Marc d’Avoine wurde als Insolvenzverwalter eingesetzt

Das Amtsgericht Köln hat das Insolvenzverfahren von Zanders formell eingeleitet und einen Verwalter eingesetzt. Allerdings läuft das Verfahren nicht ganz wie geplant: von einer „Eigenverwaltung” und einem Sachwalter ist im Moment nicht mehr die Rede. 

Das Kölner Gericht hatte am Donnerstag den Wuppertaler Rechtsanwalt Marc d’Avoine zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Jurist war zuvor von Zanders als Sachverständiger benannt worden und ist ein bekannter Experte auf diesem Gebiet. Er hatte unter anderem die Insolvenzverwaltung des Kunsthändlers Helge Achenbach übernommen.

Als Geschäftsführer von Zanders nennt das Gericht Gordon Geiser, Christian Köhler-Ma und Igor Ferlan. Diese dürfen über Vermögenswerte der Zanders GmbH ab sofort nur noch mit Genehmigung des Insolvenzverwalters verfügen – der die Interessen der Gläubiger vertritt und die Unternehmensführung überwacht.

Von einer „Sanierung in Eigenverwaltung” ist jetzt nicht mehr die Rede. Wenig überraschend nennt das Gericht die Insolvenz auch Insolvenz. Aber auch von einer Eigenverwaltung ist in der Pressemitteilung, die Zanders im Namen von d’Avoine am Donnerstag verschickte, nichts mehr zu finden.

Rein juristisch gesehen ist das Insolvenzverfahren damit immer noch nicht eröffnet; bislang liegt nur ein Antrag des Unternehmens beim Amtsgericht vor, das daraufhin erste Schritte unternommen, aber noch nicht über die Eröffnung des Verfahrens entschieden hat. Das kann bis zu einem Monat dauern.

Zanders betonte jetzt, dass „der Restrukturierungsweg” fortgesetzt wird – und beschreibt die Rollenverteilung so: „Der Sanierungs-Geschäftsführer Igor Ferlan und externe Berater leiten die Firma Zanders im Verbund mit RA d’Avoine und seinem Team.”

Der Weg zu einer „Insolvenz in Selbstverwaltung” ist grundsätzlich allerdings noch offen. Dafür muss Zanders gemäß § 270, Abs. 1 der Insolvenzverordnung nachweisen, dass zwar eine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung droht, aber keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt.

Zur Frage, ob Zanders den Status der Eigenverwaltung weiter anstrebe, nahm Zanders-Sprecher Tobias Müller auch auf Nachfrage keine Stellung.

Insolvenzverwalter Marc d’Avoine sagte dem Bürgerportal, das Verfahren habe gerade erst begonnen, der weitere Verlauf werde zeigen, „welche Verfahrensart die Beste im Sinne aller Beteiligter ist”.

Finanzielle Status Quo wird untersucht

Laut Zanders-Mitteilung werden jetzt der finanzielle Status Quo erfasst. Dazu müssten das Anlagevermögen bewertet, eine Inventur durchgeführt und Ansprüche aufgenommen werden. Parallel liefen die Arbeiten an dem Businessplan und dem Sanierungskonzept. Mit einem Zwischenergebnis sei Ende Juli zu rechnen.

Als Gründe für die aktuelle Schieflage nennt Zanders erneut die gestiegenen Preise für Zellstoff, Chemikalien und Kohle. Allein in den vergangenen zwölf Monaten seien die Kosten dieser Rohstoffe um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Löhne für zwei Monate gesichert

Zurzeit beschäftige Zanders gut 500 Mitarbeiter und 22 Auszubildende. Die Löhne und Gehälter seien über das (vom Arbeitsamt gezahlte) Insolvenzgeld „bis einschließlich August 2018″ gesichert.

Die Betriebsrenten soll der Pensionssicherungsverein übernehmen. Dafür muss aber zunächst einmal das Insolvenzverfahren formell eröffnet werden.

Der Geschäftsbetrieb sei nicht beeinträchtigt. Geschäftsleitung, Belegschaft sowie wesentliche Lieferanten und Kunden hätten bereits Unterstützung signalisiert.

