Der Ponyhof Sonnenschein liegt in Klein Hohn, zwischen Moitzfeld und Dürscheid

Der Hof liegt in Klein Hohn, zwischen Moitzfeld und Untereschbach. Screenshot/Google

Nach einem langen Verfahren ist klar: Der Ponyhof Sonnenschein am Rande von Moitzfeld soll geschlossen werden. Die Verwaltung hatte auf Beschwerden von Anwohnern reagiert und festgestellt, dass der Hof kräftig gewachsen war – ohne rechtliche Grundlage.

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Im Herbst hatte eine Petition für den Erhalt des Ponyhofs in Klein Hohn große Resonanz ausgelöst: 13.000 Personen hatten von Bürgermeister Lutz Urbach und dem Stadtrat gefordert, die Fortsetzung der Arbeit mit Tieren und Kindern in der freien Natur weiter zu ermöglichen. 

Tatsächlich macht der Bürgermeister das Anliegen zur Chefsache, besuchte den Hof, sprach mit der Betreiberin Sabine Hoff und ihrem Anwalt und einer Gruppe von Anwohnern, aber ohne eine Lösung zu finden. Detailliert listet die Stadtverwaltung jetzt die einzelnen Schritte auf, um Vorwürfen entgegen zu treten, Urbach habe sich gekümmert. 

Fachlich habe das Verfahren, ausgelöst von „mehreren Beschwerden”, seit August 2017 bei der städtischen Bauaufsicht gelegen – und die führte ein grundliches Anhörungsverfahren durch. Mehrfach wurde die Frist, innerhalb derer die Betreiberin eine Stellungnahme vorlegen musste, verlängert. Das geschah am 8. November, dann prüfte die Bauaufsicht.

Zwischenzeitlich eskalierte der Nachbarschaftsstreit vor Ort und in den sozialen Medien, auch das Amtsgericht befasste sich bereits mit dem Fall. 

Spätestens Ende April soll Schluss sein

Ende Dezember sickerte die Entscheidung der Bauaufsicht über den Stadtrat vorab in die Presse. Am 5. Februar wurde das Ergebnis der Betreiberin mitgeteilt, heute offiziell verkündet: Der Betrieb des Ponyhofs muss bis Ende April eingestellt werden. Komplett.

Zur Begründung führt Urbach an, dass der Ponyhof, damals noch von Paul Hoff geführt, seit 1998 nur geduldet worden war – und zwar als kleiner Betrieb. Seither sei der Ponyhof jedoch „sehr viel größer” geworden.

Das kam erst nach den Beschwerden offiziell auf den Tisch. Die rechtliche Prüfung habe dann ergeben, dass es keine Möglichkeiten gibt, dort einen solchen Reitbetrieb zu genehmigen: „Der Weiler Klein Hohn lässt an dieser Stelle die Nutzung des Geländes als Ponyhofs leider nicht zu”, erklärt der Bürgermeister. 

Für eine (bislang fehlende) bauordnungsrechtliche Genehmigung gebe es keine Rechtsgrundlage. Die könne auch nicht durch eine Änderung der Außenbereichssatzung (§ 35 BauGB) oder des Flächennutzungsplans geschaffen werden, betont die Verwaltung.

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Indirekt tritt die Stadtverwaltung der Darstellung entgegen, es gehe bei dem Fall nur um einen einzelnen Anwohner. Zum Gespräch mit dem Bürgermeister seien 14 Anrainer ins Rathaus gekommen. Dabei sei es allgemeine Auffassung gewesen, dass „die Beeinträchtigungen durch den Reitbetrieb seit rund drei Jahren immer mehr zugenommen haben”.

Dennoch seien die Anwohner grundsätzlich bereit gewesen, die Aktivitäten des Reiterhofs weiter zu dulden – wenn die Zahl der Pferde und der Aktivitäten deutlich reduziert und der Reitplatz verlagert werden würde.

Kein Spielraum für einen Kompromiss

Urbach habe bereits zuvor im September mit der Betreiberin über eine solche Lösung gesprochen, berichtet die Stadtverwaltung jetzt. Sabine Hoff sei damals auch bereit gewesen, den Reitplatz zu verlegen und den Reitbetrieb spürbar einzuschränken.

Doch als die Bauaufsicht die schriftliche Stellungnahme genau geprüft hatte zeigte sich offenbar, dass es für einen Kompromiss keinen Spielraum gibt: „Diese Stellungnahme erlaubt es der Bauordnung nicht, einer weiteren Duldung näherzutreten,” heißt es in der Pressemitteilung. 

