Im Waldstück in der Ecke oben links, südlich des Mutzbachs, lagern die Altlasten

Zweimal hat der Stadtrat eine üble Altlast im Nussbaumer Wald diskutiert, zweimal hat er einen Vorschlag zur Sanierung abgelehnt. Dafür bekommt er jetzt Rückendeckung vom Kreis: es gebe keine konkrete Gefahr und keinen Handlungsbedarf. Damit ist der Fall aber noch nicht beendet.

Seit mehr als 60 Jahren schlummern rund 2500 Kubikmeter Ölschlämme unter einem Gelände, dass viele Bergisch Gladbacher gut kennen: Der Wald zwischen Reuterstraße und Nussbaumer Feld wird als Begräbniswald genutzt, hier befindet sich ein Waldkindergarten der Awo, hier sind ständig Spaziergänger mit und ohne Hund unterwegs.

Und genau hier, auf einem Grundstück fast direkt am Mutzbach, oberhalb der sogenannten Eselswiese, lagern die Schadstoffe in einem ehemaligen Kalksteinbruch. Ende der 50er Jahr, lange bevor die umliegenden Häuser gebaut wurden, hatte hier eine Ölfirma den damaligen Eigentümer dafür bezahlt, mehr als 4000 Tonnen Säureteer ablagern zu dürfen.

Die rund 1000 Quadratmeter große Deponie war dann mit einer Erdschicht abgedeckt worden, die zwischen 40 und 250 Meter dick ist. Unter der Abdeckung bewegen sich die Schlämme offenbar, nach Süden hin sei es an einzelnen Punkten zu „Schlammaustritten” gekommen, heißt es in einem Bericht

Die Altlast ist gut dokumentiert: Sie findet sich im Kataster des Kreises unter der Ziffer 64 (Nussbaumer Winkel) und ist 1961, 1987, 1989, 1991 und 1996 untersucht worden. 2010 hatte die Untere Bodenschutzbehörde einen detaillierten Bericht verfasst.

Demnach handelt es sich bei der Altlast um dunklen Schlamm aus Säureharz und Klärschlamm, der Mineralöl-Kohlenwasserstoff, Zink und Blei. Aber keine nennenswerten Anteile von PCB oder PAK.

Bekannt wurden die Altlasten durch den Bürgerantrag des Projektentwicklers Ralf Hampe aus Overath, der einen Vorschlag für die Finanzierung der teuren Sanierung im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden (AAB) eingebracht hatte.

Die Erben des ehemaligen Grundstücksbesitzers hatten – offenbar in Kenntnis der Belastung – das Erbe ausgeschlagen, es war damit an die Bezirksregierung gefallen. Die wiederum verkaufte die 4500 Quadratmeter große Fläche für einen Euro an den Projektentwickler. Hampe hatte Erfahrung mit der Entwicklung solcher Problemgrundstücke, berichtete er im AAB.

Und er hatte auch hier eine Idee: Wenn die Stadt das Grundstück zu Bauland mache, könne man hier sieben Häuser bauen und mitten im Wald teuer verkaufen; mit einem Teil der Erlöse könnte man die Sanierung  bezahlen. Und da Bergisch Gladbach ohnehin einen neuen Flächennutzungsplan mit neuen Wohnflächen aufstelle, sei die Gelegenheit gerade günstig.

Diesen Vorschlag lehnte die Stadtverwaltung jedoch schon im ABB glatt ab. Eine Bebauung im Wald sei ausgeschlossen; zudem gehe von der Altlast keine akute Gefahr aus – und ohnehin sei nicht die Stadt, sondern die Kreisverwaltung zuständig. Dem schloss sich der ABB einstimmig an.

Am Mittwoch brachte die Fraktion „Die Linke mit Bürgerpartei GL” das Thema per Antrag auch im Stadtplanungsausschuss auf die Tagesordnung.

Die Haltung der Verwaltung hat sich jedoch nicht verändert. Eine Umwandlung von Wald in Wohnflächen sei weder gewünscht noch notwendig. Ob die Altlasten tatsächlich saniert werden müssen, das könne nur der Kreis sagen – und der sei dann auch für die Beseitigung und Gefahrenabwehr zuständig.

