Im neuen Hospiz am EVK sollen Sterbende ihre letzte Lebenszeit so schön wie möglich verbringen können. Dafür gibt es liebevoll eingerichtete Räumlichkeiten, eine intensive Betreuung und ein großes Angebot an Aktivitäten.

Hell und aufgeräumt sieht es aus im neuen Hospiz am Evangelischen Krankenhaus. Tageslicht fällt durch große Fenster, in jedem Raum holt eine hellgrüne Wand den Frühling herein. Ein bisschen steril wirkt es noch, doch das liegt wahrscheinlich daran, dass Bilder, Fernseher und Vorhänge fehlen. Bis Montag hat das Team Zeit, alle Räume fertigzustellen, dann kommen die ersten zwei Gäste.

Zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten an dem Seniorenzentrum „Haus an der Jüch“, in dem sich das Hospiz befindet, rund eine Million Euro hat es gekostet. Für EVK-Geschäftsführer Dr. Harald Januschewski ist die bevorstehende Eröffnung ein Meilenstein. Zum einen, weil der Wunsch nach einem eigenen stationären Hospiz schon seit über 20 Jahren bestand. Und: „Damit decken wir endlich den gesamten Leistungsbereich einer diakonischen Einrichtung ab, von der Geburt bis zur allerletzten Lebensphase.“

Acht Zimmer mit Bad und Terrasse

Acht Zimmer gibt es im Hospiz, jedes mit eigenem Bad, Terrasse, Fernseher, Bett und Wellness-Sessel. Er lässt sich komplett flach stellen und als Schlafmöglichkeit nutzen, erklärt Pflegedienstleiterin Monika Maihack. Als sie durch die Räume führt, nehmen diese eine ganz andere Gestalt an, füllen sie sich mit Menschlichkeit und Wärme.

„Wir haben zwar ein sogenanntes Zugehörigenzimmer im Haus, aber die meisten wollen lieber direkt bei ihren Angehörigen übernachten“, sagt Maihack. Sie hat sich für die Planung in zahlreichen Hospizen in ganz NRW inspirieren lassen.

Noch so eine Inspiration: ein kleiner Kühlschrank auf jedem Zimmer. „Für die Lieblingsspeisen unserer Gäste“, sagt Maihack. Denn: „Hier geht es darum, eine schöne Zeit zu haben.“

Die Wünsche-Erfüller

Die Zeit, die Menschen im Hospiz verbringen, beträgt im Schnitt zwei bis drei Wochen. Was sie sich für diese Tage oder Wochen wünschen, ist so individuell wie sie selbst es sind: „Die meisten sind 50 plus“, sagt Monika Maihack, „aber es gibt auch junge Menschen im Hospiz.“ Die einen wünschen sich dann vielleicht eine letzte Party, die anderen einfach ein gutes Gespräch.

Für all diese Ideen gibt es die Wünsche-Mobile von ASB und „Hits fürs Hospiz“. Das Hospiz selbst bietet zum Beispiel ein großes Bad mit Badewanne, das von allen genutzt werden kann, auch mit einem Glas Sekt oder mit dem Partner. Im großzügigen Gemeinschaftsraum mit Wintergarten können die Gäste zusammen kochen, essen oder auf dem Sofa sitzen.

Und dann gibt es auch noch ein großes Angebot an Aktivitäten: Klangschalen, Reiki, Musik, Wohlfühlmassagen. Rund 30 Männer und Frauen haben sich bereits als ehrenamtliche HospizhelferInnen gemeldet und werden den Gästen vorlesen, mit ihnen backen, alte Lieder singen oder Mandalasteine basteln.

Maihack selbst wird regelmäßig ihren zum Besuchshund ausgebildeten Vierbeiner mitbringen. „Das ist auch für die Angehörigen und für das Team gut“, sagt sie.

Ein hochmotiviertes Team

Das Team, das sind insgesamt 18 examinierte Alten- und KrankenpflegerInnen. Über die Hälfte von ihnen hat eine Zusatzqualifikation im Bereich Palliativpflege, alle sind hoch motiviert. Monika Maihack: „Die intensive Betreuung im Hospiz ist ein Luxus für beide Seiten.“ Viele der PflegerInnen haben vorher im Krankenhaus oder Seniorenheim gearbeitet und wollten explizit hierher wechseln.

Ihre Motivation zeigt sich in ihrem Einsatz, noch bevor das Hospiz überhaupt den Betrieb aufgenommen hat: Das Team hat zusammen mit Maihack die bunt gestreifte Bettwäsche, das Geschirr, den Schrank und das Sofa im Gemeinschaftsraum ausgesucht. „Wir sind schon zusammengewachsen“, glaubt die Leiterin.

Zusätzlich gibt es sieben externe PalliativmedizinerInnen, die sich zu 24-Stunden-Bereitschaftsdiensten bereiterklärt haben. Jeder Gast kann aber auch seinen eigenen Hausarzt mitbringen.

Kostenlose Unterbringung

Die Unterbringung im Hospiz ist übrigens kostenlos. Die Kranken- und Pflegekassen übernehmen 95 Prozent der Kosten, die restlichen 5 Prozent muss der Träger zahlen. Dafür ist das Hospiz auf Spenden angewiesen. Hilfe bei der Spendenakquise, aber auch bei der Ausbildung der EhrenamtlerInnen bekommt es vom ambulanten Hospiz „Die Brücke“.

„Die Brücke“ war übrigens im Jahr 2002 unter dem Namen „Evangelische Hospizinitiative am EVK“ gegründet worden. Jetzt ist der Wunsch nach einem stationären Hospiz Wirklichkeit geworden.

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Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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1 Kommentar

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  1. Wie schön, dass zu unserem EVK nun auch ein stationäres Hospiz gehört! Die langjährigen Überlegungen und Planungen sind Wirklichkeit geworden.