Fotos: Thomas Merkenich

Die zunehmende Aggressivität im Umgang miteinander – sie war ein wiederkehrendes Thema beim Stammtisch des Bürgerportals zum Thema Sicherheit. Sie war auch in der Diskussion selbst immer wieder spürbar, wich im Laufe des Abends einem entspannteren, auch schon mal humorvollen Ton.

Gerade zu Beginn wurde deutlich: Der Frust sitzt bei vielen Bergisch Gladbachern tief. Provokativ, verärgert waren die ersten Fragen an Polizeidirektor Gerhard Wallmeroth, Ordnungsdezernent Frank Stein und CDU-Fraktionschef Michael Metten. Zum Beispiel die, warum die Täter besser geschützt würden als die Opfer, wenn doch so viele nach kurzer Zeit schon wieder frei kämen.

Anklagen wurden vor allem an die Polizei gerichtet: „Sie sind immer erst da, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, machte eine Frau ihrem Ärger Luft, ein Mann pflichtete ihr bei: „Ja, wenn es sicher schon ertrunken ist!“

Die Gäste auf dem Podium im Saal des Wirtshaus am Bock reagierten entspannt. Antworteten auf konkrete Fragen, entkräfteten Vorwürfe.

Frank Stein kündigte an, die Zahl der Stadtwächter von aktuell fünf in einem ersten Schritt auf acht, in einem zweiten auf zwölf zu erhöhen. Stadtwächter, dass sind die uniformierten Mitarbeiter des Ordnungsamtes.

Stein brachte auch einen humorvollen Ton in die von Bürgerportal-Gründer Georg Watzlawek moderierte Diskussion: „Der Kämmerer in mir müsste eigentlich sagen, du bist völlig durchgeknallt, 350.000 Euro mehr ins Ordnungsamt zu geben.“ Aber: Dass so viele zu dem Stammtisch gekommen seien, zeige das große Interesse an dem Thema.

Michael Metten fügte hinzu, dass die Idee, auf dem Grundstücke der alten Stadthäuser ein Kino mit großem Parkhaus zu bauen, mittel- bis langfristig die Innenstadt stark beleben und damit auch das Sicherheitsgefühl deutlich verbessern könnte.

Die aufgeladene Stimmung im Saal hatte sich inzwischen etwas gelegt. Einige Gäste trugen nun persönliche Geschichten vor, negative Erfahrungen, aber auch positive. 

Ein junger Mann lobte die neuen, hellen LED-Laternen und begrüßte die Idee eines Kinos im Zentrum: „Mehr Menschen machen Gladbach sicherer.“

Auch das Thema Prävention kam auf. Stein verwies hier aber auf die Wohlfahrtsverbände. „Das größte Problem ist es, an die Menschen ran zu kommen, und das können Caritas, Diakonie et cetera besser als unsere kommunalen Mitarbeiter.“ Man sei miteinander im Gespräch, schloss er an.

Im Publikum war bereits ein Raunen zu vernehmen, man wollte zum Thema Sicherheit zurückkehren.

Wie finden wir einen zivileren Umgang miteinander?

Die nächste Frage löste eine ausführliche Reflexion aller drei Podiumsredner aus: „Wie schaffen wir es, von der Aggressivität wegzukommen und wieder einen zivileren Umgang miteinander zu finden?“

Polizeidirektor Gerhard Wallmeroth witzelte: „Hätte ich hierauf eine Antwort, wäre ich schon auf dem besten Weg zum Friedensnobelpreis.“ Dann erläuterte er, wie es seiner Meinung nach zu der großen Diskrepanz zwischen objektiver und subjektiver Sicherheit komme.

Der Grund sei die immer stärkere Verfügbarkeit von Nachrichten aus der ganzen Welt. Man könne das nicht von sich abgrenzen und fühle sich grundsätzlich unsicherer. „Wir müssen lernen, damit umzugehen“, forderte Wallmeroth.

Michael Metten hob den Umgangston in den sozialen Medien hervor, der sich immer mehr auch auf die realen Begegnungen ausbreite und appellierte an die eigene Verantwortung eines jeden.

Besonders weit holte Stein aus. Beginnend bei seiner Jugend, in der er schon mit drei Fernsehkanälen das Gefühl hatte: Es ist so viel los in der Welt. Viele lachten, auch die jüngeren Gäste, die sich eine Jugend ohne Computer, Handy und Internet kaum vorstellen können.

