Kindesmissbrauch in ungeahntem Ausmaß, jugendliche Einbrecher oder Schüsse auf eine Shisha-Bar beherrschen die Debatte. Doch die Zahl der Straftaten ist in Bergisch Gladbach und RheinBerg ein weiteres Mal gesunken, auch Gewalt- und Straßenkriminalität gehen zurück.

Das Wichtigste vorab:

  • Zahl der Straftaten ist im Kreis um 7, in der Stadt um 10 Prozent gesunken
  • Historisch niedrigster Stand
  • Aufklärungsquote steigt minimal
  • Weniger Gewalt- und Straßenkriminalität
  • Mehr schwere Körperverletzungen
  • Wohnungseinbrüche gehen kaum zurück, aufgrund von Personalengpässen
  • Betrug an Senioren bleibt ein großes Thema
  • Deutlich mehr Angriffe auf Uniformträger
  • (Unverändert) 400 Mitarbeiter der Kreispolizei

Hell- und Dunkelfeld

Seit fünf Jahren verkünden der Landrat und die Kreispolizei bei der Vorlage der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik (PKS) rückgehende Zahlen – und jedes Mal müssen eingestehen, dass Statistik und Sicherheitsgefühl der Bürger oft nicht übereinstimmen. „Unsere Statistik ist nicht deckungsgleich mit der Realität, die Polizei erfasst nur das Hellfeld, das Dunkelfeld bleibt verborgen“, erläutert Stephan Santelmann, als Landrat auch der Chef der Kreispolizei. Je emotionaler die Debatten würden, desto wichtiger seien die Fakten.

Und die zeichnen für 2019 – auch im Vergleich zu den Vorjahren – ein klares Bild: RheinBerg ist eine sichere Region, in ganz NRW weisen nur drei Kreise weniger Kriminalität aus – und die liegen weitab von jeder Metropole. Zudem ist die Zahl der polizeilich bekannten Straftaten noch einmal gesunken: in RheinBerg um 7 Prozent. Und in Bergisch Gladbach um 16,3 Prozent auf jetzt noch 981. (Details siehe unten.)

Die Zahl der registrierten Straftaten fiel in RheinBerg um zehn Prozent und ist mit 12.203 Fällen so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. In der Stadt Bergisch Gladbach ging sie ebenfalls um 10,5 Prozent zurück.

Die Aufklärungsquote kletterte nur wenig, liegt jetzt aber erstmals über 53 Prozent.

Entscheidend für den Vergleich der Sicherheit zwischen Städten und Regionen ist die sogenannte Häufigkeitszahl: sie gibt an, wieviele Straftaten pro 100.000 Einwohner registriert werden – und damit, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, Opfer einer Straftat zu werden.

Diese Häufigkeitszahl sank im Kreis um 300 Punkte auf 3999. In Bergisch Gladbach reduzierte sich die Häufigkeitszahl sogar um knapp 900 Punkte auf 4493 – womit die Großstadt GL immer noch sehr viel sicherer ist als der NRW-Durchschnitt (6847 Straftaten je 100.000 Einwohner).

Gewalt- und Straßenkriminalität

In die Polizeistatistik gehen alle Straftaten ein, auch kleine Ladendiebstähle oder Betrügereien – die das Bild mitunter verzerren können. Für das sujenktive Sicherheitsgefühl entscheidender seien dagegen Gewaltverbrechen und Straßenkriminalität, betont Kriminaloberrat Ralf van Uden. Auch hier gebe es positive Entwicklungen.

Die Gewaltkriminalität ging im Kreis um 6,8 Prozent, in Bergisch Gladbach sogar um 14 Prozent auf jetzt noch 190 angezeigte Fälle zurück. Dazu zählen auch zwei „Straftaten gegen das Leben“, eine mehr als im Vorjahr. Dabei handelte es sich zum einen um die Schüsse auf die Shisha-Bar am Bahnhof sowie um den Verdacht einer fahrlässigen Tötung in einem Ärzteverfahren.

Die Straßenkriminalität sank im Kreis um 16 Prozent, in Bergisch Gladbach sogar um 30 Prozent auf jetzt noch 1157 Fälle.

Die Zahl der Körperverletzungen reduzierte sich im Kreis um 4,7 Prozent, in Bergisch Gladbach um 4,9 Prozent auf 540 Fälle. Allerdings, so van Uden, sei die Zahl der gefährlichen oder schweren Körperverletzungen um 20 auf 290 geklettert. Dabei sei aber kein Muster und auch kein regionaler Schwerpunkt erkennbar: „Es gibt keine Häufungen von diesen Fällen, auch nicht in der Gladbacher Innenstadt.“

Die Zahl der Raubüberfälle ist im ganzen Kreis um 38 Prozent auf 73 gefallen. In Bergisch Gladbach gingen sie sogar um 49 Prozent auf 38 zurück – allerdings waren sie hier im Vorjahr um 30 Prozent gestiegen.