Im Klartext: Eine weitere Duldung ist rechtlich nicht möglich, der Betrieb illegal. Einige Schwarzbauten werden abgerissen, der Reitplatz zurückgebaut werden müssen, hatte eine Unterstützerinitiative schon vorab berichtet.

Auf der Suche nach einem neuen Standort?

Wir haben die Betreiberin um eine Stellungnahme gebeten, bislang ohne Antwort. Der Ponyhof hatte zuletzt auch noch unter starken Sturmschäden gelitten. Dennoch wird auf der Website des Ponyhofs weiterhin für die Angebote geworben, die Durchführung sei garantiert. 

Die Betreiberin hatte in einer Facebook-Umfrage erkennen lassen, nach einem neuen Standort zu suchen – womöglich in Kürten, Overath oder Rösrath. 

Die Chronologie der Dinge: 

  • 28. August 2017: Stadt verschickt Ankündigung der Nutzungsuntersagung
  • 4. September: Unterstützer starten eine öffentliche Petition
  • 13. September: Bürgermeister Lutz Urbach macht sich vor Ort ein Bild von der Lage
  • 21. September: Urbach trifft die Betreiberin Sabine Hoff und ihren Anwalt
  • 10. Oktober: 14 Anrainer beraten mit Urbach im Rathaus
  • 12. Oktober: Ortstermin für Vertreter der Ratsfraktionen
  • 8. November: Hoff gibt über ihren Anwalt eine schriftliche Stellungnahme ab
  • 28. Dezember: Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, das Bauamt habe eine Schließung beschlossen
  • 13. Januar 2018: Hoff klagt auf Facebook, seit fast drei Monaten im Unklaren gelassen zu werden
  • 5. Februar 2018: Der Bescheid geht der Betreiberin zu
  • 12. Februar 2018: Die Entscheidung wird öffentlich gemacht
    Quellen: Angaben der Stadtverwaltung und der Initiative Kinder und Tiere in der Natur

Weitere Informationen: 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Es ist unglaublich – dieser Amtsschimmel!
    Und Leute, die ihr aufs „Land“ zieht, weil es dort billiger ist: Betoniert doch eure Terrassen zu, gestaltet eure Vorgärten mit diesem Schotter, vertreibt alles was in der Natur nicht still hält und evtl Arbeit macht.
    Oder was gefällt euch eigentlich daran, aufs Land zu ziehen? Und erst recht: Was meint die Verwaltung, wie das Land noch weiter attraktiv bleiben soll?
    Und Leute, wenn die Verwaltung schon nicht weiß, wie die Schrauben im Rechtsgewirr zu drehen sind, wer dann? Kann es wirklich sein, daß wir Deutschen schon so engstirnig geworden sind, daß wir nicht merken, wie wir uns im eigenen Paragraphensumpf verstricken und ein Leben im Einklang mit der Natur bald unmöglich macht? Wir sind auf einem fragwürdigen Weg.
    Wenn es doch noch Menschen gibt, die unseren Kindern das Leben auf dem Land von der schönsten Seite zeigen – warum werfen wir denen auch noch Knüppel zwischen die Beine? Im Gegenteil, man sollte kooperativ sein – helfen, wenn es nötig ist – mit normalem Menschenverstand!

  2. Bemerkenswert – ein Kompromiss mit den Anwohnern wäre möglich gewesen, aber der FNP gibt einen Ponyhof im Grünen nicht her.
    Das sagt die gleiche Verwaltung, die per FNP mal eben Wald in Industriegebiet und Naherholung in Autobahn verwandeln will.
    Was treibt die Akteure eines solchen Spiels bloss um.

    1. Sorry, das war missverständlich formuliert. Die Verwaltung betont im Gegenteil, dass selbst ein Änderung des FNP keine Rechtsgrundlage für eine Genehmigung des Ponyhofs schaffen könnte.

      In der Pressemitteilung heißt es wörtlich: „Für den Betrieb eines Ponyhofs liegt keine bauordnungsrechtliche Genehmigung vor. Diese kann auch nicht erteilt werden, da es hierfür keine Rechtsgrundlage gibt. Es kann auch keine Rechtsgrundlage für die Erteilung einer solchen Genehmigung, beispielsweise aufgrund der Änderung des Bauplanungsrechts (Außenbereichssatzung nach § 35 BauGB bzw. Änderung des Flächennutzungsplans) geschaffen werden.“ Wir haben die Passage geändert.