Marlis Sauer mit den Künstlerinnen, Nirma Siesenop (links) und Antje Schlenker-Kortum. Im Hintergrund die Gemälde von Chamilla Gamage.

Am Freitag eröffnet die Ausstellung Human//Nature #1 im Basement16 in der Schlossstrasse: ein künstlerischer Vorstoß, mehr Bewusstsein für Klimaschutz zu schaffen und einen gesellschaftlichen Wandel anzuregen. Organisatorin Marlis Sauer und zwei der drei ausstellenden Künstler:Innen erläutern, was dahinter steckt.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Helga Niekammer

Human//Nature lautet der Titel der neuen Ausstellung in Kunstraum an der Schlossstrasse. Das klassische Künstler-Thema „Mensch und Natur” könnte man meinen. Aber human nature kann man ebenso mit Menschenkenntnis oder mit menschlicher Natur übersetzen. Ein interessanter Fingerzeig.

Klimaschutz: fast vergessen

Das Thema Klimawandel sei sei mit den „Fridays for Future-Demos“ vor der Coronakrise deutlich präsenter gewesen. Sie fühle sich oft hilflos, so wie viele andere auch, sagt Marlis Sauer, die die  Ausstellung „Human//Nature” organisiert hat.

Hinweis der Redaktion: Antje Schlenker-Kortum ist Kunstreporterin des Bürgerportals und Künstlerin. Daher spielt sie in diesem Beitrag eine Doppelrolle.

Für den Klimaschutz könne man als Einzelperson nicht viel machen, außer vielleicht einen bienenfreundlichen Garten anzulegen. Diese Ausstellungsreihe sei ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Umdenken. „Wir haben alle das selbe Problem: Die Erde ist klein. Wir stehen vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen”, erklärt Sauer.

Aber sie ist zuversichtlich: „Die Probleme mögen in jedem Land unterschiedlich sein – aber es gibt auch viele Gemeinsamkeiten“.

Was sie genau damit meint, das zeigt sie in der Zusammenstellung der Künstler und Werke.

Feuerwerk oder Vulkan? Im Sanskrit gibt es nur ein Wort dafür. Die Deutung lässt Nirma Siesenop offen. Foto: Helga Niekammer

Nirma Siesenop, ist in Sri Lanka geboren und lebt und arbeitet in Lohmar. In ihrer Malerei verwendet sie verschiedene Mischtechniken  – wie sie arbeitet, kann man in einem der Künstlervideos sehen.

Nirma Siesenop. Foto: basement16

„Meine Bilder sollen zeigen, wie wunderbar wir es auf der Erde haben. Ich male die Schönheit der Natur und ich male auch ihre Zerstörung. Diese ungewöhnlichen Farben sind die Farben meiner Heimat Sri Lanka. Unwillkürlich werden innere Bilder hervorrufen –  man denkt an märchenhafte Unterwasserwelten mit prächtigen Korallen oder an sonnendurchflutete Landschaften. Der Mensch ist so klein!“, sagt die Malerin und verweist auf Naturgewalten, wie beispielsweise der Ausbruch eines Vulkans.

Deswegen male sie auch menschengemachte Gewalt, wie beispielsweise  der Dynamitfischerei, die in Sri Lanka leider keine Seltenheit ist. Die langfristigen Auswirkungen auf Natur-, Tier- und Menschenwelt sind unermesslich.

Wenn man das weiß, könne man in den abstrakten Strukturen auch gegenständliche Dinge erkennen, sagt sie, während sie auf schwarze Silhouetten deutet. Aber dennoch sei sie nicht politisch, wie sie betont – als Künstlerin drücke sich naturgemäß in Kunst – in Malerei – aus.

100 „Candlemen“ des sri-lankischen Künstlers Chamilla Gamage wurden im Basement16 aufgestellt. Alle tragen Kerzen – aber nicht alle sind erleuchtet. Foto: Helga Niekammer

Chamila Gamage wird wegen der Reisebegrenzung nicht aus Sri Lanka anreisen können. Doch mit seiner Arbeit ist er umso präsenter. In seiner Heimat ist er eine Berühmtheit. Human//Nature ist seine erste Ausstellung in Europa.

Zu sehen sind 100 Skulpturen und vorerst fünf seiner Gemälde. „Geplant war ursprünglich so viel mehr.“, bedauert Marlis Sauer. Aber dann kam der Lockdown.

Chamila Gamage. Foto: basement16

Gamage sei in seiner Malerei zwar spürbar religiös geprägt aber er ist kein religiöser oder politischer Maler – wobei die Geschichte seiner Heimat ein interessanter Schlüssel zum Verständnis ist, verrät Nirma Siesenop. Seine Werke haben viele auf historische Bezüge, wie beispielsweise die Kolonialherrschaft. Zugleich findet man vertraute Bezüge zu Gesellschafts- und Konsumkritik.

