Eine eigene Arbeitsgruppe der Klimafreunde Rhein-Berg kümmert sich um das Thema Verkehr – weil auf diesem Gebiet in der Autostadt Bergisch Gladbach rasch etwas geschehen muss. In einem ersten Schritt hat sie eine Reihe von Forderungen aufgestellt.

Die Bürgerinitiative Klimafreunde Rhein-Berg hat mittlerweile über 30 Mitstreiter. Um die vielen Themen und Probleme rund um die drängenden Klimafragen bewältigen zu können, hat sich die Initiative in 7 Arbeitsgruppen aufgeteilt. Eine dieser Arbeitsgruppen ist die AG Verkehrswende.

Wie der Name bereits impliziert, setzt sich die AG für die dringend erforderliche Verkehrswende in Bergisch Gladbach ein. Sie sieht in diesem Bereich akuten Handlungs­bedarf und will konkrete Forderungen und Verbesserungs­vorschläge erarbeiten, die der Kommune unterbreitet werden sollen.

Der Autoverkehr in Bergisch Gladbach ist nach wie vor überproportional hoch und trägt zu einem erheblichen Maß an dem klima­schädlichen Ausstoß von CO2 bei. Die Straßen­infrastruktur stößt schon lange an ihre Grenzen! Wir erleben fast täglich den Verkehrsinfarkt: Staus, Abgase und Lärm gehören zu unserem Alltag und schränken unsere Lebensqualität in erheblichen Maße ein.

Verkehrswende mehr als überfällig!

Schon vor Jahren hat die Stadt erkannt, dass es so nicht weitergehen kann und gab eine groß angelegte Untersuchung in Auftrag. Die Ergebnisse und Maßnahmen­vorschläge wurden 2016 im Mobilitäts­konzept (MobiK) festgelegt, das vom Ausschuss für Umwelt, Klima und Verkehr (AUKIV) beschlossen wurde.

Ein zentrales Anliegen des MobiK ist die Verringerung des Autoverkehrs sowie der Ausbau alternativer Mobilitätsangebote, u.a. die deutliche Stärkung der Infrastruktur für Fußgänger und Radfahrer sowie ein Ausbau des ÖPNV.

Leider ist es bei den guten Vorsätzen geblieben. Nur Wenig wurde bisher umgesetzt, an der Verkehrssituation hat sich kaum etwas verändert. Im Gegenteil: Der Autoverkehr nimmt immer weiter zu!

Um eine Änderung des Modal-Splits zugunsten alternativer Verkehrsarten zu erreichen, muss der vorhandene Verkehrsraum dringend neu verteilt werden, und zwar so, dass auch die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger ganz wesentlich verbessert werden und für die Gladbacher eine echte Alternative zum Auto darstellen.

Forderungen der AG Verkehrswende

  • Deutliche Reduktion des verkehrsbedingten CO2-Ausstoßes und anderer Schadstoffe wie Stickoxid (NOx) und Feinstaub durch die Verringerung des Autoverkehrs (Geschwindigkeitsbegrenzung im innerstädtischen Bereich mit Tempo 30, Parkraum­freigabe für den Rad- und Fußverkehr, Stadtdurchfahrt nur für diesel­freie Fahrzeuge).
  • Deutliche Stärkung des Radverkehrs durch den zügigen Ausbau und signifikante Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur (Ausbau und Verbesserung von Radwegen, Fahrrad­straßen, Radschnell­wegen, Protected Bikelanes, Lückenschluss von Radwege­netzen, gesicherte Abstell­plätze, Freigabe von Einbahn­straßen für den Radverkehr u.v.m.).
  • Deutliche Stärkung des Fußverkehrs (mehr Raum, gesicherte Überwege, kurze Ampel­phasen)
  • Deutliche Verbesserung eines klima­freundlichen ÖPNV (deutlich günstiger, einfache Tarifsysteme, kürzere Takte und bessere Anbindungen vor allem in ländlichen Gebieten, Einsatz von klima­freundlichen Verkehrs­mitteln wie E-Busse oder Wasserstoff­busse)
  • Einführung und regelmäßige Durchführung eines Runden Tisches „Verkehrswende in GL” mit der Beteiligung von Verbänden wie ADFC, VCD und weiteren Fahrrad- und Klima-Initiativen zur Erarbeitung von klima­freundlichen Verkehrs­konzepten.
  • Schnelle und konsequente Umsetzung des bereits 2016 erarbeiteten Mobilitäts­konzepts.

