Die Polizei zeigt Präsenz in der Innenstadt

Viele Menschen fühlen sich in Bergisch Gladbachs Innenstadt abends nicht mehr sicher. Tatsächlich ist die Zahl der Straftaten in der Stadt gesunken, die Gewaltkriminalität sogar deutlich, berichtet die Polizei. Auch am Bahnhof seien die Verhältnisse völlig normal. 

Zwischen Wahrnehmung und Statistik klaffen Welten. Immer mehr Bergisch Gladbacher sagen, sie hätten abends in der Fußgängerzone und am Bahnhof ein schlechtes Gefühl. CDU und SPD drängen die Stadt ganz offiziell, vor allem in der City mehr für das Sicherheitsgefühl der Bürger zu tun. Angefeuert wurde die Debatte von einem Fall im September, als ein Mann bei einem Streit zu Tode kam.

Die Zahlen der Kreispolizeibehörde Rhein-Berg sprechen eine andere Sprache. Die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden, sinke seit vier Jahren. Auch die absolute Zahl der Straftaten sei 2017 zurück gegangen – in Bergisch Gladbach wie im gesamten Kreis, bei den Wohnungseinbrüchen wie bei der Gewaltkriminalität.

In Bergisch Gladbach blieben die Zahlen für „Gewalttaten gegen das Leben” (1) und Straßenkriminalität (1856) unverändert.

Landrat Stephan Santelmann, Polizeidirektor Gerhard Wallmeroth und Kriminaloberrat Ralf van Uden

Es gebe „erfreuliche Entwicklungen, aber auch Herausforderungen”, sagte der neue Landrat und Polizeichef Stephan Santelmann bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2017. Im NRW-Vergleich liege RheinBerg auf Platz 8 der sichersten Kreise, einer „hervorragenden Position”.

Dokumentation:
Die gesamte Kriminalstatistik 2017 für RheinBerg
Die polizeiliche Kriminalstatistik 2017 für ganz NRW

Besonders erfreulich sei die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen, die innerhalb von zwei Jahren halbiert wurden (siehe Grafik), und der allgemeine Rückgang der Fallzahlen. Zum dritten Jahr in Folge habe es keinen Drogentoten gegeben.

Zahlen für den ganzen Kreis RheinBerg

Weniger erfreulich sei die Zunahme bei Rauschgiftdelikten, bei Betrugsfällen und vor allem bei Straftaten gegen Senioren

Polizeidirektor Gerhard Wallmeroth und Kriminaloberrat Ralf van Uden sprachen von einem positiven Trend, die Entwicklung sei auch in so heiß diskutierten Bereichen wie der Straßen- und Gewaltkriminalität, aber auch bei Delikten gegen Polizei und Rettungskräfte „absolut unauffällig”. 

Eine Ausnahme ist der Bereich der Sexualdelikte. Die Zahl der angezeigten Straftaten hat sich hier von 77 auf 154 verdoppelt. Das gehe aber alleine darauf zurück, dass nach einer Rechtsänderung seit Ende 2016 auch sexuelle Belästigungen ohne Nötigung und sexuelle Berührungen straftbar sind; zudem habe sich das Bewusstsein der Gesellschaft bei diesem Thema verändert. 

Der Anteil der Nicht-Deutschen an den Verdächtigen ist wie seit vielen Jahren überproportional hoch. Er ist aber 2017 etwas zurück gegangen. Das gleiche gilt auch für die Gruppe der „Zuwanderer”, die seit zwei Jahren gesondert ausgewiesen werden. 

Sie trauen diesen Trends nicht? Dann schauen Sie sich die Zahlen im Folgenden im Detail an. Sie glauben der Polizei nicht? Sie haben Anhaltspunkte, dass die Zahlen nicht stimmen oder die Realität verzerren? Dann melden Sie sich – wir gehen den Hinweisen nach.

