So könnte die Schlossstraße als „Boulevard der Begegnungen” aussehen

Parkplätze und ein „Boulevard der Begegnungen” bilden auch in Bensberg keinen unauflösbaren Widerspruch. Durch Transparenz und smarte Ideen können attraktive, innovative Lösungen gefunden werden.

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Das Drama in Bensberg rund um die Schlossstraße und Marktgalerie scheint kein Ende zu nehmen. Zuerst die Proteste von Anwohnern des Marktes mit schwarzen Luftballons gegen die Marktgalerie. Mittlerweile gibt es eine aus meiner Sicht schlüssige und für Bensberger Verhältnisse angemessene Lösung.

Dann wird in einem zweijährigen Abstimmprozess unter Beteiligung von Bürgern, IBH und ISG ein integriertes Handlungskonzept erarbeitet. Dabei wird gemeinsam verabschiedet, dass die Schlossstraße zu einer Straße der vielen Begegnungen aufgewertet werden soll. Endpunkt dieser Entwicklung war der Architektenwettbewerb, wo sich die überzeugende Umsetzung in Form des Boulevard der Begegnung vom club L 94 durchsetzen konnte.

Wie mittlerweile bei allen Veränderungen, so regt sich jetzt jedoch erneut Widerstand – dieses Mal seitens der IBH und ISG – gegen die aus Steuermitteln finanzierte Umsetzung des verabschiedeten Konzeptes. Nachträglich wir eine weitgehende Bestandsgarantie für die 160 öffentlichen Parkplätze gefordert und in einer Unterschriftenaktion versucht, maßgeblichen Einfluss auf eine andersartige Umsetzung zu nehmen.

Die Schlossstraße im gegenwärtigen Zustand

Das Ziel des „DriveIn Shoppings” greift zu kurz

Die Vision der Händler ist nun nicht mehr der Boulevard der vielen Begegnungen, sondern das DriveIn-Shopping Erlebnis, wo der Kunde bis vor das Geschäft fahren, ohne Regenschirm bei Regen bequem einkaufen und sich am liebsten ohne Parkgebühren schnell wieder vom Acker machen kann.

Der Boulevard der Begegnung mit Einkaufserlebnis und gemütlichem Bummeln und Verweilen am Ort ist nun aus Sicht der IBH und ISG einer hinreichend großen Anzahl aus öffentlichen Geldern zu finanzierenden Parkplätzen zu opfern.

Die Händler verkennen durch diese rückwärts gewandte Sicht leider den Megatrend OnlineShopping. Die heutigen DriveInnShopping Kunden werden morgen erst gar nicht mehr ins Auto steigen werden, sondern auf noch bequemere Art versandkostenfrei mit Rücknahmegarantie die Ware per DHL oder UPS anliefern lassen.

Digitalisierung – beim Shopping und beim Parken

Bei diesem rückwärts gewandten Versuch, einen DriveIn-Shopping Kunden zu halten, wird dabei verkannt, dass hierdurch stattdessen leider keine zehn neuen, kaufkräftigen Erlebniskunden gewonnen werden können.

Da vertrete ich in dieser Hinsicht in Übereinstimmung mit der FDP die Ansicht der Notwendigkeit einer parallelen Umsetzung eines bedarfsgerechten Parkraumkonzeptes in Form eines Parkleitsystems.

Wir leben in einer zunehmend digitalen Welt, wo es möglich ist, auf Online-Plattformen mittels App oder Navi zuzugreifen, um die freien Parkplätze im Schlosscenter, in der SchlossbergGarage gegenüber dem Amtsgericht oder beispielsweise der neuen Marktgalerie von überall aus zeitgenau zu identifizieren.

Darüber hinaus haben sich mittlerweile Parkplatz-Sharing-Onlineplattformen wie ParkU, parkplace.de, Ampido, Parkinglist oder Park2gether etabliert, welche es ermöglichen, private Park- oder Stellplätze während der Nichtnutzung weiterzuvermieten.

Warum sollten beispielsweise Stellplätze in der großen privaten Tiefgarage der Terrassenhäuser nicht während der Abwesenheit der Eigentümer an Shoppingkunden der Schlossstr. weiter vermietet werden? Ein guter Deal sowohl für die Einkaufskunden der Schlossstr. als auch für die Eigentümer der privaten Stellplätze.

