Durch den Start der Bürgerbeteiligung zur Gestaltung der Grünanlage in Bensberg sind der Deutsche Platz und der Hindenburgplatz für viele zum ersten Mal ins Bewusstsein gerückt. Unser Autor war in Bensberg vor Ort, hat die beiden Plätze in Augenschein genommen, Passanten befragt – und ein zweites „Helden”-Denkmal entdeckt.

Deutscher Platz oder Hindenburgplatz? Das ist hier die Frage. Ein Straßenschild mit dem Namen „Deutscher Platz“ habe ich in Bensberg zwischen Kölner und Gladbacher Straße nicht gefunden. Lediglich dieses Bushaltestellen-Schild.

Oder versteckt sich doch irgendwo ein Straßenschild, welches den Platz, der eigentlich ein Park ist, mit diesem Namen benennt?

Auf jeden Fall gibt es ein Straßenschild mit dem Namen „Hindenburgplatz“. Und hier ist sogar ein Hinweis auf die Fragwürdigkeit dieses Namens zu finden. 

Mir sind allerdings keine aktuellen kritischen Diskussionen von Historikern über die Mitwirkung Hindenburgs bei der Machtübertragung bekannt. So viel ich weiß, besteht heute darüber Einigkeit. Deshalb scheint mir eine weitere Benennung mit „Hindenburgplatz“ als mehr als fragwürdig.

Am besten kommt man aus diesem Dilemma vielleicht heraus, wenn man sich auf „Friedensplatz“ einigen würde. Dazu passt auch das, was die Bahai-Gemeinde auf ihrer Baumspende in dem Park vermerkt hat:

Ich hatte Gelegenheit, bei meinem Besuch des Parks zwei Mitbürger nach einer möglichen Neugestaltung des Parks zu fragen. 

Eine junge Mutter, die seit 4 Jahren in Bensberg lebt, ist der Meinung, dass die Anlage so bleiben soll, wie sie ist. Sie wünscht sich lediglich eine Schaukel für ihr Kind auf dem Spielplatz. 

Hinweis der Redaktion: Der Deutsche Platz ist die Grünfläche am westlichen Ende der Schlossstraße, zwischen Gladbacher und Kölner Straße. Der Hindenburgplatz schließt sich als Dreieck nach Süden an. Im Rahmen des InHK Bensberg soll er neu gestaltet werden, die Bürgerbeteiligung ist im Netz gerade angelaufen.

Open Street Map

Auch ein 90jährige Bürger will den Platz so erhalten wie er ist. Er wohnt schon seit 1952 in Bensberg. Er findet allerdings, dass die Begriffe „Treue“ und „Held“ an den beiden Denkmälern kommentiert werden sollte. Als Kriegsteilnehmer hat er selber unter dem Missbrauch dieser Begriffe gelitten. 

Und damit kommen wir zu den beiden – auf jeden Fall erhaltenswerten -Denkmälern. 

Das ist zunächst das Gefallenen-Denkmal. Auf den ersten Blick könnte es als martialisch empfunden werden. Stahlhelme und Schwert könnten darauf hinweisen. 

Doch kann man den Gesichtern unter den Stahlhelmen bei einigem guten Willen auch etwas Leidendes entnehmen. Und die Natur selber macht uns vor, wie man das Denkmal in Richtung Frieden verändern könnte.

Fragwürdig bleibt allerdings der Begriff „Treue“. Wer ist hier wem treu? Eine kleine Glastafel könnte auf diese Fragwürdigkeit und den historischen Missbrauch dieses Begriffs aufmerksam machen.

Im Zeitalter der Apps könnte man aber auch auf einen längeren Text dazu aufmerksam machen. Bei der Formulierung dieses Textes wäre ich gerne behilflich, und der Bergische Geschichtsverein sicher auch   

Bei dem zweiten Denkmal handelt es sich um Komplizierteres: Um den angeblichen Helden Ferdinand Stucker aus dem Weyerhof in Bensberg.

