Technische Hilfen erleichtern den Alltag. Foto: DBSV/Friese

Woher weiß ein blinder Mensch eigentlich, welche Farbe seine Kleidung hat? Wie bedient er eine Mikrowelle? Und wie notiert er sich Dinge? Im vierten Teil unserer Serie zum Alltag mit einer Behinderung berichtet Daniela Ali von kleinen Tricks und wichtigen Hilfsmitteln.  

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Viele Bereiche unseres Lebens sind auf „normale“ Menschen ausgerichtet. Normal? Als normal wird meistens verstanden, was die Mehrzahl der Menschen auszeichnet. Das heißt zum Beispiel, dass sie laufen können, Schilder lesen, hören und riechen, eine bestimmte Größe haben, …

Wenn jemand diesem Idealbild nicht entspricht, wird es schwer, bisweilen sogar unmöglich, das zu nutzen, was für die Mehrzahl der Menschen entwickelt oder gebaut wurde. Und viele entsprechen nicht der „Norm“. Dazu trägt schon allein die demographische Entwicklung bei.

Das ist oft ziemlich frustrierend. Nur, weil ich nicht dem Idealbild entspreche, habe ich nicht andere oder abgespeckte Wünsche und Bedürfnisse.

Deshalb muss ich den Weg, die Handhabung oder die Art meines Hilfsmittels anpassen.

Ein paar altbekannte Beispiele: Sitzt man im Rollstuhl, sind Stufen wenig hilfreich; vernünftige Rampen und Fahrstühle dagegen sind optimal. Nach einer Knie-OP können Krücken vielleicht schon ausreichen, um Probleme im Alltag zu bekommen.

Und was, wenn man kaum noch etwas sieht oder sogar ganz blind ist? Wie erkenne ich die Farbe eines T-Shirts? Wie messe ich den Esstisch aus, um eine passende Tischdecke zu kaufen? Wie mache ich Notizen, und wie kann ich eine Mikrowelle bedienen?

Dies und vieles mehr begleitet mich permanent durch meinen Alltag.

Das richtige Maß

Ich persönlich bastele und handwerkle gerne. Dabei ist es mir sehr wichtig, bei all meinen Arbeitsschritten möglichst selbstständig zu sein. Brauche ich das richtige Maß, dann helfen mir Zollstock oder Maßband mit taktilen Messpunkten.

Viele Geräte haben heute einen Touchscreen als Bedienfeld. Leider sind die meisten nicht für blinde Menschen zu bedienen. Eine große Ausnahme stellt das Smartphone dar.

Vor allem das iPhone wird von stark sehbehinderten und blinden Menschen bevorzugt. Nicht als Statussymbol! Sondern weil Smartphones selbstständig von unserer Personengruppe zu bedienen sind.

Markierungspunkte als Wegweiser

Touchscreens an anderen Geräten lassen mich hingegen scheitern. Sie verfügen in der Regel nicht (wie ein Smartphone) über die Möglichkeit, einen Screenreader zuzuschalten. Das bedeutet, dass mir das Gerät per Sprachausgabe mitteilt, was der Druckpunkt macht. Zum Beispiel „Lautstärke 3 (4 oder 6)“.

Hinweis der Redaktion: Sie können sich im Bürgerportal jeden Text vorlesen lassen. Entweder über den Button „Bitte vorlesen” am Anfang. Oder Sie markieren einen Satz oder Absatz – und hören ihn. Als Alternative können Sie auch Alexa nutzen – dort hat das Bürgerportal einen eigenen Kanal für Beiträge in einfacher Sprache.

Wenn es sich lediglich um einen Ein-/Aus-Schalter handelt, kann ich mir mit dem Aufkleben eines Markierungspunktes helfen. Diese kleinen Helfer findet man zum Beispiel im Baumarkt. Ich klebe ihn direkt darunter oder daneben, wie es am günstigsten ist. Diese Position muss ich mir dann nur noch merken. Möchte ich das Gerät einschalten, sucht mein Finger den erhabenen, gut tastbaren Punkt. So kann ich den Schalter selbst bedienen.

Auch an Drehknöpfen, wie bei Waschmaschinen und Mikrowellen, sind sie sehr hilfreich. Entweder, wenn der Drehknopf nicht einrastet, oder wenn ich eine häufig genutzte Einstellung markieren möchte.

Multifunktionales Hilfsmittel

Mal schnell eine Telefonnummer notieren, den Einkaufszettel für den Supermarkt schreiben oder feststellen, welche Farbe das Bastelpapier oder das T-Shirt hat: Das alles kann ich nicht mehr ohne Hilfsmittel.

Auf dem Hilfsmittelmarkt findest man Produkte von verschiedenen Herstellen, die oft das gleiche oder ähnliches können. Sie unterscheiden sich im Design und in der Bedienung. Manchmal muss man etwas länger suchen, bis man das Produkt gefunden hat, das zu einem passt.

Ich habe mich für ein kleines Gerät entschieden, das sich durch seine einfache Bedienbarkeit und die gute Tastenerkennung auszeichnet. Den jede Taste ist anders gestaltet.

Das Gerät an sich verfügt über Speicherplatz. Ich kann Notizen aufsprechen. Wenn ich es mit dem PC verbinde, kann ich Ordner erstellen, zum Beispiel „Telefonnummern“, „Inklusionsbeirat“, „Urlaub Harz“, und, und, und…. So kann ich die Aufnahmen besser verwalten und wiederfinden. 

Selbst ganze Hörbücher für eine Zugreise kann ich mir abspeichern. Für große Dateien habe ich die Möglichkeit, eine SD-Karte einzuschieben. Somit wird mein Speicher unendlich erweiterbar.

Farberkennungsgerät

Und durch das aufsetzen eines Add-Ons, kann ich den kleinen Helfer in ein Farberkennungsgerät umwandeln. Ich setzte den Kopf des Gerätes auf die Unterlage beziehungsweise den Stoff, drücke die entsprechende Taste, und schon wird mir die Farbe angesagt.

Je nach Gewebe ist die Ansage schon mal nicht ganz korrekt. Vor allem bei dünnen und locker gewebten Stoffen, bei denen der Untergrund durchscheint, kann das passieren. Trotzdem bleibt es ein wichtiges Hilfsmittel, um beim Ankleiden das farblich passende Oberteil zu finden. Denn auch Menschen mit Sehminderung legen Wert auf ein gutes Aussehen.

Auch beim Sockensortieren nach dem Waschen kann mir das Gerät gute Dienste leisten.

Damit es aber erst gar nicht zum Sockensuchen kommt, habe ich eine noch einfachere und effektivere Lösung: Ich nutze Sockenhalter.

So habe ich immer das richtige Paar beisammen. Ich packe sie damit in die Waschmaschine und kann sie so auch gleich auf die Leine hängen. Einfacher geht es nicht.

Und wie immer und überall heißt es: „Gewusst wie“!

Weitere Beiträge dieser Serie: 

Anders sehen – einander verstehen

Anders sehen, einander verstehen: Mit Wort + Stock

Anders sehen + verstehen: Der Klingel sei Dank

Daniela Ali

Ich bin in Bergisch Gladbach geboren und lebe bis heute in der Stadt. In der Grundschulzeit bekam ich eine chronische Augenentzündung. Sie verläuft progressiv und so verhielt es sich auch mit meinem Sehvermögen. Seit über 20 Jahren bin ich juristisch blind. Der Blindenlangstock ist nach einer weiteren...

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