Statt auf “Geht doch nicht!” will sich die AG Verkehrswende auf folgende Fragen fokussieren: “Wie kann es gehen?” oder “Welche Lösungen gibt es für die Verkehrsprobleme in Bergisch Gladbach?”

Mut zur Veränderung statt Denkblockade  – das ist das Motto, das uns antreibt für den Erhalt einer lebenswerten Stadt im Grünen – für uns und unsere Kinder ….

Konkrete Ideen und Verbesserungs­vorschläge nimmt die Klimafreunde AG Verkehrswende jederzeit gerne entgegen. Sie freut sich auch über engagierte Mitarbeit. Schreibt euer Anliegen einfach an verkehrswende@klimafreunde-rheinberg.de.

Weitere Infos unter www.klimafreunde-rheinberg.de

Klimafreunde RheinBerg

Die Klima Freunde sind ein private Initiative von Bürgern, die in Bergisch Gladbach möglichst viele Leute für den Klimaschutz mobilisieren will. Kontakt: info@klimafreunde-rheinberg.de

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8 Kommentare

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  1. Nachtrag zum Thema „Ausweichgleis“. Eine solche Vorrichtung kann nicht an beliebiger Stelle gebaut werden. Üblicherweise ist es dort, wo sich die Züge zur Symetrieminute begegnen, da ansonsten ein Zug warten muss (oft ein Haltepunkt, seltener auf offener Strecke). Zudem muss das Gleis dem Bremsweg für die Streckengeschwindkeit entsprechend lang genug sein. Wo sollte das also hingebaut werden?

  2. Wenn lt. Bahn ein durchgängiges zweites Gleis notwendig ist, bin ich eher geneigt den Experten zu glauben. Jede Weiche ist schließlich ein potentieller Störungsgrund und erhöht den Aufwand im täglichen Betrieb. Damit stände nämlich zu befürchten, dass auch bei einem 10-Minuten-Takt nur jeder zweite Zug bis Bergisch Gladbach durchfahren würde.
    Aber auch aus rein technischer Sicht: die Ertüchtigung des Gladbacher Bahnhofs mit einem zweiten S-Bahn-Gleis wäre mit dem aktuellen Stellwerk (Baujahr 1911) wohl nicht machbar. Hier müsste schon erheblich in die Leittechnik investiert werden. Zudem macht ein 10-Minuten-Takt der S11 erst dann Sinn, wenn von Kölner Seite aus die Voraussetzungen dafür geschaffen wurden. Momentan liegt das Nadelöhr nämlich zwischen Deutz und Hbf. Hier müssen erst Gleise angebaut werden, früher ist eine Taktverdichtung nicht möglich.
    Zumindest bekommt Köln Hbf demnächst schon mal ein neues Estw-Stellwerk. Ein erster Schritt.

  3. Ob Ausweichstellen ausreichen, kann ich mangels Expertenwissen nicht beantworten. Aber ich kann Ihnen meine Erfahrungen nach zwei Jahren pendeln mit der S11 berichten. Das Hauptproblem sind die ausfallenden Züge, häufig, weil Verspätungen kompensiert werden müssen. Das bedeutet dann, dass die Züge aus Köln kommend in Dellbrück enden und dort wieder Richtung Düsseldorf starten. In Duckterath und Bergisch Gladbach steht man dann min. 20 min extra. Wer dann noch Anschlüsse erreichen möchte, verpasst diese und es dauert dann noch länger. Wäre die S11 zuverlässig, würde es auch mit der schlechten Taktung halbwegs funktionieren.
    Ich bin jedenfalls froh, dass ich wieder in Bensberg und an der Linie 1 wohne. Wer früh losfährt, kennt die o.g. Sorgen nicht.