Gesamtzahlen

Insgesamt wurden in RheinBerg 13.575 Straftaten registriert, damit setzt sich der Abwärtstrend der letzten drei Jahre fort. Im Kreis sank die Zahl um knapp drei Prozent, in Bergisch Gladbach um knapp zwei Prozent – und damit weniger stark als in ganz NRW (minus 6,5).

Für den relativ schlechten Rückgang in Bergisch Gladbach ist auch eine starke Zunahme an Vermögens- und Fälschungsdelikten (plus 398) mit verantwortlich; dahinter steckt in den meisten Fällen der sogenannte eBay-Betrug.

Zahlen für den ganzen Kreis RheinBerg

Aufklärungsquote

Die Aufklärungsquote in RheinBerg kletterte leicht von 48,9 auf 50,7 Prozent. Damit liegt sie aber unter der NRW-Quote (52,3 Prozent).

Nicht-deutsche Täter und Zuwanderer

Der Anteil Nicht-Deutscher an der Bevölkerung in RheinBerg liegt bei neun Prozent. Bei den Tatverdächtigen sind Nicht-Deutsche mit 26 Prozent stark überproportional vertreten. Hier werden auch diejenigen mitgezählt, die überhaupt nicht in Deutschland wohnen, sondern nur für die Straftaten ein- oder durchreisen. Im Vorjahr war der Anteil Nicht-Deutscher mit 28,4 Prozent der Tatverdächtigen noch höher. 

Unter den Nicht-Deutschen werden die Zuwanderer noch einmal gesondert ausgewiesen. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen betrug 7,7 Prozent, im Vorjahr waren es 10,2 Prozent.

Wohnungseinbrüche

Bei Einbrüchen handele es sich um Straftaten, die die Bürger und ihr Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigen, betonte Polizeidirektor Wallmeroth noch einmal. Daher habe die Polizei Rhein-Berg hier ihren strategischen Schwerpunkt und die zwischenzeitlich sehr hohen Zahlen erneut zurück gedrängt.

Auf dem Höhepunkt 2015 wurden 1098 Einbrüche in RheinBerg gezählt, 2017 waren es noch 536. In Bergisch Gladbach ging die Zahl alleine in 2017 um 23 Prozent auf 228 zurück. 

Der Anteil der Versuche, also der gescheiterten Einbrüche, liegt inzwischen bei 50 Prozent, was die Polizei als Erfolg der Aufklärungs- und Vorbeugearbeit wertet. Trotz der guten Entwicklung fordert sie die Bürger auf, weiterhin alle Hinweise auf verdächtige Vorgänge zu melden, auch über die 110.

Körperverletzungen und Straftaten gegen das Leben

Die Zahl der Körperverletzungen insgesamt hatte in RheinBerg  2016 mit 1398 Fällen einen Höchststand erreicht, 2017 waren es noch 1320. Die schweren / gefährlichen Körperverletzungen legten von 267 auf 290 zu. Der Straßenkriminalität wurden nur 130 (121) Körperverletzungen zugeordnet. 

In Bergisch Gladbach sank die Zahl der Körperverletzungen um neun Prozent auf 582 Fälle. Hier liegt die Aufklärungsquote bei 90 Prozent. 

In ganz RheinBerg gab es drei (Vorjahr: vier) Straftaten gegen das Leben, davon eine in Bergisch Gladbach. 

Die drei Fälle im Detail – bitte anklicken
Am 28.03.2017 tötete ein 82-jähriger Rentner seine demenzkranke Ehefrau in der gemeinsamen Wohnung in Bergisch Gladbach, indem er ihr eine Überdosis Insulin spritzte. Wie er angab, habe er seine Frau nicht länger leiden lassen wollen. Nach der Tat versuchte er, sich mittels Tabletten selbst zu töten. Eine Mordkommission nahm die Ermittlungen auf.

