Die Kriminalitätsstatistik des Rheinisch-Bergischen Kreis hat ein dramatisches Cover.

Einbrüche an jeder Ecke, Überfälle auf offener Straße und dann auch noch die vielen Flüchtlinge: „Es wird immer schlimmer” heißt es bei fast jeder Polizeimeldung des Bürgerportals auf Facebook in den Kommentaren. Doch der subjektive Eindruck trügt: Bergisch Gladbach ist 2015 (noch) ein Stückchen sicherer geworden.

Gegen den Landestrend (plus ein Prozent) hat die Zahl der registrierten Straftaten im Rheinisch-Bergischen Kreis in 2015 um vier Prozent abgenommen, teilte die Polizei RheinBerg heute mit.

In Bergisch Gladbach ging die Zahl der Straftaten sogar um 7,5 Prozent zurück.

Die Häufigkeitszahl, also die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner, fiel von 6712 auf 6193 deutlich. Anders ausgedrückt: auf jeweils 100 Bergisch Gladbacher entfielen im vergangenen Jahr 6,1 Straftaten. Damit hat Rösrath (!) Bergisch Gladbach als kriminellste Kommune in RheinBerg abgelöst.

Auch diejenigen Delikte, die in der Öffentlichkeit besonders stark diskutiert werden, wurden seltener registriert: Raubfälle sanken um 20 Prozent, die Straßenkriminalität ging um sieben Prozent zurück.

Die gesamte Kriminalitätsstatistik RheinBerg dokumentieren wir ganz unten

Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg mit einem Plus von einem Prozent moderat im Vergleich zu den Zahlen in RheinBerg (plus 3,8 Prozent) und NRW (plus 18 Prozent). Die Aufklärungsquote ist mit 14 Prozent in Bergisch Gladbach ausgesprochen niedrig.

Dennoch ist die Stadt keine Insel der Seligen. Denn ausgerechnet die Zahl der Körperverletzungen stieg deutlich um 17 Prozent auf 542 Fälle. Hier lohnt ein genauer Blick. Denn nach Angaben der Polizei gibt es eine klare Differenzierung: die Fallzahl bei den schweren und gefährlichen Körperverletzungen ging um neun zurück, die Zahl der Fälle von einfachen Körperverletzungen stieg dagegen kräftig von 325 auf 412.

Von diesen 412 einfachen Körperverletzungen nur in Bergisch Gladbach wurden 90 Prozent aufgeklärt – was nach Interpretation der Polizeiexperten ein klares Indiz dafür ist, dass es sich um Beziehungsstraftaten handelt, sehr häufig um häusliche Gewalt. Nicht auf Bergisch Gladbachs Straßen und Plätzen ist es gefährlicher geworden, wohl aber in Bergisch Gladbachs Familien.

Das Wort Flüchtlinge taucht in der gesamten Kriminalstatistik nicht auf. Der neue Polizeichef Gerhard Wallmeroth hatte die Erklärung dafür bereits am Stammtisch des Bürgerportals geliefert: Erst gegen Ende des Jahres wurde damit begonnen, in der Statistik gesondert auszuweisen, ob Flüchtlinge beteiligt waren. Wie groß der Anteil der Neuankömmlinge an den Straftaten ist, lässt sich also nicht sagen.

Wallmeroth hatte aber betont, dass die Flüchtlinge erfahrungsgemäß genauso kriminell bzw. nicht kriminell wie die Stammbevölkerung sei. Die Zahl der Einsätze im zweiten Halbjahr liefert Anhaltspunkte, dass das plausibel ist.

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Deutlich zugenommen hat auch die Zahl der Autodiebstähle und der Diebstähle aus Autos. Hier scheint die Polizei ziemlich machtlos: nur jeder Dritte Autodiebstahle wird aufgeklärt, bei den KFZ-Aufbrüchen ist es noch nicht einmal jeder 20. Fall.

Aufklärungsquote sehr unterschiedlich

Insgesamt wird in Bergisch Gladbach rund die Hälfte aller Straftaten aufgeklärt, besonders hoch liegt die Erfolgsquote der Polizei wie gesagt bei Körperverletzungen, aber auch bei  Mord und Totschlag (100 Prozent, bei „nur” zwei Fällen im Jahr), Ladendiebstahl und Rauschgiftdelikten.

Allerdings, auch das betont Polizeichef Wallmeroth, kann die Polizei nur die Fälle zählen, die ihr angezeigt werden – es gebe natürlich immer einen mehr oder weniger großen Graubereich.

Am stärksten haben in Bergisch Gladbach übrigens die Umweltdelikte zugenommen, um 120 Prozent. Immerhin ist auch hier die Aufklärungsquote mit 70 Prozent relativ hoch.

Zum Schluss eine Warnung: die Zahl der Straftaten ist zwar in ganz RheinBerg gesunken, der finanzielle Gesamtschaden dagegen um satte 30 Prozent auf 26 Millionen Euro gestiegen. Der größte Teil davon entfällt auf Betrug. Zuletzt vor allem im Internet. Seien Sie vorsichtig.

Alle Straftaten im Detail:

Dokumentation: Der gesamte Kriminalitätsbericht der Polizeibehörde für den Rheinisch-Bergischen Kreis (als Datum ist der 14.3. genannt, die Pressekonferenz dazu wurde abgesagt, der Bericht bereits am 10.3. veröffentlicht):

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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