Diese intelligenten Lösungen zeigen auf, dass Parkplätze und ein Boulevard der Begegnungen mit Einkaufserlebnis nicht im Widerspruch zueinander stehen, sondern durch Transparenz und SmartSolutions durchaus Raum für attraktive, innovative Ersatzlösungen gefunden werden kann.

Es geht somit bei der Entwicklung eines tragfähigen Parkraumkonzeptes in Bensberg nicht um die Berücksichtigung rückwärts gewandter Besitzansprüche einzelner Interessenvertreter im Sinne von „entweder oder“ sondern stattdessen um die Entwicklung und Umsetzung eines zukunftsorientierten „sowohl als auch”-Gesamtkonzeptes zum Wohle aller Beteiligten in Bensberg.

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Heribert Thimme

wurde 1955 in Köln geboren und wohnt seit seiner Hochzeit 1977 in Refrath, seit 2015 in Bensberg. Er ist kein Mitglied einer politischen Partei, interessiert und engagiert sich jedoch für Themen, die sein persönliches Umfeld als Bürger der Stadt Bergisch Gladbach berühren.

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7 Kommentare

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  1. Hallo alle miteienander,

    einfach zu sagen, Bensberg ist keine Erlebnisstadt und deshalb braucht es nicht verschönert werden,sondern nur Parkplätze, finde ich nicht richtig. So kommt es zumindest in einigen Beiträgen rüber. Dann macht es doch zu einer erlebnisstadt!! Klein aber fein. Groß gibts überall.
    Ich bin 1983er Jahrgang, ich weiß auch, dass die Fußgängerzone früher schonmal offen war, bin aber bis heute kein Fan davon. Ich fand es als Kind und Jugendliche toll durch den kleinen Ort zu shoppen und den Ursprungscharakter Bensbergs zu erleben,mit seinen alten Häusern, das man sich frei bewegen konnte, ohne angst haben zu müssen überrollt zu werden. Auch damals hatten wir keine Parkplätze vor der Tür und die Leute kamen einkaufen. Wir parkten auf dem Kaufring damals noch, am Markt, in der Einbahnstr., das ging alles. Dann lief man halt ein paar Meter. Das war kein Drama. Man war es gewohnt. Ich bin froh, wenn ich mal gehen kann wo ich den ganzen Tag im Büro sitze. Und es gibt nur falsche Kleidung und kein schlechtes Wetter.
    Man muss einen so kleinen und charakteristischen Ort doch gerade aufpeppen und atraktiv machen/ halten für Leute, die dort flanieren. Hohestr., Schildergasse wie Einkaufsstraßen in anderen Großstädten sehen doch alle gleich aus. Das braucht Bensberg nicht. Aber nehmen Sie z.B. einmal den Ort Monschau. Sie gehen vorne rein und sind in einer halben Stunde hinten wieder raus. Aber die Leute sind fasziniert von den Fachwerkhäusern, dem Erhalt der eigentlichen Stadt mit Ihrem Reiz, den kleinen Cafes und Restaurants sowie den kleinen, aber vielen Einkaufsläden. Wäre hier alles zugeparkt und zugebaut würde das Konzept nicht funktionieren und das tuts auch nicht in Bensberg. Warum geht das nicht auch in Bensberg, ein Örtchen das bekannt wird duch ausgewählte, schöne Geschäfte, Gastrononomie zum Flanieren? Das passende Ambiente muss natürlich geschaffen werden, jedoch auch nicht zu modern, wie z.B. in BGL Zentrum. Dann könnte man mit seinen Vorzügen und gemütlichem Ambiente werben und Marketing betreiben. Die vielen Parplätze an der Straße nimmt der einen o. anderen Gastronomie die Nutzung der Fläche vor ihrem Geschäft. Wie z.B. der Krauss o. die kleine eidiele gegenüber. Bei Festen haben beide viele Tische draußen, sind immer gut besucht, man sitzt in der Sonne, Kaffee und Eis schmecken. Aber dies geht nur an Schlosstadtfesten ect, da diese Läden sonst keine Außengastronomie betreiben dürfen wegen der Stellplätze. Das finde ich schade.

