Noch Ende Februar wurde das neue Motto freudig verkündet. Dann kam Corona.

Die großen Akteure des Bergisch Gladbacher Karnevals akzeptieren das Unvermeidliche und sagen die Session 2020/2021 weitestgehend ab. Es gibt keine Züge, kein Dreigestirn, kein Kinderdreigestirn. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein wenig leisen, handgemachten Karneval.

„Manege frei, mir sin dobei“ – dieses Motto hatten die Vereinigung zur Erhaltung und Pflege heimatlichen Brauchtums, die Große Gladbacher KG, das Festkomitee Bensberger Karneval und die KG Große Bensberger Ende Februar voller Vorfreude verkündet. 

Doch nur wenige Wochen später, so konstatieren die Akteure des lokalen Karnevals jetzt, wurde klar, dass „neben dem Bazillus Karnevalitis auch das Corona-Virus grassiert“.  Solange es keinen Impfschutz gebe helfe nur Abstand. 

„Abstand halten und wie gewohnt Karneval feiern passen aber nicht zusammen“, urteilen die Gesellschaften – und ziehen die Konsequenzen. „In Verantwortung für die Menschen und mit Respekt für das Brauchtum haben wir uns daher entschlossen, in der kommenden Session auf wesentliche Teile der bewährten Tradition zu verzichten“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. 

Keine Züge, keine Tollitäten

Damit sind auch die Züge in Gladbach und Bensberg abgesagt; Refrath hatte das schon zuvor beschlossen. Das sei „für alle Karnevalsfreunde sehr schmerzlich, insbesondere für die Gläbbischer Jecken, die dadurch Karnevalssonntag verzichten müssen“, sagt Vereinigungsvorsitzender Martin Gerstlauer. 

Auch die Karnevalsbälle, Partyformate und gesellige Karnevalssitzungen können nicht stattfinden. Dafür habe die Entscheidung der Landesregierung vor allem den kleineren Gesellschaften Planungs- und Rechtssicherheit gegeben, sagt Gerstlauer. 

Den Karnevalsgesellschaften würde es keinesfalls helfen, wenn sie auf der einen Seite teure Künstler verpflichtet haben und Verträge eingegangen sind, auf der anderen Seite aber nur  ein Bruchteil des Publikums einlassen können, sagt Frank Reiländer, Vorsitzender des Festkomitees Bensberger Karneval. „Diesen kann nur durch eine generelle, behördliche Absage geholfen werden, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.“

Die Große Gladbacher hat zudem entschieden, in der kommenden Session kein Dreigestirn ins Rennen zu schicken. Das Dreigestirn besuche ja nicht nur die großen Sitzungen, sondern vor allem auch viele klein Veranstaltungen in Schulen, Krankenhäusern, Altenheimen und anderen sozialen Einrichtungen – was derzeit nicht denkbar sei. 

Aus den gleichen Gründen hat auch das Festkomitee Bensberger Karneval entschieden, auf ein zu verzichten. Neben dem gesundheitlichen Risiko könne man den Tollitäten auch nicht zumuten, 100  Prozent der Kosten aufzubringen und nur 20 Prozent Spaß zu haben, so der Geschäftsführer der Vereinigung, Gisbert Schweizer. 

Leise Töne, handgemachter Karneval

Stattfinden können nur noch kleinere karnevalistische Kulturveranstaltungen unter Einhaltung der Coronaschutzverordnung. „Vielleicht ist dies eine Chance für eine Session der leisen Töne und des handgemachten Karnevals“, verbreitet Frank Reiländer, ein wenig Optimismus. Hier seien Phantasie und Kreativität gefragt.

Der Präsident des Festkomitees Bensberger Karneval, Gerd Breidenbach, legt Wert auf die Feststellung, dass Brauchtumsvereinigung und Festkomitee ihre Entscheidungen bewusst nicht voreilig getroffen und eng mit ihren Mitgliedsgesellschaften abgestimmt haben, um diese nicht zusätzlich unter Druck zu setzen.

„Sollte sich die Situation zu Beginn des Jahres verbessern, können wir mit alternativen und spontan umsetzbaren Konzepten auf Abstand Zusammenhalt finden“, erläutert Martin Gerstlauer, dass es eine Session wie keine andere zuvor geben wird.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. „Neben dem gesundheitlichen Risiko könne man den Tollitäten auch nicht zumuten, 100 Prozent der Kosten aufzubringen und nur 20 Prozent Spaß zu haben, so der Geschäftsführer der Vereinigung, Gisbert Schweizer.“
    Wem der Sinn und die Grundsätze von Karneval wirklich wichtig wären, der würde auch und BESONDERS in schlechten Zeiten im kleinen Rahmen Dreigestirn sein und Freude in die Altersheime, Kindergärten und Krankenhäuser bringen, wenn dies am dringendsten nötig ist. Wenn man nur will, geht das auch unter Einhaltung der Corona-Regeln. Nur egoistische Selbstdarsteller verschieben lieber um ein Jahr und warten, bis ihnen die Massen wieder gebührend zujubeln können.

  2. KW 14 (30.3.-6.4.20); 408K Tests; 36,9K positiv, entspricht ca. 9% (Positivquote). Relatives und absolutes Maximum der positiv Getesteten in Deutschland. KW 22-37 dümpelt die Positivquote zwischen 1,37% und 0,59% der Getesteten. Die Anzahl der Tests wird jedoch seit der KW34 auf über 1000K/Woche gefahren. Logisch, dass die absoluten Zahlen in die Höhe schießen. Cui bono? [Quelle: RKI Bulletin 38/20, S. 15]

    Karnevalisten waren schon mal mutiger, den Herrschenden den Spiegel vorzuhalten.