Ferdinand Stucker, Ritter von Weyerhof. Der Bergische Held, geb. 24.9.1772 in Bensberg, gest. 28.12.1824

Auch hier könnte eine Glastafel kurz auf Fragwürdigkeit und Missbrauch des Begriffs aufmerksam machen, wie ich es schon in dem Bürgerportal-Artikel „Denkmal – drüber nach“ vorgeschlagen hatte. Und ein Link zu einer App könnte zu den verdienstvollen Schülerarbeiten zu diesem Thema führen, die im Stadtanzeiger vor ein paar Jahren vorgestellt wurden. (Siehe auch den Wikipedia-Artikel über Ferdindand Stucker und die dortigen Literaturangaben!)

Als ich anschließend den noch vorhandenen Weyerhof in Bensberg aufsuchte, war ich verblüfft. Hier steht tatsächlich noch das Haus dieses Ferdinand Stucker mit einer interessanten Inschrift:

„Hätten die hochetele und hochfurnehme Eheleuthe Herr C.G.H. Gulich und C.G. Pelzxers Verfahlenheit des alten Weyerhauses nicht gesehen so
wäre ich im Iahr 1731 den 17ten Iuly nicht hiehinkommen XVSTH Renov 1828“

Zu meinem Erstaunen erklärte mir die Bewohnerin des Hauses, dass es sich hier um das zweitälteste Bensberger Wohnhaus handelt. Immerhin steht es wenigstens unter Denkmalschutz. Sonst leider keinerlei Hinweise auf die historische Bedeutung des Hauses, das über Ferdinand Stucker ja mit den napoleonischen Kriegen in Verbindung steht.

Die Bewohnerin meinte übrigens auch, dass der Park am Deutschen Platz keine teure Veränderung braucht, sondern eher Pflege, wie an vielen Stellen in Bergisch Gladbach. Auf dem nächsten Foto sieht man zum Beispiel einen Mangel an Pflege in unserem Park, der mit wenig Geld behoben werden könnte:  

Mein Resümee: Liebe Stadtverwaltung, liebe Politiker, lernt eure Stadt erst mal richtig kennen, bevor ihr teure und bürgerferne Projekte plant, die dann womöglich von Leuten im Detail erarbeitet werden, die unsere Stadt noch weniger kennen.

Hinweis der Redaktion: Auf der Facebook-Seite des Bürgerportals ist der Umgang mit dem Hindenburg-Platz 2018 schon einmal geführt worden; damals hatten Georg Becker, Klaus Wohlt und Axel Becker eine geschichtliche Einordnung gefordert.

Und ihr, liebe Mitbürger, benutzt die vorhandenen Schönheiten unserer Stadt und trefft euch dort! Dann entstehen erst gar keine angeblichen Angsträume. Vielleicht könnte man sich in diesem schönen Park ja auch zum Boggiaspielen treffen? Vielleicht hier:                                                 

                        

Engelbert M. Müller

ist pensionierter Lehrer, Mitglied von Wort und Kunst, Verfasser von "Der letzte Lehrer"

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13 Kommentare

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  1. Stimmiger Vorschlag, sozusagen zur schlicht und komprimiert „erschlagenden“ Bilanz des Wk1, in dessen Horizont eben das Mahnmal steht
    – Zitat K. Hansen:
    „Wie wäre es als Ergänzung mit zwei Informationstafeln ohne moralisierende Texte, nur als sachliche Darstellung an zwei Seiten des Platzes, auf der einen mit der Zahlen der im 1. Weltkrieg auf allen Seiten gestorbenen Millionen (junger) Männer? … Und auf der zweiten Tafel die Zahl der zivilen Opfer?“

    Wär‘ also eine Idee …!

    Und was ansonsten die künftig „lockende“ Gestaltung des Platzraums betrifft, vertraue ich mit Hansen auf der Mitbewohner Kreativität i.R. des Bürgerbeteiligungs-Prozesses …

  2. Keiner der bisherigen Kommentare fordert die Abschaffung, Abräumung, die Verfremdung, die Schaffung eines „guten“ Monuments. Es geht lediglich um eine zusätzliche Information.

