Holger Müller hält eine kämpferische Rede: „Ich gehöre nicht zum alten Eisen”

So schnell lässt sich ein Haudegen wie Holger Müller nicht auf’s Altenteil schieben. „Wenn Sie es wollen, dann gehöre ich noch lange nicht zum alten Eisen”, appelliert der CDU-Landtagsabgeordnete an die Mitglieder der Kreis-CDU, ihn ein viertes Mal für das Amt in Düsseldorf zu nominieren. Am Ende, soviel sei verraten, erscheint Müller deutlich verjüngt. Sein junger Herausforderer sieht ziemlich alt aus.

Die rheinisch-bergischen CDU-Mitglieder haben an diesem Samstag darüber zu entscheiden, wen sie für die Landtagswahl 2017 ins Rennen schicken. Im Nordkreis, dem Wahlkreis 22, ist das klar: Amtsinhaber Rainer Deppe hat keinen Gegenkandidaten. Er wird mit 79 Ja- und 3 Nein-Stimmen erneut aufgestellt.

Spannender ist es im Wahlkreis 21, den Rösrath und Bergisch Gladbach bilden. Der Stadtverband Rösrath hatte Holger Müller in einer einstimmigen Entscheidung nominiert; der Stadtverband Bergisch Gladbach nach einigen internen Hakeleien mit einer äußerst knappen Entscheidung den Newcomer Oliver Schillings auf den Schild gehoben.

Hintergrund: Der Wahlkreis 21
umfasst die Städte Bergisch Gladbach und Rösrath. Seit 2005 wird er von Holger Müller aus Rösrath vertreten. Bei der vergangene Wahl hatte Müller allerdings das Direktmandat gegen Helene Hammelrath (SPD) verloren und war nur über Platz 39 der Reserveliste noch einmal in den Landtag gezogen.

Die SPD hat noch nicht entschieden, wen sie in das Landtagsrennen schickt; Hammelrath hat jedoch bereits angekündigt, nicht noch einmal zur Verfügung zu stehen. Michael Zalfen hat sein Interesse angemeldet.

Die FDP hat die Ortsvereinsvorsitzende Anita Rick-Blunck bereits aufgestellt.

Weitere Kandidaten melden sich nicht, jetzt wird in der überfüllten Refrather Steinbreche gewählt. Zunächst stellen sich die Kandidaten vor – und den Fragen der Mitglieder.

Holger Müller und Oliver Schillings rechnen beide im Pflichtteil ihrer Reden mit dem politischen Gegner ab. Die Bilanz der rot-grünen Landesregierung sei ein Skandal, vor allem die Wirtschafts- und Verkehrspolitik eine Katastrophe, die innere Sicherheit eine Schande, sind sich die beiden Kandidaten völlig einig.

„Das war nicht fair”

Doch schnell kommt Holger Müller zum Kern der Sache: „Einige haben mich gefragt, warum ich noch einmal antrete”, berichtet der 68-Jährige – und listete fünf Gründe auf, verbunden mit einigen Angriffen auf seinen Gegenkandidaten:

  • „Weil ich fit bin.”
  • „Weil ich frei und unabhängig bin, auch finanziell. Ich war nie Lobbyist und habe auch nie Geschäfte mit der Stadt Rösrath oder dem Rheinisch-Bergischen Kreis gemacht.”
  • „Weil ich in der Region sehr gut vernetzt und tief in allen Zukunftsfragen drin bin.”
  • „Weil ich den Markenkern der CDU vertrete und nicht dem Zeitgeist hinterher laufe.”
  • „Weil ich ein älterer Kandidat bin – und auch die meisten Wähler älter sind. Diese Klientel wird von der CDU kaum noch bedient.”

Müller räumt ein, dass er bei seiner vergangenen Nominierung von seiner „wahrscheinlich letzten” gesprochen hatte; doch habe er damals nicht gedacht, dass er heute noch so gut drauf und so kämpferisch gestimmt sei.

Das ist er in der Tat. Und daher rechnet „Klartext” Müller von der Bühne herab mit Bergisch Gladbachs Bügermeister Lutz Urbach ab, der in der ersten Reihe sitzt. Noch Mitte Mai habe ihm dieser gesagt, er setze sich für Müller ein. Im Interview des Bürgerportals mit Schillings habe Müller dann jedoch lesen müssen, dass die Bergisch Gladbacher CDU seit Ostern an dessen Kandidatur arbeite, zuletzt 30 bis 40 Personen damit befasst waren und dennoch nichts nach außen gedrungen sei. „Das ist heroisch, so stelle ich mir offene Parteiarbeit vor”, ätzt Müller. Und legt an Urbachs Adresse nach: „Das war nicht fair.”

Müller listet Verbesserungen auf, die er für Bergisch Gladbach durchgesetzt habe, wirft der Bergisch Gladbacher CDU vor, mit der „Lebenslüge Bahndamm” viel Zeit vertan zu haben anstatt sich um echte Zukunftslösungen zu kümmern und zitiert noch einmal aus dem Interview im Bürgerportal, in dem Schillings zwischen den Positionen der Unternehmer-Lobby ILA und der CDU differenziert und kommt zum Schlusswort:

„Auf mich können Sie sich verlassen. Bei mir steht CDU drauf und bei mir ist auch zu 100 Prozent CDU drin. Ich habe 17 mal kandidiert und 15 mal gewonnen. Ich traue mir zu, ein 18. mal anzutreten und ein 16. mal zu gewinnen – wenn Sie es wollen.”

