Jürgen Füllenbach und Olaf Schmiedt, Vorstände der Bensberger Bank

Digitalisierung und Nullzinsen verändern das Geschäftsumfeld der Banken erheblich. Die Bensberger Bank reagiert mit einer weiteren Fokussierung auf komplexe Beratungen – und gründet eine Tochterfirma.

Das vergangene Geschäftsjahr war bei der Bensberger Bank von der Umstellung der gesamten EDV dominiert. Mit hohem Personalaufwand wurde diese Aufgabe gestemmt, jetzt ist die Bank für eine weitere Digitalisierung vieler Vorgänge gerüstet. Jetzt könne sie wieder in den Kernkompetenzen Gas geben, berichteten die Vorstände Olaf Schmiedt und Jürgen Füllenbach bei der Vorstellung der Ergebnisse 2019.

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„Wir fühlen uns wie nach dem Sport, angenehm kaputt”, schildert Schmiedt den Gemütszustand in der kleinen Genossenschaftsbank an der Schlossstraße. Mit den Ergebnissen sei er „sehr zufrieden”. Die Bilanzsumme konnte trotz des schwierigen Umfelds um 2,3 Prozent auf 538 Millionen erhöht werden, rund 500 neue Kunden gewann die Bank hinzu.

Digitale Angebote bei jungen Kunden gefragt

Dem Trend zur Digitalisierung verweigere sich die Bank nicht, im Gegenteil: „Wir machen alles mit, wir bieten alles an”, betont Füllenbach. Auch bei der Bensberger Bank kann man sich spätabends auf der Website über eine Immobilienfinanzierung informieren, seine Bonität prüfen lassen, ein Angebot erstellen lassen und auch gleich den Vertrag abschließen.

„Wenn Sie es mögen”, betont Füllenbach. Gerade jüngere Kunden, die an möglichst einfache Bankgeschäfte auf dem Handy gewohnt sind, mögen das tatsächlich.

Vermögende Privatkunden im Fokus

Die Kernkompetenz der Bensberger Bank ist jedoch eine andere. „Wir werden nie eine Direktbank sein, unsere Spezialität ist die Beratung bei komplexen Vermögensfragen”, sagt Schmiedt. Die Bank bedient vor allem Privatkunden – und der Teil der vermögenden Klienten mit indivduellen Wünschen nehme stetig zu.

Immerhin 13 Prozent des Geschäftsvolumens entfallen auf die individuelle Vermögensberatung, ein deutlich überdurchschnittlicher Wert. „Und dafür muss man keine Million mitbringen”, sagt Füllenbach. Die Bensberger hatten von der Schließung der Deutschen Bank-Filiale profitiert, mit dem Abzug der Badischen Beamtenbank könnten weitere neue Kunden kommen.

Geldanlagen in Zeiten des Nullzins

Ein Schwerpunkt liegt schon immer Immobilienfinanzierungen, hier legte die Bensberger Bank im vergangenen Jahr um 20 Millionen Euro (3,8 Prozent) zu.

Sogar bei den zinsfreien Anlagen (Termin- und Spareinlagen) nahm die Bank 19 Millionen Euro mehr an, insgesamt waren es 394 Millionen Euro.

Der Zustand, für sein Geld keine Zinsen zu bekommen, werde noch ziemlich lange anhalten, sagt Füllenbach voraus. Junge Erwachsene würden so etwas wie den Zinseszinseffekt gar nicht mehr kennen.

Inzwischen denken jedoch, das berichtet Schmiedt, immer mehr Kunden darüber nach, mit ihrem Geld wenigstens einen Ausgleich für die Inflation zu erwirtschaften – und den Kauf von Aktien oder Fonds in Erwägung zu ziehen. Auch in diesem Bereich verzeichnete die Bank ein Zuwachs von zehn auf 333 Millionen Euro.

Diese Konzentration auf Beratungen wirke sich auch in der Mitarbeiterschaft. Auch wenn an der Kasse immer weniger zu tun ist verliere keiner der aktuell 111 Mitarbeiter:innen seinen Job, stellt Füllenbach klar. Aber sie müssten zum Teil andere Aufgaben übernehmen und sich weiterqualifizieren.

Neues Tochterunternehmen gegründet

Einen Neustart macht die Bensberger Bank im Immobilienbereich. Die frühere Partnerschaft mit Immobilien Hamacher wurde aufgelöst und statt dessen die teamwerk Immoblien GmbH gegründet. Damit könne die Bank die Immobilien, die sie ohnehin finanziert, ihren Kunden selbst vermitteln, erläutert Schmiedt.

Dadurch könne die Bank die Risiken besser einschätzen und den eigenen Ertrag erhöhen. Zudem hofft Schmiedt auf einen Schneeballeffekt: jeder Interessent für eine Immobilie ist ein potentieller neuer Kunde.

„Eigentlich ein Wunder, dass wir drauf nicht schon früher gekommen sind”, sagt Schmiedt – und denkt schon weiter: mit „teamwerk” sei bewusst ein Kunstname gewählt worden, weil man das Konzept zwar für den Eigenbedarf entwickelt und aufbaut, dann aber Franchise-Nehmern anbieten will. Die Partner übernehmen dann die Immobilienvermittlung, das Kreditgeschäft bleibt bei der Bensberger Bank.

Bei Genossen genau hinschauen

Vermögende Privatkunden und Immobilien sind zwei Bereiche, mit denen die Bank ihren eigenen Ertrag sichern will. Denn der Nullzins macht es ihr schwerer, Geld zu verdienen. Zahlen zum Gewinn und zur Dividende legt die Bank erst später im Jahr zu Mitgliederversammlung vor. „Wachstum und Ertrag passen”, mehr sagt Schmiedt im Moment nicht dazu.

2018 waren Ertrag und Dividende deutlich zurückgegangen, dafür war u.a. der Aktienmarkt verantwortlich.

Dennoch ist die Dividende für die Genossenschaftsmitglieder so hoch, dass auch Kunden anderer Banken Anteile zeichnen. Wenn sich daraus keine Geschäftsbeziehungen ergeben ist das für die Bensberger Bank jedoch ein Grund, die Mitgliedschaft zu kündigen.

Das führte – zusammen mit demographischen Faktoren – dazu, dass die Zahl der Genossen 2019 zum ersten Mal um 73 auf 8664 leicht gesunken ist. Nach wie vor werde aber jeder zweite Neukunde Mitglied.

Im vergangenen Jahr hat die Bank 61 soziale und karitative Projekte unterstützt, mit Spenden von insgesamt 48.000 Euro. Darüber hinaus vergab die Bensberger Bürgerstiftung, in der auch die Bankvorstände ehrenamtlich arbeiten, 25.000 Euro.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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