„Dialog with Nature” von Chamila Gamage. Foto: basement16

Viele Elemente bedienen sich vertrauter, archetypischer Symbolik. Chamilla Gamage malt collagenartig, teils abstrakt, teils gegenständlich. Man spüre eine sehr tiefgründige Auseinandersetzung, mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, sagt Sauer– wie beispielsweise im Bild „This is an island“ (Foto ganz oben).

Basement16
Schlossstr. 16, Bensberg
Öffnungszeiten: Freitag: 15-18 Uhr, Samstag/Sonntag: 11-15 Uhr
Website

Marlis Sauer ist fasziniert vom natürlichen Spieltrieb, den die Skulpturengruppe „Candleman“ auslöst: Mit kindlicher Begeisterung stellt sie zwei Kerzen-Männer gegenüber, „die miteinander reden“.

„Der Betrachter macht die Kunst – mit Überwachungsspiegel”: Antje Schlenker-Kortum beobachtet die „Kunstbetrachter“ beim Betrachten der Kunst. Da sie sich im Konvexspiegel spiegelt, wird sie selbst Teil des betrachteten Bildes. Foto: Helga Niekammer

Antje Schlenker-Kortum ist Kunstreporterin und Künstlerin, und erläutert: „Text und Bild sind Ausdrucksformen, die bei mir zusammen gehören – vielleicht, weil Betrachter und Kunstschaffende gleichermaßen mein Thema sind.

Antje Schlenker-Kortum. Foto: Helga Niekammer

Seit 2003 arbeite ich an der  Konzeptkunstserie ‘Der Betrachter macht die Kunst’ – eine teils interaktive Installation, die ich je nach Ausstellungsraum oder -thema verändere, erweitere oder relativiere. Sie besteht aus Betrachterfiguren aus Gips und Zusatzelementen – beispielsweise einem Konvexspiegel.

Für Human//Nature habe ich die Installation „im kleinen Glas“ entwickelt – Miniaturfiguren im Deko-Glas. Im Objekt „wachsende Insel“ schwimmen sie auf Styropor. Die anderen Objekte heißen „halbvoll“, „Hochkultur“ oder „Komforthöhle“.

Außerdem zu sehen: die Fotoreihe „Instant Installation“, die die Figuren vor gefundenen Müll in der Natur zeigt. Ganz gleich, was die Figuren betrachten, es wird per Titel zur Kunst erhoben. Das ist eine Behauptung – schon deswegen ist es provokant. Aber erst in der persönlichen Auseinandersetzung damit, inwiefern der Betrachter die Kunst macht, werden die realen Betrachter selbst schöpferisch.“

Künstlerische Mittel und Wege

Der Aufwand für die Durchführung von Veranstaltungen ist heutzutage immens – aber für die allermeisten Kunst- und Kulturschaffenden ist er alternativlos. Marlis Sauer, Initiatorin und Betreiberin des Kunstraums Basement16, ist sichtlich erleichtert, dass die im März verschobene Ausstellung nun doch noch stattfindet.

Human//Nature
31.7. bis 30.8.
Vernissage: 31.7. um 18.30 Uhr und um 19.30 Uhr
Musik: Winfried Bode
Projekt Wortimpulse Daniela Tepper
Laudatio: Wolfgang Kraus

Die Auflagen sind streng – vorherige Anmeldung, Mindestabstand und Desinfektion sind ein Muss. Es wird zwei Vernissagen geben, alles wird es doppelt aufgeführt: die Wort-Impulse von Autorin und Journalistin Daniela Tepper, die Laudatio von Wolfgang Kraus und Winfried Bode wird zweimal Gitarre spielen.

Human//Nature #1 – Auftakt einer Projektreihe

Im regelmäßigen Turnus will Marlis Sauer Künstler für Ausstellungsprojekte in die Basement16 und auf ihrer Homepage einladen. Künstler sollen außerdem bergische Schüler inspirieren und bei eigenen kreativen Umweltprojekten unterstützen.

Alle Werke stehen zum Verkauf – ein Teil des Erlöses soll dem Naturschutzbund NABU-Rhein-Berg-Kreis zugutekommen.

Aber, ob da alles so klappt? „Wir werden sehen, was Corona uns bringt“, sagt Sauer. Diese Ausstellung stimmt dennoch hoffnungsvoll – denn sie erinnert uns an Zeiten, in denen unsere Gesellschaft  im Wandel war und  verwandelt wurde – und nicht nur unsere. Ein Grund mehr, sich für die Kultur der Anderen zu interessieren und miteinander zu reden.

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