Eine Petition „Rettet den Frankenwald” hat bereits 3700 Unterschriften gesammelt

Die Auseinandersetzung über die Ansiedlung einer neuen Feuerwache Süd in einem Waldstück an der A4 zeigt ein weiteres Mal, wie schwierig das Verhältnis zwischen Bürger, Verwaltung und Lokalpolitik geworden ist. Wird es Zeit für eine ganze neue Form der Bürgerbeteiligung?

Da kam kurz vor Jahreswechsel nach über sechsjähriger Suche die Meldung: Die Suche nach einer neuen Feuerwache war erfolgreich. Damit die Meldung auch über alle Zweifel erhaben ist, wird gleich die Feuerwehr mit angeführt, die mit der Stadt gemeinsam glaubt eine geeignete Option gefunden zu haben und dann ist es ja auch nur ein Zipfel des Königsforstes, gute 1000 Meter Luftlinie von der Feuerwache Refrath entfernt.

O Mann, o Mann, was ist da los?

Der Wald kämpft ums Überleben, Forstamt und Waldbauernverband legen erschreckende Zahlen vor. Das Land beschließt am 10.12.19 den Waldpakt NRW, die Gegner des neuen Bergisch Gladbacher Flächennutzungsplans (FNP) bleiben mit ihren Argumenten weitgehend auf der Strecke, wobei viele der Argumente natürlich auch trotz Verabschiedung des FNP ihre Gültigkeit behalten haben, auch der Ausbau der A 4 auf sechs Spuren. Der Rat der Stadt verabschiedet währenddessen eine Resolution zum Klimaschutzkonzept.

Konsequenterweise meldet sich umgehend der RBN zu Wort und lehnt den Standort im Wald ab. Gut so, kann ich da nur sagen, die haben verstanden.

Und nun ist die neue Konstellation der Politik in Bergisch Gladbach am Zuge, hier Vergangenheitsbewältigung, dort gebremster Aufbruch, Widerspruch mit Zustimmung.

Kann es sein, dass die sich derart für das Thema Klimaschutz und Walderhalt engagierenden Bürger, die überwiegend nicht parteigebunden sind, dass diese Bürger trotzdem Recht haben?

Sind es wieder einmal die Zukunftsverweigerer?

Oder sind es die mit den Eigeninteressen, weil direkt selbst betroffen, das große Ganze nicht im Blick?

Wie schaffe ich es in einer politischen Partei, die „Themen der Bürger“ zum Gegenstand meines Handelns zu machen?

Habe ich die per se auf meiner Agenda, weil ich gewählter Vertreter bin oder wirkt die gesellschaftliche Veränderung stärker und schneller als erwartet?

Kann das Zuhören mit anschließenden Verkündungsterminen heute noch erfolgreich sein?

Offenbar braucht es einen transparenten Beteiligungsprozess für die Bürger, wo aus Betroffenen Beteiligte gemacht werden, am Ergebnis Beteiligte.

Wie man sieht gibt es alle Schattierungen der Argumentation,

  • von belästigender Stimmungsmache,
  • von fehlendem Vertrauen, weil die sowieso machen, was sie wollen,
  • vom gerissenen Gesprächsfaden (Bürgermeisterkandidat Frank Stein),
  • trotz Unterschriftenlisten von vielen Bürgern,
  • nicht übereinander, sondern miteinander sollte man reden,
  • vom Lagerdenken,
  • von der wachsenden fehlenden Fähigkeit zum Kompromiss,
  • der zunehmend egoistischen Prägung der fordernden Bürger,
  • von der Forderung nach besserer Diskussionskultur und nach dem „Wir“ im Vordergrund (Bürgermeisterkandidat Christian Buchen)
  • und davon, dass die gewählten Vertreter doch bestimmen, was am Ende mehr oder besser dem Gemeinwohl dient.

Kann es sein, wenn allein 6 (sechs) Jahre vergehen müssen, bis eine geeignete Option für ein Grundstück für eine neue Feuerwache gefunden ist, dass wir etwas Grundlegendes verkehrt machen?

Wenn wir denn dazu auch noch politisch zulassen oder gar mitwirken, dass die einzelnen gesellschaftlichen Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und insbesondere der Feuerwehr für ihre fordernde Arbeit, die uneingeschränkt dem Gemeinwohl dient, eine den Anforderungen und Erwartungen gerecht werdende Unterbringung zeitnah verweigern, dann sind auch grundlegende Antworten gefragt.

Der Bürger als Souverän, hat die Möglichkeit bei der Kommunalwahl seine Entscheidung zu treffen.

Hinweis der Redaktion: Der Autor ist Mitglieder der „Initiative Berg”, die sich u.a. für den Erhalt der Bäume in der Schlossstraße einsetzt. Er gibt hier seine persönliche Meinung wieder. 

Weitere Beiträge zum Thema:

Stadt prüft neue Feuerwache im Wald an der A4

2000 Unterschriften für die „Rettung des Frankenwalds”

Bündnis will Standort für Feuerwache offen prüfen

Naturschützer lehnen Feuerwache im Wald ab


.