  4. @Peter van Loon : Fantastische Idee, die Sie da haben – ich habe es nicht nachgerechnet – doch das könnte funktionieren, ist aber eine viel zu einfache und vor Allem zu preiswerte Lösung; stellen Sie sich mal vor wieviel Geld in den x-Jahren in diverse Taschen flösse, wenn man die Version mit den 2 Gleisen durchzieht ;-))

    Aber Spaß beiseite, Verkehrswende:
    Die Kölner haben doch seit einiger Zeit die komplette Bergisch Gladbacher Strasse auf
    Tempo 30 gesetzt, wegen des Lärmes, ich bin schon 2 mal geblitzdingst worden. SuperIdee finde ich, weil die Autofahrer in exakt der gleichen Zeit am Ziel sind, und weniger anfahren und abbremsen müssen. Völlig irritierend gibt man dann ab Ende Dellbrück wieder Gas > > (freie Fahrt für freie Bürger…) und steht in GL dann an der nächsten roten Ampel. Aus der Traum und nix gewonnen, ’n paar Radler überholt, die aber schon wieder da sind :-))
    Also bitte, das Tempolimit will ich hier auch in GL, ihr werdet sehen, das hat nur Vorteile !
    keep on truckin´

  5. Wer sagt eigentlich, dass für einen 10 Minuten Takt der S-Bahn ein zweiter Gleis notwendig ist? Die einzige Notwendigkeit besteht in einem zusätzlichen Zug. Der muss halt 10 Minuten in Bergisch Gladbach stehen und warten, wo ist das Problem? Das ist wesentlich günstiger als ein zweiter Gleis und kann vor allen Dingen sofort realisiert werden.
    Alternativ wäre eine Ausweichbucht von 100 Metern Länge eine günstige Lösung – statt eines zweiten Gleises. So funktioniert das auf der Strecke Rösrath – Meinerzagen.

  6. Die Einwände der Klimafreunde Rhein-Berg kann man ohne jede Gegenrede so stehen lassen, bei manchen Konsequenzen daraus tue ich mich schwer..

    – Das Stadtdurchfahrtverbot für Dieselfahrzeuge kommt einer Teilenteignung aller Dieselfahrer gleich und würde wohl erst in 10 Jahren einen Nutzen merkbar machen.

    – Neben der Stärkung des Radverkehrs ist auch eine „deutliche“ Verbesserung des Verhaltens der Radfahrer zu fordern.

    – Auch die Fußgänger könnten sich stärker gesetzeskonform verhalten, indem sie nicht bei Rot und nicht in der Mitte der Straße (besonders ältere Menschen) selbige queren.

    – Wasserstoffbusse ok, Elektrobusse: Wo soll der ganze Strom herkommen, wenn schon hunderttausende PKWs Strom entnehmen.

    – Runder Tisch gegen das Verkehrschaos und MOVIK scheinen in Bergisch Gladbach Schnee (den gibt es ja schon nicht) von gestern zu sein.

    Unsere Verwaltung wie ähnliche Abteilungen in D’dorf und in Berlin, dort angeführt von Herr Scheuer, haben stets und fast alleine das Wohl der Automobilindustrie im Auge. Die Tatsache, dass wir nur Entspannung Im Verkehrschaos und bei den Emissionen erhalten, wenn die Autos langsam aber sicher von der Straße weggeholt werden statt ihnen immer breitere und größere Wege zu ebnen, scheint allenthalben ignoriert zu werden.

  7. Sehr gut, bitte dranbleiben und weiter Druck machen (wir alle)!

    Ein wichtiger Punkt fehlt: Der Ausbau des Schienennetzes.
    Um zuverlässig und schnell viele Menschen zu bewegen, sind Busse in einer ‚Großstadt‘ nicht ausreichend – wir brauchen mehr S- und Straßenbahnen!

    Die S-Bahn muss schnellstmöglich zweigleisig werden, um im 10-Minuten-Takt fahren zu können. Außerdem müssen mehr Stadtteile einen Straßenbahnanschluss bekommen: Die Linie 1 bis Herkenrath, eine neue Linie von Dünnwald über Schildgen nach Odenthal und ein Abzweig von der Linie 1 über den alten Bahndamm in die Innenstadt. Das dauert viele Jahre, diese Zeit muss mit (deutlich) mehr Bussen überbrückt werden. Die Planungen können jedoch sofort beginnen, das heißt im Klartext: Machbarkeitsstudien und Flächensicherung für die Trassen!