Willibert Krüger, Gründer der Krüger-Gruppe, Vizepräsident der IHK Köln und Vorsitzender des Wirtschaftsgremiums Bergisch Gladbach

Das Wirtschaftsgremium Bergisch Gladbach der IHK Köln hat eine Überarbeitung des Vorentwurfs für den neuen Flächennutzungsplans gefordert. Dabei sollten an der Autobahn A4 weitere „größere und zusammenhängende” Flächen als Gewerbegebiete ausgewiesen werden. „Es muss verhindert werden, dass Betriebe wegen fehlender Flächen in andere Gemeinden abwandern“, erläutert Willibert Krüger in einer Erklärung des Gremiums. 

Grundsätzlich begrüßt Krüger den Vorentwurf als „Chance, dass Bergisch Gladbach auch in Zukunft ein attraktiver Wohn- und Wirtschaftsstandort bleibt”. Der Gründer der Krüger-Gruppe ist Vizepräsident der IHK Köln und Vorsitzender des IHK-Gremiums. Für die Bedürfnisse der Wirtschaft, da ist sich der Unternehmerkreis einig, reicht der Vorentwurf jedoch nicht aus.

Diese potenziellen Gewerbeflächen hat die Verwaltung geprüft: hellgrau schraffierte wurden verworfen, dunkelgraue Flächen als geeignet befunden. Fast alle befinden sich im Süden oder Osten der Stadt.

Der Vorentwurf weist insgesamt 49,5 Hektar an Potenzialfläche aus, die nach Urteil der Stadtverwaltung für Gewerbegebiete gut geeignet sind. Wirtschaftsvertreter und Unternehmensförderer hatten schon vorher deutlich mehr Fläche für Erweiterungen und Neuansiedlungen gefordert. Hinzu kommt, dass viele Flächen im Vorentwurf tatsächlich sehr klein sind. 

So befinden sich einige kleine potenzielle Gewerbeflächen in Lustheide (1,5 Hektar), Frankenforst (4 und 4,5), Bockenberg (4 und 3) sowie Moitzfeld (1,5 und 1 und 7) in unmittelbarer Nähe der A4; größere Gebiete gibt es ein Stück weiter weg von der A4 Richtung Herkenrath mit Voislöhe Ost (10,5 Hektar) und in Asselborn-Spitze (11). Damit sind nahezu alle Potenziale für Gewerbeflächen aufgezählt, nur in Hebborn ist ein weiterer Hektar eingetragen.

In Moitzfeld und Herkenrath gibt es jedoch den härtesten Widerstand; und auch die CDU hatte mehrfach klar gemacht, dass sie dort große Gewerbegebiete für ausgeschlossen hält. Aber der neue Baurat Harald Flügge im Interview Voislöhe als guten Standort für Gewerbe wieder ins Spiel gebracht.  

Eva Babatz, IHK

Dagegen argumentiert Eva Babatz, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg, dass Flächen in Moitzfeld oder gar Asselborn-Spitze für produzierendes Gewerbe bereits zu weit von der Autobahn entfernt sind. Wenn Lastwagen, aber auch die Pendler schon im Stau stünden, bevor die Autobahn erreicht ist, sinke die Attraktivität drastisch.

Ideal seien Flächen direkt an der Autobahn, die groß genug sind, um den Unternehmen Wachstumspotenzial zu bieten. Neben der reinen Produktionsfläche brächten Unternehmen eben auch Verkehrsfläche und Reserven für künftiges Wachstum.

Auf eine Hektarzahl will sich die IHK bei der Definition einer „größeren Fläche” nicht festlegen. Sie habe bei ihrer Forderung auch nicht die Ausweisung völlig neuer Flächen im Fokus, sondern eine Vergrößerung der bereits identifizierten kleinen Flächen, sagt Michael Kracht, Standortexperte der IHK-Geschäftsstelle: „Warum kann man zum Beispiel das Gewerbegebiet Lustheide nicht nach links oder rechts ausweiten?” Dieser Frage könne man auch im Fall der beiden eingezeichneten kleinen Gebiete in Frankenforst aufwerfen.

Krüger hat in den vergangenen Jahren kräftig in seine Kaffee-Rösterei investiert und beschäftigt allein in Bergisch Gladbach deutlich mehr als 1000 Arbeitnehmer

Babatz wie Krüger weisen darauf hin, dass bereits jetzt bestehende Betriebe, die sich gut entwickeln, in Bergisch Gladbach an räumlichen Grenzen stoßen oder in Nutzungskonflikte mit Anwohnern geraten. Die wenigen Flächenreserven seien oft betriebsgebunden und deshalb für das Wachstum anderer Unternehmen nicht nutzbar, ergänzte Krüger. 

Ähnlich argumentiert Arnulf Busen, Chef der Polytron Kunststofftechnik GmbH und Sprecher der Industrie-Akzeptanz-Initiative der IHK Köln: „Damit Unternehmen für ihre Planungen und Investitionen Auswahlmöglichkeiten und Standortalternativen haben, brauchen wir eine bedarfsgerechte Flächenentwicklung und -ausweisung.“ Und dabei geht er davon aus, dass nicht 50 Hektar benötigt werden – sondern wenigstens 70 Hektar. 