Mit der Situation heute, ständig auf Dauerempfang, seien wir einfach komplett überfordert. Das Publikum pflichtete ihm mit einem Applaus bei. Die Folgen, so Stein, ließen sich nicht durch staatliches Handeln verändern. „Mitmenschlichkeit, Toleranz, das kommt aus der Tiefe einer Gesellschaft. Da geht es um Erziehung, aber auch um bürgerschaftliches Engagement.“

An jeder Ecke Uniformierte

Stein erzählte von einem Besuch in Shanghai, wo er sich extrem sicher gefühlt habe – weil an jeder Ecke Uniformierte gestanden hätten. „Wie in der DDR“, rief jemand aus dem Publikum dazwischen. Und Stein fragte: „Wollen wir das?“ Kopfschütteln in den Reihen.

Als kurz vor Schluss ein Gast schilderte, wie aggressive Radfahrer Fußgänger regelmäßig beinahe „platt machten“ und fragte, was die Polizei dagegen tue, entgegnete Wallmeroth ruhig: „Ich möchte damit anfangen zu sagen, dass ich Aggressivität in Ihrer Darstellung wahrnehme.“ Die Gäste lachten und klatschten. Da musste der Fragensteller selber schmunzeln.

Die gesamte Debatte können Sie hier nachverfolgen:

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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7 Kommentare

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  1. Keine Notwendigkeit für staatliches Handeln? Haben Sie vielleicht diesen Satz überlesen: „Frank Stein kündigte an, die Zahl der Stadtwächter von aktuell fünf in einem ersten Schritt auf acht, in einem zweiten auf zwölf zu erhöhen.” Mehr Informationen zu den Forderungen von CDU und SPD finden Sie in diesen Beiträgen:

    https://in-gl.de/2017/11/22/cdu-bergisch-gladbach-will-mehr-geld-fuer-sicherheit-ausgeben/
    https://in-gl.de/2017/11/29/spd-praevention-und-repression-fuer-mehr-sicherheit-in-bergisch-gladbach/
    https://in-gl.de/2018/01/15/cdu-zur-sicherheit-handeln-nicht-nur-nachdenken/

  2. Humor ist gut. Humor ist, wenn man trotzdem lacht…
    Über den Bürger, der sich offensichtlich unwohl fühlt und dieses äussert.
    Über die Gäste beim Stammtisch des Bürgerportals, denen einfach vorher Ihre eigene Verantwortung in Bezug auf Aggressivität nicht klar war.
    Leute, regt Euch nicht auf, GL ist safe! Benehmt Euch ordentlich, kommt der Forderung nach, mit den Nachrichten aus aller Welt umzugehen und übernehmt Verantwortung für Eure Medienkompetenz. Euer Sicherheitsgefühl ist nur subjektiv.
    Ich persönlich schmunzel über unsere Politik auf allen Ebenen, die sich tatsächlich für objektiv hält. Die Stimmen von Bürgern und Wählern konsequent ignoriert, selbst wenn demokratisch gewählte Parteien immer grösser werden, die genau diese Thematik für ihre Zwecke benutzen.
    Üben wir uns in Humor, Mitmenschlichkeit und Toleranz, denn wie zu lesen ist, wird eine Notwendigkeit für staatliches Handeln nicht gesehen. Zahlen gut, alles gut.

  3. @ Welter
    Ist es nicht wunderbar, wie einfach es ist, im Internet Stumpfsinn und unhaltbare Behauptungen zu verbreiten? Herrlich!
    Die Frage ist nur, was Menschen damit bezwecken wollen?!

  4. @Welter
    Das sind ja sehr qualifizierte Kommentare! Können Sie Ihre Behauptungen bitte mal mit Fakten untermauern anstatt nur zu pöbeln?

  5. Es wird höchste Zeit das die Polizei mal ihren Aufgaben nachgeht und nicht immer sich im Büro herum drückt.
    Raus auf die Strasse da wo sie hingehört.

  6. Es war ein sehr interessanter Abend.
    Am interessantesten fand ich die Frage, wie man zu einem zivileren Umgang miteinander finden könne. Eigentlich hat Herr Stein die Antwort am passensten gegeben. Man kann das ganze auch auf ein altes Sprichwort herunter brechen:
    “Was Du nicht willst, dass man Dir tut, das füge auch keinem and´ren zu”.
    Genau da liegt der Hund begraben. Man kann nicht von der Politik fordern, dass sie für einen freundlicheren Umgang sorgen müsse. Daran muss jeder selbst arbeiten. Vielleicht mag sich ja jeder mal hinterfragen, wie er selbst mit anderen Menschen umgeht…
    Versuche ich freundlich (oder wenigstens respektvoll) zu sein? Gebe ich anderen Menschen Anlass, auch freundlich zu mir zu sein? Benehme ich mich im Straßenverkehr rücksichtsvoll?
    Sicherlich….. Idioten gibt es überall. Aber wenn sich jeder mal selbst hinterfragt, dann könnte das tägliche Miteinander sicherlich um Welten angenehmer sein und niemand müsste mehr von der Politik fordern, dass sie sich um einen menschlicheren Umgang bemühen müsse.
    Es könnte alles so einfach sein…..