    Geschichte können wir nicht einfach auslöschen. Aber wir können uns mit ihr auseinandersetzen. Das Denkmal und sein Ursprung werfen Fragen auf.

    Es ist eine Binse, darauf zu verweisen, dass man ein Denkmal aus seiner Zeit heraus verstehen muss. Alles muss man aus seiner Zeit heraus verstehen. Aber rechtfertigt das Verständnis aus der Zeit heraus auch heute noch ein Verständnis für hohle Phrasen? Für verlogene Ehrungen? Nur, weil ein Kriegerverein (und vielleicht auch einige Bürgerinnen und Bürger) in der jeweiligen Zeit so gedacht hat?

    Wir haben es bei diesem Denkmal – und das wird durch den Text der Urkunde offensichtlich –, mit einem geschichtsklitternden Gedenken zu tun. Wie wollen wir heute umgehen mit diesen verlogenen Begriffen des militärischen Gedenkens? Vor allem, wenn wir jetzt mehr über das Entstehen des Denkmals wissen?

    Von einem „Kulturdenkmal“ kann kaum eine Rede sein.

    Wie wäre es als Ergänzung mit zwei Informationstafeln ohne moralisierende Texte, nur als sachliche Darstellung an zwei Seiten des Platzes, auf der einen mit der Zahlen der im 1. Weltkrieg auf allen Seiten gestorbenen Millionen (junger) Männer?
    2.037.000 Deutsche
    1.811.000 Russen
    1.327.000 Franzosen
    1.100.000 Österreicher/Ungarn
    715.000 Briten
    etc.etc.
    9.442.000 gesamte Zahl Gefallener
    Und auf der zweiten Tafel die Zahl der zivilen Opfer? Schließlich hat es im 1. Weltkrieg über 20 Millionen Tote gegeben. Die Millionen Menschen, die in diesem Krieg verletzt und verstümmelt wurden, sind gar nicht berücksichtigt.

    Die Klärung der Begründung für die Namensgebung „Deutscher Platz“ unmittelbar nach dem Ende des Dritten Reiches halte ich für sehr interessant.

    Und was den öden Park und den langweiligen Spielplatz angeht: Da mache ich mir keine Sorgen. Hier gibt es sicher viele gute und kreative Ideen.

  3. Zugegeben: Es gibt Probleme, die ich nicht habe.
    Und es erstaunt immer wieder, welche Probleme von anderen (zumal als besonders relevant) gesehen werden.
    Aber das bleibt gutes Recht eines jeden: Eben Probleme zu sehen oder auch nicht.

    Im Zuge dieser denkwürdigen Denkmal-Diskussion erscheint mir die Position Lothar Eschbachs jedenfalls als die in der Sache / von der Sache her Schlüssigste:

    Zitat: „Ein Ehrenmal, den gefallenen Bensberger Soldaten des Krieges 1914-1918 zu Ehren, im Gedenken an diese Gefallenen, ein „Denk“mal dieser Zeit. Das erfordert jetzt eine neue Interpretation? Damit die Enkel es besser verstehen können?
    Die wunderbare Zumutung selbst denken dürfen zu müssen, lassen wir uns doch diese Freiheit nicht nehmen.
    Wollen wir allen Ernstes dem Betrachter eine „Denkanleitung“ geben, was er beim Anblick dieses „unsäglich kriegerisch“ wirkenden Bauwerks zu denken hat?
    In die Zeit seiner Entstehung projiziert finde ich es geradezu überzeugend und selbsterklärend. Es sind bereits viele gute Erläuterungen zu dem Ehrenmal ziemlich mühelos erfolgt, da gibt es nichts hinzuzufügen.“

    Dazu vielleicht noch ein potentielles Paradox: Geschichtliche Zeugnisse solcher Art sind gewordene Zeugen der in ihrer Zeit gerade werdenden Geschichte. Wenn ich sie im Nachhinein ganz abräume oder komplett verfremde, dann verlieren sie ihre authentische und verliert sich überhaupt jede Zeugenschaft.