Dabei setzt Busen jetzt darauf, dass noch einmal neue Flächen in die Abwägung hinein kommen, um mehr Spielraum für die kommenden Jahrzehnte zu gewinnen. In Bergisch Gladbach, aber auch in Zusammenarbeit mit den angrenzenden Kommunen.

Fred Arnulf Busen ist Geschäftsführer der Polytron Kunststofftechnik. Foto: Peter Boettcher

Damit das möglich werde, so Busen, „muss die Politik, ganz unabhängig vom Parteibuch, stärker dazu bereit sein, mit den Bürgern in die Diskussion zu gehen.”

Für kommende Woche steht eine Sitzung des Wirtschaftsgremiums an, zu dem sie die Vertreter der Ratsfraktionen eingeladen hat. 

Die Ablehnung von Gewerbegebieten und von Industrieunternehmen allgemein ist nach Beobachtung von Eva Babatz in Bergisch Gladbach besonders ausgeprägt. Ohne Industrie gebe es aber keine Arbeitsplätze und keine Wohlstand. Noch habe der Rheinisch-Bergische Kreis und auch die Stadt eine gesunde Produktionsstruktur und wachstumsstarke Unternehmen, sagt Babatz: „Es gibt hier richtige Schätze – aber die muss man auch in Ehren halten und muss ihnen Perspektiven geben.”

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Das klingt mal wieder nach 60er-Jahre-Planung. Erstmal sollten die vorhandenen Flächen genutzt werden. Mitten in Bergisch Gladbach werden in den nächsten Jahren viele Hektar Gewerbefläche frei – bevor neue Waldflächen gerodet und ‘erschlossen’ werden, könnten wir uns doch um deren Nachnutzung Gedanken machen!

  2. Kaum wird der Begriff “postfaktisch” zum Wort des Jahres erhoben, zeigen sich schon wieder die Auswüchse dieses Verhaltens in unserer nächsten Nähe. Wir brauchen weder nach Amerika (Trump) zu blicken noch nach England (Brexit), wir haben die hiesige Verwaltung und Politik, die IHK, die Bergisch Gladbacher Wirtschaft und einen Sprecher derselben, der, wie gelungen, auch Vizepräsident der Kölner IHK ist. Alle zusammen reiten diese postfaktische Schiene, die hier wie überall nichts anderes bedeutet, als den Bürgern Märchen, Unwahrheiten und Lügen zu erzählen und dabei Gesetze, Schadstoffemissionen und andere gesundheitsgefährdende Fakten zu ignorieren. Diesem Sumpf von einigen wenigen Mandatsträgern und Wachstumsphantasten wird vor Augen geführt werden, dass man gegen den Willen der überwiegenden Zahl der Bürgersschaft in BGL unsere Stadt nicht zur Gewerbewüste werden lassen kann. Die wachsende Zahl der Bürgerinitiativen, von denen Herr Flügge meint, sie würden die Bürger verblenden, hat das Gegenteil längst bewiesen. Über 4600 Eingaben zum FNP-E., von denen die Verwaltung sich überrollt fühlt, sprechen eine deutliche Sprache. Man wollte wohl mal prüfen, wie wenig Bürger sich dafür interessieren würden und ist nun überrascht, dass wir uns nicht an der Nase herumführen lassen. Trotz dieser Hinweise wird man in Verwaltung (Flügge), Politik (vor allem SPD) und der Wirtschaft (Krüger + IHK) nicht müde, die gleichen Parolen gebetsmühlenartig zu wiederholen und den schlimmen, postfaktischen Irrtum weiter zu begehen. Sicher ist ein FNP noch nicht Gesetz, sicher kann man erst gegen einen Bebauungsplan klagen, aber hier wie so oft gilt: Wehret den Anfängen! Und das kann, muss und wird gegen den FNP-E. geschehen.

  3. Interessanter Beitrag mit einigen Herausforderungen!
    1. Herr Krüger und Frau Babbatz sind nicht DIE Wirtschaft.
    2. Refrath (liegt an der A4) war noch NIE ein Wirtschaftsstandort sondern immer ein Wohnviertel und ist heute der einwohnerstärkste Stadtteil von Bergisch Gladbach. Also eher ein Wohnquartier.
    3. Die Zukunft der wirtschaftlichen Entwicklung liegt nicht im Gewerbe, sondern im Dienstleistungssektor. Da die wesentlichen Bevölkerungsteile von Refrath nicht im gewerblichen Sektor arbeiten, sondern im gut bezahlten und zukunftsträchtigen Dienstleistungsumfeld gibt es auch keine Interessen Gewerbeflächen vor der Haustür zu haben.
    4. Es wird immer wieder kolportiert, dass weitere Gewerbeflächen auch zu mehr Steuereinnahmen führen würden. Ist das wirklich so? Bisher hat die Stadtverwaltung diesen Beleg noch nicht erbracht.