Mit der Einschulung fangen für viele berufstätige Eltern die Probleme an

Die Stadtverwaltung hat auf den rasch wachsenden Bedarf an Betreuungsplätzen für Grundschulkinder reagiert und noch einmal einige OGS-Plätze eingesammelt. Allerdings: auch damit wird der Bedarf bei weitem nicht gedeckt – aktuell sind 176 Kinder nicht versorgt.

Aktualisierung 29.6.: 2786 OGS-Plätze kann die Stadt nach letztem Stand zum nächsten Schuljahr anbieten. 171 Kinder stehen noch auf den Wartelisten, teilte Fachbereichsleiterin Beate Schlich (Soziales) im Jugendhilfeausschuss mit.

Das Spiel wiederholt sich Jahr für Jahr: Die Stadtverwaltung baut die Offenen Ganztagsschulen (OGS) aus, doch es reicht hinten und vorne nicht. In diesem Jahr ist die Lage besonders dramatisch, daher setzt die Verwaltung viele Hebel in Bewegung, um wenigstens einen Teil der Warteliste abzubauen.  

Bereits bekannt war, dass an der EGS Bensberg und der GGS An der Strunde die letzten vorhandenen Raumreserven mobilisiert werden. Dennoch standen bei der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 11. Mai „nur” 2710 OGS-Plätze zur Verfügung.

Damit wurde eine Versorgungsquote von 68,4 Prozent aller Grundschüler erreicht. Dennoch seien noch 231 Kinder unversorgt, räumte Fachbereichsleiterin Beate Schlich ein. Weil die Zahl der Grundschüler steigt. Und weil immer mehr Familien die Ganztagsbetreuung in Anspruch nehmen.

Schlich kündigte bereits im Mai zwei weitere Sofortmaßnahmen in Refrath und Herkenrath an, außerdem wurden alle OGS-Träger angesprochen. Dadurch konnte die Verwaltung die Gesamtzahl der Plätze auf 2798 erhöhen, auch wenn einige noch mit Fragezeichen versehen sind. Unter dem Strich aber sind immer noch 176 Kinder unversorgt. 

Angebot und Nachfrage: Zahlen und Maßnahmen im Detail
Wie bereits im Mai berichtet soll erstens an der GGS Refrath in der Wittenbergstraße ein Container für weitere 30 Kinder aufgestellt werden. In der Schule gibt es im nächsten Schuljahr eine zusätzliche Klasse, damit springt der Bedarf an OGS-Plätzen nach oben.

Sechs Wochen später ist aber immer noch nicht ganz klar, ob es für die Containerlösung eine Baugenehmigung gibt. Alternativ könnten erst einmal Randstundenplätze bis 14 Uhr angeboten werden. 

Zweitens stellt die GGS Herkenrath nachmittags einen Raum in einem Pavillon für das OGS-Angebot zur Verfügung, mit weiteren zehn Plätzen.

Damit stieg die Zahl der OGS-Plätze von 2.710 auf 2.750. Vierzig neue Plätze, die Warteliste verkürzte sich rechnerisch auf 191 Kinder.

Allerdings hatten in der Zwischenzeit offenbar weitere Familien Bedarf angemeldet, denn laut aktueller Vorlage standen Mitte Mai immer noch 224 Schüler auf der Warteliste. 

In einem Rennen, das immer mehr dem Wettlauf von Hase und Igel gleicht, kämpfte die Verwaltung weiter. 

Einzelne Träger signalisierten von sich aus, zwischen einem und zehn Plätze mehr reinquetschen zu können; damit kamen insgesamt 18 Plätze zusammen. 

Zuletzt ging die Verhandlung noch einmal auf die Träger zu und erreichte Zusagen über noch einmal 30 Plätze, über das gesamte Stadtgebiet verteilt.

Damit könnten erneut 48 Kinder eine Zusage bekommen; die Warteliste schrumpft erneut auf  um rund 50 reduziert sich auf 176 Grundschüler. 

