Helmut Krause, Manfred Habrunner, Olaf Schmiedt

Das ist nicht die neue Spitze der Belkaw, sondern die alte Leitung der Bensberger Bank. Manfred Habrunner (Mitte) wechselt nach einem Umweg jetzt von der Bank zum Energieversorger.

Bei der Einigung auf den (Wieder)-Einstieg der Stadt Bergisch Gladbach bei der Belkaw hatte sich die Große Kooperation von CDU und SPD markig geäußert: Der Energieversorger müsse effizienter werden, ein starker Geschäftsführer auf dem Ticket der Stadt werde dafür sorgen, dass die Gewinne nicht über Dienstleistungsverträge zum Mehrheitseigner RheinEnergie fließen. Bei der Auswahl, forderte SPD-Fraktionschef Waldschmidt, spielten nur Eignung, Erfahrung und Leistung eine Rolle.

Der Mann für diese Aufgabe ist nun gefunden: Manfred Habrunner wird auf Vorschlag der Stadt neues Mitglied der Geschäftsführung der Belkaw, zuständig für die Bereiche Vertrieb und Stakeholder-Management. Er ergänzt das bisherige Führungsduo Klaus Kaiser und Klaus Henninger, die ihre Aufgaben weiterhin wahrnehmen. Das teilte die Belkaw am Dienstag mit.

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Die Gesellschafterversammlung traf die Entscheidung am Mittwochnachmittag, der Aufsichtsrat befasste sich danach mit der Personalie. Schon an diesem Freitag soll Habrunner seinen neuen Job antreten.

Eine Personalie, zwei Überraschungen

Dabei birgt die knappe Mitteilung zwei Überraschungen: erstens ist Habrunner in Bergisch Gladbach zwar alles andere als ein Unbekannter, er ist jedoch ein Branchenfremder. Und zweitens hatte die RheinEnergie noch vor gar nicht langer Zeit argumentiert, eigentlich gebe es bei der Belkaw noch nicht einmal für einen zweiten Geschäftsführer genügend Aufgaben. Geschweige denn für drei.

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Zur Person: Manfred Habrunner ist 55 alt und sammelte laut Mitteilung „seine Erfahrungen bislang vor allem im Bereich des Bankwesens”. Der Schwabe lebt seit zwölf Jahren in Bergisch Gladbach – wo er zehn Jahre lang Vorstandsmitglied der Bensberger Bank war. Anfang 2014 wechselte er zur größeren Volksbank-Remscheid-Solingen, wo er jedoch schon nach wenigen Monaten von seinen Aufgaben freigestellt worden war.

Seither arbeitet Habrunner als Unternehmensberater. In seinem Xing-Profil stellt er sich als Vertriebs- und Aquisitionsprofi vor. Und mit einem positiven Motto: „So far the crocuses have always come up.”

Das Dreigestirn der Session 2011/2012

Der neue Belkaw-Geschäftsführer hatte Wirtschafts- und Organisationswissenschaft an der Universität der Bundeswehr studiert und war zehn Jahre Offizier, bevor er für sieben Jahre als Filialleiter zur Deutschen Bank wechselte. Eine weitere Station war die Baden-Württembergische Bank.

Dann zog er nach Bergisch Gladbach, wo er mit seiner Familie rasch heimisch wurde. Er ist bei den Rotariern aktiv und spielt im Karneval eine prominente Rolle, 2012 war er Karnevalsprinz.

Zur Sache: Zwar hat die RheinEnergie eine hauchdünne Mehrheit der Anteile, aber im Zug der Beteiligung für 78 Millionen Euro war festgelegt worden, dass die Stadt ein Vorschlagsrecht für den zweiten Geschäftsführer hat. Zunächst hatte die RheinEnergie noch argumentiert, eigentlich reiche für diesen Posten (wie bisher) ein Teilzeitgeschäftsführer.

Die bisherigen Co-Geschäftsführer: Klaus Kaiser, Klaus Henninger

Klaus Kaiser und Klaus Henninger führen bereits seit Jahren die Belkaw, nehmen parallel dazu aber wichtige Aufgaben bei der RheinEnergie wahr.

Nach einigen Debatte hatte die RheinEnergie eingelenkt, die Stelle für einen Vollzeitgeschäftsführer wurde ausgeschrieben. Ein Headhunter sichtete die knapp zehn Bewerber, die sich in den vergangenen Monaten im Rathaus beim Bürgermeister und den Fraktionsspitzen von CDU und SPD vorstellten.

Von einer Stärkung der Unabhängigkeit der Belkaw von der Mehrheitsgesellschafterin RheinEnergie ist zwei Jahre nach dem Einstieg öffentlich keine Rede mehr. Im Gegenteil: „Es wird auch weiterhin bei der Integration der Geschäftsprozesse in der Co-Anteilseignerin RheinEnergie (50,1 Prozent der Anteile) bleiben, denn dies ist die Basis für den nachhaltigenwirtschaftlichen Erfolg der Belkaw”; heißt es in der von der Belkaw verschickten Pressemitteilung.

„Die Belkaw steht heute glänzend da“

78 Millionen Euro: Wofür und warum?

Warum CDU und SPD die Belkaw kaufen wollen

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Zu der wunderbaren Arbeitsvermittlung eines anzulernenden Geschäftsführers in unserer Stadt bei der BELKAW fällt mir der schöne Aphorismus des Satirikers Dieter Höss ein: „Der ganze Klüngel kann mir gestohlen bleiben, wenn ich die richtigen Leute kenne!“
    Klaus Hansen