Dem schlossen sich im Stadtplanungsausschuss alle anderen Fraktionen vorbehaltlos an. Andreas Ebert (SPD), der zunächst für eine Sanierung aufgeschlossen war, machte sehr deutlich, dass eine Baufläche im Wald, mit einer Zuwegung quer durch den Wald und dann auch noch direkt an einem Bach, gegen mindestens drei rote Linien verstoßen würden, die bei der Diskussion über den neuen Flächennutzungsplan eingezogen worden war.

Für den Antrag der Linken stimmte dann nur die Linke.

Die Kreisverwaltung bestätigte auf Nachfrage, dass sie den Fall ähnlich wie die Stadt einschätzt. Zunächst sei der Eigentümer verantwortlich, der Kreis für die Überwachung zuständig, sagte eine Sprecherin dem Bürgerportal. Die Schadstoffe seien abgedeckt und stellten keine konkrete Gefahr dar.

Zudem gebe es mehrere Grundwasser-Messstellen, die regelmäßigen Überprüfungen hätten nie erhöhte Werte angezeigt. Zwar gebe es grundsätzlich bei Altlasten immer Risiken, in diesem Fall gebe es aber keinen Handlungsbedarf.

Ähnlich hatte im Sommer ein Mitarbeiter der Unteren Bodenschutzbehörde Stellung bezogen. Er widersprach dem Projektentwickler Hampe, der von einer ständigen Grundwassergefährdung gesprochen hatte. Die Sicherung der Altlasten durch eine Erdschicht sei zwar „aus heutiger Sicht unzulänglich” und berge ein allgemeines Gefährdungspotenial, daher wäre eine Komplettsanierung „begrüßenswert”.

Auch wenn das Risiko als nicht hoch bewertet würde, ein Schadensfall hätte enorme Folgen. Sollte es doch zu einem Durchbruch von Säureteer in das Grundwasser stattfinden, „würden sehr schnell und sehr massiv irreversible Grundwasserverunreinigungen stattfinden”, heißt es in dem Behördenbericht von 2010.

Und ein solcher Durchbruch lasse sich nicht mit Sicherheit ausschließen.

Das sind Aussagen, die auch im Stadtrat nicht ohne Wirkung geblieben sind. Andreas Ebert, der auch Ortsvorsitzender der SPD ist, will sich weiter um die Sache kümmern. „Alleine die Gefährdung aus der Altlast ist aus heutiger Sicht also kein so gewichtiger Grund, dass jetzt schon entschieden werden kann den Wald abzuholzen,” sagt Ebert. Er wolle aber genauer wissen, was über die Deponie bekannt ist und welche Gefährdung von ihr möglicherweise ausgeht. Diese Infos habe er gemeinsam mit den Grünen von der Verwaltung eingefordert.

Damit liegt der Ball nun doch (auch) bei der Stadt.

Dokumentation:

Der Antrag des Projektentwicklers

Die Untersuchungsergebnisse der Bodenschutzbehörde

Der Antrag der Linken

Die Stellungnahme von Andreas Ebert (SPD)

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Es würde interessieren, wie die “Fraktion Die Linke mit Bürgerpartei GL” ihren Antrag, dieses Grundstück bebauen zu lassen, begründet. Beinahe jede Art von Bebauung wurde beim FNP – Verfahren abgelehnt, vor allem, wenn Gewinne zu erwarten waren. Auf jede, wenn auch durchaus sinnvolle Neubebauung sollte verzichtet werden, weshalb der komplette FNP von dieser Fraktion abgelehnt wurde. Was also mag an dieser Stelle anderes Denken eingezogen sein.

    Frau/Herr Thiesmeyer, Ihr Vergleich scheint mir reichlich an den Gegebenheiten vorbeizugehen und wirkt stark übertrieben. Auch das Wort “krank” gehört nicht in einen Kommentar, wenn man kritisieren will, es qualifiziert die Kritik lediglich ab.

  2. Das ist ja so als würde man sagen ” die Fliegerbombe aus dem zweiten Weltkrieg brauchen wir nicht entschärfen ist ja bis jetzt nicht explodiert ”
    krank !

  3. Hallo Herr Watzlawek,

    die in Ihrem Bericht gemachten Aussagen kann ich nur bestätigen.
    Ich habe seinerzeit die LKW`s mit Beladung gesehen.-
    Ein Bericht kam auch seinerzeit im WDR-Fernsehen.
    Ich meine die Sendung hiess “Zwischen Rhein und Weser”
    Heute läuft da die Sendung “Aktuelle Stunde”

    Viele Grüße

    Heinz Fischer