Ausdrücklich betont die Mitteilung, dass der Eigentümer, die Münchener Beteiligungsgesellschaft Mutares „weiter die Restrukturierung im Sinne aller Beteiligter” unterstütze.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Wie sich doch die einzelnen Stellungnahmen verändern bzw. erst gar nicht abgegeben werden, wenn sich die Situation zuspitzt. Als die Bürgerinitiativen die Verwaltung aufforderte, endlich die im Zanders-Gelände schlummernden Ressourcen auch planerisch aufzugreifen, hieß es, man wolle dem Unternehmen nicht in den Rücken fallen und die Gelegenheit lassen, eine Neustrukturierung und damit die Weiterführung und den Erhalt der Arbeitsplätze nicht zu gefährden. Man weigerte sich, wenigstens den zur Verfügung stehenden Teil des Geländes in den FNP-E. aufzunehmen, wo die Möglichkeiten bestanden hätten, einen kleinen Teil der Forderungen der Bürgerinitiativen und damit der Bevölkerung zu befriedigen. Bürgermeister Urbach und sein 1. Beigeordneter lehnten das ab.

    Soll man nun glauben, die Chefs der Verwaltung hätten nicht schon damals eine Ahnung davon gehabt, was mit ZANDERS passieren würde? Und wenn man bei einem solch wichtigen Teil der Stadt nicht weiß, was dort geschehen soll, sollte man als nach Kräften daran arbeiten, Informationen zu erhalten.

    Als sich in der Verwaltung, getrieben durch die Bürgerinitiativen und Rat, Ohren und Augen für das Zanders-Gelände öffneten und über verschiedene Planziele diskutiert wurde, schien man selbst auf den Gedanken gekommen zu sein, dass mit der Zukunft von ZANDERS nicht viel Staat zu machen sein würde. Man kaufte endlich den zugänglichen Teil des Geländes, um danach noch schnell eine Satzung zu ändern, damit der Kauf auch gewissen Klagen standhalten konnte, versicherte aber gleichzeitig, weiterhin stets den Fortbestand, wenigstens aber die momentane Produktion und die Abteilung Forschung und Entwicklung im Fokus zu haben.

    Einige Zeit war Ruhe, bis urplötzlich das böse Wort “Insolvenz” auftauchte, allerdings eine in Eigenverantwortung, was bedeutet hätte, alles wäre weitergelaufen wie bisher. Hatte man den Eigentümer vergessen, würde MUTARES die zu vermutende Verlustwelle dulden? Wer das glaubte, wartet am 5. Dezember auch auf den Nikolaus. Die sicher gut gemeinte Versicherung des Betriebsrates, man könne die Sanierung auch selbst mit Erfolg betreiben, klang so ein bisschen wir das Pfeifen im dunklen Keller: Man muss erst mal selbst Mut finden um ihn anderen machen zu können.

    Es wurde versichert, es wäre lediglich eine “Insolvenz in Eigenverantwortung”, um kurze Zeit später zurückrudern zu müssen, weil weder, wie auch behauptet wurde, ein Gericht diese “IiE” genehmigt hatte noch irgend jemand – schon gar nicht MUTARES – in diesem Versuch eine Chance gesehen hätte, das Unternehmen zu retten, nachdem dies jahrelang ohne Erfolg versucht wurde. Im Gegenteil, MUTARES scheint einen großen Anteil am Niedergang von ZANDERS zu haben, weil man sich nie um das Unternehmen kümmerte und es vermutlich als Abschreibungsobjekt betrachtet. Nachfragen zur Problematik bleiben unbeantwortet.

    Ales in Allem wurde scheinbar mit Arbeitnehmern, Betriebsrat, Stadtverwaltung, Zeitungen und der hoffnungsvollen Bevölkerung gespielt, um ein jahrhundertaltes Unternehme mit einer ehemaligen Eigner-Familie, die sich für ihre Mitarbeiter und die Stadt stets eingesetzt hat, letztendlich in den Abgrund zu treiben.

    Und davon will keiner etwas gewusst oder geahnt haben.