Die Stadtverwaltung hat eine erste Bilanz der sogenannten Öffnung der Fußgängerzone gezogen. Aus Sicht des ADFC gibt es dazu einige kritische Anmerkungen.

Aus der Mitteilungsvorlage 0512/2018 des AUKIV (Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr) vom 11.12.2018:

In 70 % der Fälle fahre ich mit dem Fahrrad, in 30 % mit dem Auto. Mit dem Rad brauche ich nur sieben Minuten und ich spare mir die morgendlichen Staus.“ sagte  Frau Wisniewski, Center-Managerin der RheinBerg Galerie im Interview.

Solche Sätze gefallen dem ADFC natürlich.

Weiter wurden u. a. Herr Mark Peters (Brillen Potyka), stellvertretender Vorstand der IG Stadtmitte, sowie Herr Bihn, Vorsitzender des Inklusionsbeirats, sowie 72 Passanten befragt. Die Ergebnisse, aus Sicht des ADFC eher positiv, sind im Anhang nachzulesen.

Die Kreispolizei konnte seit der Öffnung weder Rad- noch Fußgängerunfälle registrieren. Moniert werde seitens der Behörde die installierte Beschilderung. Angehaltene Radfahrer in der Fußgängerzone kritisieren weiterhin die fehlende Erkennbarkeit der Verkehrszeichen. Die Polizei hält weiterhin an ihrer ursprünglichen Position der durchgehenden Öffnung „Fußgängerzone – Radfahrer frei“ fest.

Dem kann der ADFC nur zustimmen!

Auf Antrag von CDU und SPD im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Infrastruktur und Verkehr (06.02.2018) wurden zeitliche Regelungen auf den Teilstücken Hauptstraße, zwischen Poststraße und Konrad-Adenauer-Platz und während Veranstaltungen auf dem Konrad-Adenauer-Platz, in das Konzept aufgenommen und umgesetzt.

So einfach ist das nicht!

Dies jetzt allein der CDU/SPD-Kooperation anzuhängen ist so nicht richtig. Im AUKIV am 8.2.2018, TO11/Beschluss IV wurde mehrheitlich nur die Nichtöffnung der Fußgängerzone vom Markt bis zur RheinBerg-Galerie zu bestimmten Uhrzeiten beschlossen. Alles Weitere hat sich die Stadt einfallen lassen, z. B. die Durchfahrverbote auf bestimmten Wegen und während der städtischen Veranstaltungen.

Wie war das noch mal?

Am 14. April d. J. wurde die Öffnung der Fußgängerzone öffentlich gefeiert. Noch im selben Monat wurde die FGZ an 3 Tagen (Frühlingsfest) gesperrt.

Im Mai waren es dann 8 Tage (Kirmes), im Juni 6 Tage (Open Air-Konzert und Blaulichttag).  Im August gab es die Kirmes (8 Tage) und die Oper Nabucco (2 Tage). Im September/Oktober gab es das Stadtfest (8 Tage) und die Bergischen Bautage (11 Tage).

Während des Martinsmarktes im November wurden die Radfahrer 3 Tage ausgesperrt und der Weihnachtsmarkt bescherte uns dann in der Zeit vom 19.11. – 24.12.2018 ganze 41 Tage!

Im ganzen Jahr wurden also vom Ordnungsamt an 90 Tagen die Radfahrenden ausgesperrt!

Und was sagt das Ordnungsamt dazu?

Die Ordnungsbehörde der Stadt Bergisch Gladbach weist darauf hin, dass nahezu täglich Beschwerden seitens der Fußgänger in der Fußgängerzone eingehen. Neu eingestellte Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind angehalten, irregulär Fahrradfahrende auf das Regelwerk hinzuweisen. Bei Verstößen ist der Großteil der Radfahrenden einsichtig. Oft würden die Radfahrenden nicht im Schritttempo fahren und die Fußgängerzone als Abkürzung nutzen. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes werden zum Teil im Dienst von Passanten auf die Problematik angesprochen. Auch gehen bei der Ordnungsbehörde mündliche wie schriftliche Beschwerden ein. Die genaue Anzahl ist unbekannt.“

Der ADFC hält diese massive Anzahl der Beschwerden für absolut unglaubwürdig und fordert das Ordnungsamt auf, diese Zahlen zu belegen. Warum die genaue Zahl unbekannt zu sein scheint, ist völlig schleierhaft.

Der ADFC plädiert für eine in der Zukunft lückenlose Dokumentation der Eingaben und die statistische Erfassung. Falls dies nicht möglich sein sollte, wäre es für das Gemeinwohl besser, wenn sich das Ordnungsamt zukünftig solchen Äußerungen enthält. Solche Andeutungen erfreuen nur die lokalen Tagesblätter und geben Anlass für reißerische Artikel.

Auch im Umfeld der Fußgängerzone liegt noch Einiges im Argen. Fährt man beispielsweise zur Post und will danach zur Volkshochschule und jetzt ist auch noch 5 vor 12 (Sperrzeit), hat man mit dem Rad ein Problem. Es gibt mitten in der Innenstadt keinen vernünftigen Radweg. Der Vorschlag des ADFC war schon 2016 ein Zweirichtungsradweg An der Gohrsmühle von der Stationsstraße bis zum Turbokreisel. Dies ist alternativlos und umsetzbar.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Stadt so ihr Mobilitätskonzept umsetzen kann. Kämpft eigentlich noch jemand für das MobiK GL oder haben das alle Beteiligten schon ad acta gelegt?

Weitere Beiträge zum Thema:

„Freigabe” der Fußgängerzone ändert wenig

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Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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1 Kommentar

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  1. Ich bin selber Radfahrer Jahrgang 60
    und würde mich freuen wenn ihr nicht immer nur Forderungen stellt
    sonder euch auch mal darum kümmert das die Fahrräder der STVO entsprechen gerade in dieser Jahreszeit ist es unverantwortlich das Radler ohne Licht unterwegs sind
    außerdem was nutzen Radwege wenn diese nicht genutzt werden und ich weiss auch nicht was manch ein Radler unter Schritttempo versteht und wie viele Radler (Ampel) Farbenblind sind (da ich ja kein Kennzeichen habe kann ich machen was ich will)

    Traurig