Im Stadtrat sind Jusos und JU mit jeweils einem Mitglied vertreten. Foto: Thomas Merkenich

Politisches Engagement ist für viele ein Thema – auch für Jugendliche. Ich habe mich in Bergisch Gladbach auf die Suche nach politischen Jugendorganisationen gemacht. Und bin fündig geworden.

Bei der Recherche nach aktiven Jugendparteien in Bergisch Gladbach stoße ich zunächst auf die Jusos (SPD) und die Junge Union (CDU). Auch die Jungen Liberalen (FDP) und einen Jugendrat soll es geben. Zeit, der Sache auf den Grund zu gehen.

Ich schreibe die Vorsitzenden per Mail an und bekomme schnell freundliche Einladungen zu Mitgliedertreffen.

Die jungen Sozialdemokraten (Jusos)

Zuerst schaue ich bei den Jusos vorbei, die zur SPD gehören. Corvin Kochan ist ihr Vorsitzender in Bergisch Gladbach. Es ist Samstagvormittag und schönes Wetter. Ungefähr zehn Mitglieder grillen gerade gemeinsam, das entspricht fast der gesamten aktiven Mitgliederschaft.

Die Atmosphäre bei dem Treffen ist leger und aufgelockert. Hier wird viel gelacht, aber auch hitzig diskutiert. Zum Beispiel über die Legalisierung von Marihuana. Obwohl die Stimmung insgesamt harmonisch ist, werden manchmal auch unterschiedliche Standpunkte vertreten. 

In der offizielleren Mitgliederbesprechung, die vorher stattgefunden hat, wurde über neue Themen und Schwerpunkte für die nächsten Wahlen beraten.

Das Hauptziel der Jusos sei es, mehr junge Menschen zu mobilisieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, etwas in der Politik zu verändern. Dafür sei Bergisch Gladbach genau die richtige Stadt, denn sie „ist groß genug, um was zu bewirken und klein genug, um schnell jungen Leuten Verantwortung zu übertragen“, sagt Corvin.

Genug Unterstützung „von oben” gebe es, denn das Verhältnis zur Mutterpartei sei sehr konstruktiv. „Man wird gut einbezogen, wenn man Interesse zeigt“, erklärt der 19-jährige Vorsitzende.

Die Vorbereitung für die anstehende Europa-Wahl im Frühjahr laufe bereits auf Hochtouren. Eine Herausforderung im Moment sei mehr junge Leute für politisches Engagement zu bewegen. Nachwuchspolitiker werden immer gebraucht, doch die Politikverdrossenheit nehme stetig zu, beobachtet Corvin.

Während des „Schulzzuges“ und der „Tritt ein, sag Nein“-Aktion (gegen eine erneute GroKo als Regierungskoalition), habe es viele Neuzugänge gegeben. Doch damit seien die Jusos noch nicht zufrieden.

Corvin Kochan (links) und Sascha Keimer

Wie Sozialdemokraten so oft, wollen auch die Jusos soziale Schwachstellen als thematischen Schwerpunkt setzen. Bezahlbarer Wohnraum, gerade im Hinblick auf junge Leute, werde gebraucht. Aber auch ein neues Konzept für die innere Sicherheit.

Häufiger fällt die Floskel: SPD erneuern! „Im Gegensatz zur Parteiführung?”, frage ich – und darauf folgt ein einstimmiges Nicken. Moderner müsse die Partei werden und auch auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. müsse mehr getan werden.

Sascha Keimer ist schon länger in der SPD aktiv. Seit dem 1. September sitzt der 25-jährige Politiker im Stadtrat und im Ausschuss Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr. Für ihn ist besonders wichtig, „die Meinung der jungen Leute zu repräsentieren“.

Die Jusos treffen sich regelmäßig (meistens abends), die Location variiert.

Mehr Informationen gibt es auf der Website der Jusos.

Die Junge Union (der CDU)

Wenige Wochen später bin ich bei der JU eingeladen, die sich im Wirtshaus am Bock trifft. Als ich eintreffe, wird noch gegessen und ich geselle mich dazu. Auch hier ist die Stimmung aufgelockert.

Matthias Schmickler ist Vorsitzender der JU in Bergisch Gladbach. Er berichtet, dass es ungefähr zehn aktive Mitglieder gebe, wobei die offizielle Mitgliederzahl sehr viel höher wäre. Es gibt regelmäßige Treffen, Ort und Uhrzeit variieren auch hier.

Vorne rechts: Fabrice Ambrosini und Matthias Schmickler

Aktuelle Themen aus der Kommunalpolitik seien für die junge Union besonders wichtig. „Zum Beispiel, was mit dem Unternehmen Zanders passiert oder auch der Ausbau von Radschnellwegen”, sagt Matthias. Man wolle sich aber nicht auf einen bestimmten Themenbereich festlegen, denn es sei auch immer abhängig, von dem was aktuell passiere.

Besonders progressiv an der JU sei die große „Bandbreite an verschiedenen Personen”, erklärt der Vorsitzende. Einige Mitglieder gingen noch zur Schule, während andere schon mitten im Berufsleben stehen. So würden viele verschiedene Sichtweisen und Erfahrungen mit in Diskussionen einfließen.

Ein Netzwerk habe sich die Jugendpartei schon aufgebaut. Nicht nur mit dem Bürgermeister Lutz Urbach, sondern generell mit der CDU. „Wir werden gut wahrgenommen”, sagt Fabrice Ambrosini, der seit über einem Jahr Mitglied ist.

Für ihn bedeutet die JU, dass „man seinen eigenen Themen Gehör verschaffen kann”, denn die Partei „verbindet Menschen mit der gleichen politischen Wertschätzung”, erklärt Fabrice.

Die Junge Union in Bergisch Gladbach trifft sich in der Regel in einem informellen Rahmen. Man gehe auch mal gemeinsam ein Bier trinken, das stärke den Zusammenhalt.

Ein wichtiges Ziel sei, ein steigendes politisches Interesse bei Jugendlichen zu erreichen, denn man wolle dabei helfen, die gesamte Gesellschaft widerzuspiegeln.

Auch die Wahrung von Traditionen sei der JU wichtig. Beispielsweise St. Martin und die Festlichkeiten rund um das Maibaumsetzen feiere man jedes Jahr gemeinsam.

„Wir haben ein gutes Einheitsgefühl und einen Zusammenhalt, den sonst niemand hat” versichert Fabrice.

Mehr Informationen zur Jungen Union gibt es auf der Website. 

War es das schon?

Es stimmt zwar, dass die Jusos und die JU die beiden größten Organisationen für Jugendliche in Bergisch Gladbach sind, aber es gibt auch noch Alternativen:

  • JuLis: Die jungen Liberalen (FDP) sind nur auf Kreisebene vertreten. Einmal im Monat findet ein Treffen statt. Jedes Mal in einer anderen Gemeinde. Vorsitzender ist Alexander Engel. Mehr Informationen gibt es hier.
  • Jugendrat: Der Jugendrat ist überparteilich und tagt in der Regel im Q1. Über die Sitzungen des Rats hinaus gibt es unterschiedliche Projekte, an denen jeder teilnehmen kann. Mehr Informationen gibt es hier.

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