    Sprich: Man baute etwa jetzt und im „Geistchen“ unserer ständig hyperventilierenden Gegenwart ein entsprechend „gutes“ Monument dorthin und verwiese zugleich darauf, das vorher ein „böses“ da gestanden habe …

    Das wäre für eine jetzt noch unbekannte Nachwelt zweifellos auch sehr aussagekräftig, würde aber nichts mehr über die Zeit aussagen, um die es ursprünglich / anlässlich gegangen war.

    Somit hält Eschbachs Argumentation stand: Ein informativ erläutertes Originaldenkmal lädt ein zum freien, daher ungleich faszinierenderen Nachdenken über Geschichte überhaupt und im Besonderen eine heute so entlegen scheinende Zeit …

  4. Sehr verdienstvoll, auf diesen eingemauerten Urkundentext und dessen Geist hinzuweisen. Kein Gedanke an die zivilen Opfer, kein Gedanken an die Opfer anderer Nationen, kein Gedanke an Unrecht und Gewalt durch Kriege. Nur Selbstmitleid.
    Für mich bleibt unerklärt, wieso dieser Platz nach 1945 vom „Adolf-Hitler-Platz“ in „Deutscher Platz“ umgetauft worden ist. Vielleicht gibt es Ratsprotokolle aus der Zeit noch im Stadtarchiv. Mit dieser Umbenennungen wird für mich deutlich, dass der heutige Name nicht einfach nur ein Name ist.

  5. Viel bedenklicher als gedacht erscheint mir mittlerweile das sogenannte Gefallenen-Denkmal am Deutschen Platz. Ich las nämlich in der Broschüre “Ehrenmal und Gedächtnis” des Stadtarchivs den verdienstvollen Aufsatz der Schülerin Julia Höchel. Hier wird die Urkunde zitiert, die damals in den Grundstein eingemauert wurde. Sie ist erschütternd wegen ihrer militaristischen und revanchistischen Art: “Nachdem Deutschland mit der tüchtigsten Armee der Welt im Weltkriege 1914-1918 nicht besiegt, sondern nur durch die Übermacht seiner Feinde aus fünf Erdteilen erdrückt, durch Absperrung ausgehungert ist und infolgedessen den Krieg verloren hatte, regten sich allerorten im Deutschen Vaterland die dankbaren Hinterbliebenen, den tapferen Gefallenen Ehrenmäler zu errichten. Möge das Ehrenmal den nachfolgenden Geschlechtern eine Erinnerung an die Großtaten ihrer Vorfahren und ein Ansporn zur Nacheiferung sein und möge es eine bessere Zukunft des deutschen Vaterlandes schauen!” Das Denkmal wurde auch nicht, wie ich gedacht hatte, von der Gemeinde initiiert, sondern vom Kriegerverein, in dem wohl auch die Dolchstoßlegende gepflegt wurde. Neue Gründe, über die Zukunft des Denkmals intensiv nachzudenken, für uns alle!

  6. Was der eine für überfällig hält, hält der andere für überflüssig.

    Entschuldigung, aber was für eine „Geisterdiskussion“.

    Ein Ehrenmal, den gefallenen Bensberger Soldaten des Krieges 1914-1918 zu Ehren, im Gedenken an diese Gefallenen, ein „Denk“mal dieser Zeit. Das erfordert jetzt eine neue Interpretation? Damit die Enkel es besser verstehen können?

    Die wunderbare Zumutung selbst denken dürfen zu müssen, lassen wir uns doch diese Freiheit nicht nehmen.

    Wollen wir allen Ernstes dem Betrachter eine „Denkanleitung“ geben, was er beim Anblick dieses „unsäglich kriegerisch“ wirkenden Bauwerks zu denken hat?

    In die Zeit seiner Entstehung projiziert finde ich es geradezu überzeugend und selbsterklärend. Es sind bereits viele gute Erläuterungen zu dem Ehrenmal ziemlich mühelos erfolgt, da gibt es nichts hinzuzufügen. (Wenn es dann heute im digitalen Zeitalter noch sein muss, das auch noch ausgeleuchtet mit allen Interpretationen und Eventualitäten in Schriftform für den uninformierten Betrachter auf eine Tafel.)