  2. Liebe Frau Rick-Blunck, bei Ihrer Antwort an Herrn Thimme (so viel Zeit muss sein), da ist mir noch etwas Wichtiges ein- und aufgefallen. Bevor Sie mich mit Convenience, Face-to-face-Weg und Multi-Channel-Verkauf überfordern, habe ich noch etwas vielleicht Hilfreiches für das Parkraumkonzept entdeckt.
    Gestaltung des Planungsprozesses
    Erfahrungen bei der Planung und Umsetzung von Stadtverkehrskonzepten zeigen, dass die Gestaltung des Planungsprozesses und die Öffentlichkeitsarbeit während der Umsetzung der geplanten Maßnahmen wesentliche Faktoren für die maßnahmenbezogene Akzeptanz und Wirksamkeit darstellen.
    Die öffentliche Information über die beabsichtigte Aufstellung eines Parkraumkonzeptes sollte möglichst frühzeitig erfolgen. Gerade die starke emotionale Besetzung des Themas “Parken in der Öffentlichkeit” legt dies nahe, um später die Konsensfähigkeit von Planungsergebnissen und politischen Beschlüssen zu den umzusetzenden Maßnahmen nicht zu gefährden. Aus diesem Grund ist auch eine kontinuierliche, d.h. regelmäßige, planungsbegleitende Information der kommunalen Öffentlichkeit sinnvoll. Geeignete Formen und Medien sind beispielsweise Presseinformationen mit gut aufbereiteten Fakten und Datenmaterialien und Hauswurfsendungen.
    Von besonderer Bedeutung ist die frühzeitige Kontaktaufnahme zu denjenigen örtlichen Interessenvertretern und -gruppen, die von den Ergebnissen der Planung besonders betroffen sein werden und das örtliche Meinungsklima wesentlich mitbestimmen. Wichtige Ansprache Gruppen sind
    – Anwohner,
    – Einzelhändler, Dienstleister und Gewerbebetreibende,
    – Beschäftigte,
    – Kunden und Besucher.

    Geeignete Formen und Medien sind Befragungen, Zielgruppenveranstaltungen, Infobriefe für relevante Zieladressen sowie planungsbegleitende Kontaktangebote seitens der planenden Institution (Sprechstunde, “Info-Telefon” o.ä.). “Planungsbetroffene” und Entscheidungsträger sollten in den Planungsprozess soweit einbezogen werden, dass parallel dazu ein Konsensbildungsprozess in Gang kommt. Als geeignete Organisationsformen haben sich dafür begleitende Arbeitskreise, Diskussionsforen, “runde Tische” und Bürgerwerkstätten herausgestellt.
    Was mich allerdings jetzt total verunsichert ist nun meine Erinnerung an die Erstellungsphase des InHK. Hatten wir das nicht alles schon bei der Erstellung des InHK abgehandelt? Verwechsle ich da etwas oder habe ich nicht aufgepasst? Habe ich vielleicht die entscheidenden Sitzungen verpasst? Vorbeugend möchte ich betonen, es sind ernsthafte Fragen die ich mir da stelle.
    Die Ausführungen zur Gestaltung des Planungsprozesses für ein Parkraumkonzept sind übrigens vom Nordrhein Westfälischen Gemeindebund vom Februar 1996, mag sein, dass es eine aktuellere Fassung gibt.

  3. Wenn ich beim DM Klopapier, im Reformhaus Mandelmus und bei Tschibo Kaffee kaufen möchte, dann ist das für mich kein „Erlebnis-Shopping”. Ich möchte einfach meine Erledigungen machen und nicht über irgendwelche Apps nach weitentfernten Parkpätzen suchen!
    Für Erlebnis-Shopping ist Bensberg meiner Ansicht nach zu klein, es gibt ein paar wirklich nette Geschäfte, aber eben nicht gerade viele. Zum Draußen-Sitzen ist es an den meisten Tagen zu kalt, da durch die Ausrichtung der Schloßstraße leider wenig Sonnenlicht einfällt. Oder ist noch eine künstliche Sonne im Budget eingeplant? Und wer hat überhaupt unter der Woche Zeit für das „Erlebnis-Shopping“ bzw. für den Boulevard der Begegnungen?
    Ich freue mich sehr auf eine Aufwertung und die Marktgalerie, aber ich möchte tatsächlich die Parkplätze nicht missen!
    Und auch in Zukunft werde ich mein Klopapier und meinen Kaffee nicht im Internet bestellen. Versprochen!
    Auch für die Kinobesucher finde ich Parkplätze in näherem Umfeld wichtig, wo wir doch jetzt ein so attraktives Kino haben! Wer hat schon Lust, abends lange durch den Regen zu laufen, wenn er ins Kino möchte?

