserer kriechenden Helfer gegen unliebsame Insekten ist aber die Erdkröte, …

… deren Haut vielleicht nicht jedermanns oder jeder Frau Sache ist. Aber schauen Sie sich einmal ihre Augen an! Mich haben sie zu einem Gedicht veranlasst, das am Ende dieses Textes erscheint. Bei Erdkröten herrscht übrigens ein fast dramatischer Männerüberschuss, was zu einer intensiven Weibchenjagd führt. Gibt es die bei Menschen nicht seltsamerweise auch ohne Männerüberschuss? Oder sind meine Gedanken da nicht mehr zeitgemäß?

Die Veränderliche Krabbenspinne …

… hat ebenso ein erstaunliches technisches Mittel zu ihrem Schutz parat. Sie kann Tarnfarben annehmen, ist also sozusagen das Chamäleon unter den Spinnen.

Die Bockkäfer …

…. leiten ihren Namen von den nach hinten gebogenen Fühlern ab. Sie leiden sehr unter der modernen Forstwirtschaft, da sie auf Totholz angewiesen sind, welches bis auf Ausnahmen nicht mehr geduldet wird.

Besonders schön in ihren Farben und ihren Formen finde ich die Adonislibelle.

Deshalb trägt sie ihren Namen zu Recht. Für ein Gedicht müsste ich mir zwei besondere Zutaten besorgen: den herbsüßen Geruch des Geißblatts und eine Musik, die einen in die Seligkeit eines milden Sommertags versetzt.

Adonislibellen sind nicht so wählerisch wie viele andere Insekten. Sie kommen für ihre Eiablage mit den verschiedensten Pflanzen zurecht. Damit besitzen sie eine räumliche Flexibilität, die von manchen Arbeitgebern heute gefordert wird. Aber: Für eine solche Flexibilität ist halt nicht jede Art geeignet.

Liebe Leser, dies ist nur eine kleine Auswahl von dem, was da kreucht und fleucht in Gladbachs Gärten. Sicher kennen Sie noch manche andere Art, können davon im Bürgerportal berichten oder Fotos davon veröffentlichen. Ich bin gespannt darauf. Sollten Sie mich bei Fehlern erwischen, was die Identifizierung der einen oder anderen Art angeht, so können wir auch das gerne im Bürgerportal klären.

Und zum Schluss das versprochene Gedicht:

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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3 Kommentare

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  1. Wie immer eine Freude, die Bilder zu betrachten und den Text aufzunehmen und
    zu “verarbeiten”. Als Gartenbesitzer, der seine Blumenkinder großzieht und hegt
    und pflegt, kommt man schon des Öfteren in Zwiespalt, wie man die eigenen und
    die Interessen unserer Mitlebewesen in Einklang bringt. Ich denke da an das schöne
    Lilienhähnchen z. B. Aber mit ein wenig Nachdenken, kann man beidem gerecht
    werden, wenn man sich weiterhin daran erfreuen will, was die Natur alles Schöne
    hervorgebracht hat.

  2. Sehr schöne Bilder. Alle von Dir? Lassen wir sie auf uns wirken, uns erfreuen, ohne all zu sehr zu moralisieren. Die Natur hatte in der Geschichte immer den längeren Atem.

  3. Es ist erstaunlich welche Vielfalt und Schönheit die Natur hervorbringt. Wir sollten uns eigentlich darüber klar werden, was mit dem Verschwinden eines jeden Geschöpfes an Reichtum und Schönheit in Gottes Natur verloren geht. Auch wenn manche Tiere uns ärgern oder belästigen, Aber belästigen wir die Tiere nicht auch durch unser Verhalten, oder da sein von Häusern, Autos und Straßen? Wir sollten unseren Kindern und Enkelkindern diese Schönheit der Natur zeigen und Ihnen für die Schönheit der Natur die Augen und Sinne stärken.