    Kulturdenkmale gelten gemeinhin auch als das Gedächtnis eines Gemeinwesens. Um was geht es also hier?

    Die Namensgebungen „Deutscher Platz“ und „Hindenburgplatz“ sollten unverändert erhalten bleiben, wobei eine Tafel mit Erläuterungen zu Paul von Hindenburg eine sinnvolle Ergänzung sein könnte und das gleich an mehreren Stellen aufgestellt.

    Genauso würde eine Informationstafel zu Ferdinand Stucker, einschließlich eines Hinweises auf weitere Spuren von ihm in Bensberg, die Darstellung sehr gut ergänzen. Ein Hinweis mit QR Code zu den Quellen wäre in allen Fällen hilfreich.

    Ein Freischnitt der Parkanlage, die Hecken etwas niedriger, alles von überall besser einsehbar, den Kinderspielplatz vielleicht noch um eine Schaukel, ein Wasserspiel erweitert und aufgefrischt, die Bänke neu mit Holz belegt, vielleicht noch zwei, drei Bänke hinzugefügt und gut ist es.

    Natürlich wäre eine Überarbeitung des Aufgangs aus der Allee zu „Miguels“ im geraden Verlauf der Allee wünschenswert, links davon könnte dann eine größere Terrasse entstehen, wobei die Kopflinden wieder vervollständigt werden sollten und auch eine Beleuchtung insbesondere der Kopflinden aus dem Boden am Abend die „dunkle Ecke“ attraktiv gestalten könnte.

  7. Neben guten praktischen Vorschlägen zwecks (weiter) öffnendem Erschließen besagten Platzraumes und dem Schaffen / Steigern einer möglichst allgemeinen Aufenthaltslust dort, sind auch die erwartbar gewesen „nominalen“ Überlegungen recht interessant:

    Denn es stimmt: Der Hindenburg soll die ihm zum nachmaligen Status eines Weltkriegs-Heroen verholfen habende sog. „Tannenberg“-Schlacht tatsächlich weitgehend verschlafen haben.
    Und überhaupt war es das Können seines Kollegen Erich Ludendorff (einer der verhängnisvollen „Erichs“ in der dt. Gesch.) und, mehr noch, des weit weniger bekannten Max (glaube ich) Hoffmann, die der deutschen Seite weiland dort zum Siege verhalfen.
    Aber wie so oft: In der Kühlerfigur kulminiert eben der Ruhm …

    Sollte indes der damals gerade viertelfrisch wieder aktivierte Militärpensionär den Initial-Event an der Ostfront wirklich verpennt haben, ließe sich daraus doch eine Art „passiver Widerstand“ oder mindestens eine indirekte Haltung der Verweigerung ableiten …

    Dann wäre der Platzname eigentlich kein Problem – Wenn eben derselbe Hindenburg nicht knapp 20 Jahre später noch einmal (übertragenen Sinnes) „gepennt“ hätte (mit ungleich dramatischeren Nachwirkungen).

    Ja, der Schlaf. Auch im Blick auf das selbstredend kritische Beleuchten der im dortigen Mahnmal inschriftigen „Treue“ lässt sich da ja eine Brücke schlagen:
    Denn die „Treue“ in zumal lange friedensbeschenkten Zeiten bezieht sich in ihrer dramatischen Form dann eher privat auf das Schlafverhalten bzw. ein bestimmtes Verhalten bei einer bestimmten Form des Schlafes, welches im ungünstigen Fall als „Treuebruch“ erkannt und mit entsprechenden Folgen belegt wird …

    Auf einem offen, einladend und gefällig gestalteten Platz könnte natürlich solchen Gelegenheiten (vor allem unter langen, wettergünstigen Sommerabenden) zumindest im einleitenden Ansatz Vorschub geleistet werden
    – Man sollte dessen eingedenk in der Tat (bzw. vor der Tat) eine diskret an- bzw. sozusagen „abregende“ Tafel aufstellen: „Üb´ immer Treu´ und Redlichkeit“!