„Weil ich etwas bewegen will …”

Oliver Schillings: „Es ist Zeit, die Dinge etwas anders anzugehen”

Dann ist Oliver Schillings an der Reihe. Artig bedankt er sich bei seinem Vorredner, zollt ihm für seine politische Arbeit „Dank und Respekt”; doch nun sei es Zeit, „einige Dinge anders anzugehen”. Er stellt sich vor, seine berufliche Tätigkeit als Kommunikationsunternehmer, sein Engagement für die ILA und den SV 09.

Oliver Schillings zu seiner Biographie
„Mein Vater war Soldat, ich hatte von daher eine etwas unruhige Kindheit. Geboren 1969 in Koblenz, dann nach Stolberg, in die USA, nach Luxemburg und danach ins Münsterland.

In Münster habe ich Abitur gemacht und das Studium (Geschichte, Philosophie und Publizistik) begonnen. Nach einem Praktikum bei der Europäischen Kommission in Bonn bin ich nach Köln gewechselt, für die Promotion mit einem geschichtsphilosophischen Thema.

Schon in der Schulzeit habe ich für die Westfälischen Nachrichten gearbeitet und wollte in den Journalismus. Im Pressereferat der Europäischen Kommission habe ich gemerkt, dass ich neben dem Schreiben auch ein Talent für das Organisieren habe. Und von dort war es dann nur noch ein kleiner Schritt in die PR.

Vor 16 Jahren bin ich nach Bergisch Gladbach gezogen und in Herkenrath heimisch geworden. Ich war PR-Manager bei einer Metrotochter, habe dann Ende 2003 die PR-Agentur Alpha & Omega in Bergisch Gladbach gegründet.

CDU-Mitglied bin ich seit 2011, im Vorstand auch seit 2011, seit 2015 stellvertretender Vorsitzender. Ich bin verheiratet, habe drei Kinder.” Mehr Details auf der CDU-Seite

Und auch Schillings kommt rasch zur entscheidenden Frage: Warum jetzt in die Politik. Seine formelhafte Antwort: „Weil ich etwas bewegen will, etwas bewegen kann – und weil sich etwas bewegen muss.”

Er spricht den Brexit und die AfD an, kritisiert die Landesregierung und bedankt sich bei „Lutz” für dessen Initiative in Sachen Bahndamm. Den Vorwurf, mit Wahlkampf kenne er sich nicht aus kontert er mit dem Verweis, seit 2009 die CDU Bergisch Gladbach dabei zu unterstützen und nicht zuletzt dafür gesorgt zu haben, dass der Bürgermeister bei der Kommunalwahl im ersten Wahlgang gewonnen und die CDU alle Mandate geholte hatte.

Zum Schluss beschwört Schillings die Gemeinsamkeiten zwischen Rösrath und Bergisch Gladbach. Auch den Wechsel nach Düsseldorf könne er nur im Team schaffen: „Ich will und ich werde mit Ihnen gemeinsam das Direktmandat zurück gewinnen.”

Bergisch Gladbacher deuten Wahl als Generationenfrage

Nun folgt eine Fragerunde. Sie wird hitzig, nur mit Mühe gelingt es Tagungsleiter Herbert Reul, Unmut aus dem Saal gegen zu lange Meinungsäußerungen zu befriedigen.

Gleich als zweiter Fragesteller tritt Rösraths Bürgermeister Marcus Mombauer auf die Bühne und macht klar, wo die Trennlinien verlaufen: Rösrath sei für Müller, der für seine Stadt viel bewegt habe – und bei dem man wissen, was man bekomme.

Dann sind die Bergisch Gladbacher dran, die den Wettstreit zu einer Generationenfrage uminterpretierten. Birgit Bischoff, Rats- und Vorstandsmitglied bittet um Verständnis, dass sich eine neue Generation zu Wort melde, die nun an der Reihe sei. Zudem gebe es jetzt einen komfortablen Zeitpunkt für einen Wechsel, denn bei jeder Veränderung brauche man Vertrauen und Mut.

Wenig später verstärkt Claudia Casper, ebenfalls Ratsmitglied in Bergisch Gladbach, die als junge Politikerin für einen jungen Kandidaten plädiert. Das sei um so wichtiger, als auch die SPD mit Michael Zalfen einen dynamischen Kandidaten aufstellen werde.

Rolf Becker, Unternehmer aus Bergisch Gladbach, lobt Schillings für seine „gesagt, getan”-Fähigkeiten. Er kennen keinen anderen, der so häufig so präzise geliefert habe.

Beide Kandidaten arbeiten die Fragen ab, weitgehend routiniert. Holger Müller greift die Generationenfrage direkt auf: „Wenn jemand 40 ist kann er einen politischen Gedanken nicht automatisch bessser vertreten als ein 60-Jähriger; das ist eine Frage des Kopfes, nicht des Körpers!”

Schillings kündigt an, im Fall einer Wahl sein ILA-Amt ruhen zu lassen und sich zu 75 Prozent aus dem Tagesgeschäft seines Unternehmens zurückzuziehen.

Ein klares Ergebnis

Dann wird abgestimmt. Das Ergebnis ist eindeutig: 105 Stimmen für Holger Müller. 86 für Oliver Schillings.

Ein deutliches Resultat für Müller, dessen politische Karriere mit 68 Jahren schon ausgekostet schien. Aber ein noch deutlicheres Votum gegen Oliver Schillings, der den viermal größeren Stadtverband hinter sich hatte. Aber offenbar nicht alle Bergisch Gladbacher.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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