Am 14.06.2017 lauerte ein 33-jähriger, syrischstämmiger Mann seiner 42-jährigen Ex- Lebensgefährtin vor einem Verbrauchermarkt in Overath auf und stach auf sie und ihren 13- jährigen Sohn ein. Erst als sich Passanten einmischten, ließ der Täter von den Geschädigten ab. Diese überlebten schwer verletzt. Der Täter konnte kurze Zeit später festgenommen werden. Er wurde im Februar 2018 zu 5 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt.

Ein weiteres Verfahren wurde im August wegen vollendeten Totschlags geführt. Nachdem es in den Abendstunden des 11.08.2017 im Rahmen einer privaten Feier zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen dem 37-jährigen Täter und dem späteren Opfer, einem 48- Jährigen Bergisch Gladbacher gekommen war, ging der Täter mit einem Samuaraischwert auf den Geschädigten los und erstach diesen. Der Täter konnte unmittalbar festgenommen werden. Er wurde im Februar 2017 zu 4 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt.

Die Zahlen gelten für den ganzen Kreis RheinBerg

Widerstand gegen Polizeibeamte

Hier stieg die Zahl von 59 auf 62, bewegt sich damit aber im bekannten Rahmen, bereits 2010 waren 69 Fälle gezählt. worden. Jeder Fall sei einer zu viel, sagte Polizeidirektor Wallmeroth, aber weder die Lage noch der Anstieg sei dramatisch. Das gelte auch für Straftaten gegen Rettungskräfte.

Straßenkriminalität

Die Fälle von Straßenkriminalität (die von Überfällen bis zum Diebstahl auf einem Auto reicht, siehe Stichwort) gingen im Kreis um 2,5 Prozent auf 3570 zurück. In Bergisch Gladbach stieg die Zahl knapp um 0,3 Prozent auf 1856 Fälle.

HIntergrund: Was ist Straßenkriminalität?

Unter dem Oberbegriff „Straßenkriminalität“ werden alle jene Delikte zusammengefasst, die sich im für jedermann zugänglichen Raum, also auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen ereignen. Hierzu zählen u.a.

  • Raubüberfälle
  • Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen
  • Exhibitionistische Handlungen
  • Gefährliche und schwere Körperverletzungen
  • Einbruchdiebstähle in Kioske, Vitrinen und Schaufenster
  • Taschendiebstähle
  • Diebstähle an / aus / von Kraftfahrzeugen
  • Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen 
  • Sonstige Sachbeschädigungen auf öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen
  • Diebstähle von Fahrrädern

Innenstadt und Bahnhof

Auch die Leitung der Polizei RheinBerg sieht, dass sich das subjektive Sicherheitsgefühl in Teilen der Bevölkerung verschlechtert hat. Dies gehe aber, so Walmeroth, nicht auf die objektiven Zahlen zurück – sondern unter anderem darauf, dass im näheren und im weitere Umfeld mehr über Einzelfälle berichtet wird.

Dass es im Umfeld des Bergisch Gladbacher Bahnhofs Kriminalität gebe, sei bekannt und keine neue Erkenntnis, sagte der Polizeidirektor. Aber auch dort und in der Fußgängerzone sei die Lage „völlig normal und unauffällig, in der Entwicklung sogar positiv”. Angesichts der geringen Fallzahlen gebe es von Jahr zu Jahr prozentuale Schwankungen, aber es gebe hier keine besonderen Kriminalitätsstrukturen.

Eine statistische Auswertung dazu konnte die Kreispolizei jetzt nicht vorlegen. Im September, nach dem Todesfall in der Fußgängerzone, hatte die Polizei gesagt, 2016 seien in der Innenstadt zwischen Forumpark, S-Bahnhof und der Straße An der Gohrsmühle insgesamt 120 Straftaten protokolliert worden. Rechne man die von Januar bis August 2017 erfassten Fälle  auf das ganze Jahr hoch, ergäben sich rund 160 Straftaten. Jedoch seien nicht die Raubüberfälle oder schweren Körperverletzungen angestiegen, sondern minderschwere Körperverletzungen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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