    Und wie der Platz heißen soll: Sollte eine Mehrheit der ortsansässigen Bevölkerung die Meinung vertreten, die Benennung solle geändert werden, wäre es demokratisches Gebot, es zu vollziehen, dann vielleicht auch verbunden mit einem Vorschlags-Wettbewerb.

    Falls solcher Änderungswunsch nicht besteht, erübrigte sich das.

  8. Wenn ich die Inschrift in dem Denkmal richtig verstanden habe, wird den BENSBERGER Gefallenen gedacht. Es ist deshalb müßig an alle Gefallenen des 1. Weltkrieges zu gedenken.
    Dass die zivilen Opfer Bensbergs nicht erwähnt werden ist wohl der damaligen Einstellung der Menschen geschuldet; ein diesbezüglicher Hinweis in der vorgeschlagenen Erläuterung bzw. der sicherlich sehr sinnvollen App ist wünschenswert.

    Eine ordentliche Grundpflege (Sträucher schneiden, Bäume stützen, Wege ausbessern, Bänke austauschen) reicht m.E. aus, um die Plätze ansehnlicher zu machen.

    Der vorgeschlagene Kiosk wäre eine tolle Sache! Aber neben der Errichtung des Kioskgebäudes müsste eine Toilettenanlage errichtet werden, Aussen- und Innen-Sitzplätze für den Sommer- und Winterbetrieb entstehen etc. Und spätestens da stellt sich die (hier nicht) karnevalistische Frage “Wer soll das bezahlen?”. Und auch die Frage nach dem betriebswirtschaftlichen Risiko ergibt sich. Wer würde einen solchen Kiosk betreiben wollen?

    Die Betontreppe aus den betonwütigen 70ern könnte auch m.E. endlich verschwinden.

    Den radikalen Umgestaltungs- und Umbenennungswünschen sollte man sich widersetzen! Hindenburg war, bei allem evtl. kritisch zu betrachtenden Tun, nun mal eine Person deutscher Geschichte. Und was ist an dem Namen “Deutscher Platz” verwerflich? Das hat nichts mit “Nationalstolz” (á la AFD) zu tun, sondern ist nur ein Name!
    Das gesamte Ensemble in “Friedensplatz” umzubenennen, ist jedoch ein akzeptabler Vorschlag.

  9. Eine Diskussion über den „Deutschen Platz” und den „Hindenburgplatz“ ist überfällig. Geschichte können wir nicht einfach auslöschen. Aber wir können, wir müssen uns mit ihr auseinandersetzen.

    Es drängen sich Fragen auf: Wollen wir militärische Gedenktraditionen hochhalten? Wie gehen wir mit diesem Gedenken um? Gibt es Formen des Gedenkens, die weniger verlogen sind? Und ganz wichtig: Was ist deutsch am „Deutschen Platz“?

    Auf der Säule stehen die pathetischen Worte TREUE UM TREUE zum Gedenken an die deutschen Gefallenen des 1. Weltkriegs. Allein auf deutscher Seite sind über zwei Millionen meist junge Männer gestorben. Die zivilen Opfer sind gar nicht erwähnt.

    Auch wenn der Spruch TREUE UM TREUE aus der Zeit der Befreiungskämpfe gegen Napoleon stammt: Es ist nur folgerichtig, dass die Bundeswehr den Spruch im Juni 2014 durch Erlass verboten hat, weil er auch der Wahlspruch der Fallschirmspringer der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg war. Der Spruch könnte als Bekenntnis der Bundeswehr zu Traditionen der Wehrmacht missverstanden werden.

    TREUE UM TREUE war auch der Wahlspruch Paul von Hindenburgs, dem der Sieg von Tannenberg (August 2014) zugeschrieben wurde. Hindenburg allerdings traf nach den Erkenntnissen namhafter Historiker kaum Entscheidungen in dieser Schlacht. Er selbst „erwähnte wiederholt, dass er während der Schlacht sehr gut geschlafen habe“ (Wikipedia).