  4. Liebe Frau Rick-Blunck, bei vielen der möglichen digital gestützten Maßnahmen wartet der Markt natürlich nicht auf Bergisch Gladbach. Die Mobilität wäre aber ein tolles Thema dort aufzuholen. Eine der augenfälligsten Anwendungen (Application=App) für eine Digitalisierung ist die für Mitfahrgelegenheit, die bereits in unterschiedlichen Ausprägungen erprobt am Markt zur Verfügung stehen. Also nichts neu entwickeln, an den Anforderungen prüfen, was am besten die Forderungen abdeckt, Anwendung anwenden und los geht’s. Sollte dann Verbesserungspotential erkannt werden aus der praktischen Anwendung, die start up’s warten auf ihre Hinweise.

    1. BlaBlaCar.de: gebührenpflichtig
    2. Fahrgemeinschaft.de: Alternative ohne Gebühr
    3. Flinc: für Pendler ideal
    4. BesserMitfahren.de: für Kurzentschlossene
    5. twogo: smarte Mitfahr-Lösung
    6. MiFaZ: fahren von und nach Süddeutschland
    7. Mitfahren.de: ideal für Bahnfahrer
    8. vonAnachB: spannend für transporte
    9. fahrfahraway.com: für Festival-Fans
    10. Mitfahr-Suchmaschinen

    https://testsieger.bussgeldkatalog.org/mitfahrgelegenheit/

    Des weiteren gibt es Anwendungen (Apps) die bei der Parkplatzverwaltung, Parkplatzsuche helfen.

    1. Ampido
    2. Parkda
    3. Park2gether
    4. Parku
    5. ADAC Parkinfo
    6. Parken App2
    7. Easypark
    8. Find My Car
    9. Parkopedia
    10. BMW Parkassistent

    http://www.computerbild.de/fotos/cb-News-Connected-Car-Zehn-Apps-Vergleich-11087979.html#1

    Insgesamt also schon ein Strauß von möglichen Hilfen für die anstehende Konzeption.

  5. Da haben Sie Recht, Herr Eschbach!
    Es ist uns jedoch wichtig, dass man sich auf eine gleichzeitige Realisierung verständigt.
    Insbesondere die digital gestützten Maßnahmen kann man schon jetzt in Angriff nehmen. Da haben wir ja hier in BGL keineswegs die Nase vorn!

    Anita Rick-Blunck / FDP

  6. Herr Thieme,

    wir freuen uns sehr über Ihre fachkundige Zustimmung zu unserer Position. Sie haben völlig Recht: Eine Verschönerung der Schlossstraße hin zu einem verbesserten Erlebnischarakter muss eine intelligente optimierte Verbesserung der Parksituation keineswegs ausschließen. Die Kunden von heute (verwöhnt von Amazon und Co) haben eine hohe Erwartungshaltung in Sachen Convenience. Dass das Einkaufen im Netz in mancherlei Hinsicht jedoch das Einkaufserlebnis vor Ort nicht völlig ersetzen kann, zeigt die Tatsache, dass nicht nur Zalando zunehmend den unmittelbaren Face-to-face-Weg zum Kunden sucht und seinerseits Ladenlokale eröffnet. Das neue Zauberwort heißt Multi-Channel-Verkauf … HIERBEI die Händler zu unterstützen … und dabei, alle Chancen zu nutzen, die damit verbunden sind und den Kunden auf diese Art gute Gründe zu liefern, in die Innenstadt zu kommen – UND es ihnen leicht zu machen, dahin zu gelangen … dahin geht unser dringender Appell an die Stadt! Und – wir betonen es noch einmal: Jetzt … und nicht übermorgen!

    Anita Rick-Blunck / FDP-Vorsitzende

  7. Herzlichen Dank Herr Thimme für die vermittelte klare Sicht auf die Sachlage. Hinzufügen möchte ich noch als wichtigen Punkt in der Diskussion, dass die Umsetzungsdauer für das InHK mit mehreren Ausbauschritten über acht Jahre geplant ist. Das sollte auch genügend zeitlichen Spielraum für die Umsetzung eines Parkraumkonzeptes lassen.