Lothar Eschbach

ist Bergisch Gladbacher Bürger und gebürtiger Bensberger, er hat als IT-Manager jahrzehntelang in der ganzen Welt gearbeitet und lebt nun wieder in Bensberg.

Nehmen Sie an der Konversation teil

6 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Bei dem Gebäude An der Steinbreche handelt es ich um die Rettungswache West und dem Feuerwehrgerätehaus des LZ Refrath.

    Eine Feuerwache ist per Definition ein 24 Stunden besetztes Feuerwehrgebäude.

  2. Da hat Lothar Eschbach eine gelassen klare „Luftaufnahme“ der bestehenden Lage und Probleme „geschossen“.

    Und im letzten Satz auf die Möglichkeit des (relativ) zeitnahen Ziehens von Konsequenzen daraus hingewiesen

    – Denn nichts m.o.w. dringend Verbesserungsbedürftiges muss unverbessert (und unverbesserlich) bleiben;
    der Bürger / Wähler vs. eben „oberste Souverän” hat‘s doch und mindestens bei den Wahlen in der Hand …

    Vorausgesetzt, eine entsprechende (heißt immer auch ideologiefreie, sachintelligente, konstruktive) Qualität von besseren Ansätzen / Konzeptionen / Problemlösungen verbindet sich (bei regulären Wahlen oder in gezielten Projektinitiativen) mit zureichend gewichtiger Quantität …

    Bei den kommenden K-Wahlen kann z.B. die renovierende oder innovative Ernsthaftigkeit v.a. des sozusagen „angreifenden“ Ampelterzetts (aber auch der vom Koalitionspartner plötzlich verlassenen und „aufgeschreckten Schwarzen“) anhand zweier elementarer Punkte überprüft werden:

    Wird der Wahnwitz eines Stadtautobahn-Baus über den Bahndamm (im Jahre 2020ff. …??!) ausdrücklich und endgültig „beerdigt”?

    Wird der, sagen wir ‚mal: „problematische“ FNP (ohne jede nachkatende Vergangenheitsbewältigung), ebenso zeitnah entschlossen wie praktisch wirksam, durch einen zukunftsfähig gesamtheitlichen Stadtentwicklungsplans ersetzt (insbes. unter Einbezug der Zanders-Perspektiven)?

    Wenn da von den beiden größten „Blöcken“ keine klaren Signale kommen / kämen, wäre / ist es eigentlich wurscht, ob das Kreuz da oder dort landet …

    Davon abgesehen steht zu hoffen, dass besagte K-Wahlen sich bestenfalls im Zeichen dessen entfalten, was Lothar Eschbach skizziert hat:

    Eine produktive Auseinandersetzung um (reichlich vorhandene) kommunal relevante wie fokussierte Themen
    – inklusive zeitgemäß neuer und praktikabel konstruktiver Formen zielführender Bürgerbeteiligung, die gerade auf kommunaler Ebene doch ihren passenden Raum finden.

    Ebenso ist zu hoffen, dass der kommend kommunale Wahlkampf nicht vom derzeit allgegenwärtig latenten bis akuten und leider üblich dumpfen Heißwasserdampf exaltierten RechtsLinks/LinksRechts-Geschreis vernebelt wird.

  3. Der gesamte Suchprozess nach einem Grundstück für die neue Feuerwache muss dringend transparent gemacht werden!

    Wir brauchen eine neue Feuerwache. Punkt.

    Unsere Verwaltung beschäftigt sich seit Jahren mit der Suche und hat nichts unversucht gelassen und viele potentielle Grundstücke auf ihre Eignung überprüft. Genau diese Suche nachzuzeichen ist essentiell wichtig, um nachvollziehen zu können, wie es zu dem jetzt präferierten Vorschlag kommt.
    Im Moment wirkt es in der Öffentlichkeit so, als ob dies Grudnstück mal eben aus dem Hut gezaubert wurde.
    Die Bürger müssen wissen, was die Suchkriterien sind, welche Standorte von der Lage her überhaupt in Frage kommen und vor allem, welche geeigneten Grundstücke wieder verworfen werden mussten, weil Eigentümer nicht verkaufen wollen, der Untergrund nicht mitspielt, sie zu teuer sind, zu steil, etc. Dies alles muss den Bürgern offen gelegt werden, damit wirklich abgewogen werden kann.
    Ohne das der Findungsprozess auch für die Öffentlichkeit nachvollziehbar wird, wird man keine Einigung für irgendein Grundstück erzielen können.

    Im Moment habe ich den Eindruck, dass durch fehlende Kommunikation der Hauptschaden entsteht.

    Nächste Woche erst kommt die Feuerwehr in die Fraktion der GRÜNEN.

  4. Nur mal so zur Klarstellung:
    Es gibt keine Feuerwache Refrath – das ist eine Rettungswache. Also Sanitäter, keine Brandbekämpfung!
    Es geht um eine neue Feuerwache!