Noch ist von den neuen Schildern zur Teilöffnung der Fußgängerzone nichts zu sehen – aber dieser Bereich bleibt von 10 bis 17 Uhr ohnehin für Radfahrer tabu

 
Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), die Initiative Pro Velo und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) haben zur Teilöffnung der Gladbacher Fußgängerzone für Radfahrende ein klar Meinung. Wir dokumentieren die Stellungnahme im Wortlaut. 

„Wir sehen täglich, dass die Auto-Mobilität in Bergisch Gladbach am Limit ist. Es müssen daher künftig mehr Wege mit anderen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden. Besonders schnell, platzsparend und umweltfreundlich ist der Fahrradverkehr, weshalb alle Welt stets betont, dass sein Anteil steigen sollte.

Doch die Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrende wird durch komplizierte zeitabhängige Regeln zur Farce. Verkehrszeichen müssen im Vorbeifahren erfasst und verstanden werden – die neuen Regelungen hingegen erfordern ein Faltblatt mit vielfarbigen Skizzen.

Was ist da passiert?

  • Der Stadtrats-Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) sollte am 6. Februar 2018 die Öffnung der Fußgängerzone für den Radverkehr beschließen.
  • Dies war Konsens am „Runden Tisch Radverkehr“ mit Vertretern der Stadtverwaltung, Parteien, Ordnungsamt, Polizei sowie der Verbände ADFC, Pro Velo und VCD.
  • Ohne vorherige Ansage beantragte die CDU im AUKIV, die Öffnung zwischen Rheinberg-Galerie und Konrad-Adenauer-Platz auf die Zeit zwischen 17 Uhr und 10 Uhr zu beschränken.
  • So wurde es mit den Stimmen der Mehrheitsfraktionen von CDU und SPD dann auch vom Ausschuss beschlossen.
  • Die Stadt wirbt damit, dass „Einkäufe komfortabel mit dem Fahrrad vom Geschäftseingang nach Hause“ transportiert werden können.
  • Auch die Händler der IG Stadtmitte hatten erklärt, „sie seien der einhelligen Meinung, dass eine Öffnung für Radfahrer sinnvoll und sehr wünschenswert sei“.
  • Doch die Vertreter der Mehrheitsfraktionen sperren Radfahrer genau in der einkaufsstärksten Zeit von 10 bis 17 Uhr aus.

ADFC, ProVelo und VCD gratulieren zu dieser Schildbürgerei!

Wir stehen für bessere Mobilität

Das neue städtische Mobilitätskonzept wurde im Jahr 2016 von der Politik beschlossen. Es sieht nicht nur die Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer vor, sondern auch die Anlage von Radfahrstreifen, bessere Ampelschaltungen uvm. Geprüft werden soll die Einrichtung von schnellen Radwegen nach Köln und von Fahrradstraßen, um insbesondere Schulwege sicherer zu machen. 

Wir setzen uns für eine optimale, zukunftsfähige Umsetzung des MobiK ein: Wenn mehr Bus, Bahn und Rad gefahren wird, werden die Straßen entlastet und der Verkehr ‘rollt’. Doch wir brauchen dazu vertrauenswürdige Partner in Politik und Stadtverwaltung, auf deren Aussagen man sich verlassen kann.”

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Redaktion

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2 Kommentare

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  1. Die Stadt Bergisch Gladbach feiert sich mit zahlreichen Plakaten für die “Öffnung” einer Fußgängerzone für die Fahrräder, die tagsüber diese Fußgängerzone jedoch nicht befahren dürfen. Das ist absurd und realitätsfern!

    In der letzten Sitzung des Stadtrats-Ausschusses für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) haben die Grünen und die Linke noch einmal sehr sachlich und ebenso deutlich auf die Unsinnigkeit dieser scheinbaren “Öffnung” hingewiesen. Das Interesse der Stadt und der CDU an diesen praktischen, am Bürger orientierten Hinweisen schien mir allerdings gering zu sein. Schade, dass die SPD der CDU so unkritisch folgt.

    Insgesamt kann man sich sicherlich fragen, wie die Stadt die anstehenden schwierigen Verkehr-Probleme in Bergisch Gladbach lösen will, wenn sie einem so “einfachen” Thema schon nicht gerecht werden kann.

  2. Es ist lächerlich. Diese von der GroKo durchgesetzte “Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer” ähnelt den “Radwegen” auf der Kölner Straße, die kein Mensch benutzt, weil sie zu gefährlich sind. Dafür müssen sich dort die Anrainer kleiner Nebenstraßen mit den Tagesparkern rumschlagen, deren ideale Parkmöglichkeiten durch die unsinnigen Radwege auf der großen Straße weggefallen sind.

    Die Radfahrer, für die im Sinne einer Verringerung des motorisierten Individualverkehrs die Hauptstraße in Gladbach “geöffnet” werden sollte, müssen erst ein Studium der Öffnungszeiten und der befahrbaren Flächen hinter sich bringen, bis sie sich dort auf 2 Rädern bewegen können. Selten hat der Amtsschimmel so gewiehert, obwohl man sich am runden Tisch mit anderen Maßnahmen einig war. Der Rat in Bergisch Gladbach ist eigentlich entscheidungsunfähig, so lange die GroKo bestimmt, wo’s lang geht. Was die sich bei dieser Regelung gedacht hat, scheint nur ihr begreiflich zu sein.