Bedarf gibt es laut Verwaltung noch vor allem in Refrath, Gronau und Katterbach.

Die Versorgungsquote ist durch die letzten Aktionen immerhin auf 70,65 Prozent gestiegen. Im Vergleich mit anderen Städten ist das ein guter, wenn nicht sogar sehr guter Wert. Doch vor fünf Jahren habe die Bergisch Gladbacher Verwaltung 74 Prozent angestrebt, aber nie ernsthaft verfolgt, kritisierte SPD-Ratsmitglied Marcel Kreutz in der Ausschusssitzung.

Dabei wird die Stadt von mehreren Seiten in die Mangel genommen. Mit der wachsenden Berufstätigkeit der Frauen steigt der Bedarf an einer Nachmittagsbetreuung. Junge Familien gewöhnen sich an das  gute Kita-Angebot, dafür gibt es ja einen Rechtsanspruch. Um so erstaunter registrieren viele dann, dass es bei der Einschulung eine Versorgungslücke gibt. Das Gesetz sieht nur vor, dass die Kommunen eine „angemessene Versorgung” mit OGS-Plätzen bereit stellt. 70 Prozent könnten eigentlich angemessen sein, sind es aber offenbar nicht. 

Zwei Lösungsansätze, ein Grundproblem

Die Platzreserven in den OGS-Einrichtungen sind aber ausgereizt, vor allem die Versorgung mit Mittagessen ist ein Engpass. Schon jetzt essen die Kinder oft in zwei Schichten; auf eine dritte Schicht zu warten ist ihnen nicht zuzumuten. 

Damit bleiben zwei Lösungsansätze: die Stadt erweitert die Einrichtungen oder baut gleich ganz neu. Oder die Grundschulen öffnen ihre nachmittags kaum genutzten Schulräume; dann müssen nur die Mensen erweitert werden. 

Das Geld für Erweiterungsinvestitionen soll vom Land kommen. Die CDU-Fraktion hat bereits an die künftige CDU/FDP-Regierung in Düsseldorf geschrieben und drängt drauf, den vor der Wahl versprochenen Ausbau der OGS-Plätze jetzt auch zu liefern. 

Ein Grundsatzproblem bleibt aber auch dann offen: es fehlt längst das Personal, um die zusätzlichen Kinder in der OGS vernünftig zu betreuen. 

Wie es in Bergisch Gladbach mittelfristig weiter geht, ist daher offen. Angesichts des Zuzugs von Familien mit kleinen Kinder muss sich die Stadt auf einen weiter steigenden Bedarf einstellen.

Die Fachbereichsleiter Beate Schlich und Dettlef Rockenberg diskutieren mit Bürgern und Politikern das Thema OGS beim nächsten politischen Stammtisch des Bürgerportals:

1Jan00:00– 00:00

Zeit

(Donnerstag) 00:00 – 00:00

Das Thema steht zwar auf der nächsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 29. Juni auf der Tagesordnung. Da die Verwaltung für das folgende Schuljahr 2018/2019 aber noch keine konkreten Pläne hat wird darüber wohl erst gegen Ende des Jahres diskutiert werden.

Eine vage Möglichkeit sieht die Verwaltung in der Ausweitung des Randstundenangebots. Das gibt es derzeit an den Gemeinschaftsgrundschulen Schildgen, Hand, Hebborn und Herkenrath – wo 95 Kinder betreut werden. Darum kümmern sich zum Teil die Fördervereine, zum Teil freie Träger des Außerunterrichtlichen Angebotes.

Im nächsten Schritt will die Verwaltung die freien Träger und Schulleitungen befragen, ob sie die Einführung einer Randstunde für sinnvoll, bedarfsgerecht und umsetzbar halten. Schnell geht auch das nicht – über Ergebnisse wird die Verwaltung bis Ende des Jahres berichten.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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