    Opfer in dieser viertägigen Schlacht wurden auf beiden Seiten über 40.000 Männer – verwundet oder gestorben, während Hindenburg gut geschlafen hat. TREUE UM TREUE.

    Wie wäre es als Ergänzung zur Säule auf dem Deutschen Platz mit einer Wand, auf der die Zahl der im 1. Weltkrieg auf allen Seiten verheizten Millionen (junger) Männer aufgezählt werden?

    Deutsche 2.037.000
    Russen 1.811.000
    Franzosen 1.327.000
    Österreicher/Ungarn 1.100.000
    Briten 715.000
    etc.etc.
    Gesamte Zahl Gefallener 9.442.000

    Fazit Gedenken:
    Eine Gedenkstätte sollte, wenn es denn zu einer Ergänzung kommt, auf das Verbrechen der Kriege und auf die Opfer aller Nationen Bezug nehmen. Soldatische wie zivile. Jedes Pathos, jeder Nationalismus sollte dabei vermieden werden. Nicht einfach, weil konservative Kräfte eher zu pathetischem Gedenken neigen.

    2. Park und Spielplatz
    Aber es geht ja bei der Bürgerbeteiligung um mehr: Es soll ja ein langweiliger Park neu gestaltet werden, damit er von Bürgerinnen und Bürger angenommen und genutzt wird. Dazu sollte ein attraktiver Spielplatz gestaltet werden. In seiner bescheidenen Lage in der Südwestecke wirkt dieser heute eher geduldet als ein großzügiges Angebot an Kinder.

    Wie wäre es mit „Friedenspark“? In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war man schon soweit.

  10. Man sollte den historischen Hintergrund stärker beleuchten. Nachdem in der Gladbacher Aristokratie “teile und herrsche” gilt, bin ich offiziell kein Bensberger mehr, erlaube mir dennoch einige Anmerkungen…*

    Das Denkmal am Deutschen Platz, das sicher verstörend ist, kann nur mit den Denkmälern auf dem Bensberger Friedhof und an anderer Stelle gemeinsam gedeutet werden. Als ich an einem Bensberger Gymnasium (heute kann vermutlich kein Verwaltungsspezialist sagen, wo diese Schule liegt, am Bensberger See, im Refrather Grundbuch, im Bensberger Kirchenbezirk, in Lückerath oder vielleicht doch einfach in Bensberg?) den Leistungskurs Geschichte besucht habe, führte uns unser Leher Herr Schmitz nach Bensberg, um die Zeit zwischen 1870 und 1945 in Denkmälern nachzuvollziehen. Da sind am Schloss die Kanonen und Statuen, die in Richtung Frankreich gucken und Einschusslöcher aus 1945 aufweisen, der Deutsche Platz, wo die technokratischen Soldaten in alle Richtungen schauen, um die “Umzingelung” des damaligen Reiches nach dem 1. Weltkrieg darzustellen und nicht zuletzt das Denkmal (für den 2. Weltkrieg) über dem Bensberger Friedhof, das in seiner Ohnmacht über allem ragt.

    Jetzt kommen sicher wieder die Gewinner irgendwelcher Ausschreibungen und wollen Sichtachsen schaffen. Früher war sicher nicht alles toll, aber heute ist mit Sicherheit nicht alles besser!

    *Es wäre wünschenswert, wenn man nicht einfach Stadtteile wie Lückerath oder Bockenberg erfindet. Die Hoffnung, dass das in politischen Kreisen einmal wahrgenommen wird, habe ich leider verloren…

  11. Lieber Herr Müller,

    zunächst vielen Dank für Ihren Einsatz und Ihr Interesse.

    Als Anwohner kenne ich den Deutschen Platz sehr gut und daher möchte ich die Gelegenheit nutzen Ihren Beitrag zu kommentieren.