Kripo-Chef Ralf van Uden und Landrat Stephan Santelmann stellen die Kriminalstatistik vor

Wohnungseinbrüche auf niedrigem Niveau

Bei den Wohnungseinbrüchen fährt die Kreispolizei seit einigen Jahren ein konzentriertes und erfolgreiches Programm, die Zahl war in den beiden Vorjahr deutlich gedrückt worden – und sank in 2019 um 0,8 Prozent auf 471 Fälle. In Bergisch Gladbach gingen sie dagegen noch einmal deutlich um 28 Prozent auf 171 Fälle zurück.

Zu diesen zahlen werden auch die gescheiterten Versuchen gerechnet. Ihr Anteil ist mit 52 Prozent weiter hoch – was die Polizei als Erfolg der Präventionsarbeit wertete.

Die Tatsache, dass bei den Wohnungseinbrüchen keine weiteren großen Fortschritte erzielt wurde und das sich die Aufklärungsquote von 20 auf 10 Prozent halbierte begründet van Uden auch mit der hohen personellen Belastung der Kripo durch den Kindermissbrauchsfall; daher habe die Arbeit einer speziellen Kommission ausgesetzt werden müssen.

Sexualdelikte

Die dramatischen Fälle von Kindesmissbrauch und -pornographie, die im vergangenen Jahr in Bergisch Gladbach aufgedeckt wurden, spielen in der Statistik kaum eine Rolle. Denn nur einer der Tatverdächtigen kommt aus RheinBerg.

Daher betont Landrat Santelmann, dass es sich bei Bergisch Gladbach nicht „um das Zentrum des Kindesmissbrauchs handelt. Sondern um den Ort, wo auch durch die beharrliche Arbeit der Polizei der Einstieg in die Zerschlagung eines Missbrauchsrings gelang“. Schon seit Juni 2016, ergänzt van Uden, habe sich die Kripo RheinBerg auf das Thema Kindesmissbrauch konzentriert – was zur Aufdeckung des Falls beitrug.

Betrug an Senioren

Nach wie vor ein riesiges Thema sind die Betrugsfälle zu Lasten älterer Mitbürger. Die Täter agierten in der Regel von Callcentern in der Türkei, geben sich als Polizisten aus und setzen ihre Opfer so massiv unter Druck, dass diese große Geldsummen oder Schmuck herausgeben.

Mit einer Reihe von Fällen, die sich gegen Jahresende zutrugen, erreichte die Gesamtzahl in etwas wieder das Vorjahresnivau berichtet van Uden. Die Schadenssumme nur in 2019 beziffert er auf rund 820.000 Euro.

Nach wie vor gelten hier die Warnhinweise der Polizei, die sich auch an Angehörige und Bankmitarbeiter richten.

Negativer Trend bei Jugendlichen gebrochen

Im vergangenen Jahr hatte van Uden auf steigende Fallzahlen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen berichtet. Dieser Trend sei jedoch gestoppt worden.

Eine besondere Rolle hatte 2019 die Serie von Schul- und Kitaeinbrüchen in Bergisch Gladbach gespielt, die Polizei und Betroffene über Wochen lang in Schach gehalten hatte. Relativ schnell hatte die Polizei jedoch eine ganze Reihe von Tatverdächtigen ermittelt und den konkreten Taten zuordnen können. Elf von ihnen waren – was ungewöhlich ist – in Untersuchungshaft genommen und inzwischen zu erheblichen Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt worden.

Ausländische Tatverdächtige

27 Prozent der Tatverdächtigen hatten im vergangenen Jahr keine deutsche Staatsbürgerschaft (1311 zu 1447 in 2018). 400 der Verdächtigen (8 Prozent) ordnet die Statistik als Zuwanderer ein. Im Vorjahr waren es 375, in 2016 sogar noch 583.

Die These, dass die starke Zahl von Flüchtlingen und Migranten in 2015 und 2016 zu einem Anstieg der Kriminalität führten lässt sich mit den Daten nicht belegen; die Gesamtzahl der Straftaten gehe bereits seit 2014 Jahr für Jahr zurück.

Worauf gehen die Erfolge zurück

Eine echte Erklärung für die sinkenden Kriminalitätszahlen kann die Kreispolizei nicht liefern; die eigene Arbeit dafür alleine anzuführen, sei vermessen, sagt van Uden.

Aber offensichtlich habe sich das Konzept der RheinBerger, die Fälle über die Grenzen der internen Abteilungen hinweg zu bearbeiten, als sinnvoll herausgestellt. Zudem habe die Kreispolizei die Entwicklungen sehr genau im Augen. „Und wenn wir uns irgendwo festbeißen, dann richtig“, sagt van Uden. Das habe sich beim Aufspüren der jugendlichen Einbrecher auch öffentlich gezeigt – und „spricht sich herum“.

Auf einen höheren Personalbestand kann sich die Polizei nicht berufen. Die Direktion RheinBerg ist schon damit zufrieden, dass sich ihre Ausstattung nicht verschlechtert, sondern zuletzt ganz leicht verbessert hat. Ingesamt 400 Personen sind bei ihr beschäftigt, davon rund 100 im Bereich Kriminalität.

Dokumentation

Die Polizeiliche Kriminalstatistik für die Vorjahre finden Sie hier zum download: 2018, 2017, 2016, 2015

Weitere Beiträge zum Thema

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.