    Zunächst einmal zur Klärung: selbstverständlich gibt es ein Straßenschild mit der Bezeichnung Deutscher Platz. Direkt an der Gladbacher Straße.

    Ob die beiden Denkmäler zeitgemäß sind, lässt sich sicherlich diskutieren. Meiner Auffassung nach spiegeln sie den Zeitgeist zum Zeitpunkt der Errichtung wieder, wie eigentlich jedes Denkmal. Das macht es ja dann erst zu einem Denkmal. Das hier noch zusätzliche Aufklärung betrieben werden sollte erscheint mir übertrieben.

    Die Chance den Platz aufzuwecken und aufzuwerten sollte man meines Erachtens unbedingt nutzen. Zentrale Grünflächen wie diese sind in Bensberg Mangelware.

    Ein reines: weiter so! kann es nicht sein.
    Der Spielplatz wird tagsüber kaum genutzt und abends verkommt er zum Angstraum.
    Die Treppe (Betonklotz) zum Restaurant Miguels ist ein Monstrum, das sicherlich Raum für Verbesserung bietet.
    Als großen Wurf, würde ich die seinerzeitigen Pläne des Architekten Rotterdam empfehlen: den Parkplatz wieder zur Grünfläche umwidmen und damit die Fläche des Parks vergrößern.

    Ich bin gespannt ob hier eine Chance genutzt wird und was am Ende umgesetzt wird. Ein reiner Grünschnitt und der Austausch von ein paar Parkbänken wäre für mich echt enttäuschend.

  12. Danke für den Beitrag!

    Die Tafel für Ferdinand Stucker ist mir tatsächlich noch nie aufgefallen…der schwarze Klotz dafür umso mehr. Es braucht schon viel Phantasie, um in den Gesichtern “etwas Leidendes” zu erkennen. Mich erinnern sie eher an die typische martialische, leicht stilisierte Ästhetik der Nazizeit. Nicht nur deswegen empfinde ich den Klotz als kriegsverherrlichend und würde mir eine zeitgemäße ‘Kommentierung’ in Form eines zweiten Denkmals oder einer Umarbeitung wünschen.

    Was den Park und Platz angeht, kann ich den Passant*innen nur zustimmen: Es braucht keine (nennenswerte) Umgestaltung, sondern Pflege – und Ideen, wie die Flächen von der Bevölkerung besser angenommen werden könnten. Das Problem ist die ungünstige Lage am Rand der Innenstadt; wenige Menschen kommen ‘auf dem Weg’ zufällig hier vorbei.

    Was könnte ein Grund sein, einen Park gezielt aufzusuchen?
    Ein Springbrunnen, ein ‘besonderer’ Spielplatz? Tiere, wie auf dem Lückerather Anger? Ein kleines Büdchen mit Tischen, das im Sommer Eis, im Winter Bergische Waffeln verkauft?

  13. Da sind zwei Zitate von E.M.Müller, die eine ausdrückliche Wiederholung verdienen:

    1) „Liebe Stadtverwaltung, liebe Politiker, lernt eure Stadt erst mal richtig kennen, bevor ihr teure und bürgerferne Projekte plant, die dann womöglich von Leuten im Detail erarbeitet werden, die unsere Stadt noch weniger kennen.“

    — was dann auch noch (wie in Bensberg-City) zu einem überbordenden „Sichtachsen-Salafismus” oder Kettensäge-Konvulsionen zur Schaffung künftig „artenreiner Baumkulturen“ führen kann. Braucht man beides nicht!

    2) „Und ihr, liebe Mitbürger, benutzt die vorhandenen Schönheiten unserer Stadt und trefft euch dort! Dann entstehen erst gar keine … Angsträume.“

    — wenn dann auch noch jeder darauf achtet, evt. selbst verursachten Müll in einen Abfallkorb zu entsorgen oder wieder mitzunehmen und sich per stimuliert lebendiger Mischnutzung solcher Orte (durch jung und alt etc.) die Wahrscheinlichkeit einschlägig „monogamen Vandalismus‘ “ gegen 0 reduziert, wäre doch schon viel gewonnen …